Heute ist Donnerstag, der 23. Januar

Meine letzte Bewerbung war die bei Guti-Gutshaus, Ende August vor 2 Jahren. Da war die Saison eigentlich schon gelaufen. Bis Juli war ich bei Dana in der Praxis und hab mir danach 4 Wochen Auszeit und Sommerurlaub gegönnt, bis ich das Angebot fand. Ich hab mich nicht online beworben, wie man es sollte, sondern hab die angegebene Nummer angerufen und weil ich keinen erreicht habe, auf AB gesprochen: Ich möchte mir erstmal anhören, ob es überhaupt für mich in Frage kommt. Die meisten Angebote in der Gastronomie hier sind nämlich verkappte Putzjobs, wie ich aus vorausgegangenen Bewerbungen erfahren habe.

Dann kam gut zwei Wochen erstmal nichts und als ich zu Martina gesagt hab, das wird wohl nichts mehr, hat mich die Chefin angerufen und gesagt, das ist irgendwie untergegangen auf AB. E-Mail, wie angegeben, wäre besser gewesen. Dann hat sie mich eingeladen, mir das mal anzugucken – gleich am nächsten Tag. Als ich ankam, saß sie mit ihrem Mann noch gemütlich beim Frühstück. Da ich überpünktlich da war, hab ich gesagt: Ich guck mich draußen mal um und komm dann wieder. Dann ein kurzes Gespräch und am nächsten Tag war ich schon zur Probe da – am 31. August. Ab 1. September war ich eingestellt. Das war Liebe auf den ersten Blick – gegenseitig. Mein größtes Plus: Zeitliche Flexibilität – ihr größtes Plus: Genau so hab ich es mir vorgestellt …

 

Heute ist Mittwoch, der 22. Januar

Wir haben vorletzte Semesterwoche, ich bin froh, dass es bald vorbei ist, schreibt meine Tochter, Uni Rostock, Sprachenzentrum, Fachbereich Englisch. Ich muss an den Witz über Lehrer denken: Lehrer ist ein schöner Beruf – wenn die Schüler nicht wären. Nur, dass die Schüler Studenten sind.

Was bei ihr Semester ist, ist bei mir Hauptsaison. Die fängt erst Ostern langsam an. Jetzt, in der Nebensaison, ist es entspannt.

08:30 Uhr Klopfen an der Scheibe, ich saß grad am Laptop und es hat 2 Sekunden gedauert, bis ich es registriert hab. Lars fragt: Hast du Zeit? Kannst du mir einen Gefallen tun und mit mir halb eins zum Bewerbungsgespräch fahren? Soll ich mit reinkommen? Ha, ha. Er hat um 13 Uhr Termin und es ist feinstes graues November-Nieselpiesel-Wetter und wenn er mit dem Fahrrad fahren würde, wär er durchgeweicht, wenn er ankommt. Den Gefallen kann ich ihm schon mal tun …

Ist wohl ganz gut gelaufen, meint er. 6 Euro 30 mehr als Mindestlohn, den er jetzt hat, Zuschläge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, 30 Tage Urlaub. Dafür nur ein Wochenende im Monat frei. Eine Stunde hat es gedauert. Weil mir im Auto langsam kalt wurde, bin ich spazieren gegangen und hab gedacht: Gott sei Dank muss ich mich nirgendwo mehr bewerben, nirgendwo und bei keinem. Wie will er da hin kommen bei schlechtem Wetter ohne Auto? Müritz-Milch hat ihren Firmensitz in der Westsiedlung …

Heute ist Dienstag, der 21. Januar

Nach den eher ruhigen Tagen kommt Sigi nachher zum Kaffee und bringt Frühstück mit, zu Mittag kommt meine Schwester und nachmittags gucken wir die 8. und letzte Staffel von GoT Game of Thrones bei Sigi und Wolfgang unten. Die haben sie schon länger, aber mir war immer nicht so danach. Mein Herz hängt mehr an Jamie und Clare in Outlander, aber bis es da weitergeht, dauert noch …

Auch wenn es jetzt ungewohnt still ist, wie auch in einem Kommentar von Soli steht, ist die Ruhe sehr heilsam für die Aura und das Nervenkostüm.

