Heute ist Sonntag, der 2. Februar

Als ich heute morgen aufgewacht bin, brannten Kerzen auf meinen Fensterbänken. Ich habe sie gestern Abend angezündet, zu Lichtmess, zu Ehren von Santa Lucia. Vielleicht auch, um dir den Weg zu mir zu erleuchten. Deine Schluss-SMS war eine Liebeserklärung. Und das von dir. Du bist gegangen, mit schönen Worten, aber gegangen: „Du bist wundervoll und erotisierend, ich durfte bei dir mehr Mann sein als je zuvor.“ Dass Du bei mir Mann sein darfst, heißt auch, dass ich deine Wahl akzeptiere. Du hast dich nicht für deine Familie entschieden, Du hast dich für deinen Besitz entschieden. Ich bin Liebe, nicht Geld. Meine Mitgift ist unvergänglich. Mit jedem Tag, den Du zögerst, muss ich zusehen, wie es mehr und mehr im großen Topf der Lovestorys aller Paare aller Zeiten versinkt.

Wer sich zwischen den Sternen bewegt, kann über die kostbaren Fußböden der Reichen nur lächeln.“ Seneca

Ich bin ihm nicht reich genug – reich an Geld.

Mir gehört das ganze Land – von hier bis Two Moon Junction …

Heute ist Sonnabend, der 1. Februar

Heute ist die Sonne aufgegangen und wieder untergegangen. In gebührendem Abstand. Mehr ist nicht passiert. Es ist schon mehr passiert. Es entzog sich meiner Wahrnehmung. Meine Energie ist bei ihm. Meine ganze Energie ist bei ihm. Meine ganze Energie, die ich für ihn erübrigen kann. Ich bin zu weit mit ihm gegangen, um jetzt umzukehren. Ich kann nur allein weitergehen. Ich mach gerade Gehübungen, wie jemand, dem sie ein anorganisches Hüftgelenk eingepflanzt haben.

Heute ist Freitag, der 31. Januar

Ich bin weiblich. In meiner zweiten Lebenshälfte bin ich gerade fünf Jahre alt. Ich habe zwei geschiedene Ehen, zwei Sonntagskinder, zwei Berufe – an den Nagel gehängt, zwei Schwestern in der Nähe wohnen und eine Liebe meines Lebens. Zur Zeit ist sie nicht aktiv. Nicht aktiv heißt, sie ruht. Sie ruht sanft. Ich weiß nicht, ob und wann sie wiederkommt. Bis vor kurzem wusste ich nicht wann, jetzt habe ich es vorsichtshalber um „ob“ ergänzt. Die sie ist ein Er. Ich habe alles auf eine Karte gesetzt – Herzkönig. Wer hoch pokert, kann viel gewinnen oder alles verlieren. Ich habe keinen Plan B. Ich hatte nur einen Plan M: Leben mit dir. Plusquamperfekt – was für ein Wort – hatte gehabt.

Um diese unabgeschlossene Geschichte geht es hier in den nächsten zwölfeinhalb Monaten. Es geht um Vollendung …