„Klara!“ – unser Regisseur springt auf die Bühne. „Klara, du willst nach all den Jahren ohne den Freiherrn jetzt wieder einen Mann an deiner Seite! Und du willst ihn nicht nur zum Autofahren und zum Rasenmähen – du willst auch ficken!“ Das Stück spielt während des Dreißigjährigen Krieges! Zu uns Leibeigenen auf dem Gut gewandt, spricht er: „Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen heute, arbeitet ihr gerne! Das muss rüber kommen.“ Die Proben sind jedesmal eine Feier. Die Rolle des Freiherrn ist in diesem Jahr nicht besetzt. Er ist auf der Flucht. Man hört von ihm nur als lebende – oder tote? – Legende. Keiner weiß es genau. Ich spiele jetzt das dritte Jahr mit. Die Fortsetzungsgeschichte hat so viele Parallelen zu meinem Leben mit Maik, dass ich mir wirklich sehnlichst wünsche, dass er im nächsten Jahr wieder auftaucht. Mein Freiherr ist auch auf der Flucht – vor sich selbst.
Das Bühnenbild hat einen Lokus bekommen mit Herzchen in der Holztür. Es sollen die entsprechenden Geräusche dazu eingespielt werden. Stolz verkündet der Chef in die Runde: „Habt ihr schon gesehen?“, und sein Blick bleibt an mir hängen. Hab ich schon registriert. Ich seh ihn nur augenrollend an und teile seine Begeisterung für Volksbelustigung nicht. Ich kann mein Missfallen sehr gut ohne Worte mit meiner Mimik ausdrücken. Er sieht die Frage in meinen Augen: „Fäkalien-Theater?“ Glaubst du, damit die Zuschauerzahlen pushen zu können?