Mittwoch, 10. August

Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit. Wilhelm von Humboldt

Nach meiner Café-Schicht bin ich neulich noch zum See gefahren. Der ist 3 Kilometer entfernt in Lexow-Ausbau. Da ist eine schöne kleine Badestelle, die nicht so überlaufen ist. Ich schwimm immer ein ganzes Stück raus. Als ich umgekehrt bin, hab ich ein Schwanenpaar mit Jungen am Schilf gesehen. Wo kommen denn die auf einmal her? Da hab ich an Land schon Respekt vor, erst recht im Wasser. Erst gründelten sie in sicherer Entfernung am Schilfrand rum, dann fiel ihnen auf einmal ein, auf die andere Seite vom See zu wechseln und meine Bahn zu kreuzen, in nur gut 10 Meter Entfernung. Ich kann ausdauernd schwimmen, aber nicht schnell, nur schneller. Ich hatte noch ein ganzes Stück bis zum Ufer. So hab ich drauf vertraut, dass sie meinen im Wasser schwimmenden Kopf nicht als Gefahr für ihre Jungen ansehen. Was blieb mir weiter übrig …

Als ich zurück war, war mein Kollege Chris mit Frau und Tochter im Wasser. Die hatten das beobachtet. Da wurd mir aber anders, hab ich zu ihm gesagt.

Das Bild ist noch nicht vollständig. Auf der rechten Seite, ein Stück weg von mir, war ein Ruderboot. Ein Vater mit seinen beiden Söhnen beim Angeln. Die hatten gerade einen großen Hecht gefangen. Die Kinder waren ganz begeistert. Ich und Angeln – mir tat er leid. Der hätte noch ein langes, schönes Leben in seinem See führen können. Die ruderten mit ihrem Fang erst in Richtung Ufer, drehten aber dann wieder um. Ich hab schon überlegt, ob ich sie frage, ob sie mir die Schwäne vom Hals halten können. War dann aber nicht nötig.

Heute fahr ich wieder hin nach Feierabend …

Dienstag, 9. August

Es ist ein Grundirrtum, Heftigkeit und Starrheit Stärke zu heißen. Thomas Carlyle

Eben hab ich ein Mini-Abo der Zeitschrift Landlust für 3 Monate bestellt, an die Lieferadresse von Andrea und Paul. Ich hab das aktuelle Heft Am See neulich im Presseshop-Tabakladen gesehen. Heute ist mir eingefallen, es zu kaufen und Andrea zu schicken. Ich hatte ihr schon mal ein Jahres-Abo zum Geburtstag geschenkt. Ich glaub, sie freut sich darüber. Heute hab ich das 3 x Abo online gesehen und mich dann dafür entschieden. Kleine Freuden versüßen das Leben …

Nach meinem Engelgang durch die Stadt – da werd ich da hingeführt, wo es was besonders Schönes auch noch günstig gibt, wie neulich das Hängerchen-Kleid oder heute ein Paar hübsche Schuhe – mach ich erstmal Mittagsschlaf. Wie alte Leutchen eben – oder kleine Kinder. Das tut mir gut.

Montag, 8. August

Mag dir dies und das geschehn, lerne still darüber stehn, sieh dir selber schweigend zu, bis das wilde Herz in Ruh. Christian Morgenstern

Sternschnuppen-Nächte, Sonnenfeuer-Tage, Wassermann-Vollmond, Löwenportal-Öffnung – das sind die Geschenke für diese Woche …

Das ist auch toll – ich bin zum Kaffee und Grillen eingeladen und bekomm noch eine schöne Wundertüte geschenkt, hab ich gestern zu Dana gesagt. Da waren drin: Kneipp-Bad und -Dusche, Wohlfühl-Duftkerze, Land-Eier und Blaubeer-Marmelade.

Sonnabend, 6. August

Die Waage gleicht der großen Welt: Das Leichte steigt, das Schwere fällt. Gotthold Ephraim Lessing

Gestern war Guti-Gutshaus außerplanmäßig. Grund: Die Hütte brummt – hat sie auch. Dafür war es wie von Zauberhand ein reibungsloses und vor allem harmonisches Zusammenspiel von Kollegen und Gästen, was längst nicht immer so ist. Heute wieder regulär – sonnabends wird gegrillt. Hoff ich mal, dass der gute Einfluss noch anhält …

Heute Vormittag bin ich genüsslich über den Markt unten geschlendert und hab mir die Rosinen aus dem angebotenen Kuchen gepickt. Ich sichte das Angebot erst immer von oben aus dem Wohnzimmerfenster und kann dann gezielt vorgehen bzw. runtergehen. Erstmal was Schönes aus Messing für Martina, mehr kann ich dazu nicht schreiben, sonst weiß sie es. An dem Stand lag auch ein kleiner, ovaler Jade-Stein mit besonders schöner Maserung – hätte nicht sein müssen, just for fun! Den Betrag hab ich vom Gute-Laune-Rubbel-Los, das ich im Tabak- und Presseshop immer zur Stange Zigaretten dazukaufe, gleich erstattet bekommen. Und einen einfarbig himmelblauen Badeanzug gab’s an dem Stand auch für mich. Hatte die Marktfrau gestern für ihre Tochter gekauft, der ist er zu klein. Ich denke, mir passt er.

