Dienstag, 6. September

Manches können wir nicht verstehen. Lebt nur fort, es wird schon gehen. Johann Wolfgang von Goethe

Was klingt besser – Ottos stiller Winkel oder Wohnen zwischen Kunst und Kräutern? Gestern Abend hab ich bei Google geguckt, welche Möglichkeiten der Unterkunft es in oder nahe Rostock noch gibt, wo ich den Preis pro Übernachtung und nicht monatlich zahle, wie jetzt. Ich kann jederzeit bei Martina schlafen, was sehr gastfreundlich von ihr ist, doch ich brauch was, wo ich Jonte mit hinnehmen kann. Und da ist mir die Pension Carls Scheune – Wohnen zwischen Kunst und Kräutern ins Auge gefallen. Das ist 4 km vom Rostocker Zoo und 8 von der Innenstadt entfernt. Bis zu Michael und Tamina und Jonte sind es von da aus nur 7 km.

Was sich in diesem Jahr schon lange abgezeichnet hat und sehr klar geworden ist: Von Guti-Gutshaus werde ich mich zum Jahresende verabschieden. Man muss auch wissen, wann es genug ist. Davon ist auch meine schöne Zweitwohnung mit Garten bei Heidi betroffen, wo ich mit Jonte jetzt fast schon zwei schöne Jahre verlebt habe.

Nächste Woche bin ich wieder in Rostock und ich denke, da fahre ich mit Martina mal hin und gucke, ob ich mich zwischen Kunst und Kräutern gut aufgehoben fühle.

Und was Arbeiten angeht – ich halte es auch gut ohne aus, doch so 1 -2 Tage die Woche, außer Gastro, kann ich mir schon noch vorstellen. Und wie es der Zufall so will, als ich bei Angelika und Bodo auf ihrem schönen neuen Hausboot war, hat er, der Security-Mann ist, gesagt: Wir sind ja auch eine Dedektei und suchen immer Leute … Die besten Jobs findet man sowieso auf die Art und nicht über Stellenangebote. Auch da kann ich ja mal unverbindlich ein Gespräch mit seinem Chef führen.

Doch heute fahr ich erstmal mit Lars in die Pilze …

Montag, 5. September

Angenehm ist am Gegenwärtigen die Tätigkeit, am Künftigen die Hoffnung und am Vergangenen die Erinnerung. Aristoteles

Wenn mich mal jemand fragen würde, wie es auf der Erde war, würde ich zur Auskunft geben: Das kannst du nicht glauben, was da los ist. Schönheit und Vollkommenheit existieren da ebenso wie Grauen und Verzweiflung, als wären es Geschwister – mit derselben Mutter, aber von einem anderen Vater.

Wie jeden Montagmorgen fährt die kleine Straßenkehrmaschine über den Markt, neben dem Kirchturm leuchtet mild die jetzt später aufstehende Sonne. Es ist eine Idylle. Nach dem Frühstück mach ich gleich den Abwasch, den ich schon länger ignoriert hab. Mittags treff ich mich mit Silvia, Detlef und Jana, ihrer Schwester, und ihrem Mann Heiko, die hier eine Woche eine Ferienwohnung am Tiefwarensee haben. Mittwoch und Donnerstag ist dann unsere Radtour mit Silvia und Detlef, 2 Etappen vom M – Müritz-Nationalparkweg, kombiniert mit Zugfahrt. Die anderen beiden sind nicht so für Fahrradfahren, damit entgeht ihnen das Schönste hier. Den Abwasch deswegen, falls sie nachher auf die Idee kommen, bei mir auf der Terrasse Kaffee zu trinken …

Die Tagesenergie heute fordert am 5. Portaltag dazu auf, die Angst durch bedingungslose Liebe zu ersetzen – Lassen wir uns vom Leben berühren! Die Hoffnung auf ein neues Leben und dass nichts von dem, was bisher geschah, vergebens war, erweckt in uns das Vertrauen, dass sich alles zum Guten fügen wird. Mondkraft Alpenschau

Sonntag, 4. September

Der Mensch ist ein beschränktes Wesen, unsere Beschränkung zu überdenken, ist der Sonntag gewidmet. Johann Wolfgang von Goethe

Beschränkung. Ich verlebe meine Tage so gut – zu anderen und schön – für mich, wie möglich.

Gestern, kurz bevor ich losgefahren bin, hat’s gekracht auf der Terrasse. Als ich die Ursache ermittelt hatte, hab ich gesehen, dass das Knie der Dachrinne, das nur lose aufgesteckt ist, weil ich damit Regenwasser sammle und es drehe, runtergefallen ist und meinem goldfarbenen Engel beide Flügel und den linken Unterarm abgehauen hat. Sauber abgetrennt. Was hat das wohl zu bedeuten, hab ich gedacht. Meinem Merlin, der daneben steht, ist zum Glück nichts passiert.

