Dienstag, 20. September

Wer sich selbst gefunden hat, der kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren. Stefan Zweig

Gestern hab ich alles nach meiner Overnight Beauty Mask durchsucht, die mir die Verkäuferin in der Kleinen Drogerie in Rostock als Probe mitgegeben hatte. Wenn ich bei Manja Nageltante bin, kauf ich mir da manchmal was Schönes von Charlotte Meentzen – Creme, Maske oder Ampullen. Als ich nirgends mehr suchen konnte, ist mir eingefallen, die hatte ich in Bandelstorf schon overnight einwirken lassen …

Die Kleine Drogerie in der Doberaner Straße – das ist ein Juwel. Ich hab da schon zu Ostzeiten eingekauft. Immer noch die gleiche Inhaberin, seit 44 Jahren – am 1. Juni 2022 war Jubiläum. Neben Drogerieartikeln und Düften führt sie auch schönen Schmuck und andere Geschenkartikel, wie Rezepte mit den dazugehörigen Gewürzen in Holzkästchen. Für Tamina zum Geburtstag im Oktober hab ich die Box Kürbis in Sherry-Schalotten ausgesucht. Dann gibt’s noch einen Hokkaido, ein Netz Schalotten und eine kleine Flasche Apfelessig als Ersatz für Sherry dazu. Als es als Geschenk verpackt war und ich bezahlt hatte, ist mir eingefallen, sie trinkt keinen Alkohol und mag ihn auch nicht beim Kochen. Umtauschen wollte ich es nicht mehr. Na, und den Koch für die Zubereitung hat sie ja schon, meinen Sohn.

In 11 Tagen bin ich in Waren seit 11 Jahren . Das stimmt nicht ganz. Ich bin hier schon mal zur Oberschule gegangen. Danach bin ich nach Rostock gezogen und hab gesagt, hierher komm ich nie mehr zurück. Heute sage ich, von dem Fleck kriegt mich keiner mehr weg. Ich wusste aus dem Bauch, mein Mann ist in Rostock – so war es auch.

Montag, 19. September

Zuweilen habe ich im Schlafe die Lösung solcher Probleme gefunden, die im wachen Zustand unlösbar schienen. Anton Hansen Tammsaare

Heute Nacht hab ich eine Filmkomödie geträumt, mit vielen Verwechslungen. Ich war immer in der falschen Wohnung bei fremden Leuten. Dann hab ich einen Mann getroffen, der Gynäkologe war und bei dem ich einen Termin haben sollte, aber nicht in seiner Praxis, auch irgendwo in einer Wohnung. Wir haben aber nur erzählt und gelacht. Von Art und Aussehen war er mir sympathisch und hat mir gefallen. Wach geworden bin ich von dem Bild, wie er mich umarmt und gesagt hat: Wir können uns gerne öfter sehen. Das geht nicht immer, aber oft. Nach der Sekunde, die ich gebraucht habe, um zu verstehen, was das bedeutet, hab ich Nein gesagt.

Sonntag, 18. September

Ruhig und vernünftig zu betrachten, ist zu keiner Zeit schädlich. Johann Wolfgang von Goethe

Ruhig und vernünftig betrachtet, kündige ich die Wohnung bei Heidi zu Anfang November. Ruhig und vernünftig betrachtet, kündige ich auch Guti-Gutshaus zum Jahresende und ruhig und vernünftig betrachtet, probiere ich es aus mit der Künstler-Pension. Es ist abzuwägen, das Für und Wider. Im Dorf ist zum Beispiel kein Spielplatz, wo ich mit Jonte hingehen könnte. Der Garten mit Kunst ist groß und schön, aber im Winter auch weniger zu nutzen. Ich guck einfach mal …

Gestern hat mein Wünschen geholfen. Als Fritzi mich angerufen hat, hab ich gesagt, ich bin krank mit Erkältung und schlimm Magen/Darm. Das schafft er auch alleine mit Anja, hat er gesagt. Also bin ich zu Hause geblieben. Heute geht es mir besser und ich mach am Nachmittag das Café für 3 Stunden. Das reicht auch.

