Sonnabend, 20. Mai

Wissen ist wie ein Baum: Je größer und verzweigter er ist, umso ausgeprägter ist sein Kontakt mit dem Unbekannten. Blaise Pascal

Schon 18 Tage! Kommen Sie nicht auf dumme Gedanken. Vitamine raucht man nicht. Also, sich keine Möhre anstecken. Auch wenn es schon 18 Tage sind, macht es das noch nicht leichter …

Heute war ich mit Birgit den ganzen Tag bei ihrem Wohnwagen Pilgrim auf dem Dorf im Grünen – bei Hendrik. Bei ihm ist das ganze Wochenende eine Sause, die macht er einmal im Jahr mit Freunden, Bekannten, Kommilitonen. Wir sind aber abends zurückgefahren und waren um 7 am Kirchturm – das reicht von 9 Uhr früh an. Viel Sauerstoff, Vogelgezwitscher, Grünes und Blühendes für die Augen und die Seele.

Freitag, 19. Mai

Gib den Winden ein frisch, ein fliegend Blatt, es wird den Weg schon finden, den es zu fliegen hat. Ferdinand Freiligrath

Schon 16 Tage! Gestern – Der Kopf braucht kein Nikotin, sondern Sauerstoff zum Denken. Führen Sie Ihr Gehirn ruhig mal spazieren.

Das haben wir gemacht mit Birgit – einen schönen Spaziergang durch einen Heckenweg, ein alter Postweg. Danach sind wir zum Welshof nach Faulenrost gefahren und haben da draußen gegessen. Dann kamen ein paar Männer an unseren Tisch – Fußballer, die vom Spiel kamen, alte Herren, die Zuschauer waren, und ein paar jüngere – Aktive. Ich hab mich gleich erdrückt gefühlt von so viel Männlichkeit. Obwohl wir uns nett unterhalten haben, hab ich einen Fluchtreflex gefühlt. Anschließend waren wir noch auf dem Hof Sorgenlos in der Nähe, da war zwar nicht geöffnet, aber einen Kaffee haben wir bekommen draußen im Garten und wir haben uns die kleine Galerie dort angesehen. Das war ein schöner Tag …

Heute: Schon 17 Tage! Begehen Sie nicht den typischen Anfängerfehler, die Droge Nikotin durch eine andere zu ersetzen. Davon ist allein schon aus gewichtstechnischen Gründen abzuraten.

Mittwoch, 17. Mai

Auch der Wald murmelt freundlich, wenn die Bäume dicht beisammenstehen. Weisheit aus Russland

Das versteh ich nicht …

Schon 15 Tage! Wann immer Sie das Bedürfnis nach einer Zigarette haben: Stillen Sie Ihre Gier mit etwas Obst. Da wird eine LKW-Ladung Äpfel abgekippt.

Heute um 18 Uhr bin ich mit Dana und ihrer Tochter Vivi bei Asia-Lotus, wohin sie mich eingeladen haben … Mein ganzes Wohnzimmer hängt voller Luftballons von der Geburtstagsfeier von Christas Mann. Da wird sich Jonte freuen, wenn er kommt. Und ich freu mich, dass Christa endlich wieder zuhause ist, auch wenn sie erst nur liegen kann, nach dem doppelten Beckenbruch. Donnerstag werden mit örtlicher Betäubung Schrauben entfernt und dann so langsam wieder versuchen zu gehen … Früh und abends kommt ein Pflegedienst und dazwischen ist ihre Tochter Petra hier. Und ich hab natürlich gesagt: Christa, ich wohn eine Treppe über dir – wenn was ist oder Petra mal nicht kann, ich bin hier, das ist der einfachste und kürzeste Weg!

Dienstag, 16. Mai

Ich bin nur, wie ich bin: ganz schäumendes Wollen und Fühlen! Ein Wildbach stürz‘ ich hin – doch, was meine Wellen bespülen, ob’s Blume, ob es Stein, es bleibt unter ihnen – rein! Sidonie Gründwald-Zerkowitz

Schon 14 Tage! Gratulation! Ein weiteres Kapitel Ihrer Nichtraucherkarriere ist erfolgreich abgeschlossen. Inzwischen ist schon eine gewisse Routine erkennbar. Heute Nachmittag hat Fritzi angerufen: Hier ist Ihr Sucht- und Finanzberater, ich wollte mal hören, wie es dir geht … Ich freu mich immer, wenn ich ihn höre oder sehe, wie neulich, als er in Waren war und wir unten einen Kaffee getrunken haben mit seiner Mutter zusammen.

Montag, 15. Mai

Die Natur ist kindlich, sie will verstanden sein, und das ist ihre Wisheit, dass sie solche Bilder malt, die der Spiegel unserer inneren Welt sind. Bettina von Arnim

Schon 13 Tage! Wenn das Verlangen nach Tabakwaren stärker wird, zeigen Sie, wer Chef in Ihrem Kopf ist und setzen Sie sich durch.

