Heute ist Mittwoch und ich bin wieder beim Abendseminar in deiner Stadt, meiner ehemaligen. Ich teile dir vorher mit, dass ich danach zu unserem Treffpunkt fahre, weil ich es schön finde, wenn Du weißt, dass ich da bin. „Was willst du da?“, fragst Du mich früh halb sechs mit SMS-Piepen. “Ich will nur sehen, ob mein Engel noch da ist.“ – „Wann fährst du gucken?“, ist deine nächste Frage. „Nach dem Seminar, gegen neune.“ Nun wird es spannend. Ich weiß, Du wirst bis heute Abend nichts mehr schreiben. Und dann da sein oder nicht. Es wäre das erste Mal, seit Du es mit uns dem äußeren Anschein nach beendet hast.
Meine Freundin Martina sagt, ich soll den Weihnachtsengel abnehmen, den ich dort an den Zaun gehängt hab oder wenigstens noch einen zweiten dazu hängen. In ihrer Welt muss alles ein Paar sein, einer allein geht nicht, auch nicht bei Engeln. „Martina, der kommt schon klar, auch alleine. Wenn er noch dort ist, hat er den Winter überlebt und wird auch den Rest des Jahres bei guter Gesundheit überstehen.“ Morgen ist Frühlingsanfang. Heute ist der letzte Wintertag. Wenn Du heute Abend kommst, erfüllt sich der Sinnspruch der Wahrsagerin: „Er kommt im Winter!“ Was ich am meisten vermisse: Ich glaube nicht mehr uneingeschränkt an Wunder.