Heute ist Sonnabend, der 31. Mai

Wo ist das alles hin mit uns? Ich mach alles Mögliche und Unmögliche, nur nicht … „Es liegt im Safe auf der Bank“, werden meine Gedanken unterbrochen. Wer hat das eben gesagt? Wessen Stimme war das? – Ich kann es nicht halten. Es zerrinnt mir zwischen den Fingern wie Venus das Blut von Adonis, als Jupiter-Zeus sich in einen wilden Eber verwandelte und seinen Rivalen tödlich verletzte. Dort, wo sein Blut in die Erde sickerte, wuchsen die wilden Anemonen. Auch bei mir wächst etwas Schönes, Blühendes daraus – das, was ich hier schreibe. Aber irgendwie habe ich eine Kreativitätsflaute. Ich hab zwar alles im Kopf, aber keine Lust, es zu schreiben. Weder dir noch ins Tagebuch. Badewanne, Massage, Lesen. Seit Tagen immer nur kalt und Regen. Die Sonne hat sich zurückgezogen. Im Mai – meinem liebsten Monat, weil er fast so heißt wie Du.

Ich soll mir einen Mann suchen? Ich denk, ich soll mal Liebesbriefe schreiben, an einen bestimmten. An dich – im dritten Teil meines Buches. Was soll ich da reinschreiben? „Lieber Maik …“ Und was noch? Das ist doch noch kein Brief. – „Schreib erst mal dein Tagebuch!“, höre ich wieder die Stimme, die von meinem Engel kommt. Ich entgegne: „Du könntest ihm auch meine Aufmerksamkeit entziehen. Ich wäre dafür.“ Da kommt keine Antwort mehr und ich habe das Gefühl, er ist nicht ganz loyal und hält mehr zu dir als zu mir. Es besteht grad nur aus Schreiben – Schreiben von mir. Ohne überfällige „Auffrischungs-Impfung“. Dazu fehlt mir momentan das nötige Verständnis. Und dafür verliere ich noch meinen Autoschlüssel!? Noch während meines Engel-Dialogs kommt ein Anruf, dass der Schlüssel sich wieder angefunden hat. Na ja, das ist auch eine Antwort – indirekt.

Gestern war Tages-Busfahrt mit Tantchen. Onkel kann nicht mehr so und sie musste mal raus. Ich hab ihr versprochen mitzukommen. Achtunddreißig alte Leute ins Alte Land. Und ich, vom anderen Stern. War aber sehr schön. Der Bauer erzählt: Dort heiraten, auch heute noch, nicht Mann und Frau. Es wird von Hof zu Hof geheiratet. Nach dem Motto: Schönheit vergeht, die Hektar bleiben! Schön war er wirklich nicht, der Herr Obsthof-Besitzer, der uns was über die Tradition der Äppel und Kirschen dort erzählt hat. Es war also eine Art Studienfahrt für mich und ich kam mir ziemlich allein vor als Verfechterin von Liebe aus Liebe. Als ich abends aus dem Bus steige, vermisse ich meinen Autoschlüssel. Ich ruf im Reiseunternehmen an und spreche meine Verzweiflung auf AB. Nächsten Vormittag Anruf von der Busfirma mit dem schönen Namen „Summer“, dass er gefunden wurde. Hatte sich im Sitz verklemmt. Das kommt davon, weil ich immer alles nur lose in der Tasche habe. Meine liebe Nachbarin, die im Nachbarort arbeitet, wo auch Summers ihren Firmensitz haben, holt ihn für mich ab und gibt ihn mir, mit einem schönen Engel-Anhänger aus Edelstahl verkuppelt, zurück. „Damit du ihn nicht so schnell wieder verlierst!“ Dumm nur, das Material erinnert mich an deinen Ehering – so matt.

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