Eine schöne orientalische Frau mit Perlen im Gesicht blickt mich an und sagt, sanft und milde lächelnd, zu mir: „Achte auf deine Spiritualität …“. Das war mein Traum heute Nacht, eine Woche vor meinem Geburtstag.
Autor: dualseelenherzmary
Heute ist Montag, der 30. Juni
Mein Touch Screen vom Handy hat sich heute endgültig verabschiedet. Es spinnt schon eine ganze Weile. Ich bevorzuge deshalb einfache Tasten-Telefone. Nur die stehen auf der Roten Liste und sind vom Aussterben bedroht. Ich will was als Entwurf speichern. Aber alles, was ich antippe, geht drei Stellen daneben oder reagiert gar nicht und das Wörterbuch hat sich auch ausgeklinkt. Auf diese wundersame Weise gehen ungewollt vier SMS an Maik raus:
Wgp
Mdgmd
Leer-SMS
Gag (sollte Ich heißen, und nicht Gag)
Ich schreibe ihm eine kurze Mail, in der ich es ihm erkläre, weil ich nicht möchte, dass er denkt, ich hab den Verstand verloren. Sie endet mit: „Wir sind jetzt beide gegangen – und wir haben beide die Zeit, die wir brauchen.“ – Mein „Ich kann so nicht bei dir bleiben“ habe ich damit gemildert, weil ich mich damit nicht wohl gefühlt habe – Bauchschmerzen! Durch den technischen Blackout hat die 13. Fee den Tod von Dornröschen in einen hundertjährigen Schlaf verwandelt. „Wir sind jetzt beide gegangen …“ Aus der Asche des Phönix kann etwas neues entstehen …
Heute ist Sonntag, der 29. Juni
„Er sagt dir nicht immer alles und auch nicht immer die Wahrheit“, klärt mich die Expertin am Astro-Telefon auf. „Neptun ist sein Täuschungsplanet. Aber das jetzt kannst du ihm glauben. Es geht ihm psychisch nicht gut. Er fühlt sich hin- und hergerissen. Bei ihm ist die Emotionalität betroffen.“ Ja, ich weiß, zu Neptuns Spezialitäten gehören auch Verwischen, Verwässern, Vertuschen, Verschwimmen, Verschleiern. Und sie führt weiter aus: „Seine Veränderung zieht sich noch bis ins nächste Jahr hinein. Dann ist es stabil mit euch – oder vorbei. Aber auch, wenn er seine Beziehung verlässt, es wird nicht einfach werden. Es wird immer wieder Zeiten geben, in denen er sich raus zieht. Du wirst nie wissen, woran du bei ihm bist.“
Dann hole ich noch zwei weitere Meinungen vom dortigen Spezialisten-Team, Abteilung Hellsehen, ein, eine männliche und eine weibliche. Beide sagen unabhängig voneinander:
Er: „Du brauchst gar nichts machen. Er kommt von ganz alleine wieder, denn da in seiner Ehe läuft ja nichts mehr:“
Sie: „Du kannst ihn gar nicht verlieren, er kommt sowieso wieder. Seine Beziehung ist am Ende. Die ist überhaupt nicht wichtig.“ Mit Beziehung meint sie seine Ehe.
Euer Wort in Gottes Gehörgang! Doch Euch traue ich nicht mehr als meiner Intuition.
Heute ist Sonnabend, der 28. Juni
Ich lese Henry Miller, „Wendekreis des Krebses“, und denke: Du musst als Schriftsteller einigermaßen verrückt sein, um gut zu sein, und darfst keine Scheu haben, es zu zeigen. Alle Frauen nennt er grundsätzlich Pritschen. Wie herrlich sexistisch! Nur die Huren nennt er beim Namen – nämlich Huren. An einer Stelle schwört er darauf, was bei Frauen ein Wechsel in der Besamung ausmacht. Der Wechsel bei mir warst Du, nur was machst Du mit mir? Sperma-Verweigerung – das ist ein probates Mittel in der S/M-Szenerie. Für mich hat es den gleichen bitter-herben Geschmack wie Liebesentzug. Seit 8 Jahren bin ich chronisch unterernährt und dehydriert, was die Nahrungsquelle „Sinnlicher Sex als Lebenselixier“ angeht. Nur die Zeit, darüber zu lamentieren, ist vorbei. Erstaunlich, wie lange man so überleben kann. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Bei mir manifestiert sich derartige Mangelernährung körperlich in Form von Schmerzen. Auf Deutsch gesagt: Fickst Du mich nicht, sagt mir mein Körper, fordere es von ihm ein! Und genau das verbietet mir mein feinfühlig-vornehmer Geist. Könnt Ihr euch ein größeres Dilemma vorstellen?