Da es kurz vor Abfahrt zu Guti-Gutshaus war, wollte mir das Universum vielleicht was zu meiner bevorstehenden Einreichung der Kündigung sagen: Du bist ein Engel ohne Flügel da – die rechte Hand. Das kam mir so in den Sinn – und das sind meist Eingebungen von Oben. Rechte Hand weniger als Arbeitskraft, mehr als stützendes Element für die Kollegen und die Gäste.

Ich merke, es wird wieder Zeit, dass ich Jonte sehe. Er hat ja neulich gefragt, was in seinem Körper drin ist. Ich hab es ihm zwar erklärt, aber da ich nächste Woche hinfahre, hab ich heute Abend mal recherchiert, welches Kinderbuch das anschaulich erläutert. Morgen bestell ich bei Müritz-Buch: Was ist was? Erstes Lesen – Anatomie. Nicht wegen Lesen, sondern Zeigen.

Ich hör schon seine nächste Frage und überleg, wie ich ihm Pathologie erklären kann …

Sonnabend, 3. September

Lächle, denn es gibt einen Frühling in deinem Garten, der die Blüten bringt, einen Sommer, der die Blätter tanzen und einen Herbst, der die Früchte reifen lässt. Aus Arabien

Planmäßig wär Guti-Gutshaus heute von 15 Uhr bis open end, wahrscheinlich Mitternacht, gewesen, wegen interner Hochzeit. Den Fluch hab ich rechtzeitig umgewandelt in 14 – 20 Uhr. Das ist mir zu lange, hab ich gesagt. Na, um halb 9 war ich dann raus, ohne schlechtes Gewissen gegenüber meinen Kollegen. Der Kirchturm wird nicht mehr angestrahlt, hat mir Jeanette erzählt, die in Waren arbeitet, im 1. Arbeitsverhältnis, aber in Malchow wohnt. Tatsache, alles dunkel, als ich nach Hause kam. Das war mir noch gar nicht aufgefallen. Energiesparmaßnahme des Bürgermeisters.

Wenn der Kirchturm auch in Dunkelheit gehüllt ist, ich hab schöne Holzdochtkerzen für die Dachterrasse, die knistern wie ein Feuerchen …

Freitag, 2. September

Eines Morgens riechst du den Herbst. Es ist noch nicht kalt, es ist nicht windig, es hat sich eigentlich gar nichts geändert – und doch alles. Kurt Tucholsky

Ein Gefühl von Wehmut, Abschied … feuchte Augen.

Jeder Trennungsschmerz ist eine kleine Brücke zur nächsten Stufe. So werden alte Welten überbrückt und der Weg zu etwas Neuem geebnet. Mondkraft Alpenschau, Tagesenergie heute am 2. Portaltag von 10 im September.

Mittwoch, 31. August

Aller Güter höchstes sei Besonnenheit. Sophokles

Durch Besonnenheit hab ich im September und Oktober noch weiter Guti-Gutshaus-Schichten und dann auslaufend wahrscheinlich noch bis Jahresende, obwohl ich unter arbeits-abc.de heute 10 Gründe, sofort seinen Job zu kündigen – auch ohne neuen in der Tasche gefunden habe. Von den angegebenen Gründen treffen nur Nr. 2, 3 und 4 nicht zu: „Wenn Monotonie und Langeweile zur Belastung werden“, „Die vermeintliche Karriereleiter entpuppt sich als Hamsterrad“ und „Absprung von einem sinkenden Schiff“. Das heißt 7 davon sind erfüllt und übererfüllt, schon seit langem.

Dienstag, 30. August

Wer sich um das Morgen am wenigsten kümmert, geht ihm mit der größten Lust entgegen. Epikur

8 Stunden, von mittags bis abends, war ich bei Bodo und Angelika auf ihrem neuen, nach Wunsch gefertigtem Hausboot. Ganz herrlich, sie haben sich ihren Traum erfüllt.

Es heißt Orgonia – nach Orgonit, da sind 2 Buchstaben von seinem Namen drin und 4 von ihrem, der aus 8 Buchstaben besteht. Ausgewogen.

Sonntag, 28. August

Die Zeit bringt Rat. Erwartet’s in Geduld! Man muss dem Augenblick auch was vertraun. Friedrich von Schiller

Bei Lars im Status sind heute 4 Bilder – Dinge, die du niemals in deinem Leben sehen wirst: Einhorn, Drache, Mammut und viertens ein Satz „Ich liebe dich, bitte sei mit mir zusammen.“

Dinge, die er niemals sehen wird – ich halte alle 4 für möglich. Man muss dem Augenblick auch was vertraun.

Statt des Mammuts würd ich nur lieber meine Tochter wieder sehen wollen nach fast 2 Jahren. Heidi nimmt das mehr mit als mich. Sie sagt: Wie kann sie ihrer Mutter das nur antun? Ich verhalt mich nicht gesellschaftskonform in ihren Augen, ist die Antwort.

Wir hoffen alle, unseren Frieden zu finden, mit dem, was ist, und dem, was nicht ist.