Gestern – zum ersten Mal – eine liebevolle Nachricht, eine Nachricht überhaupt, von meiner Tochter zum Muttertag, von Andrea. Michael hat mir auch alles Liebe zum Muttertag gewünscht, da denkt er dran. Wir wollen telefonieren, Andrea und ich, und uns hoffentlich auch bald treffen …

Sonntag, 14. Mai

Wind und Silber – Mit großem Schein treibt der Herbstmond im dünnen Himmel, und die Fischteiche schütteln den Rücken und lassen ihre Drachenschuppen glitzern, während er über ihnen hinzieht. Amy Lowell

Schon 12 Tage! Meiden Sie vorerst Situationen, in denen Sie gewöhnlich geraucht haben. Ihr Partner wird das einmal im Jahr verschmerzen können. Doppelbett auf dem Bild – na, toll.

Auf geht’s wieder zu Wald und Wasser heute …

Sonnabend, 13. Mai

Mein Baum war schattendicht, o Herbstwind, komm und zeige, indem du ihn entlaubst, den Himmel durch die Zweige. Friedrich Rückert

Schon 11 Tage! Ein vielfach bewährtes Mittel ist, sich dem Entzug sportlich entgegenzustellen. Allerdings besser aktiv! Also nicht TV-Sportschau, ha ha.

Zurück zum Baum – Heute waren wir im Wald mit der nun 6köpfigen Schamanengruppe inklusive Leiterin, im frischen grünen Maien-Buchenwald in Wilhelmshöhe, hinter Rostock-Warnemünde. Erst im Wald und dann am Strand – wie lange war ich nicht mehr an der Ostsee? Selbst als ich noch in Rostock gewohnt hab, war es höchst selten. Morgen treffen wir uns in Torfbrücke, auch am Strand, kurz vor Graal-Müritz. Da ich nicht in Rostock übernachte, heißt das, morgen früh um 7 wieder losfahren, heute Abend um 7 war ich zurück.

Freitag, 12. Mai

Wenn dich Ekel und Überdruss befällt, geh ins Freie, in den Wald, in die Berge, an den See und atme. Richard Dehmel

BUMM, schon 10 Tage! Da keine Zigarette mehr qualmt, stehen logischerweise Sie selbst unter Dampf. Schonen Sie Ihre Umwelt und lassen diesen so sanft wie möglich ab. 10 Tage sind schon ein Zehntel vom hunderttägigen Kalender …

Donnerstag, 11. Mai

Die wildesten Konflikte des Herzens lösen sich nicht in Tränen und nicht in Blut, sondern nur im reinen Tau des Waldes. Peter Rosegger

Schon 9 Tage! So langsam attestiert Ihnen Ihr Umfeld Charakterstärke und für den einen oder anderen haben Sie schon jetzt Vorbildfunktion. Abgebildet ist ein Kinderwagen mit Inhalt und ein weiteres Kind. Das könnte Jonte sein …

Gestern war ich mal zu einer Abendveranstaltung – Wölfe im Müritz-Nationalpark – das war ein Vortrag im Müritzeum. Das war eine Premiere kann man sagen, so lange ist es schon her, dass ich abends mal rausgegangen bin. Auf dem Rückweg hab ich gedacht, wie schön es nach Mai duftet – das hab ich bisher gar nicht wahrgenommen. Der Geruchssinn kehrt zurück, ohne Rauch.

Morgen kommt Tine Schwesterchen zum Frühstück. Sie bringt ihren Mann um 8 ins Krankenhaus und holt Anja, ihre jüngste Tochter, um halb 10 vom Zug ab, die von Rostock kommt und mit Nori übers Wochenende bei ihr ist. Dazwischen frühstücken wir schön auf der Terrasse bei hoffentlich so gutem Wetter wie heute …

Mittwoch, 10. Mai

Da glänzt in die schneeige Winternacht der Mond verklärend und kalt. Es glitzert in funkelnder Silberpracht der Reif an den Bäumen im Wald. O Welt, wie bist du so schön. Maurice Reinhold von Stern

Da braucht man Fantasie ..

Heute morgen hat Fritzi geschrieben Wie geht’s dir? und ein Foto mit Kirchturm vom Markt geschickt. Seine Mutti war beim Zahnarzt. Ich bin runtergegangen und wir haben draußen beim Bäcker einen Kaffee getrunken und erzählt. Er hatte zwei Wochen Urlaub und fängt Freitag wieder an, dann mit 7-Tages-Schichten. Er klang nicht sehr begeistert. Irgendwas ist da im Busch, meint er. Ich bin nur froh, dass ich weg bin, hab ich gesagt – auch wenn es eigentlich noch kein richtiger Abschluss ist, formal. Doch ich hab ihn für mich vollzogen – das zählt.