Manuel ist auch ein Scherz-Keks. Er sagt: „Dafür dass zwischen euch eigentlich Schluss ist, ist es ganz schön viel.“ – „Es ist nur Schreiben, Manuel.“ Da grinst er nur. Ich überlege, ist es nur Schreiben? – wenn du simst: „Ich würde jetzt gerne mit dir Sex haben“? Das kam von dir an einem Abend, als Manuel bei mir war. Einmal hat er mich gefragt: „Darf ich mal deine Schuhe anziehen?“ – „Du weitest mir die aus.“ – „Nein“, und er zwängt sich in meine schwarzen sexy Wildleder-Pumps. „Wie kann man damit gehen …? Oh, die richten auf, man steht gerade.“ – „Sieht klasse aus, Manuel. Kannst du morgen zum Frühstück beim Bäcker anziehen!“
Autor: dualseelenherzmary
Heute ist Donnerstag, der 1. Mai
Im Mai fangen die Proben für M-Saga an. Ich freue mich darauf, das dritte Jahr bei unserem schönen historischen Freilichtbühnen-Theater als Mitwirkende dabei zu sein. Schauspielern ist meine Welt. Und Kostüme. Und Verkleiden. Es macht Spaß, ist aber auch anstrengend, 46 Vorstellungen, bei jedem Wetter. Nur Montag, Dienstag vorstellungsfrei. Im ersten Jahr war nur Regen, im zweiten nur Hitze. Es ist nicht subventioniertes Theater, deshalb geben alle ihr Bestes. Es ist sehr anspruchsvoll. Der Regisseur und „Macher“ ist ein außergewöhnlicher Mann. Er sieht mit dem Herzen. Jährlich im Juli reise ich also in das 16. Jahrhundert, wie andere an Traumstrände, und kehre im September, gezeichnet von den Entbehrungen des 30-jährigen Krieges, in die Ära 2000 zurück. Und parallel dazu Schreiben. Ich seh nur Arbeit dieses Jahr, und was mir so wichtig ist, liegt in der Vergangenheit oder einer Zukunft, die ich noch nicht sehe. Deshalb war die Woche mit Manuel so schön. Es hat Spaß gemacht, es hat so viel Spaß gemacht …
Heute ist Mittwoch, der 30. April
Er ist natürlich nicht zu mir gekommen. Er hat mir nur suggeriert, dass er hätte kommen können. Das kann er gut. Er kommt mir grad vor wie Grandpa oder Väterchen Frost. Ich weiß nicht, wohin er gestern gefahren ist. Ich weiß nur, er fährt nicht in meine Richtung …
Ich hab Post vom Verlag bekommen. Mein Manuskript wurde angenommen. Ich kann es kaum fassen und bin mindestens vierundzwanzig Stunden lang happy. Manuel freut sich mit mir. Er strahlt: „Stell dir mal vor, du bist jetzt Autorin!“ – „Ja, die Erotik-Autorin und ihre Osteopathen-Männer. Jetzt ist der Ausgleich da, Manuel. Der Ausgleich zu seiner Familie ist jetzt mein Schreiben. Und eine zweite Zahnbürste neben meiner macht sich auch gut im Bad.“ Am Tage denk ich an Manuel. Nachts denk ich an Maik … Neulich, auf dem Seminar, fragt mich eine von den Hexen, die, die mir am nächsten steht, ohne Vorwarnung: „Ist er ein Gigolo?“ – „Ja, so ähnlich.“ – „Bist du verrückt, ein Gigolo!“ – „Ich komm klar damit. Die Zeit, wo es mich mein Leben gekostet hätte, ist vorbei. Ich sterb nicht mehr für ihn.“
Heute ist Beltane – Walpurgisnacht. Das ist ein Feiertag für uns. Eine besondere Nacht …
„Oh Mann, es ist Mai. Wonnemonat! Erschwerende Umstände kommen hinzu. Du glänzt durch Abwesenheit und betörende, betäubende Düfte vernebeln mir zusätzlich das Hirn. Sinnenrausch – wo ich sowieso schon von Sinnen bin. Im Mai-Maik-Sinnestaumel den ganzen Tag in frühlings-betörenden Walddüften und ohrenbetäubenden Vögelgeräuschen badend – rosenstolze Feen und Elfen küssen meinen Mund – kehre ich abends glückselig-verwirrt heim in mein Refugium, das mir nun, seit Du hier warst, nicht mehr allein gehört. Halb ohnmächtig fall ich vom Bad ins Bett und ergebe mich – nach all den Irrungen und Wirrungen – meinem Lustschicksal. M A Y D A Y – Bei mir geht’s tief runter, mein Herr: Wenn Sie mir bitte folgen wollen ….“ Das ist aus meinem Fragment von Liebesgeschichten, Teil 2: „Wünsch dir was … noch mehr M“. Dazu hat er sich nicht mehr hergegeben und herbegeben – Er: Maik, mein Geliebter …
Heute ist Dienstag, der 29. April
Abends kommt eine SMS von Maik: „Ich werde morgen 24:00 Uhr eine Runde mit dem Möpi drehen.“ Mit Möpi meint er seine Harley. „Tanken fahren bzw. die Fahrt genießen.“ Ich antworte: „Ei, ei, ei – ne Nachtfahrt, und an welche Tankstelle?“ Keine Antwort. Was wolltest Du mir damit sagen? – „Du hast merkwürdige Tankzeiten …“ Keine Antwort.