Heute ist Freitag, der 27. Juni
Als Schreiberin bin ich immer an bewegenden Geschichten interessiert. Das war bis jetzt meine eigene. Nur die bewegt sich zur Zeit nicht. Jetzt ist Schweigen im Walde und Still ruht der See. Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht, antworte ich: „Gut, kurz vor verrückt …“
Heute ist Donnerstag, der 26. Juni
SMS an Maik: „Ich hab darüber nachgedacht. In so fern ist keine Zeitangabe, mit der ich leben möchte. Ich kann verstehen, wie es dir geht, aber ich möchte mich auch wohl fühlen können, Maik. Ich kann so nicht bei dir bleiben. Alles Liebe für dich!“ Ich musste ihm das schreiben und liebevoll, aber deutlich eine Grenze ziehen. Diese Ungewissheit, der er mich ausgesetzt hat – in so fern kann sonstwann oder nie sein – bin ich nicht bereit hinzunehmen. Seine Formulierung lässt ihm offen, dass er jederzeit kommen kann aber nicht muss.
Heute ist Mittwoch, der 25. Juni
Schleichende Tage. Nicht von Sonne durchglüht. Was hat das Schicksal mit uns vor, frage ich mich. Das hat mit Geduld nichts mehr zu tun. Für jeden Tag deiner klärenden Abwesenheit male ich mit Lippenstift einen Strich an den Spiegel. Wenn vier Tage um sind, einen Querstrich, wie auf dem Bierdeckel. Bei vierzig höre ich auf. Größer ist der Spiegel nicht und der Lippenstift ist auch am Ende. Die ganze verdammte Corona von roten Strichen hält sich dezent im Hintergrund auf dem Schuhregal unter der Treppe. Aber ich weiß, dass sie da sind …
Zeitlos – denk daran, es ist zeitlos, Liebes, sage ich, wenn das irdische Stundenglas Chronos vor meinen Augen die temporäre Schallmauer in Zeitlupe durchbricht. Mit Liebes meine ich mich. Wahlweise liebkose ich mich auch mit meine liebe Kleine, meine Süße, mein Zuckerpüppchen. Von mir aus – soll es sich tot laufen. Wie ein Aal im Sand. Bei Aal muss ich zwar wieder an deinen Schwanz denken, aber das ist mir egal. Du hast dich zu lange bitten lassen! – Das ist heute die emotionale Tages-Qualität.
Heute ist Dienstag, der 24. Juni
Nachdem mein Berti im Hamster-Himmel ist, rede ich mit meinem ficus benjamini, kurz Benji genannt. Er hat seine Nachfolge angetreten. Heute frage ich ihn: „Weißt du, was Schicksal ist, Benji? Dein Schicksal ist, dass du hier bei mir lebst, einen Fenster-Sonnen-Platz hast und ich gut für dich sorge. Du bist in gute Hände gekommen.“ Mein Schicksal ist, dass ich in deine Hände gekommen bin. Neulich abend, vor dem Einschlafen, habe ich mich manuell verwöhnt und ich hatte das Gefühl, dass es deine Hand war und nicht meine, die das da unten mit mir macht.
Heute ist Montag, der 23. Juni
In meinem Bücherregal steht deine Geburtstagskarte an dich vom letzten Jahr, die ich nicht abgeschickt habe: „Monde und Jahre vergehen, aber ein schöner Moment leuchtet das ganze Leben lang.“ Darauf ist ein wunderschöner Vollmond-Nachthimmel. Mein Urprinzip Mond – das widerspiegelnde Prinzip. In einen Stern hab ich mein A gezeichnet – ganz unscheinbar und unauffällig …
Heute ist Sonntag, der 22. Juni
Profil C 4:
48 Jahre,
verheirat,
Mediziner (der sich auf Sex Live Cam beim Abspritzen zusehen lässt – einwandfrei)
Augen: blau (da hat er wohl meine angegeben)
Größe: 0 cm (seh ich auch so)
Letzte Übertragung: Heute
Wir haben beide einen schönen Körper. Deiner athletisch – meiner Marzipan-Rohmasse. Vier Tage nach meinem Geburtstag vor zwei Jahren bist Du Mitglied in der Exhibitionisten-Community geworden. Das Wunder, dass ich zur Welt gekommen bin, reicht dir nicht. Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, was Du dort machst. – Heiliges Kanonenrohr! Es geht mir nicht aus dem Kopf. Das müsstet Ihr mal sehen – sein Geschütz. Dann würdet Ihr mich verstehen. Sex mit ihm ist kein Blümchen-Sex. Es ist Spannung. Aggression. Es ist heftig.