Donnerstag, 5. Oktober

Der Anfang deiner eigenen Entwicklung liegt in dir selbst. Ying-an

Von den 3 Tagen mit Silvia und Detlef, Antje und Lena und Jonte und mir, war unsere Radtour mit Grenzerfahrung das größte Erlebnis. Wir waren in der Wildnis des Nationalparks. Unsere Gruppe hat sich zweimal geteilt. Antje, Lena und Detlef wollten auf der Etappe 8 zwischen Kratzeburg und Federow lieber den Radweg nehmen, der aber eine andere Streckenführung hat, als der Wanderweg des M-Müritz-Nationalparkwegs. Silvia, Jonte und ich sind auf der Original-Route geblieben. Das waren 27 Kilometer über Stock und Stein, gefühlt 54 Kilometer. Ich hatte noch über 20 Kilo Gewicht auf dem Gepäckträger im Kindersitz. Immer wieder haben wir Jonte absteigen und laufen lassen – er ist meistens gerannt, auch die langen oder steilen Anstiege bergauf – und ohne seine Ausdauer, wär es kaum zu schaffen gewesen. Als wir nach einem Drittel der Strecke bei Birgit in Bocksee Pause gemacht haben, waren unsere Kräfte schon zum großen Teil verbraucht.

Der Schwierigkeitsgrad des Wanderwegs ist mit schwer angegeben und ich hab gesagt, entweder wird es mit Fahrrädern leichter oder noch schwerer. Das zweite war es. Alle waren am Ende, als wir uns dann in Federow getroffen haben, von wo aus wir dann mit dem Nationalparkbus mit Fahrradanhänger zurück nach Waren gefahren sind. Das war auch so geplant, nur dass die 3, die den Fahrradweg genommen haben, auch mit im Bus saßen, obwohl sie die 9 Kilometer bis Waren noch locker schaffen wollten. Das war eine Tagestour von 8 Stunden mit Zuckersand-Wegen, Schotterwegen, Graswegen, Uferwegen mit Wurzeln, umgestürzten Bäumen im Weg, Steine im erst noch kleinen Rinnsal der Havelquelle, die da entspringt, über die wir die Fahrräder heben mussten – Jonte wieder runter, Jonte wieder rauf – und alles bergab, bergauf. Das ist die Endmoränen-Gabel da, wie es auf einem Schild stand. Nicht nur Gabel, auch Messer und Löffel, war mein Kommentar, als ich völlig fertig, mal wieder abgestiegen bin.

Jonte hat zwischendurch nur einmal gesagt, ich kann nicht mehr, und für seine gerade 4 Jahre ist das eine herausragende sportliche Leistung. Er hat bestimmt ein Drittel der Strecke im Laufschritt zurückgelegt und noch gesagt: Wir machen ein Wettrennen – Junge gegen Fahrrad und ich gewinn! Als er seinen Tiefpunkt hatte, hab ich gesagt: Es gibt einen Spruch, Jonte. Egal, ob man sagt, ich schaff das, oder ich schaff das nicht, man wird immer Recht behalten. Wenn man sagt, ich schaff es – schafft man es, wenn man sagt, ich schaff es nicht, schafft man es nicht. Als ich dann später durchhing, nach einer langen Strecke Zuckersand im Wald bergauf, hat er mich aufgebaut. Oma, wenn ich das schaff, schaffst du das auch!

Wir waren uns alle einig – das war eine tolle Tour. Hinterher, als wir sie geschafft hatten.

Sonnabend, 30. September

Ein sorgloser Tag ist ein göttlicher Tag. Zen-Weisheit

Und davon haben wir jetzt gleich 3 – mit Jonte, Silvia und Detlef, Dana und Tino und Antje und Lena kommen heute Abend und übernachten hier. Heute ist Erntefest mit Treckerumzug bei Schloss Fleesensee – Jonte fährt vorne mit, wir im Anhänger – morgen zusammen die Radtour Etappe 8 vom M-Müritz-Nationalpark-Weg und Montag die 2-Seen-Fahrt mit DS Europa – das einzige Dampfschiff in Mecklenburg, steht auf dem Flyer.

Gestern auf dem Weg nach Schwerin kam zwischendurch immer: Kein GPS-Signal – Sprecht mit mir, hab ich gesagt, wenigstens in Schwerin. Und bevor ich falsch abgebogen wäre zum Schloss, hat es sich eingeschaltet und gesagt: Nutzen Sie eine der beiden Linksabbiegespuren in den Obotritenring. Da konnte ich grad noch die Richtung wechseln und dann war ich auch gleich da bei ihrer neuen Wohnung. Dann nochmal fast 2 Stunden Fahrt zurück zum Kirchturm mit Jonte …

Donnerstag, 28. September

Nichts ist besser verkauft, als was man einem echten Freund, der bedürftig ist, schenkt. Aus Asien

Die doppelte Herzkraft wünsch ich mir nicht für die Temperaturen. Ich fühl den Vollmond schon stark seit gestern mit dem Bedürfnis nach körperlicher Nähe und Berührung. Ich umarm mich selbst, tu mir gutes – und tief atmen, und ruhig beim Ausatmen stöhnen, das befreit. An solchen Tagen bitt ich um Beistand Oben.

Morgen Mittag hol ich Jonte nun in seiner neuen Kita in Schwerin ab. Das nennt man Mittagskind. Er freut sich schon. Michael hat mir gesagt, er ist bei den Eichhörnchen und die Erzieherin ist Meike …

Dienstag, 26. September

Freundlichkeit in Worten schafft Vertrauen, Freundlichkeit im Denken schafft Tiefe, Freundlichkeit im Geben schafft Liebe. Laotse

Mit dem Klempner hat es gut geklappt. Schnell und freundlich hat er alle Mängel behoben. Als er nochmal losgefahren ist, um ein Teil zu holen, hab ich ihm einen Kaffee gekocht und dann auf der Dachterrasse serviert. Wenn er schon mal hier ist, kann er auch die schöne Aussicht auf den Kirchturm von oben genießen …

Montag, 25. September

Das wahre Wunder besteht nicht darin, in der Luft zu schweben oder auf dem Wasser zu wandern, sondern darin, auf der Erde zu gehen. Linji Yixuan

Da waren wir gestern an der Quelle – und als ich nach Hause kam, hatte ich kein Wasser mehr. Ich hab diesmal den Haupthahn zugedreht, als ich losgefahren bin, weil der Wasserhahn im Gäste-WC tropft. Und als ich die Hauptzufuhr wieder aufdrehen wollte, ging es nicht. Morgen früh kommt der Klempner. Das war gleich Anlass, dem Hausmeister mal die seit längerem aufgelaufene Mängelliste durchzugeben. Ich hoffe, es tut sich jetzt was.

Ich hab ihm die Fotos geschickt, die er haben wollte – von den abgelösten Gummis an den Fenstern und dem unansehnlichen Bodenbelag oben im Flur und im Schlafzimmer. Der soll nun mal erneuert werden. Das hab ich für den Frühling anvisiert.

Ich hab ihm auch gesagt, dass ich das Schlafzimmer teilweise auch als Kinderzimmer nutze, wenn mein 4jähriger Enkel hier ist, und dass er neulich gesagt hat: Das ist eine alte Wohnung hier. Ach, so alt ist die gar nicht, da müsste nur mal was gemacht werden …