Als Sigi vorige Woche zum Käffchen hier war, hat es mir in den Ohren gescheppert, sie redet sehr laut. Das war anstrengend, oder ich war besonders empfindlich. Wenn es heute wieder so ist, werd ich sie fragen, ob sie die Lautstärke bisschen runterdrehen kann. Ich hab sonst immer himmlische Ruhe hier oben.

Aniko kommt auch mit, hat Sigi grad mitgeteilt. Das werden dann noch mehr Dezibel, sie übertrumpft Sigi noch. Larsens Volume ist dagegen angenehm.

Sigi hat aus Versehen die zweite Folge zuerst eingeschmissen – die große Schlacht zwischen Gut und Böse. Macht nichts, hab ich gesagt, dann haben wir das Schlimmste schon hinter uns. Ja, hab ich gedacht, das Schlimmste haben wir hinter uns … hab ich hinter mir. Auf den Status, der es mal war, wird es nie mehr zurückfallen.

Heute ist Montag, der 20. Januar

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Schreibe es in dein Herz, dass jeder Tag der beste Tag des Jahres ist. Ralph Waldo Emerson

Nebelnasse Kälte und 1 Grad. Der Kirchturm ist immer noch der stille Wächter, kein Laut. 20. des Monats – Stundeneinreichung für Guti-Gutshaus. Das mach ich erstmal …

Suppe kochen bis um 11, Mittag dann um 12 … Wie in „Morgens früh um sechs kommt die kleine Hex“, nur nicht gelbe Rüben, sondern gelber Kürbis.

Ich würd gern mit meiner Familie zusammen essen, öfter. Meine Kinder sind zu weit weg, so hab ich meiner Schwester in der TAO-Schule eine Dose voll an die Tür gehängt, als ich von Dana gekommen bin. Wir haben ihr heute zu dritt – Grit, Nadine und ich – unser Praxis-Jubiläums-Geschenk überreicht, das nicht rechtzeitig rankam: 4 Kristallgläser aus der Arnstädter Manufaktur mit Gravur, die Grit, Neueinstellung für Praxisorganisation seit Januar und weitläufige Verwandtschaft von Dana, über ihre Thüringer Verwandtschaft besorgt hat.

Wie es seiner Frau wohl geht und was sie denkt, im Rückblick auf ihr bisheriges Leben. Immerhin haben sie drei Kinder zusammen.

Heute ist Sonntag, der 19. Januar

Von gestern zu heute ist ein nahtloser Übergang, zwischen Feierabend und ins Bett gehen. Der Quantensprung des neuen Jahrzehnts ist ein Versuch von mir, das hinter mir zu lassen, zeitlichen Abstand zu gewinnen. Das funktioniert natürlich nicht, wie ich es auch schon vermutet habe.

Was erschwerend hinzu kommt – hört sich vielleicht komisch an – ist mein Zahnimplantat-Provisorium. Eins geht nur, hab ich gedacht: Seine ständige Anwesenheit oder diesen Permanent-Fremdkörper im Mund. Einen Monat damit hab ich jetzt rum – einen von 6! Ich könnt‘ das Ding in’n Ausguss spucken, hab ich zu Anja gesagt. Bloß was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wahrscheinlich kostet beides Kraft – die ich nur für eins habe.

Ich hab jetzt alles versucht, gemacht und getan, und er ist immer noch da, war mal ein Kommentar zu einem Youtube-Kartenreading. Was noch? Dann wird es Zeit, das zu akzeptieren, war die Antwort.

Das war eine weise Antwort, die hätte ich ihr auch gegeben. Wenn ich was nicht abstellen kann, integrier ich es. Das geht immer noch mal besser, mal schlechter. Aber auch da hab ich Verständnis für mich.

Was soll das werden, soll das ewig so weitergehen mit uns? Dass er energetisch anwesend ist, mein ich damit. Das hab ich heute an ihn gerichtet, teils als Frage, teils als Feststellung.

Wäschewaschen, Blumengießen, Baden, Spazierengehen – der Sonntag nach Mondkalender. Und Ausschlafen …

Heute ist Sonnabend, der 18. Januar

Jetzt hat er sich doch für sie entschieden. Das freut mich für sie, waren gestern die Worte des Hausmeisters, als er hier war, um meine Heizung im Schlafzimmer zu entlüften, die wieder kalt war, als wir über die Nachbarschaft gesprochen haben. Und, hat er die junge Freundin noch?, hat er weiter gefragt, da wir grad beim Thema waren. Damit war Lars gemeint. Ja, hat er. Dann hat er nach Christines Wohnung gefragt. Da war Montag Besichtigung, ein Paar im mittleren Alter. Ob sie die nehmen, weiß ich nicht. Da will er die Vermieterin fragen. Gute Nachbarschaft ist ja wichtig, hat er gesagt.

