Heute ist Sonnabend, der 25. Mai

Eine Ehe ist wie Haarspray: Guter Halt, ohne zu kleben. Am besten von den ganzen Sprüchen gefällt mir noch: Für eine gute Ehe gibt es einen sehr einfachen Maßstab – man ist dann glücklich verheiratet, wenn man lieber heimkommt als fortfährt. Ich glaub, den schreib ich auf die Karte.

Muss man da was Besonderes anziehen?, hat mein Sohnemann noch gefragt. Na, das ist schon ein festlicher Anlass, du musst nicht unbedingt das T-Shirt anziehen, in dem du zum Geburtstag von Taminas Mutter gefahren bist … grau-grün schlammig.

Meine Verkoster-Funktion im Guti-Gutshaus hat sich trotz viel Bewegung auf die Hüften gelegt. Ich hoffe, mein Kleid passt mir noch, ohne dass ich aussehe wie eine Guts-Leberwurst. Stunde der Wahrheit …

12:30 Uhr ist geplante Abfahrt – 16:00 Uhr Freie Trauung

 

Heute ist Freitag, der 24. Mai

Ich hatte ’n teuren Parkplatz heute bei Martina in der Blücherstraße in Rostock. Ich hab da geparkt, wo immer parke – nur diesmal mit schriftlicher Zahlungsaufforderung in Höhe von 15 €.

Bei Martina war es schön und bei Manja war es schön und mit Martina bei Manja war es schön. Sie ist mitgekommen und hat während meiner Behandlung liebenswerterweise meinen schönen roten Lochmuster-Rock genäht, mit dem ich gestern Abend in unserer kleinen Küche an einer Kiste hängen geblieben bin.

Zum 6-Uhr-Glockenläuten hatte ich meinen heimatlichen Kirchturm wieder erreicht und war froh darüber. Lars, der mich empfangen hat, hat sich gewundert: Ich denk, ich hab sturmfrei dieses Wochenende … Ab morgen erst! Ach ja, stimmt ja. Na, wir seh’n uns nachher bestimmt noch …

Zum Abendbrot gibt’s Wiener Saftgulasch – na, woher wohl? – mit Guti-Guts-hausgemachten Bandnudeln – gleich kalt aus dem Kühlschrank. Dann schön entspannt Abendterrasse mit Maien-Höhen-Luft und in vino veritas.

Oh Mann, grad hab ich mit meinem Sohn telefonisch abgesprochen, wann er morgen mit Tamina hier ist, um mich abzuholen, da ruft er nach zwei Minuten nochmal zurück und fragt: Äh, hast du irgendwie … ein Geschenk? Ja, hab ich. Und was?, wenn man fragen darf. Martina hat – wieder liebenswerterweise – das Datum der Hochzeit – 25.5.2019 – in Scheinen gefaltet zu Herzen, Fisch, Boot und Glücksschwein und die 9 als Münz-Ausrufungszeichen aufgeklebt. Das sieht sehr dekorativ aus. Habt ihr eine Karte?, hab ich schon was ahnend gefragt. Eine Karte? – Ja, so wie es Geburtstagskarten gibt, gibt es auch Karten zur Hochzeit. Mann-oh-Mann … Ich hab noch eine.

Tamina ist erschöpft! Geburtstermin 29.7. – Dann wird’s leichter, hab ich versucht zu trösten. Ja – und durch schlaflose Nächte abgelöst, ergänzt mein Sohn.

22:33 Uhr Mir, der Hohepriesterin der Worte, fällt kein Text für die Hochzeitskarte ein. Absolut gar nichts. Viel Glück für Eure gemeinsame Zukunft!?

Heute ist Donnerstag, der 23. Mai

Die eine Spätschicht heute ab 15 Uhr passt überhaupt nicht ins Konzept der Woche mit Fußpflege, Nageltante und Frisör. Ich bin erst spät zu Hause und will morgen früh gleich nach Rostock fahren. Dafür ist Juni Rostock-free, Manja hat Urlaub und ich hab mir hier eine Vertretung gesucht, die am 18. Mai gerade ihr Nagelstudio eröffnet hat und sehr gute Bewertungen aufzuweisen hat, aus ihrer Zeit in Heimarbeit.

