Heute ist Dienstag, der 27. März

Ich möchte mit dieser Geschichte aus „Der Born Judas“ was zu VERLEUMDUNG sagen:

DIE DREI SCHWESTERN

Es war einmal ein Mann, der drei Töchter hatte; die eine der Töchter war diebisch, die andere war arbeitsscheu, die dritte war klatschsüchtig. Da kam ein Freund zu dem Manne, der drei Söhne hatte, und wollte die drei Jungfern für seine Söhne freien. Der Vater der Töchter aber sprach zu ihm: „Meine Töchter verdienen es nicht, mit deinen Söhnen vermählt zu werden.“ Da fragte jener: „Warum denn?“ Der Mann erwiderte: „Weil die eine gerne stiehlt, die zweite nichts tut, die dritte üble Nachrede verbreitet.“ Der Vater der Söhne sagte dennoch: „Und sei dem auch so, ich will deine Töchter meinen Söhnen antrauen.“ Und er nahm die drei Schwestern, brachte sie in sein Haus und ließ seine Söhne sie ehelichen.

Wie stellte es aber der Schwiegervater mit den jungen Frauen an? Die Diebin setzte er zur Herrscherin über alles, was ihm gehörte; die Faule machte er zur Aufseherin aller seiner Sklaven und Sklavinnen. Die Verleumderin aber besuchte er jeden Morgen und fragte sie nach ihrem Befinden. Nach einiger Zeit kam der Vater der 3 Schwestern, seine Töchter zu sehen. Die Diebin und die Faule priesen ihn hoch und sprachen: „Vater, aller Segen möge auf deinem Haupte ruhen dafür, dass du uns in dieses Haus gebracht hast; wir haben hier viel Behagen gefunden.“ Die Verleumderin aber sagte: „Aller Fluch möge über dich kommen. Jeder Mensch gibt seine Tochter einem Manne, du aber hast mich zweien vermählt, dem Vater und dem Sohne zugleich. Glaubst du es nicht, so verstecke dich unter meinem Bette und habe acht auf das, was kommen wird; sobald mein Gemahl hinausgegangen ist, sein Tagewerk zu verrichten, kommt sein Vater und bedrängt mich mit seinen Anträgen.“

Da verbarg sich der Vater der jungen Frau unter ihrem Bette, und alsbald kam der Schwiegervater und begrüßte sie in der gewohnten Weise; er beugte sich über sie und küsste ihr Haupt, wie er es täglich zu tun pflegte. Darauf sprach das Weib: „Lass ab von mir, mein eigener Vater ist hier.“ Da glaubte der unter dem Bette Horchende, dass der Vater seines Eidams wirklich Sündiges im Sinne hätte; er kam aus dem Versteck hervor und schlug den alten Mann tot. Als die Söhne des Getöteten das vernahmen, machten sie sich auf und erwürgten ihren Schwiegervater. Die Verleumderin begab sich in das Frauenhaus, um ihren Vater zu beweinen, aber auch sie wurde getötet.

Ersieh daraus, dass eine böse Zunge drei Menschenkinder ums Leben bringen kann; den Sprecher und den Hörer sowohl als den Geschmähten. Der aber die Verleumdung für wahr hält, wird von der Strafe noch eher betroffen, als der, der sie ausstreut.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s