Heute ist Dienstag, der 22. April

Es war schon mal zwischen uns im Gespräch, ob wir vielleicht mal zu dritt … Maik wollte nicht, dass es bei Manuel „stattfindet“, ich wollte bei Manuel, beide wollten bei mir. Das wollte ich nicht.

Jetzt, wo er hier ist, kommen wir wieder auf das Thema. Und jetzt bin ich auch bereit – denke, hier ist es ideal. Manuel sagt: „Ich will auch mit dir, aber nur zu dritt.“ Er ist natürlich mehr am gleichgeschlechtlichen Part interessiert, was ich wiederum interessant finde. Ich glaub, er ist sexuell noch in der Findungsphase, auch wenn ihn zur Zeit Männer mehr reizen. So sieht er es wohl auch. Aber er meint, er würde auch eine Frau lieben können. Und Kinder will er auch. Und einen „Freund“. Wir diskutieren über Lebens- und Liebes-Modelle.

Unsere schöne Idee zu dritt schicke ich per SMS an Maik. Er wundert sich, warum jetzt doch. Er meint, er muss es erst wirken lassen. Das wundert uns ein wenig, denn für uns ist es schon klar. Aber wir haben ja auch schon gedanklichen Vorlauf. Manuel ist sich ganz sicher, dass Maik mit dabei ist. „Und wenn nicht?“, äußere ich meine Zweifel. – „Wart‘ mal ab, wir haben ja Zeit …“

Damit es Maik ein bisschen leichter fällt, sich mit dem Gedanken anzufreunden, wollen wir ihn ein bisschen aufmuntern und simsen ihm: „Wir liegen grad in der Wanne und rauchen Pfeife Black Vanilla.“ – Antwort: „Wer hätte das geahnt! Nur Pfeife rauchend?“ – „Nee, auch Zigarette“ Und er gleich darauf: „Ist noch Platz für ’n Dritten?“ – „Das hat aber schnell gewirkt bei dir! Nur heute wird’s wohl nichts mehr?“ – Es ist kurz vor Mitternacht und Maik in seiner 100 Kilometer entfernten häuslichen Umgebung: „Leider, bis irgendwann …“ – „Bis bald, Maik“, so meine Antwort. Am nächsten Tag schreibe ich ihm: „Manuel lag in tief-tintenblauem Badewasser und nur sein Kopf war zu sehen. Er hat die ganze Flasche Sandelholz-Bad auf einmal reingekippt. Ich hatte mein blaues Licht an und saß auf dem Klodeckel.“ Ich will nicht, dass er denkt, ich hatte was mit Manuel ohne ihn.

Manuel sagt, er ist fachlich sehr zentriert – also Maik. „Ja, Manuel, fachlich sehr zentriert und sonst nichts gebacken kriegen – das nennt man Fachidioten, umgangssprachlich.

Heute ist Montag, der 21. April

Meine liebe Tochter. Sie ist nicht gekommen zu Ostern. Sie muss zu sich kommen. Sie muss zu sich kommen. – Manuel hat mich gefragt, ob er mal für paar Tage zu mir kommen kann. Das ist schon eine Weile her. Manuel, meine Tür steht dir immer offen. Das sag ich nicht nur so, das meine ich auch so. Ich hab nicht gedacht, dass er es so schnell wahr machen würde. Ich hole ihn heute Nachmittag vom Zug ab – das ist für ihn, obwohl uns nur 100 Kilometer trennen, entspannter als mit dem Auto. Dabei überlege ich, was das wohl wird, wir waren noch nie länger als ein paar Stunden zusammen, aber das in Abziehbild-gleicher Übereinstimmung. Meine Wohnung hat nicht mal 60 Quadratmeter, aber zwei Etagen für Rückzug und eine schöne Dachterrasse, falls es uns mal zu eng wird. Er ist auch das Gegenteil von mir, wie Maik, immer in Action. Ich bin die Ruhe in Persona. Er will bis Freitag bleiben. Maik weiß, dass Manuel hier ist. Hier bei mir zu sein, war eigentlich sein Privileg. Bis jetzt. Ab heute sind wir zu dritt: Maik, Manuel und Ich.