Gestern hab ich Hotel Nest in Berlin angerufen und nach Kartenzahlung, Frühstück oder wenigstens Kaffee gefragt – 3 mal Nein. Dafür Gropius-Passagen 5 Minuten entfernt …

Die Spätschicht alleine reicht schon, doch vorher war ich noch 3 Stunden mit Christine und Frankie unterwegs. Sie hat Therapie-Sitzungen eine Stunde außerhalb von Waren, weil sie selbst im Therapeuten-Milieu arbeitet und deshalb lieber Auswärts-Sitzungen vorzieht. Ich bin in der Zeit Babysitter für die Kleine und zusätzlich, während einer Stunde Hinfahrt und einer Stunde Rückfahrt, selbst Psychologische Beraterin für den Alltags-Krieg einer Mutter von  zwei kleinen Kindern mit Beziehung-Zoff. Danach bin ich ziemlich geschafft. Eine Stunde Pause, dann Guti-Gutshaus …

Erst ziemlich geschafft und jetzt ganz geschafft. 23:00 Uhr Feierabend und fast halb zwölf zu Hause. Und morgen früh gleich wieder nach Rostock …

Heute ist Mittwoch, der 22. Mai

Gestern Füße – heute hätte ich um 8 Frisör-Termin, also in 10 Minuten. Zum Glück hat Ria gestern angerufen und gefragt, ob ich lieber den 10-Uhr-Termin möchte, denn die lebensgeister-weckende Waldmeister-Wirkung hat bis nachts um 3 angehalten.

In meinem keltischen Pflanzenorakel Zauberhafte Devas ist Waldmeister auch vertreten. Über die grüne Karte hatte ich mal geschrieben – darauf ist die nackte Fee in einer eindeutigen Stellung abgebildet. Der Text darunter: Lasse dich verzaubern und erkenne, dass das Unsichtbare genauso wirklich ist, wie das Sichtbare … Das erkenne ich jeden Tag – das ist das, worüber ich hier schreibe. Wenn es auch nach außen unsichtbar ist, fühle ich es innerlich genauso wirklich. Nur fühle ich mich in eine Standuhr verzaubert …

Ich seh mir auch die anderen an, die im Google-Ranking vor mir stehen. Gestern, in der Waldmeister-Nacht, war das: Blog – Dualseelen und Seelenpartner – Margret Marincolo. Neben ihren vielfältigen Inhalten zieht sie jeden Tag auch eine Tarot-Karte, die sie mit ihrer eigenen Deutung versieht und die die Überschrift trägt: Lernaufgaben für Dualseelen – Was sagt dir deine Dualseele/dein Seelenpartner durch die Karte „Zehn der Münzen“ im Tarot? Das ist die von heute.

Aus rechtlichen Gründen zitiere ich das nicht, nur, was bei Google unter ihrem Blog erscheint. Geliebte: Ich falte meine Hände und ziehe mich zurück. Deine Gefühle sind zu laut. Deine Gedanken jagen mich wie hungrige Moskitos … 4 der Schwerter ist die von gestern. Was harmlos anfängt, steigert sich noch erheblich … Als ich 3 davon gelesen hatte, hab ich gedacht: Hier kannst du jeden Tag mittels Lernaufgabe eins auf den Deckel kriegen, wenn du das willst. Und an ihn gerichtet: Ist das so, denkst du so von mir?

Eine – Königin der Kelche – vom 15. Mai – die ist wirklich schön. Bei allen anderen denke ich, gut, dass ich mein Schwert niedergelegt habe. Alles, nur das nicht mehr, was mal war – wo einer Feuer und Flamme ist und der andere auf der Kegelbahn in seinem Kopf alles umhaut. Niemals mehr werde ich mit einem Mann so dahin vegetieren.

Der Abendhimmel sieht herrlich aus, der Sturm hat sich gelegt …

Heute ist Dienstag, der 21. Mai

Im Vergleich zu letzter Woche ist diese trubelig. Gestern war meine liebe Kollegin Anja hier und hat mir Bauernhof-Eier und Waldmeister gebracht. Komm, ich zeig dir meine Schatz-Insel, hab ich sie begrüßt. Ich will alles sehen, hat sie gesagt – alles, was sie bisher nur vom Erzählen her kannte. „Genauso hab ich mir deine Wohnung vorgestellt“, war ihr erster Satz im Wohnzimmer, „ich hab zu Ralph gesagt, Anitas Wohnung ist bestimmt ganz bunt und farbenfroh.“ Sie war begeistert …

Dann war ich eben 4 Stunden bei Dana und Praxis-Team, mir meine Füße inklusive Lack verschönern lassen – wie neu geboren! Ich hatte Kartoffelsalat gemacht, die frischen Eier von gestern dazu gekocht und wir hatten eine schöne familiäre Mittagspause zu sechst an meiner Wirkungsstätte, bevor Guti-Gutshaus kam.

