Heute ist Donnerstag, der 13. März

Der Medicus. Ich war nach Ewigkeiten wieder im Kino. Ich will meiner Seele jetzt jeden Tag was Besonderes tun. Mir schwant danach, ich meine es maximal halbherzig mit einem neuen Mann. Der Film war faszinierend, großartig, beeindruckend, monumental. Das schreibe ich dir. Du bestätigst es mir sofort. Du hast ihn auch gesehen. Die „Seitenkrankheit“ bedeutete 1021 n. Chr. das Todesurteil. Heute macht das der Pförtner. Rob Cole und seine Geliebte Rebecca, das hätten auch Du und ich sein können. Du bist auch ein Medicus, ein begnadeter, und ich – wie sie – eine Bücher-Fee und Geschichten-Seele. Vielleicht waren wir das ja auch, vor tausend Jahren.

Heute ist Montag, der 10. März

Ich will mit Begeisterung leben, woran ich glaube und was mich zum Strahlen bringt. Das mache ich jetzt, das habe ich bei dir gemacht, bis zuletzt. Kein Tag davon war sinnlos verschenkt. Das zählt für mich, nicht wie etwas ausgeht. Heute ist der Tag, für den die Sternenfrau deine Rückkehr, dein Erscheinen, deine Wiedergeburt angesagt hat. Und es ist der strahlendste Tag heute, als wenn ihm seine schicksalhafte Bedeutung bewusst ist. Es ist auf einmal sehr still. Die Welt hält den Atem an.

Heute ist Sonntag, der 9. März

Heute sehen die Wolken über meiner Dachterrasse aus wie ein Gehirn. Und mein Gehirn denkt: Meine dreizehn Monde Trauer sind bald vorbei. Ich bin nicht mehr dabei, Maik. Zu viele Einschränkungen. Meine Ansprüche sind nicht zu hoch. Meine Ansprüche sind meine Ansprüche. Meine Werte sind in Ordnung. Auch meine Herzwerte, wenn Du verstehst, was ich meine. Ich lass dich mit den Watte-Gehirnen ziehen …

Heute ist Donnerstag, der 6. März

Meine Lebensaufgabe finden, dazu habe ich jetzt uneingeschränkt Zeit nach dir. Welche ist es bloß? Die Geliebte eines Mannes zu sein, ist keine Lebensaufgabe, belehrt mich meine Meisterin auf dem Weg zur weisen Frau. Nein? Schade, ich dachte. Und wenn Lebens-Aufgabe, dann müsste ich sie bald herausfinden. Es ist das, was ich schon immer wollte, was ich am besten kann und was mich mit tiefer Freude durchdringt. Diese Kriterien erfüllt auch mein Bestimmungs-Favorit, Maik. Aber es hat was damit zu tun, was ich der Welt und den Menschen schenken kann, meine göttliche Gabe. Beim Schreiben geht mir das Herz auf. Und das ist ein Indiz für Lebensaufgabe. Im Stillen beschließe ich, es gibt eine primäre und eine sekundäre. Das kann nicht verkehrt sein. Vielleicht läuft sie mir mal über den Weg, meine heimliche sekundäre Lebensaufgabe. Es könnte nur sein, dass ich sie übersehe. Ich glaub nämlich immer noch, sie sieht aus wie Du. Weiß auch nicht, warum. Die Einwirkzeit war wohl zu lang.