Der Kirchturm schweigt zu allem – das Glockenspiel, die Glocken und die Kirchturmuhr. Ruhe seit fast 2 Wochen, als wenn die Zeit stehengeblieben ist. So kommt es mir auch vor. Veränderungen seh ich nur bei anderen, bei mir ist alles ein langer, ruhiger Fluss …

Die Frühstückseier sind mir heute mal gelungen. Ich nehm den Eierkocher dafür – meist werden sie zu weich oder zu hart, selten mittel.

Guti-Gutshaus war entspannt. Steffen, unser Hausmeister, hat gesagt, Anja und ich sind ein gutes Team. Sind wir auch. Im Eingangsflur liegt seit Januar ein Gästebuch. Heute fiel mein Blick drauf: Es war gaaanz toll, danke, Maik und Nicole. Ich hab heut grad gedacht, das gehört jetzt ins vergangene Jahrzehnt und schon taucht sein Name gehäuft auf.

Heute ist Freitag, der 17. Januar

Neben meinem Laptop liegt eine Einladung zur Birthday-Party, Version 6.0. Wer ist das denn?, hat meine Tochter Weihnachten gefragt. Ralph, Lebensgefährte von Anja. Der sieht sympathisch aus, hat sie gesagt. Und die Karte ist toll! Obwohl sie beide nicht so die Computer-Freaks sind, haben sie das toll hingezaubert.

Ja, das ist am 1. Februar – bevor die beiden nach Sri Lanka verschwinden für 4 Wochen – Jahresurlaub.  Die Feier ist bei Grille in Lehsten mit Übernachtung in Ferienwohnungen. Lehsten kenn ich, nicht weit von hier, Grille nicht. Er hat da Kneipe und Bands und Betten. Es sind da einige schwer vermittelbare ältere Knaben dabei, weiß ich aus Anjas Erzählungen. Ich hoff, ich bin nicht deswegen eingeladen …

Ich denk nicht. Erstmal bin ich selber schwer vermittelbar, aus dem einfachen Grund, weil ich das nicht will. Und zweitens zähle ich mich nicht zum älteren Semester. Erst wollte ich nicht hingehen, aus den genannten Gründen. Aber weil ich sie beide sehr mag, hab ich es mir anders überlegt. Es wird bestimmt eine schöne Party!

Als ich gestern losgefahren bin, stand Wolfgang rauchend vor’m Hauseingang und hat gesagt: Bei dir oben wird eine Wohnung frei. Wolfgang weiß alles im Haus. Welche?, frag ich auch noch. Es gibt nur eine. Meine Nachbarin, die ich kaum sehe, zieht im Mai nach Rostock. Zu ihm?, hab ich gefragt. Ja. Der Hausmeister hatte mir im Herbst erzählt, dass sie was mit einem verheirateten Mann aus Rostock hat, nur er hat es obszöner ausgedrückt. Jetzt ziehen sie im Mai zusammen. So kann es auch gehen. Ich will das nicht denken, aber ich hab Verständnis für mich, dass ich es tue.

 

Heute ist Donnerstag, der 16. Januar

Nach den grauen, wirklich grauen Tagen an der Müritz, gab es jetzt einen kleinen Lichtblick – Frühlingsanfang mitten im Januar. Das stand unter einem Foto in Wir sind Müritzer. 14 Grad, mild und Sonne …

Lars hat nächsten Mittwoch ein Vorstellungsgespräch. Das hat er mir gleich erzählt. Da ist ihm schon mal wohler, nachdem er die Kündigung bei Meckback, Mecklenburger Backstuben abgegeben hat.

Und Christine war im Nordmagazin. Hochschulgesetz blockiert Quereinsteiger heißt der Beitrag. Hab ich gestern gleich in der NDR-Mediathek geguckt. Sie will berufsbegleitend ein soziales Studium anschließen, bei dem sie nicht zur Aufnahmeprüfung zugelassen wurde. Mit der Begründung a) kein Abitur und b) als Musik- und Physiotherapeutin keine Ausbildung in einem sozialen Beruf. Sie hat in der Kinder- und Jugendpsychiatrie als Musik-Therapeutin gearbeitet. Wenn das kein sozialer Beruf ist … Ich hab den ganzen langen Prozess von Bewerbung, Absagen und Widerspruch miterlebt. Das ist frustierend für sie.