So – und warum ich überhaupt runtergegangen bin – war ein Geschenk für Dana zu finden, um es morgen zur Einladung zum Grillen mitnehmen zu können. Von oben hatte ich einen Stand mit Türkränzen und allerlei anderem aus Holz- und Naturmaterial gesehen. War aber nicht so das passende. Was aber ist das Passende, wenn … das Leben nicht leicht wie ein Schmetterling, sondern leicht wie ein seidener Faden ist, an dem es hängt. Schmuckstand – Edelstein und Edelstahl. Da hing es: Der Baum des Lebens als Anhänger an einem Band.

Freitag, 5. August

Mit Glückstipps ist es ähnlich wie mit Diätratgebern. Wenn etwas wirklich funktionieren würde, wäre der Markt nicht voll davon. Eckart von Hirschhausen

Ich arbeite zwei Tage die Woche, ich betreu mein Enkelkind in Rostock, ich hab eine krebskranke Freundin und ich helf meiner Schwester in ihrer TAO-Schule. Gestern bei der Hitze hab ich 2 Kilo Kartoffelsalat für sie und die Kinder vom Abenteuer-Camp gemacht.

Ehrenamtliche Notfallbegleitung mit 24/7 Bereitschaft alle ein, zwei Monate hab ich nicht ohne Grund aufgegeben nach 3 Jahren. Es war mir zuviel. Kann ich dich jederzeit anrufen, auch nachts? Nein.

Manchmal sind es auch 3 Tage pro Woche, bei ad hoc Anfragen wie heute …

Donnerstag, 4. August

Wenn du dein Leben lang einsammelst, wann willst du das Gesammelte genießen? Aus Arabien

Kann ich dich jederzeit anrufen, auch nachts, und egal wie lange es dauert? – NEIN. Das hat mich Mandy heute gefragt, sie war gestern und heute auf der Terrasse, bei Lars zu Besuch. Zur Zeit ist sie krank geschrieben und in Therapie. Wir können hier mal reden, hab ich zu ihr gesagt, aber ich bin nicht telefonisch verfügbar – schon gar nicht rund um die Uhr, hab ich gedacht – wohl wissend, worauf das hinauslaufen würde.

Heute hat sie mir erzählt, sie hat auch so eine Geschichte wie ich – obwohl ich erst nach ihrer Schilderung gesagt hab, dass ich das auch hinter mir hab. Affäre. Heute hat er – nach ab und zu monatlichen Treffen, zuletzt im Juni, geschrieben: Ich sitz bei dir auf dem Hof, kann ich bei dir übernachten? Bitte! Nicht ohne sie vorher kleinzumachen: Du konntest mir nicht geben, was ich will, ich konnte dir nicht geben, was du willst. Das setzt mich unter Druck. Na klar. Mir ist der Spatz in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach. Heißt: Ständig wechselnde Frauen. Kommt mir alles noch sehr bekannt vor. Klassische Rollenverteilung von Herz- und Kopfmensch.

Als er das geschrieben hatte – wie gesagt, letzter Kontakt im Juni – hat sie sofort geantwortet, ich kann höchstens in einer halben Stunde da sein – und hatte es dann sehr eilig loszukommen. Schlaf doch bei Lars, hab ich gesagt. Das hab ich noch nie gemacht. – Na, dann machst du es heute. Übernachtung bei mir hab ich ihr nicht angeboten. Heute nochmal und dann ist Schluss, waren ihre Abschiedsworte. Das wirst du sehen, wie dann Schluss ist …

Ein Buch, was ich ihr zu dem Thema geben wollte, hat sie mit der Begründung abgelehnt: Davon halte ich nichts, das ist Teufelszeug. Das hilft mir nicht weiter. Die Nacht heute mit ihm ganz bestimmt auch nicht. Damit tut sie ihm einen Gefallen, nicht sich. Ich glaub nicht, dass sie sich darüber klar ist. Bei ihr ging das 3 Jahre – bei mir noch 5 Jahre länger.

