Ich hab am Freitag was gemacht, eine symbolische Handlung. Nachdem ich schon meinen goldenen Ehering versilbert habe, ging jetzt meine goldene Halskette über den Ladentisch, in umgekehrter Richtung – von mir zum Juwelier. Ich hatte vorher angerufen, ob er Gold auch als Schmuck aufkauft, nicht nur als Altgold. – Muss ich sehen … von 2 Goldketten und einem paar goldener Kreolen – ich trag keinen Goldschmuck mehr – hat er sich für eine Kette interessiert. Der Zeitpunkt war wohl nicht gerade günstig gewählt, der Meister kam gerade vom Zahnarzt – oder vielleicht doch, gerade deswegen – er war verletzlich. „Mit der Kette hat mir mein Ex-Ehemann einen Heiratsantrag gemacht“, erkläre ich ihm, als er sie sich genauer unter die Lupe nimmt. „Wenn es 333er Gold wäre, wär es mir lieber.“ – „Warum?“ – „Weil ich sie dann besser verkaufen kann.“ – „Dann wäre es keine Kette für einen Heiratsantrag. Die Touris kommen und sie wird schon einem gefallen.“ – „110 Euro – das ist ein guter Preis!“ – „Okay“, guter Preis zumindest für dich, denk ich. Als er mir die Scheinchen gibt, sag ich – 111 wär eine Glückszahl. Er kramt in seinen Taschen – sowas geht hier nicht über Kasse – und legt mir noch einen blanken Glücks-Taler obendrauf.
„Vielleicht sollten wir es bei Gelegenheit …?“ Vielleicht hätte ich sogar versucht, ihn dazu zu verführen und vielleicht wäre es mir sogar gelungen – wenn es nur irgendwie in meinem Sinne gewesen wäre …