Heute, kurz nach 7, weckt mich meine Nachbarin mit SMS. Sie hat Fieber – ob ich mal den Kleinen betreuen kann, wenns geht. Sie ist die Woche zuhause mit ihm, weil er krank ist. Er ist noch nicht mal 3 und hat schon chronische Bronchitis, mein kleiner Sonnenschein. Gestern früh klingelt er und bringt mir eine kleine Bienenwachskerze. Das läuft dann so ab:
Oooh, Guten Morgen, mein süßer Spatz! Das ist ja lieb von dir. Hast du gut geschlafen? – Jaaa – Hast du auch was Schönes geträumt? – Jaaa – Ja? Was denn? – Fische – Was für Fische? – Hecht – Hast du schon mal einen gesehen? – Jaaa – Ja? Wo denn? – …tze-um – aaah, im Müritzeum – jaaa. – Er ist so lieb und goldig und anhänglich, die helle Freude ist das. Oder er kommt und stellt mir sein neues Lichtschwert vor, das er mit gebanntem Blick auf mich gerichtet hält. Da war mein Sohn grad hier. Er musste grinsen. Ich bin ganz ernst geblieben und hab es ausreichend bewundert und mich angemessen gefürchtet. Oder ich sag, Du hast aber eine schöne Hose heute an – weiße Kord-Latzhose – Antwort: Bauarbeiter-Hose ! – Ich stell ihm den linken Träger, der ihm von der Schulter rutscht, auf passend – und er geht wieder … Wir leben Tür an Tür und haben kurze Wege zueinander. Es ist fast wie eine gemeinsame Wohnung, uns trennt nur 1 m Flur. Nein, uns trennt gar nichts …