Ruhig und vernünftig betrachtet, hab ich einen höheren Aussichtsturm erreicht – statt weniger Zeit zu leben. Mein erster Gast war heute ein Mann aus dem Nachbarort mit seiner eigenen Geschichte. Er war schon daran zu sterben, jetzt kommt er wieder jeden Sonntag zum Kaffee. Mein größter Fehler im Leben war meine Ungeduld, hat er gesagt. Die ist nun mal dem Menschen eigen. Ich finde, ich habe keine Fehler gemacht, nur Erfahrungen, hab ich gesagt. Und das ist schon der erste Fehler, das zu sagen, war seine Antwort. Was ist ein Fehler, was ist falsch, was ist richtig? So gesehen, haben Sie Recht …

Dann hat er 5 € auf den Tisch gelegt, sich verabschiedet und mir noch einen schönen Sonntag gewünscht. Ich hab statt Kaffee und Kuchen eine kleine Flasche Wasser und einen Cookie gebongt – was annähernd so viel war, statt kleinlich darauf zu bestehen, da fehlen noch 2 €. Es ist immer ein Plus in der Kasse, das solche kleinen Unebenheiten wieder ausgleicht.

Sonnabend, 17. September

Alle klagen über das Wetter. Es findet sich aber niemand, der etwas dagegen tut. Mark Twain

Es ist gar kein Übergang zwischen Sommer und Herbst, abrupt von Augusthitze auf regnerisch-kühl im September. Michael, Tamina und Jonte – alle 3 wieder krank, und nachdem Jonte 3 Tage bei mir in Bandelstorf war, hab ich mich auch wieder angesteckt. Dazu kommt, dass die Wohnung nicht nur kalt, sondern jetzt auch feucht und klamm ist, weil Heidi noch nicht heizen kann nach der Umstellung von Öl auf Gas und noch auf den Monteur wartet. Zum Termin nicht erschienen. Die Wohnung kündige ich jetzt zu Anfang November.

Die Künstler-Pension hab ich mir angesehen mit Martina und Jonte, das heißt, die Anlage mit Garten. Die Zimmer waren alle belegt. Ich probier es einfach aus. Heute Abend und morgen Nachmittag Guti-Gutshaus trotz Krankheit. Ich wollte nicht schon wieder absagen und denke, es geht nicht so lange.

Mit Jonte war ich in Dummerstorf im Zirkus. Ist das langweilig?, hat er gefragt. Nein, das ist Artistik.

Montag, 12. September

Wenn du zwei Groschen hast, kaufe dir für einen Groschen Brot, für den anderen aber Blumen für deine Seele. Aus Japan

Heute hat Michael Geburtstag. Jonte hole ich wahrscheinlich morgen nach Bandelstorf. Und dann sage ich dieses oder nächstes Mal, in 14 Tagen, wenn ich wieder bei Heidi bin, dass ich die Wohnung kündigen werde. Mal sehen, wie es sich ergibt. Freitag bin ich wieder hier.

Sonntag, 11. September

Fasst frischen Mut! So lang ist keine Nacht, dass endlich nicht der helle Morgen lacht. William Shakespeare

Jedes freundliche Wort, jede Geste der Verbundenheit, jedes kleine Lächeln – das braucht die Welt jetzt und jeder Einzelne – gegen die Angst, die wohl jeder hat in dieser Zeit, und für das Licht. Ich hab mir auf Youtube von Enchanted Queen die Tarotlegung für September und Oktober für das Sternzeichen Krebs angesehen: Dein Unterbewusstsein hat eine wichtige Botschaft für dich, hör hin. Sie sagt: Du bist immer weitergegangen und gehst immer weiter, doch jeder Schritt kostet dich Kraft. Ja, Kraft und viel Kraft.

Sie hatte zu tun mit der Legung und konnte es sich nicht richtig erklären und hat immer noch eine Zusatzkarte gezogen und am Ende gesagt: Ich hoffe, Ihr wisst, was es bedeutet. Ja, ich und die es betrifft wissen, was es bedeutet, hab ich gedacht.

Dann hab ich nach langer Zeit mal wieder das Buch der Antworten befragt zur gegenwärtigen Lage: Dein Handeln wird die Dinge beeinflussen. Ja.

