Heute ist Sonntag, der 21. Januar

Ja, es ist Sonntag. Aber sonnig ist er nicht. Ich meine nicht den dichten Nebel. In der Nacht hab ich die Mitteilung bekommen, dass sich der Sohn einer Frau, die mir nahe steht, aus dem Leben verabschiedet hat, freiwillig. Sein jüngstes Kind ist gerade erst ein Jahr alt. Ich kenne ihn und hatte ihn sehr gern. Vor ein paar Jahren musste sie es schon mal erleben, mit ihrem anderen Sohn. Er hat damals noch ihre beiden Enkelkinder mitgenommen. Was kann es Schlimmeres für eine Mutter und einen Vater geben, wenn ihre Kinder vor ihnen gehen – und das nicht durch unwillkürlichen Tod, sondern durch willkürlichen? Mitgefühl klingt da wie ein hohles Wort – auch, wenn ich selbst zwei Kinder habe.

Ich hab es Maik geschrieben. Hattest du schon mal ähnliche Gedanken?, fragt er. – Nicht so – ich hab manchmal schon gedacht, ich hab hier nichts mehr zu tun, und da wär es auf der anderen Seite vielleicht auch ganz schön. Das ist was anderes, aber ich würd mich nicht selbst … Leben wird gegeben und genommen. Das selbst zu tun, ist nicht mein Glaube. Und ich würd es niemals meinen Kindern antun, weil ich weiß, was schon Tod der Eltern bedeutet. Freitod würd ich ihnen nicht zumuten und mir selbst nicht anmaßen.

Manuel kennt sie auch. Ihm habe ich es erst heute Vormittag am Telefon gesagt.

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