Der Anfang deiner eigenen Entwicklung liegt in dir selbst. Ying-an
Von den 3 Tagen mit Silvia und Detlef, Antje und Lena und Jonte und mir, war unsere Radtour mit Grenzerfahrung das größte Erlebnis. Wir waren in der Wildnis des Nationalparks. Unsere Gruppe hat sich zweimal geteilt. Antje, Lena und Detlef wollten auf der Etappe 8 zwischen Kratzeburg und Federow lieber den Radweg nehmen, der aber eine andere Streckenführung hat, als der Wanderweg des M-Müritz-Nationalparkwegs. Silvia, Jonte und ich sind auf der Original-Route geblieben. Das waren 27 Kilometer über Stock und Stein, gefühlt 54 Kilometer. Ich hatte noch über 20 Kilo Gewicht auf dem Gepäckträger im Kindersitz. Immer wieder haben wir Jonte absteigen und laufen lassen – er ist meistens gerannt, auch die langen oder steilen Anstiege bergauf – und ohne seine Ausdauer, wär es kaum zu schaffen gewesen. Als wir nach einem Drittel der Strecke bei Birgit in Bocksee Pause gemacht haben, waren unsere Kräfte schon zum großen Teil verbraucht.
Der Schwierigkeitsgrad des Wanderwegs ist mit schwer angegeben und ich hab gesagt, entweder wird es mit Fahrrädern leichter oder noch schwerer. Das zweite war es. Alle waren am Ende, als wir uns dann in Federow getroffen haben, von wo aus wir dann mit dem Nationalparkbus mit Fahrradanhänger zurück nach Waren gefahren sind. Das war auch so geplant, nur dass die 3, die den Fahrradweg genommen haben, auch mit im Bus saßen, obwohl sie die 9 Kilometer bis Waren noch locker schaffen wollten. Das war eine Tagestour von 8 Stunden mit Zuckersand-Wegen, Schotterwegen, Graswegen, Uferwegen mit Wurzeln, umgestürzten Bäumen im Weg, Steine im erst noch kleinen Rinnsal der Havelquelle, die da entspringt, über die wir die Fahrräder heben mussten – Jonte wieder runter, Jonte wieder rauf – und alles bergab, bergauf. Das ist die Endmoränen-Gabel da, wie es auf einem Schild stand. Nicht nur Gabel, auch Messer und Löffel, war mein Kommentar, als ich völlig fertig, mal wieder abgestiegen bin.
Jonte hat zwischendurch nur einmal gesagt, ich kann nicht mehr, und für seine gerade 4 Jahre ist das eine herausragende sportliche Leistung. Er hat bestimmt ein Drittel der Strecke im Laufschritt zurückgelegt und noch gesagt: Wir machen ein Wettrennen – Junge gegen Fahrrad und ich gewinn! Als er seinen Tiefpunkt hatte, hab ich gesagt: Es gibt einen Spruch, Jonte. Egal, ob man sagt, ich schaff das, oder ich schaff das nicht, man wird immer Recht behalten. Wenn man sagt, ich schaff es – schafft man es, wenn man sagt, ich schaff es nicht, schafft man es nicht. Als ich dann später durchhing, nach einer langen Strecke Zuckersand im Wald bergauf, hat er mich aufgebaut. Oma, wenn ich das schaff, schaffst du das auch!
Wir waren uns alle einig – das war eine tolle Tour. Hinterher, als wir sie geschafft hatten.