Den gebündelten Waldmeister hab ich in Weißwein getaucht, drei Stunden ziehen lassen und jetzt zum Glockenläuten lass ich mir die Sinne berauschen – das ist nämlich seine Wirkung. Und er weckt die Geister – und damit auch die Lebensgeister. Ein idyllischer Abend – mit Dachterrasse und Kirchturm …

Heute ist Montag, der 20. Mai

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich. Weisheit aus Afrika

Gestern hab ich seit Ewigkeiten den nackten Rücken eines Mannes berührt … Lars kam auf die Terrasse: Gut, dass du draußen bist! Er hat sich meinen Biergarten-Stuhl umgedreht und sich rittlings, mit dem Oberkörper zur Lehne, vor mich hingesetzt, sein T-Shirt bis zum Hals hochgezogen und gesagt: Ich hab eine Stelle am Rücken, die piekt und tut weh, guck mal, ob du was sehen kannst. Er hatte auf der Rückenmitte einen Leberfleck,  der gerötet war – mit einem schwarzen Etwas im Zentrum, sah aus wie ein Splitter. Gut, dass er mein Gesicht in dem Moment nicht sehen konnte. Für solche Sachen bin ich nicht geeignet. Ich hab meine Hand neben die Stelle gelegt und gesagt: Ich will da nicht mit der Pinzette ran, geh damit am besten zum Arzt … warte mal, ich fotografier dir das, dann siehst du es. Von der Pinzette war er auch nicht begeistert.

Das war eine Intimität, die mir fast zu weit ging – vor allem war ich darauf nicht vorbereitet. Ich glaub, wär die Stelle an der Rückseite seines Oberschenkels gewesen, hätte er seine Hose runtergezogen und dasselbe gesagt, nur Bein statt Rücken, mit so einer Selbstverständlichkeit, wie er das gemacht hat …

Nachmittags-Käffchen mit Sigi bei Christa im Haus ihrer Tochter, war herrlich …

Heute ist Sonntag, der 19. Mai

„Sei immer du selbst. Außer, es gibt Bier, dann sei betrunken.“ Johannes, der Säufer, Kiste 4, Flasche 3 aus Reihe 1. Solche abgewandelten Bibelsprüche schickt mir Ulla, 2. Frau des Vaters meines 1. Kindes per WhatsApp. Oh Ulla …

Bier: Habt Ihr Weißbier?, hat mich ein Mann aus dem guten Gästelager gefragt. Wir haben Schwarzbier …

Sowas sind witzige Szenen. Oder ich sag mal Sätze wie: Ich muss mich revidieren – Panna Cotta ist nicht mit Apfel-Minz-Gelee, sondern mit Holunderblüten-Gelee. Macht das jetzt ’n Unterschied – groß? Das hatte ich nämlich grad auf der mit Kreide beschriebenen Speisekarten-Tafel gesehen und nicht gemerkt, dass Anja das Topping inzwischen den jahreszeitlich zur Verfügung stehenden Naturschätzen angepasst hat. Das groß hatte ich noch angehängt, damit es nicht ganz wie die Axt im Walde klingt.

Oder: Was gibt es als Vorspeise? Beluga-Linsen-Salat, wahlweise mit Ziegenkäse oder Merguez. (Das ist ’ne scharfe Lamm-Bratwurst.) Ich mag beides nicht so, können Sie mir eine Alternative anbieten? Beluga-Linsen-Salat mit Grünzeug …

Oder: Mit wem kann ich hier mal über das Wein-Angebot reden? Mit mir …

Oder: Meine Freundin aus dem anderen Gästelager – Wir hätten gern zwei Flaschen Wasser und Gläser und eine Flasche Cremant. Wahrscheinlich hat sie gedacht, ich hätte sonst Tassen gebracht in meiner Unzulänglichkeit.