Heute ist Sonntag, der 20. April

6:00 Uhr Mein pen-Zirkel mit einer Teilnehmerin schmeißt mich ungeduldig aus dem Bett. Der Vorteil ist: Er hat keine festen Zeiten. Der Nachteil ist: Er hat keine festen Zeiten. Der Schreib-Fluss ist sehr launisch. Gestern noch fließt er träge dahin, dann plätschert er und heute fällt ihm mit einmal ein, mich mit reißender Strömung aus dem Fluss-Bett zu treiben: Beweg dich mal, du Wassernixe! – Laptop an, Kaffee hinzu und fließen lassen …

Rückblick: Einmal, als ich noch in Sebelin gewohnt hab, lagen wir danach wie ein Paar siamesische Zwillinge auf dem Bett. In der Mitte zusammengeschweißt, die Oberkörper jeder für sich. So hätte ich liegen bleiben können, nicht für immer – nur für ewig und drei Tage …

Heute ist Karfreitag, der 18. April

Heut mach ich schön Faulencia-Glückstag. Gestern war keiner. Schön Essen, Ausruhen, Genießen, Träumen … Ein unauffälliger Glückstag folgt dem anderen. Still ruht der See. Keine Engelstrompeten. Es gibt Zeiten, da nehm ich Energie auf und andere, da geb ich ab. Jetzt ist Aufnahme angesagt, a la träge Katze. Da ist einmal auf „Senden“ drücken schon fast zuviel des Guten …

Heute ist Dienstag, der 15. April

Wieder ein Gutschein für Astro-Telefon im Briefkasten. Ob die mir jeden Monat einen schicken wollen? Mars ist rückläufig, da können nagende Zweifel auftreten, teilen sie mir mit. Ruf doch mal an … Das mach ich gleich. Maggie, meine Vertraute. Diesmal frag ich sie nach den Erfolgsaussichten für mein am Freitag eingereichtes Manuskript: Es soll ein Buch werden, weil ich finde, dass die Welt damit ein Stück schöner wird. Es sind meine sieben Jahre mit dir in Episoden, Kurzgeschichten. Es bekommt der Verlag für neue Autoren: „Wir haben einen Platz für Ihr Buch in unserem Verlagsprogramm – und wenn nicht, schaffen wir einen.“ Genau deshalb.

Ja“, sagt sie – „sie nehmen es, aber erst im zweiten Anlauf. Vielleicht passt der Titel nicht.“ Im Geiste tauf ich schon mal um. – „Weißt du, wie mein Buch heißen wird“, fragt sie mich, als ob ich hellsichtig wäre und auf meine Telefonkosten zu Zweineununddreißig die Minute. – „Nein, woher?“ – „Meine Steinzeitmänner“, klärt sie mich auf. – Clever, denk ich, MännER hört sich schon mal interessanter an als ich mit meinem verlorenen Einzelexemplar. Damit kommen wir unweigerlich auf dich zu sprechen: „Er ist mit seinem Job verheiratet, das reicht ihm zur Zeit. Er bekommt eine Beziehung da nicht untergebracht. Aber, der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Er bekommt auch Frühlingsgefühle. Und er wird wieder auf dich zukommen. Ende des Monats. Allerdings sehr unbeholfen.“ – „Ende des Monats?“ – „Ja, spätestens.“ – Das ist mein mir inzwischen fast lieb gewonnenes Spiel mit ihr. Er kommt immer Ende des Monats – spätestens. Ich glaub, das nehmen wir beide nicht ganz für voll.

Doch mit dem unbeholfen behält sie recht. Auf meine „Lass es dir gut gehen, es ist schöner Frühling!“-SMS antwortest Du: „Ja, es ist einfach herrlich, aber irgendwie …“ „Aber irgendwie“ ist sehr unbeholfen, genauso wie „träumst du manchmal noch von, du weißt schon?“ Darauf brauch ich nicht mal auch nur den kleinen Finger rühren. – Am Ende hat sie gesagt: „Sein Erwachen muss von alleine kommen, wir können nichts machen …“ Wie Frühlingserwachen hört sich das noch nicht an.

Ist das nicht witzig? Ich schick ab, was ein Buch werden soll, und Du – kannst nicht mal ne richtige Schluss-SMS zusammenschreiben. Es kam nicht so bei mir an, obwohl Du dir bestimmt Mühe gegeben hast. Oh, Mann! Er ist nicht nur mit seinem Job verheiratet. Er ist auch noch mit seiner Frau verheiratet, Maggie. Das wollen wir nicht vergessen …

Dritter Mond April-Vollmond: NAMIN – der Sternentänzer

Alte Namen: Hasenmond, Knospenmond, Fruchtbarkeitsmond

Heute ist Montag, der 14. April

Dass meine Tochter nach 33 Jahren nichts mehr mit mir zu tun haben will, hätte ich mir nie träumen lassen. Diesjahr wird sie 34. Vielleicht ändert sich dann ja was dran. MANIPURA – was für ein melodiöses Wort: es ist das Solarplexus-Chakra, das Feuer- oder Sonnen-Zentrum. Das ist unser Selbstwert, meine liebe liebe Tochter. Kannst du aufrecht in der Sonne stehen wie eine Königskerze? Oder muss ich dich stützen? Das kann ich nicht leisten – du sollst dich selber frei entfalten. Mein sensibler Sohn. Meine ferne Tochter. Mein schlafender Geliebter … Ich will dich nicht unsanft wecken. Ich hüte das Feuer …