Was mir gestern bei der Einwohner-Statistik aufgefallen ist – die Männer reichen nicht für die Frauen hier. 1200 zu wenig, rein statistisch gesehen.

In den Scheiben vor’m Hafen-Restaurant Müritzer Jung, die als Windschutz gedacht sind, hat sich gestern die sonnenbeschienene Müritz gespiegelt. Ich hatte nur mein Handy nicht mit, das wär ein schönes Foto geworden. Es sah aus, als ob die ganze Altstadt golden überflutet ist …

Das war ein herrlicher Abendhimmel auf dem Weg zu Guti-Gutshaus. Zurück war’s dunkel.

Heute ist Mittwoch, der 15. Januar

Du siehst immer aus wie’n junget Mädel – Babydoll! So hat mich Christa gestern begrüßt, die ich in der Einkaufsstraße getroffen habe. Sie wollte einen Gutschein für’s Reusenhus für ihre Kinder holen, also Tochter und Schwiegersohn, ich kam von meiner täglichen Spazierrunde Müritz-Promenade – Lange Straße.

Junges Mädel … Ich hab gestern mal die Einwohnerstatistik in „Wir sind Müritzer“ gelesen:

„Die demographische Entwicklung – immer mehr ältere Bewohner im Vergleich zu den jüngeren Generationen – stellt das Heilbad Waren an der Müritz wie viele andere Kommunen weiter vor große Herausforderungen. Das geht aus der amtlichen Einwohnerstatistik hervor. So sind im Jahr 2019 in Waren 203 mehr Menschen gestorben als im Jahresverlauf das Licht der Welt erblickten. Demgegenüber zogen 197 mehr Frauen, Männer und Kinder in die Müritzstadt, als wegzogen. Damit sank die Einwohnerzahl von 21 196 leicht auf 21 190, blieb also fast gleich. Interessant dabei: Mit 11 195 Frauen gibt es exakt 1200 mehr weibliche Bewohner in der Müritzmetropole als männliche Vertreter.

Die Region wird auch internationaler: Die Zahl der Einwohner mit ausländischen Wurzeln stieg von 795 auf 854 Menschen.

Wie die Stadt mitteilte, gab es 2019 genau 169 Geburten, 94 Jungen und 75 Mädchen. Dem stehen 372 Sterbefälle gegenüber, 196 Frauen und 176 Männer. 981 Warener verlegten ihre Wohnsitze in andere Kommunen, dagegen konnten 1178 nach Umzügen an die Müritz als “Neu-Warener” begrüßt werden – und dabei exakt je 589 weibliche und männliche Zuzügler.“

Mit meinem Umzug hierher hab ich nicht nur mein Lebensumfeld verbessert, auch die Statistik.

Heute ist Dienstag, der 14. Januar

Saturn-Pluto-Konjunktion seit 12. Januar: Diese sorgt für eine radikale Zeitenwende – Eine neue Ära beginnt, in der sich vieles im Mondjahr 2020 verändern wird!

„Ein grosser Zyklus, der Anfang der Achtzigerjahre begonnen hat, geht langsam seinem Ende zu und Uranus direktläufig führt uns in diese aufregende Zeit. Es finden tiefgreifende Umwälzungsprozesse statt und es bilden sich neue Machtverhältnisse. Es liegt nun ausschließlich an uns, die Verantwortung für neue Wege zu übernehmen …

Die Saturn Pluto Konjunktion ist der Abschied von einem Zyklus, der 1982 begonnen hat und nun zur Erneuerung kommt, wobei uns deutlich gemacht wird, dass wir nicht im Festhalten, sondern im Loslassen des Bestehenden auf einen Weg geführt werden, der die Lösung vieler Probleme offenbart. Wenn wir die Zeichen der Zeit verstehen lernen – und dies gilt sowohl für das eigene Leben als auch für das der Menschen, die uns umgeben und nahestehen – lassen sich auch kollektive Prozesse erkennen. 

Aus: Mondkraft Mondarchive Alpenschau 11. /12. Januar 2020

Ein Zyklus von fast 40 Jahren! Zwei davon und das Leben ist vorbei – oder so gut wie.