Sonnabend, 30. Oktober

Die Sonne rappelt sich genauso langsam hoch wie ich. Um 9 steht sie grad knapp über den Dächern neben dem Kirchturm, wo ich mich auf der Dachterrasse, mit Kaffeetasse in der Hand, freue, dass sie so schön scheint. Anja hat gestern mit Gästen, 2 Frauen, die sie kennt, über das unvermeidliche Zeitumstellungsthema gesprochen, ob wir nun eine Stunde mehr oder weniger haben. Da der Tag weiter 24 Stunden hat, haben wir weder eine mehr noch eine weniger. Aber ich weiß ja, was sie meinen – ist es länger hell oder früher dunkel. Mir reicht schon, dass ich weiß, die Uhr wird zurückgestellt – anhand der Gartenmöbel-Eselsbrücke …

Dünne Haut und feine Antennen – ich les immer wieder von der enormen Schwingungserhöhung und Bewusstseinsanhebung, zum Beispiel bei Nadja auf Youtube und in meinem Mail-Eingang von ihr. Sie beschreibt da die typischen Symptome – bleierne Müdigkeit aus dem Nichts, wüste Träume, Antriebs- und Lustlosigkeit, Einsamkeit, auch unter Menschen, oder besonders da, Gleichgültigkeit gegenüber allem und allen, mit wenigen Ausnahmen. Kaum ist die kosmische Energie mal, dass man denkt, oh, was für’n schöner Tag, da wird sie gleich von der nächsten Welle der Schwingungserhöhung überlagert. Das Bewusstsein wird erhöht, der Körper hinkt hinterher. Das betrifft wieder nur die Fühler, die Denker denken: Wie, was, ich merk nix. Nee, das übernehmen ja auch wir für euch. Nicht, weil wir es wollen, sondern weil wir so gestrickt sind …

Machen sie bei Dir eigentlich keinen Druck wegen Impfen?, hat Anja mich heute gefragt. Nee, bei mir wissen sie, dass ich Nein gesagt habe und dabei bleibe.

Mittwoch, 27. Oktober

Um 8 kommt der Elektriker bei Birgit in der TAO-Schule für den Telefonanschluss und sie hat gefragt, ob ich hinfahren kann und ihm die Tür aufschließen, damit er rein kann. Das ist mein erster früher Termin heute. Der zweite ist abends, Guti-Gutshaus hat gestern gefragt, ob ich heute kann. Da hab ich zugesagt. Nach Plan wär ich diese Woche Freitag und Sonntag da. Ich denk, das wird so beibleiben jetzt mit nur noch zwei Aushilfen, eine früh, ich abends. Montag und Dienstag ist Ruhetag und Mittwoch soll ich schon zusätzlich kommen. Vorige Woche auch schon, als ich Sonnabend hinkam, hat Fritzi mich empfangen: Wir sind gestern und vorgestern schon untergegangen. Da war ich in Rostock. Wir heißt, Anja und er. Das liegt daran, dass eigentlich Gäste abends nur auf Bestellung angenommen werden, dann aber doch jeder, der kommt, bleiben kann. Das ist eine Kapazitätsfrage bei der kleinen Küche. Zu zweit geht man dann wirklich unter …

Als die beiden Elektriker da waren, hab ich gefragt, ob sie einen Kaffee wollen. Der eine ja, der andere nein. Dann bin ich raus auf den Hof gegangen, um meinem Laster zu frönen. Als ich zurückkam, hatten sie ihr mitgebrachtes Radio an und Eternal flame klang mir entgegen. Was wird das hier?, hat der gefragt, der nicht der Chef ist. Das ist schon die neue TAO-Schule. TARO? TAO-Schule! für Kampfkunst und Körperweisheit, können Sie sich gleich zum Training anmelden. Das wird schlecht was, mit Bandscheibenvorfall auf der Matte, sagt er. Gerade deshalb. Das ist ein junger Mann und schon Rücken …

Fritzi war heute total erkältet, aber da. Ich hab ihm Pfefferminz-Ingwer-Salbei-Tee gekocht, statt wie sonst 40-prozentigen Latte Macchiato im Halbstundentakt. Ich war für Anja da, die für Nicole eingesprungen ist, die auch krank ist. Ich hab dir was eingepackt, hat er gesagt. Da machst du dir morgen Frikassee mit Reis, einmal Lammkeule mit Rotkohl und Kartoffelstampf und einmal Lamm-Bohneneintopf und dann bist du auch schon wieder hier. Ich bin schon eher wieder da, nämlich übermorgen – Freitag, Sonnabend, Sonntag.