Heute ist Montag, der 28. April
Er ist wieder weg, aber hier liegen noch seine Sachen rum: Jogginghose und T-Shirt, Pfeife und Tabak-Dose, auf dem Tisch sein Spiegelneuronen-Buch „Warum ich fühle, was du fühlst“, auf dem Schrank meine Tarot-Karten in trauter Eintracht mit seinem Buch: Shaolin „Du musst nicht kämpfen, um zu siegen“, seine ganzen Bad-Utensilien und seine furchtbaren Sallos-Salmiak-Drops, die er mir schmackhaft machen wollte mit „Maik isst die auch“. Deswegen muss ich die noch lange nicht lutschen. Es ist, als wenn er hier ist, oder ein Teil von ihm. Ich freue mich jeden Tag, wenn ich seine Stimme am Telefon höre. Ich finde, sie klingt wie meine. Ich hör meine eigene Begeisterung darin schwingen. Er hat mir mal gesagt: „Es ist nicht, was du schreibst, sondern, wie du schreibst! Genauso, wie es bei deiner Sprache die Stimmlage ist, die dich so anziehend macht.“
Seit er weg ist, schlafe ich in seinem Bettzeug. Es riecht nach seinem Adidas-Duft. Da macht es gar nichts, dass ich weiß, dass er anders orientiert ist. Auf mich wirkt er wie ein richtiger Mann. Ist er auch. – „’n richtigen Kerl“, sagt Ria, die mir heute die Haare schönmacht – einmal komplett neu. Die äußere Typ-Veränderung folgt nur meiner inneren Wandlung. Ab jetzt ist es anders. Manuel bringt es auf den Punkt: „Er merkt, es weht ein anderer Wind …“
Heute ist Sonntag, der 27. April
Heute nachmittag fährt er zurück. Um Elf sind wir auf dem 2-Minuten-Weg zum Mitten-auf-dem-Markt-Bäcker und singen: He-aloha He-aloha He-aloha hee …. ihre Leiber glänzten in der Sonne … Mein Lieblingslied – und er kennt den Text. Dann sitzen wir draußen in der Sonntagssonne beim „Frühstück für 2“ und er sagt: „„Hhhmmm, du riechst gut.“ Stiller Dank an M-way für den Duft. Ich sitz quer auf der Outdoor-Couch, die Beine hochgelegt, Manuel erzählt. Ich sag verträumt: Ich bin ganz woanders, ich hab das Bild von gestern vor Augen.“ – „Die Spitze find ich schön“, lächelt Manuel. „Ja, die find ich auch schön.“ – Als wir abends telefonieren, sag ich: „Grüß deine Spitz‘ de luxe von mir.“ – „Mach ich, ich hab schon dreimal gewixt, das ist un-normal.“ – Bei seiner Offenheit muss ich manchmal ganz schön schlucken. Er macht kein Hehl daraus, dass er Sex süchtig konsumiert. Er spricht über das Thema genauso, wie über Sport oder jedes andere. Ein paarmal hat er die Tage gefragt: „Na, bist du feucht?“ – „Bei dir reicht Erregung, Manuel, ich brauch dazu ne Extradosis Leidenschaft und Begehren.“ Wie bei Maik. Und Manuel ist nicht Maik.
