Aufwachen und feststellen, dass alles da ist, nicht zuviel und nicht zuwenig, genau richtig. Ein stürmischer Morgen, wie es für den Monat passt, mit mehr Licht als für November üblich und sogar trocken. Jeder Tag ist ein guter Tag, begrüßt mich heute mein Kalender, und ich geb ihm recht. Für heute.
Das wär heut was für im Bett bleiben und lesen. Doch heute ist die zusammengelegte Geburtstagsfeier von meiner Tochter, meinem Sohn und Schwiegersohn. Die beiden Männer hatten im September, sie gerade vor 2 Tagen. Fängt mit Kaffeetrinken bei Sohnemann an und setzt sich dann bei den andern beiden fort. Da die Küchenkapazität meines Sohnes der meiner entspricht, hat er die Mama gefragt, ob sie einen Kuchen backen würde. Macht sie natürlich gerne. Reicht aber, wenn ich um Zehn damit anfang, also noch zwei Stunden Zeit für Gemütlichmachen. Und dann nachmittag da hinfahren, wo ich herkomme und wo meine Kinder, meine Freunde und meine Erinnerungen sind. Abends wieder zurück, übernachten will ich da nicht. Ich fühl mich hier zuhause.
Meine jüngste Schwester, grad Silberhochzeit gehabt – ja, gehabt, nicht gefeiert – hat im Vorfeld schon erklärt: Heut besauf ich mich! Gestern am Telefon sagt sie, nur Ärger mit „dem Alten“. Er hat Gicht, Rheuma, Asthma, Diabetes und jetzt – Augeninfarkt. Wenn er nichts mehr sieht, kann er sich gleich aufhängen, meint er. Vielleicht gar keine so schlechte Idee … Wie kommt es nur, dass man erst am Leid der anderen erkennt, wie gut es einem geht?
Das Schlimmste, wie Ich mal mein Herzblatt genannt hab, war Schwanz-Lurch. Und das hab ich nicht mal gesagt, nur gedacht. Da hatt ich auch allen Grund dazu.