Die Woche verläuft in Harmonie und Eintracht, in Verstehen, Zuhören, Lautlachen, Schweigen, alles, was ich mit Maik nicht kann, kann ich mit Manuel. Ich will für ihn Kochen und er wünscht sich Pellkartoffeln mit Sahne-Hering. Also nur Kartoffeln kochen, den Hering aus dem Kühlregal. Dabei bleibt es. Wir essen nur „auswärts“ und frequentieren unsere gastronomischen Highlights. Liegen alle vor der Tür meiner Altstadt. Ich mitten drin. Wir haben den gleichen Geschmack. Wir sind uns EINIG. Bis jetzt ließ uns das Wetter nur drinnen bleiben oder gastliche Stätten aufsuchen. Er kennt den Nationalpark nicht, und ich freue mich drauf, ihm mein Paradies zu zeigen. Ich entführe ihn an meinen ersten See …
Abends, wieder zurück, alles so wie immer. Nicht ganz … Jetzt kommt eine kleine, feine Veränderung ins Spiel. Er sieht in meinem Regal ein Gay-Video und wundert sich: „So was hast Du?“ – „Ja, es hat mich schon immer fasziniert, was Männer miteinander treiben, und besonders, dabei zuzusehen.“ – „Komm, wir gehen Essen, und danach sehen wir es uns an. Ich muss mir dabei aber leider einen bügeln, bei einer Woche ohne Sex“ – Hilfe, denk ich – „damit kommst du klar, oder?“ Als wir beim Italiener sitzen, denk ich die ganze Zeit daran und es erscheint mir als das Normalste von der Welt, was wir vorhaben. Als wir zahlen und gehen, frag ich vorsichtig: „Wollen wir wirklich?“ – „Ja, na klar! Was denkst du denn? Ich hab da keine Hemmungen.“ – Du hast überhaupt keine Hemmungen, Manuel, denk ich bei mir in meinem Sinn.
So, wir sind zurück. Wir legen die DVD ein. Passiert nix. Es macht ihn nicht an und mich auch nicht. Dann entscheidet er: „So wird das nichts. Ich zeig dir mal was anderes!“, und er zeigt mir, was das Internet auf dem Sektor alles so zu bieten hat. Ich bin hin und weg. Er merkt es. Ich sitz vor dem Laptop. Er neben mir. Auf einmal geht alles von selbst. Ich seh ihm dabei zu. Er sagt: „Du kannst auch was mit dir machen.“ – „Nein, ich seh mir das Video an – und dich …“ Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll und wie er reagieren würde, kann aber nicht widerstehen, meine Hand vorsichtig auf seine schöne Schwanzspitze zu legen. Das ist sehr okay. Kein Veto von ihm. Wenn er das nochmal zu mir sagt – bin ich unbefangener … Dann gehen wir ins Bett. Ich oben – er unten. Bevor ich ins Reich der Träume gleite, teile ich Maik noch mit, was wir getan haben. – „Er hat sich vor dir einen gegönnt?“, fragt Maik. Ich glaub, er ist einigermaßen beeindruckt. – „Neben mir – und nicht Einen – Zwei – gleich nochmal, weil’s so schön war.“ – Ich glaub, zwei von uns Dreien können gut schlafen heute Nacht. Am nächsten Tag beichte ich Manuel meine nächtliche Kommunikation. Er fängt laut an zu lachen und hört gar nicht wieder auf: „Vor dir? – nein, neben mir – einen gegönnt? – nein, Zwei … Wie geil ist das denn?!“