Nach dem Frühstück fahren wir zur Brücke an den See. Im Auto hören wir Maffay. Starke Texte. Starke Musik. Am See machen wir Qi Gong – Manuel klassisch, ich Lucky Strike Qi Gong. Auf einmal guckt er mich an und sagt ohne Einleitung: „Maik soll mir Manipulieren beibringen, also Knochenbrechen!“ – „Ich weiß – Ähä … ?!“ Nach dem See fahr ich noch Tanken. Ich halt den Rüssel rein, Manuel bleibt im Auto. Auf einmal kommt er rausgesprungen, lacht sich lauthals schlapp und schreit: „Eh, du parkst so geil hier, die kotzen alle ab, die Typen …!“ Nachmittags nochmal Sonne und Kaffee bei inzwischen unserem Bäcker. Am Bahnhof verabschiedet er sich: „Es war genial. In der Woche war Alles drin. Körperliche Ebene, emotionale und sexuelle.“ – Ja, so was kannte ich bisher nicht: Sehr guter Freund mit sexueller Komponente und Flirt-Charakter.
Heute ist Sonnabend, der 26. April
In der Woche hat er immer wieder gesagt, du musst da nicht sitzen. Komm zu mir. Er hat gespürt, dass ich Hemmungen habe, ihn zu berühren. Das liegt an seiner Neigung. Ich bin auch schüchtern. Er hat ein gutes feeling und sehr sensitiv meine Hemmschwelle tiefer gelegt. Dafür war die Woche für uns gut.
Als ich mich neben ihn setze, nimmt er sein Handy ans Ohr, ohne dass es geklingelt hat, und sagt: „Ja, sie ist hier, ich geb sie dir …“ – Ich versteh sofort und sage: „Schade, dass du nicht gekommen bist, Maik, das wär schön geworden …“ und ich rede mit ihm , als ob er wirklich am anderen Ende ist. Und dann: „Ich geb dir Manuel noch mal …“ – und Manuel sagt, auch als ob Du wirklich dran bist: „Sie hat die ganze Nacht gehustet …“ – “Erzähl ihm das nicht, das muss er nicht wissen“, sage ich in vollem Ernst. Ich fühle mich in dem Moment, als ob ich die Frau von beiden bin. – Manuel: „Hätte ich es nicht gewusst, ich hätte geglaubt, du sprichst wirklich mit ihm, so echt war es. So kannst du doch immer mit ihm telefonieren.“
Heute ist Freitag, der 25. April
Die Woche verläuft in Harmonie und Eintracht, in Verstehen, Zuhören, Lautlachen, Schweigen, alles, was ich mit Maik nicht kann, kann ich mit Manuel. Ich will für ihn Kochen und er wünscht sich Pellkartoffeln mit Sahne-Hering. Also nur Kartoffeln kochen, den Hering aus dem Kühlregal. Dabei bleibt es. Wir essen nur „auswärts“ und frequentieren unsere gastronomischen Highlights. Liegen alle vor der Tür meiner Altstadt. Ich mitten drin. Wir haben den gleichen Geschmack. Wir sind uns EINIG. Bis jetzt ließ uns das Wetter nur drinnen bleiben oder gastliche Stätten aufsuchen. Er kennt den Nationalpark nicht, und ich freue mich drauf, ihm mein Paradies zu zeigen. Ich entführe ihn an meinen ersten See …
Abends, wieder zurück, alles so wie immer. Nicht ganz … Jetzt kommt eine kleine, feine Veränderung ins Spiel. Er sieht in meinem Regal ein Gay-Video und wundert sich: „So was hast Du?“ – „Ja, es hat mich schon immer fasziniert, was Männer miteinander treiben, und besonders, dabei zuzusehen.“ – „Komm, wir gehen Essen, und danach sehen wir es uns an. Ich muss mir dabei aber leider einen bügeln, bei einer Woche ohne Sex“ – Hilfe, denk ich – „damit kommst du klar, oder?“ Als wir beim Italiener sitzen, denk ich die ganze Zeit daran und es erscheint mir als das Normalste von der Welt, was wir vorhaben. Als wir zahlen und gehen, frag ich vorsichtig: „Wollen wir wirklich?“ – „Ja, na klar! Was denkst du denn? Ich hab da keine Hemmungen.“ – Du hast überhaupt keine Hemmungen, Manuel, denk ich bei mir in meinem Sinn.
