Sonnabend, 18. September

Morgen Abend und heute nachmittags und abends Guti-Gutshaus. Im Oktober wird es deutlich weniger …

Gerade geschrieben, da fragt die Chefin an, ob ich Lust hab, im Oktober an den Sonntagen das Café zu machen, von 14 bis18 Uhr. – Da sag ich doch gleich Ja, Bettina. Nur der 3. Okt. ist schon verplant, Molli-Fahrt Bad Doberan. – Super!

Das Café ist die entspannteste Schicht! Der Monat ist trotzdem arbeitsmäßig noch ruhig genug, denn außer den 4 Sonntagnachmittagen sind es nur noch 3 weitere Tage.

Die Fahrt mit der historischen Molli-Bahn ist die nachgeholte Geburtstagsfeier von Martina, Peter und Wolfgang vom Januar. Ich hoff, dass ich da Jonte mitnehmen kann. Der kriegt sich gar nicht wieder ein, hat Martina gesagt, wenn er die Lok sieht und die Dampfwolken …

Aber heute, heute komm ich gar nicht aus’m Knick. Das ist die Vollmond-Nähe. Ich leb nur für den Feierabend …

Donnerstag, 16. September

16 Grad bewölkt. Auf einmal ist es Herbst. Da fallen mir immer die Rilke-Zeilen ein, die mit einem Gebet beginnen:

Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren und auf den Fluren lass die Winde los …

Befiehl den Früchten voll zu sein, gib ihnen noch zwei südlichere Tage …

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben …

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.“

Das heißt, die Realität holt den Grübler ein, den Unentschlossenen, den nun eine Zeit der Unruhe überkommt – die Realität, die er nicht mehr ändern kann. Wenigstens nicht in diesem Jahr.

So steht es in einer schönen Gedicht-Interpretation in „Der kleine Garten“.

Mittwoch, 15. September

Ich schreib nicht viel – gibt ja auch nicht viel zu berichten. Dafür halte ich meinen Aufräum- und Putzplan ein – jeden Tag ein bisschen. Das hab ich meistens ganz schön schleifen lassen, mal gearbeitet, mal krank, mal in Rostock gewesen. Wo ich jetzt öfter hier bin, mach ich das in täglichen Etappen. Das hat einen Sofort-Effekt, sieht schöner aus und ich fühl mich gleich wohler.

Vorgestern hatte ich ein Gespräch mit Lars, der jetzt 2 Wochen Urlaub hat. Das war aber nicht auf unserer Terrasse, sondern ich hab ihn in der Friedensstraße vor dem Eisvogel auf der Bank in der Sonne sitzen sehen. Nicht mit Eis, sondern einem Coffee to go von Mecklenburger Backstuben, seiner ehemaligen Firma. Zu Bäckerei Junge geht er nicht, weil da Sabine arbeitet. Die hat ihn wohl abgehakt, meint er. Sie meldet sich gar nicht mehr. Dann hat er eine Weile darüber sinniert, wie das sein kann – kann doch nur vorgetäuscht gewesen sein! – dass sie ihn so vollständig aus ihrem Leben katapultiert hat, wo sie erst Feuer und Flamme war. Tja, sowas gibt’s Lars.

Damit hat er sich dann nicht länger aufgehalten und gesagt: Ich muss jetzt mal ein männliches Klischee bedienen – ich hab Bock auf Sex … Na, dann schnapp dir eine. Wenn das so einfach wäre … Oder kauf dir eine. Nee, die soll das schon aus Lust machen und nicht wegen Kohle! Eins schließt das andere ja nicht aus. Also, das ist nicht sein Ding.

Das war in der belebten Einkaufsstraße und nicht gerade in gedämpfter Lautstärke. Wer uns gehört hat, muss auch gedacht haben … Dann bin ich weiter gegangen auf meiner Einkaufs-Spazierrunde und er hat gesagt: Na dann bis nachher, auf Terrasse …

Dienstag, 14. September

Es war unten grau und oben grün – das Traumkleid. Nach oben hin ist Hoffnung, heißt das. Das ist meine Deutungsweise …

Neulich ist eine Familie aus Berlin angereist – in einem Auto die Familie mit Kindern und im anderen die Großeltern dazu. Die Oma ist ausgestiegen und hat zur Enkelin gesagt: Herzlichen Glückwunsch zur Impfung! Auf 3 m Abstand – und dann: Hast Du neue Jeans? – Ja – Wo hast du die her, vom Flohmarkt? – Nee, Zara.

