Heute ist Mittwoch, der 9. Oktober

Da war ich von der Außenwelt abgeschnitten. Kein Netzempfang, gut so – wozu auch. Es liegt fast vor der Tür – nur eine Dreiviertelstunde Fahrt – und doch ist es eine ganz andere Welt …

So eine himmlische Ruhe und ein Naturparadies. Ich hab nur die Vogelstimmen am und um den See gehört. Ich war rundum von Kranichen und ihren Trompeten-Rufen umgeben. Gestern hat es nur geregnet und ich bin nach dem Frühstück wieder ins Bett gegangen und hab eins von den 4 Büchern im Zimmer gelesen: Wladimir Kaminer „Militärmusik“. Die anderen hab ich mir auch angeguckt: Offene Gärten zwischen Müritz und Usedom, 111 Orte an der Mecklenburgischen Seenplatte, die man gesehen haben muss, und das vierte war das Gästebuch. Darin war auch ein Eintrag vom Februar: Wir sind zu unserem Jahrestag hier … Eric und Eileen. Die beiden kenn ich – das sind Freunde meiner Nichte Anja. Die Welt ist ein Dorf, wie ich immer sage.

Von den wenigen gastronomischen Angeboten in der Gegend haben um diese Jahreszeit schon viele geschlossen und an den verbleibenden steht: Montag Ruhetag! Oder: Montag/Dienstag Ruhetag! Also bin ich zum Nationalpark-Portal, Portal wie Eingang, Kratzeburg gefahren und hab mir da beim Fischer eine Maräne geholt – das war ’ne Endmaräne, nämlich warm aus dem Rauch. Das Wortspiel versteht nur, wer die Landschaftsform dort kennt – eiszeitliche Endmoräne.

Nach dem Regen hab ich gestern am späten Nachmittag noch einen Waldspaziergang gemacht, Wanderung wär übertrieben, 3 Kilometer. Ich hab an allen 3 Tagen die Natur genossen, in die ich eingebettet war, doch ich war nicht mit Allem eins. Hauptsächlich hab ich mich allein gefühlt … Das hat auch am Regen gelegen, aber nicht nur.

Beim Frühstück waren alle Tische für 2, 3 und 4 Personen eingedeckt – außer einem. Abends in der Gaststätte: Haben Sie reserviert? – Nein – Dann kann ich Ihnen den Tisch anbieten … Das war ein quadratischer 8er-Tisch mitten im Raum, umgeben von Paaren und Familien. Gut, das weiß ich und das kenn ich, wie alle Alleinreisenden. Aber bei uns in Guti-Gutshaus hätt’s das nicht gegeben, so eine Platzierung. Da gehen wir sensibler mit dem Gast um und hätten noch was anderes möglich gemacht.

Es hat aber auch nicht an den Tischen gelegen – es war die Stimmung.

Der Waldsee lag direkt vor meinem Fenster. Am Tage hab ich auf die Linien der Enten-Flotte auf dem Wasser gesehen. Das Appartement war gemütlich und das Doppelbett war auch keine Anklage, wie sonst in Hotels, sondern eine Einladung. Ich hab auch gut geschlafen. Abends konnte ich noch auf der Terrasse sitzen – mit Mond überm See und im See und nächtlichen Geräuschen, lange die Kraniche, dann Käuzchen, ein Fischsprung an der Wasseroberfläche und einem die Nacht durchdringenden Vogelruf, den ich nicht kannte … wie Juhu-Juhuuuhuuuhuuu, der über den ganzen See schallte …

 

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