Heute ist Sonnabend, der 26. Oktober

Tamina ist 19 geworden – sie ist Jahrgang 2000. Da muss man nie überlegen, wie alt sie ist. Was für ein himmlisches Alter, hat Martina gesagt. Ich weiß nicht, ob sie himmlisch gesagt hat, aber ich glaube. Ja, damit hat sie einen Lebensfaktor von 5. Ich – oder wir – haben noch einen von 1,5. Je höher man auf der Lebensleiter kommt, um so mehr ändert sich die Sicht auf das Leben. Man sieht immer mehr von oben drauf. Wenn Gott es bei uns schafft, ihn zum Gespräch zu bitten, sind es meist herbe Verluste, die wir eingefahren haben. Kein Millionär, oder schlimmer noch Milliardär, wird fragen: Oh, mein Gott, warum ich, warum hast du mich dafür ausgesucht?

Wir werden geboren, wachsen auf, heiraten, bekommen Kinder, Enkelkinder und dann schließt sich der Kreis langsam wieder.  In der Regel. Wenn alles glatt läuft, machen wir gar keine Bekanntschaft mit Gott, wenn wir nicht in einen religiösen Hintergrund hineingeboren sind. Nur die Schicksalsschläge – Verlust von Gesundheit, von nahen Angehörigen, von Hab und Gut – erinnern uns daran, dass es noch eine höhere Instanz gibt oder geben muss, an die wir uns wenden können, wenn wir uns zu klein oder zu allein oder beides fühlen, um damit weiterleben zu können.

Google: Unter Resilienz wird die Fähigkeit von Menschen verstanden, Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen. Resilienz ist die Kraft, mit der man es vom Boden wieder auf die Beine schafft. Resilienz – das ist heute das Seminar der Weiterbildung von Notfallbegleitung, für das Carmen und ich uns eingetragen haben. Gott kann zur Ressource werden …

Universitätsmedizin Greifswald – da war unsere jährliche Fortbildung. Auf der Räucherbank fanden sich die Süchtigen ein, wer nicht gehen konnte, kam im Rollstuhl. Eine auffallende Frau, die neben mir saß – Haare und Make up 1 A, lange Gel-Nägel, Pelzmantel, Strassjeans, gütige Augen, reiferes Lebensalter – hat zu mir gesagt: Wir können schon zufrieden sein, wenn es nicht durchgängig regnet … Sie kann nur den Herbst gemeint haben, denn es war blauer Himmel und Sonnenschein. So kamen wir ins Gespräch. Dann kam Carmen dazu und hat gefragt: Sind Sie Patientin hier? Ja, ich bin auf Lunge hier – aber Zigarettchen schmeckt trotzdem, hab ich gedacht. Ihre Form von Resilienz.

Der Workshop – Thema verfehlt. Ich hab mich mit Bewertungen zurückgehalten und gedacht: Bloß nach Hause. Kalter Seminarraum, harte Stühle, keine Pause in 3 Stunden, erst auf Anfrage, und völlig am Thema vorbei. Es war im Grunde eine Dienstbesprechung zu Notfall-Begleitung. Zwei Dozenten, von denen der eine, der neben mir saß – von der Zollfahndung – noch meine Sympathien hatte, weil ich in seinen Augen gesehen habe, was ich auch in meinen sehe, wenn ich in den Spiegel gucke …

 

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