Heute ist Mittwoch, der 17. April

Seit 3 Tagen will ich Baden und Haarewaschen und komm nicht dazu. Gestern war extrem Telefon- und Besuchstag. Von 10 bis nach 12 war Sigi zum Käffchen da und hat mir ein Frühstücks-Tablett mitgebracht.

Dann hat mein Tantchen angerufen, was gut anderthalb Stunden gedauert hat. Das ist eine Mischung aus Pflichtgefühl und Zuneigung bei mir. Die Reihenfolge der Gesprächsthemen ist festgelegt: Ärzte, Symptome, Tabletten, Nebenwirkungen und zusätzlich ihre Knie-OP vor 8 Wochen. Dann kommt die Dorfgemeinschaft und die Verwandtschaft dran, an denen kein gutes Haar gelassen wird. An dem Punkt versuch ich sie immer auf die positiven Aspekte zu lenken und sich auf die Leute zu konzentrieren, mit denen sie gut kann, was mir nur teilweise gelingt. Sie braucht das Ablästern, dann ist ihr wohler, sagt sie. Das geht auf meine Kosten.

Dann kommt mein Onkel, ihr Mann, der schon in unsere Geistige Heimat zurückgekehrt ist. Dabei kommen ihr die Tränen. Ich hab bis zuletzt seine Hand gehalten, sagt sie. Er hatte bis zum Schluss lichte Momente – Demenz. Da fühl ich mit ihr – dem Mann seines Lebens die Hand im Sterben halten, und sage: Ihr wart euer ganzes Leben lang zusammen, ist doch klar, dass er dir fehlt. Mir fehlt er nicht, ich fühle mich mit ihm verbunden, als wenn er noch lebt. Das hab ich natürlich anders umschrieben. Du hattest auch nicht so die Verbindung zu ihm, sagt sie. Doch, die hatte ich – er war mein liebster Onkel.

Zum Schluss kriegt noch ihre älteste Tochter, meine liebste Cousine Angelika, ihren Teil ab, indem sie sagt: Silvia – ihre zweite Tochter – ist immer für mich da. Dann kommen noch Carlos und Benny, die beiden Hunde, und Katze Paulinchen, an denen sie ihre Freude hat, was ein Segen ist, und ich weiß, ich hab es bald geschafft.

Sie hat diesmal auch aus ihrer Kindheit erzählt: Ich hatte nicht mal ein Bett. Bis ich 12 war, hab ich bei Mama mit im Bett geschlafen und dann auf dem Sofa. Ich kenn die Situation aus Erzählungen, in der sie mich im 1. Lebensjahr zusammen mit meiner Großmutter betreut hat, weil meine Mutter ein Jahr lang nach meiner Geburt im Krankenhaus war.

Danach hat Carmen-Sternchen angerufen und wir haben uns spontan für Venezia verabredet und am Hafen in italienischem Flair die Sonne angebetet. Das Highlight des Tages!

Zurück zu Hause ein Anruf von Manuel, der 30 Minuten gedauert hat, nach dem ich gedacht habe, mit meinen Klienten geht es auch nicht so richtig vorwärts. Dann kam Wolfgang, um mir was zu bringen und seine letzte Zigarette auf meiner Dachterrasse zu rauchen … Zu guter letzt noch ein Anruf von Dani, bei der ich am Donnerstag meinen Fußpflege-Termin habe. Hast du kurz Zeit zum Telefonieren …?

Dann endlich Badewanne …

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