Seminar. Ich bin Azubi. Drei Jahre „Der Weg zur weisen Frau“. Mein spiritueller Weg. Ich habe schon viele Wege eingeschlagen. Zwei davon erwiesen sich schon auf den ersten Metern als Irrwege. Hospiz-Ausbildung und ein Testballon als Escort-Lady: „Hallo, ich bin Mary …“ Ich will nicht Menschen begleiten, die bewusst oder unbewusst beschlossen haben zu sterben. Ich will leben. Ich will jetzt leben. Ich will nicht Männer „begleiten“, die es nicht mehr bringen, oder die traumatisiert sind, weil ihnen zum Beispiel die Frau weggelaufen ist, und die nur hören wollen, sie sind der Größte oder haben den größten. Und für die übrigen will ich nicht Mutter Theresa spielen. Ich will lieben. Ich will jetzt lieben.
Heute ist Freitag, der 21. Februar
Freitag – Tag der Venus. Göttin der Liebe. Du hast mich zu deiner Frau gemacht, Du hast mich nicht zur Frau genommen. Du hast nicht deine Ehe beendet, Du hast mich beendet. Du hast den Stern über uns nicht gesehen …
Heute ist Donnerstag, der 20. Februar
Meine beiden Kinder plus Schwiegersohn haben mir zu Weihnachten drei große Kartons geschenkt: Zwölf Sektgläser, zwölf Weingläser, zwölf Allgemeingläser für Mehrzwecke. Die letzteren geben für mich aufgrund ihres Fassungsvermögens gute Sto-Gramm-Gläser für Wodka ab. Aussteuer zu Weihnachten? Ich habe eine Gemischtwarenhandlung bei Glas und Geschirr. Nicht, weil ich es mir nicht leisten kann, sondern, weil es meiner jetzigen Lebensart mehr entspricht. Als Manuel zu Besuch ist, stoßen wir beide mit Rotwein auf uns an. „Geile Gläser“, sagt er anerkennend. Ich hatte aus Gewohnheit wieder die Humpen genommen.
Heute ist Mittwoch, der 19. Februar
„Lust auf was Heißes?“, fragt mich mein Bäcker auf seiner aktuellen Werbung: Glühwein! Behalt dein Heißgetränk. Glühwein ist lauwarme Plürre gegen das, wovon Du mir zu Trinken gegeben hast. Heute ist Freundinnen-Treff im Altstadt-Cafe. Als ich mal aufs Örtchen muss, sitzt ein goldiger kleiner Junge mit Pudelmütze auf der Treppenstufe, lächelt mich bezaubernd an und fragt mich mit Engelszünglein: „Musst du mal pullern?“ – „Ja“, lächle ich zurück, „muss ich.“
Heute ist Dienstag, der 18. Februar
Heute vor vier Monaten hast Du gesagt, „ich kann nicht mehr in Gedanken mit dir gehen, ich kann nicht mehr so im Zwiespalt, es tut mir sehr leid, es ist und war mir nie gleichgültig“. Die Sternen-Frau sagt mir, den Mann muss es fast zerrissen haben. Er ist deine Dual-Seele. Mir ist, als hätte mir jemand mit Gewalt meine zweite Hälfte abgerissen. Den Teil, den jeder von uns sucht.
Heute ist Montag, der 17. Februar
Meine Cousine erzählt mir heute am Telefon zum wiederholten Male, dass mein Prüfungsaufsatz der 10. Klasse noch in ihrer Klasse vorgetragen wurde. Sie ist fünf Jahre jünger als ich. Ich kann mich nicht mehr an den Inhalt erinnern, aber sehr gut an das Thema und den Anfang: Michail Scholochow: Ein Menschenschicksal. „Wir werden uns in diesem Leben nicht mehr wiedersehen.“ Das sind die Abschiedsworte eines Mannes an seine Frau, als er in den Krieg zieht. Das hat mich damals tief berührt: Wir werden uns in diesem Leben nicht mehr wiedersehen. Ist das auch mein Schicksal mit dir? Kriegerwitwe?
Heute ist Sonntag, der 16. Februar
Unter Freundinnen: „Wie ist er, dein Maik?“ – „Schön.“ – „Wie, schön?“ – „Na, ein schöner Mann.“ – „Und was liebst du an ihm?“ – „Alles. Ihn.“ – „Und was magst du nicht an ihm?“ – „Nichts. Genauso hat sich der liebe Gott ihn gedacht, und das ist doch wunderbar geworden.“ Dafür verbürge ich mich nicht. Ich schreib hier auch mal Sachen, die einfach nur schön anzuhören sind.
Heute ist Sonnabend, der 15. Februar
Manuel hat mir auch erzählt, dass Du mit deiner Familie in den Winterferien im Skiurlaub bist. Wie im vorigen Jahr. Damals hast Du mir aus dem Schneeparadies geschrieben, dass Du Zeit hattest, über alles nachzudenken und mir von dort eine lange Schluss-SMS geschickt. Die hat nur nicht lange vorgehalten. Danach warst Du sehr krank. Eine Infektion mit hohem Fieber. Ich denke, dann hast Du auch dieses Jahr Zeit nachzudenken. Und mal sehen, wie Du diesmal zurückkommst. Deine Nachricht hat mich gerade erreicht, als ich mit meiner Freundin beim Inder war und das Hauptgericht serviert wurde. „Einmal einpacken bitte!“ Ich war pappensatt. Du hast ein gutes Timing für deine Hiobsbotschaften. Und wenn es morgens um Sieben zu meinem Geburtstag ist, dass du mir Goodbye sagen willst.
Erster Mond Februarvollmond: ZORINA – die goldene Morgenröte
Alte Namen: Kristallmond, Eismond, Wilder Mond, Hungermond
Heute ist Freitag, der 14. Februar
„Die Liebe ist ein Kind der Ewigkeit. Sie verwischt die Erinnerung an den Anfang und nimmt die Angst vor dem Ende.“ Madame de Stael
„Die Begierde, die junge Dame, hört nicht immer ehrfurchtsvoll zu, was der Verstand, der alte Herr, zu sagen hat.“ Gustav Freytag
Wer um die Liebe kämpft, hat schon verloren. Mit mir sind Glaube, Liebe, Hoffnung. Und heute, an Valentins Tag, ganz besonders. Liebe geht nicht verloren. Das Leid löst sich auf, sagen heute die Karten.
Heute ist Donnerstag, der 13. Februar
Wenn Du mich nur Loswerden wolltest, ist es dir diesmal damit gut gelungen. Wenn Du mein Mann bist, kommst Du wieder. Der erste Fall ist ohne weitere Bedeutung für mich. Der zweite ist sehr von Bedeutung. Du hast einmal im Traum zu mir gesagt: „Jetzt muss ich noch einmal gehen, bevor ich ganz komme.“ Du sagst dazu: „Na ja, Träume sind süß.“ Ich halte meine Träume für sehr glaubwürdig.