Fritzi und ich, die wir auf der Bank vor’m Haus saßen, haben die Szene beobachtet. Als sie im Haus waren, hat er zu mir mit seinen 24 Jahren gesagt: Das ist doch traurig: Herzlichen Glückwunsch zur Impfung! Kann sie ihre Enkeltochter nicht mal in den Arm nehmen?, nachdem sie sich lange nicht gesehen haben. Na, die anschließende Kommunikation zu ihrer löchrigen Jeans ist genauso missglückt wie die Begrüßung, hab ich gesagt.

Birgit hat Anna Sophia Sonntag zurückgebracht. Unten an der Haustür geklingelt – der Summer geht. Ihre Tochter hat sie nicht mal gesehen. Am Auto hab ich erstmal meinen Tee aus der Thermoskanne getrunken, hat sie mir erzählt. Das wird aufhören, hat sie gesagt und ich hab ihr angemerkt, wie betroffen sie war.

Erst, wenn die Kinder sich daran erinnern, dass wir ihre Eltern sind. Ja, aber das geht so nicht – und deshalb wird es sich ändern! Mir geht es genauso mit meiner Tochter, ich lass sie gehen.

Macht mit viel Liebe aus einem normalen Tag einen ganz besonderen – das kam gestern mit einem von Christas WhatsApp-Bildchen. Das Fähnchen der Liebe hochhalten war noch nie so anstrengend und noch nie so wichtig wie jetzt …

Montag, 13. September

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Tagträume erhalten unser seelisches Gleichgewicht. Elisabeth Maria Maurer

Nachtträume auch … Obwohl ich ziemlich ausgelaugt bin, hab ich noch genug Schwung, um von Sex zu träumen, und gleich reichlich – obwohl oder weil. Ich hab in einem Sex-Club gearbeitet und es waren viele Leute da – Männer. Es ging nur um das Drumherum. Ich hab das Kleid bekommen, das ich anziehen sollte, und hab bei einer älteren Frau gewohnt, die mein Kind betreut hat und mich unterstützt hat und das ganz normal fand. Eine heiße Szene war nicht dabei.

Heute ist Sonnabend, der 11. September

Gewitter früh um 4 …

Ich war kurz einkaufen und schlaf mich weiter gesund. Die Blumen draußen muss ich nicht mehr gießen durch den Platzregen, nur inside.

Die 7 Tage Guti-Gutshaus mit der großen Gruppe vom Boot Camp mit 35 Leuten waren laut, hektisch, chaotisch, voll und eng mit bis zu 5 Mann in der Matchbox-Küche. Ich hab nur gedacht: Ich muss hier weg, ich muss hier weg, ich muss hier weg – und hab mich auf meine autistische Insel verzogen und, wenn überhaupt, nur das Nötigste geredet. Kannst du die Desserts abfüllen?, hat Fritzi gefragt und ist mit mir in unseren Gewölbekeller gegangen, wo der Nachtisch stand. Damit hab ich dir eine kleine Auszeit verschafft, hat er gesagt. Ja, die hab ich auch gebraucht. Er redet oft viel blödes Zeug, aber er ist auch sensibel und hat gemerkt, dass es mir bis Unterlippe Oberkante stand.

Was Schönes täte jetzt gut – eine Überraschung, eine Freude, was Unvorhergesehenes …

Freitag, 10. September

Nachher kommt Birgit zum Frühstück, nach Asia-Fitness. Dann fährt sie nach Rostock, Anna Sophia abholen. Sie hat gestern angerufen und gefragt, ob sie übers Wochenende kommen kann. Ist doch schön, wenn sie ihre Oma besuchen möchte.

Ich wollte auch nach Rostock fahren und hab mich schon auf Heidi und den Garten gefreut. Michael hat Sonntag Geburtstag und Jonte vermiss ich auch schon. Ich hab bis Sonnabend frei, da würde sich das anbieten. Ich bin aber noch so erkältet, dass daraus nichts wird und anstecken möchte ich auch keinen …