So, wir sind zurück. Wir legen die DVD ein. Passiert nix. Es macht ihn nicht an und mich auch nicht. Dann entscheidet er: „So wird das nichts. Ich zeig dir mal was anderes!“, und er zeigt mir, was das Internet auf dem Sektor alles so zu bieten hat. Ich bin hin und weg. Er merkt es. Ich sitz vor dem Laptop. Er neben mir. Auf einmal geht alles von selbst. Ich seh ihm dabei zu. Er sagt: „Du kannst auch was mit dir machen.“ – „Nein, ich seh mir das Video an – und dich …“ Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll und wie er reagieren würde, kann aber nicht widerstehen, meine Hand vorsichtig auf seine schöne Schwanzspitze zu legen. Das ist sehr okay. Kein Veto von ihm. Wenn er das nochmal zu mir sagt – bin ich unbefangener … Dann gehen wir ins Bett. Ich oben – er unten. Bevor ich ins Reich der Träume gleite, teile ich Maik noch mit, was wir getan haben. – „Er hat sich vor dir einen gegönnt?“, fragt Maik. Ich glaub, er ist einigermaßen beeindruckt. – „Neben mir – und nicht Einen – Zwei – gleich nochmal, weil’s so schön war.“ – Ich glaub, zwei von uns Dreien können gut schlafen heute Nacht. Am nächsten Tag beichte ich Manuel meine nächtliche Kommunikation. Er fängt laut an zu lachen und hört gar nicht wieder auf: „Vor dir? – nein, neben mir – einen gegönnt? – nein, Zwei … Wie geil ist das denn?!“
Heute ist Donnerstag, der 24. April
Ich bekomm durch ihn schöne Einblicke in „die Szene“. Zum Beispiel, wenn dates platzen, was an der Tagesordnung ist, darf man nicht zimperlich sein. Mein Manuel schreibt einem: „Eh, du dumme Sau, ich fahr extra nach R. und du meldest dich nicht und gar nichts. Verpiss dich und belästige mich nicht mehr.“ – Die dumme Sau antwortet: „Kein Bock, Lutscher, Nummer 200 bei dir zu sein.“ – Die Autorin ergänzt: „Es ist eine Unverbindlichkeit, die zum Kotzen ist.“ – „Ja, du sagst es“, wiederholt Manuel, „unverbindlich bis zum Kotzen.“ Und er sagt noch was: „Das ist typisches GayR-Verhalten, was Maik mit dir macht. Es ist genaaauuu dasselbe. Auch die Fotos von ihm“, ich hab ihm ein paar gezeigt, „so verhält sich kein Hetero, den ich kenne. Ich glaub, er ist mehr bi, als er denkt.“
Ansonsten halten ihn hier alle für meinen Sohn. Das kommt auch hin mit dem Alter. Er fällt auf. Spricht alle hier mit „du“ an. Wir sind in einem Geschäft – hier gibt’s nur seriöse Geschäfte. Im Laden ein Elternpaar mit Jugendweihling, der eingekleidet werden soll und ein paar ältere Leutchen. Er sucht sich eine sexy Hilfi-Jacke plus T-Shirt aus und steht mitten im Laden mit freiem Oberkörper da. „Manuel …“ – „Was ist, wo soll ich es denn sonst anpassen?“ – „Hast du schon mal was von Ankleidekabinen gehört?“ Aber es macht Spaß, es macht so viel Spaß mit ihm, das glaubt Ihr nicht …
Heute ist Mittwoch, der 23. April
Heute machen wir Aufstellungs-Arbeit. Das ist eine Methode der systemischen Arbeit. Dabei geht es kurz gesagt um Familien-Herkunfts-Systeme und ihre Auswirkungen auf die jetzige Lebenssituation. Als Psycho-Beraterin ist mir das vertraut. Das weiß Manuel aber nicht. So lange kennen wir uns noch nicht, und es kam nie zur Sprache. Es lief sehr gut und am Ende ist er begeistert: „Ich wusste nicht, dass du so fit bist in systemischer Arbeit.“ Da erzähle ich ihm, dass ich mir mit dieser zweiten Ausbildung einen Traum verwirklicht habe.
Manuel will Alles wissen. Aus meiner weiterführenden Ausbildung weiß ich inzwischen, Alles darf man nicht wissen. Es gibt Grenzen. Nicht für Manuel. „Wie funktioniert Aufstellungsarbeit mit Stellvertretern?“, fragt er mich. – „Das weißt du doch, Urvater Hellinger sagt selbst, es ist ein Phänomen. Es hat was mit dem morphogenetischen Feld zu tun.“ – „Hmmm …“ – Ich merke, damit gibt er sich nicht zufrieden. „Manuel, Morpheus ist der Schlaf … und das solltest du auch schlafen lassen.“ – „Ich weiß was, wir stellen mal auf – wie funktioniert das morphogenetische Feld?!“ – „Du kriegst es fertig, und stellst noch den lieben Gott auf!“ Damit ist die Sache für mich erledigt.