Heute Guti-Gutshaus, die Café-Schicht, morgen fahr ich wieder nach Rostock.

Freitag, 9. September

Freundlichkeit gegen jedermann ist die erste Lebensregel, die uns manchen Kummer ersparen kann. Helmuth Graf von Moltke

Silvia und Detlef sind weg – und schon ist wieder schönes Wetter. Besser gesagt – Detlef ist weg. Er hat heute Geburtstag. Ursprünglich war ich zum Frühstück ins Hotel eingeladen, wie sonst auch, wenn sie hier sind. Gestern im Wald hat sie mir gesagt: Detlef möchte morgen mit mir alleine früstücken und dann fahren wir in Ruhe los. Ja, das macht mal, war meine Antwort. Ich hätte ja keine zugesagte Einladung auf die Art zurückgezogen, sondern gesagt: Das sag ihr mal schön selber. Aber sie muckt nicht auf. Er sagt auch Muckel zu ihr.

Als ich angerufen hab, um ihm zu gratulieren, war nur der AB geschaltet. Ich hab nicht „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“ raufgesprochen, sondern Alles Gute zum Geburtstag … gedacht, in Klammern, alles Gute – Freundlichkeit, Höflichkeit, gutes Benehmen. Solche Leute halte ich mir künftig vom Leibe und deshalb ist unsere Freundschaft auch sehr wacklig, wie ich an diesen beiden Tagen gemerkt habe, mit ihm, nicht mit ihr, aber es gibt sie nur im Doppelpack.

Situation im Zug: Die beiden mit Maske, ich ohne. Steht nicht dran an der Tür, mein Kommentar, als er mich drauf hingewiesen hat. Es stand nicht an der Eingangstür, sondern an der gegenüberliegenden. Er: Siehste, lesen kannst du auch nicht. – Ich: Nein, aber denken. Wer glaubt denn den Schwindel noch? Sehr unterschiedliche Gesinnung wirkt sich – neben der Familie – auch auf die Freunde aus.

Situation im Cafe: Er will das Tablett mit ihren leeren Tassen zurückbringen und ich stell meine mit rauf mit dem Satz: Die hat doch noch Platz da. Antwort: Ungern … Nur ein Wort, und der schöne Tag ist getrübt. Nur Gegrummel und Unfreundlichkeit von ihm und noch so manches Negative mehr. Ich will auch nicht mehr mitansehen, wie er sie runtermacht und sie sich das gefallen lässt.

Zu mir hat Silvia gesagt: Wenn das so weitergeht mit ihm, dann haben wir bald keine Freunde mehr. Ja, das kann ich mir vorstellen.

Donnerstag, 8. September

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen, und das Wetter nehmen, wie es ist. Deutsches Sprichwort

Das haben wir heute so gemacht, den Teil mit dem Wetter. Nicht Etappe 8 vom M-Weg, sondern um Waren – Warnker See, Wienpietschseen und Snack-Pause in der Pension zur Fledermaus. Als wir wieder am Markt waren, fings dann richtig an mit Regen, vorher schon Niesel und Gewittergrollen. Jetzt schön in’s warme Badewasser und den restlichen Tag dann in der Horizontalen verbringen …

Mittwoch, 7. September

Ruhig sein – dem Strom der Zeit die rechte Richtung geben. Han Fe Dsi

Heute ist der 7. und wir fahren mit Silvia und Detlef Etappe 7 vom M – Müritznationalparkweg, von Neustrelitz nach Kratzeburg, 17 Kilometer. Morgen ist der 8. und wir fahren die 8. Etappe, von Kratzeburg nach Federow, 27 Kilometer. Das ist aber Zufall. Die 9. und letzte Etappe, von Federow nach Waren, lassen wir aus, die kennen wir schon. Dann haben wir noch 3 – 4, 5, 6 für nächstes Jahr. Nummer 2, von Boeker Mühle bis Wesenberg, sind wir voriges Jahr gefahren. Nr. 1, Waren – Schwarzenhof, haben wir ausgelassen, die kennen wir auch schon von unseren früheren Fahrten hier um Waren. Schöne Beschreibung aller Etappen auf Wildganz.com Müritz Nationalpark Weg.