Ich hab mich gewundert, dass sie heute viel besser aussah als gestern. Jetzt weiß ich warum. Da hatte er ihr schon geschrieben.

Mittwoch, 3. August

Vieles erschien bei Betrachtung aus der Ferne fürchterlich – sobald man näher kam, erschien es lächerlich. Francesco Petrarca

Das wird heute einer in der Eliteeinheit von schönen Tagen, wie gestern auch schon. Das Heer der missmutigen Söldnertruppen lagert außerhalb des Geschehens und ist aus dem Blickfeld gerückt.

Für Birgit und die Jungs vom Abenteuer-Camp der TAO-Schule hab ich eingekauft und Kartoffeln geschält. Das war die gute Tat für vormittags. Am Nachmittag ist es Guti-Gutshaus – zu meinen gunsten. Bei 32 Grad …

Dienstag, 2. August

Und immer, wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Altdeutsche Weisheit

So ein Tag ist heute – oder so schön ist er noch geworden! Erst fing er traurig an. Ich wollte Michael erst schreiben, dass ich doch hinkomme und nur das Geschenk für Jonte bringe. Aber das wär nur Fahrerei bei der Wärme. Erst hat meine Vermieterin Heidi eine liebe Sprachnachricht geschickt, ich soll mich doch nicht ärgern und hat mir Mut gemacht, dass ich Jonte ja bestimmt bald wiedersehe. Dann hatten wir eine halbe Stunde einen Videoanruf, als ich ihm gratuliert habe. Zum Glück ging es ihm heute gut, gestern hatte er hohes Fieber. Michael und Tamina haben ihm einen schönen Geburtstagstisch gedeckt und das Zimmer geschmückt und Jonte hat mir gleich begeistert seinen Hubschrauber vorgeführt, den er geschenkt bekommen hat. So waren wir doch eine halbe Stunde zusammen. Das hat mich dann wieder versöhnt mit der Welt. Während wir telefoniert haben, hatte meine Freundin Dana geschrieben, dass sie mit Vivi und Tino nach Waren kommen und mich zum Eisessen einladen wollen. Da waren wir dann bei Tutti Frutti am Hafen, haben gelacht und erzählt und den Blick aufs Wasser und die Sonne genossen. Das ist um so wertvoller, seit Dani so krank ist. Am Sonntag haben sie mich zum Grillen eingeladen, weil ich am Sonnabend nicht kann wegen Guti-Gutshaus. Das sind gleich mehrere Lichtlein …

Als sie mich abgeholt haben, bin ich extra nochmal hochgegangen und kam mit meiner Rosa-Herzen-Sonnenbrille wieder zurück – zur Feier des Tages, hab ich gesagt! Die hatte ich mal bei Apollo bei Vivi im Laden gekauft. Meine Familie findet die unmöglich, ich finde sie herzig!

Montag, 1. August

Das Wasser ist ein freundliches Element für den, der damit bekannt ist und es zu behandeln weiß. Johann Wolfgang von Goethe

Das ist der Spruch für diesen Monat in meinem Fotokalender von Martina und zeigt mich mit hochgerafftem Rock bis über den Knien im Wasser stehend. Das Foto ist entstanden, als sie mal hier war und ich mit ihr eine Radtour um die Feisneck gemacht habe.

Morgen werde ich anrufen und Jonte zum Geburtstag gratulieren. Doch was soll ich danach sagen? Ich hab ihm gestern am Telefon gesagt, dass ich komme und mich auf seinen Geburtstag freue. Was soll er über meine Glaubwürdigkeit denken und wie soll ich es ihm erklären? Schade, dass ich nicht kommen kann, weil du krank bist? Er ist nicht krank – er ist positiv getestet. Und nicht mal das: Wir haben Jonti jetzt nochmal getestet und er ist wohl positiv. Ein nicht mal Dreijähriger, der überhaupt keine Symptome hatte, als wir telefoniert haben und Michael auf meine Frage, wie es ihnen geht, geantwortet hat: Inzwischen wieder gut. Tamina hatte C – und alle in Schwerin haben es auch, hat er geschrieben. Damit sind natürlich nicht alle in Schwerin gemeint, sondern Taminas Familie. Damit fällt die Eingewöhnungswoche im Kindergarten aus, die heute anfangen sollte, und auf die er sich auch schon gefreut hat, und auch ihr Besuch bei mir in Waren, den wir für nächste Woche geplant hatten, weil Michael 2 Wochen Urlaub hat und Tamina sowieso Ferien. Statt Besuch bei mir dann wahrscheinlich Eingewöhnung Kindergarten.