Eben, halb 12, hab ich einen Anruf bekommen, die Gäste für heute Abend haben abgesagt. Auch gut, hab ich zur Chefin gesagt. Ja, findet sie auch …

Heute ist Sonnabend, der 18 Mai

Die Typologie des Gastes ist vielgestaltig. Gestern war eine Gruppe, bestehend aus 8 Frauen und einem Mann, teilweise deutsch und englisch sprechend, dabei, die in die Kategorie anstrengend fällt. Anja hatte mich schon vorgewarnt – die sind anstrengend, schon seit sie hier sind. Ich hab dann die Bestellungen aufgenommen – da hat es sich fortgesetzt. Nicht nur sehr spezielle Nahrungsmittelunverträglichkeiten – okay, das gibts – auch so hakelte es. Die Gruppe gegenüber mit 11 Personen, teilweise aus dem Sachsenland, das genaue Gegenteil. Freundlich, die Teller entgegen genommen mit: Geben Sie her, wir reichen das durch … Es ist nämlich ziemlich enge  bei uns, wenn die Hütte voll ist. Für die gegenüber war die Bedienung Luft – nicht nur kein Entgegenkommen beim Entgegennehmen –  sie rührten sich kein Stück, und ich konnte sehen, wie ich meine flüssigen und festen gastronomischen Goodies auf dem Tisch platziere …

Besonders mit einer von der linken Sparte war gleich das Ei kaputt. Typ Superfrau. Groß und blond und stylisch. Sie kam mit meiner herben Schönheit, sowohl  in Sprache wie Erscheinung – ich nur Lippenstift, sie das perfekte Makeup – wohl nicht klar. Ich muss auf einen heftigen Widerstand in ihr getreten sein, war zwar weiter freundlich, da man mir aber jede Gemütsregung irgendwie am Gesicht ansieht, hat sie gemerkt, das geht mir links am Arsch vorbei – mich ignoriert und nur noch bei Anja bestellt.

Heute ist zum Glück Buffet …

Heute ist Freitag, der 17. Mai

Bjarne klingelt gerne überall im Haus mal. Als Wolfgang das zuviel wurde, hat er gesagt: Du kannst doch nicht immer bei uns klingeln! – Du bist doof! – Wat hast du eben jesagt?, das will ich nicht noch mal hören, mein Freund. Christa hat mir erzählt, zu ihr hat er neulich gesagt: Tschüss, alte Frau. Sie hat ihn in Schutz genommen, er kennt den Begriff alte Dame noch nicht. Der kennt jeden Begriff, Christa. Als ich ihn neulich von der Kita abgeholt habe, hat er eine Schnecke vom Gehweg ins Grüne gesetzt. Das ist aber lieb von dir, hab ich ihn gelobt.  Tierschutz … sagt er ganz trocken.

Das macht er schon ganz gezielt mit 4, um die Reaktionen zu testen. Du bist doof bei Wolfgang war die Steigerung von: Du hast aber einen dicken Bauch. Ich bin bis jetzt ganz gut weggekommen: Du hast ja große Brüste …

Bis Mittag im Bett, Baden, 2 neue Pflanzen in meinem Terrassen-Blumen-Paradies verankert und tagträumend den Kirchturm-Uhrzeigern zusehen, wie sie auf halb 5 schleichen – Guti-Gutshaus …

 

Heute ist Donnerstag, der 16. Mai

Als ich bei unserem Notfall-Begleitungs-Treffen gesagt habe, die nächsten 4 Monate bin ich nicht dabei aus Arbeitsgründen, hat unsere Team-Leiterin hoffnungsfroh gefragt: Und im September …? Ich hab nur eine Sekunde gezögert – Da haben wir auch noch full house. Wenn ich eins gelernt habe, dann für meine Interessen einzustehen. Gut, dann sehen wir uns im Gutshaus, hat ihr Mann gesagt, der auch mit von der Partie ist. Ja …

Immer noch Grabeskälte, nur kombiniert mit Nässe. Na, wie läuft’s?, hat mich Christinchen vorhin gefragt. Drei tolle Tage Guti-Gutshaus, Freitag, Sonnabend, Sonntag! Na, dann machste heut noch’n chilligen und ab morgen … Ja, genau – ich hab gleich Tam, Massage … Das war sowas von gut, dass mir die drei Late-Night-Schichten, egal wie stressig sie werden, nichts anhaben können. Ich hab die Heizungen aufgedreht und mich mit einem schönen Buch von ihr – Die Zweisamkeit der Einzelgänger – in die Horizontale fallen lassen.

Letztes Jahr um die Zeit hätte man fast schon schwimmen gehen können, dieses Jahr glaubt man, Petrus hat sich das Leben genommen …