Dienstag, 26. Oktober

Wär das Leben eine Woche, wäre jetzt Donnerstag … steht gleich auf der ersten Seite im Buch. Oder wär das Leben ein Jahr, wie ich vergleiche, wär jetzt der Übergang von Spätsommer zu Herbsanfang.

Ach, Anitchen … mit der Einleitung hat mir Lars gestern Abend auf der Terrasse im Balzton gesagt, er hat wieder eine am Start, sinngemäß. Eine Blonde, 44, die vis a vis auf dem Markt wohnt, hat er einfach angesprochen und gesagt, dass er Interesse hat. Wie und wo? Ich bin einfach hingegangen. Sie arbeitet beim Optiker am Kietz. So einfach geht das? Man will ja nicht ewig alleine bleiben, sagt er. Darauf ich: Ich hör dich noch sagen, jetzt bleib ich erstmal ein halbes Jahr Single. Na, damit mein ich ja nun nicht genau ein halbes Jahr. Nee, ein halbes Jahr mit 2 Monaten tut’s auch. Er kann schlecht alleine sein.

Über Wochentage und Jahreszeiten hab ich mir früher keine Gedanken gemacht. Jetzt sind sie auch nicht ständig präsent, doch ab und zu sickert es schon mal ins Bewusstsein, dass die Reise ein Ziel hat …

Montag, 25. Oktober

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Lerne loszulassen, das ist der Schlüssel zum Glück. Buddha

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Das stand da natürlich nicht, das fiel mir nur so ein dazu. Sehr hilfreich hab ich gleich ausgeklammert.

Wie das manchmal geht, hab ich heute gedacht. Ich hab für Tine-Schwesterchen ein Buch zum Geburtstag gesucht. Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags – oder was in der Richtung. In beiden Buchhandlungen – nichts. Online bestellen wollte ich nicht. Dann bin ich auf den SPIEGEL-Bestseller Älterwerden ist voll sexy, man stöhnt mehr – Das ultimative Lesekonfetti für Postjugendliche ab 50 gestoßen. Und, was steht als Widmung vorne drin?

Für M.

Nur weil du nicht mehr da bist, heißt das nicht,

dass du nicht mehr da bist.

Das rechtfertigt meinen Blog-Untertitel, unter dem sich sicher viele was anderes vorstellen, als ich hier vorweisen kann. Ich überleg auch schon lange, ihn zu ändern. Mir fällt nur nichts passenderes ein. Kommst Du nicht mit, geh ich allein.

Sonntag, 24. Oktober

Horst zieht Jonte immer auf, lässt sich sein Auto oder was geben, was er in der Hand hat – das macht er natürlich vertrauensselig, weil er noch keine schlechten Erfahrungen gemacht hat – und sagt dann, das ist jetzt meins. Damit kommt er nicht klar, verständlicherweise. Dann greif ich ein … wenn Heidi nicht da ist. Das stammt noch aus der Zeit, in der Kinder für dumm verkauft wurden.

Wir blödeln schön rum mit Fritzi. Ich hab was von Stampf gesagt, seine Spezialität. Der möchte mit seinem vollen Namen angesprochen werden, hat er gesagt. Herr Stampf, oder wie? Nein, Kartoffelstampf! Schön blöd, ich weiß, macht aber Spaß.

Ich hätte heute noch zum Finissage-Abendessen mit den jungen Künstlern bleiben können, es hat mir aber gereicht, die Teilnehmer der Kunst-Führung mit Kaffee, Kuchen und Cremánt zu bewirten. Ach, bleib doch noch!, hat Fritzi gesagt, aber eher, weil er nicht alleine sein wollte. Die sind alle anders, hat er gesagt. Wie anders? Na, die sind aus der Stadt – stimmt, hauptsächlich aus Berlin – trotzdem kann man doch mit ihnen ins Gespräch kommen. Du kommst schon klar mit ihnen! Außerdem wär die Küchen-Finissage auch an mir hängen geblieben, nach dem Essen. Da bin ich doch lieber zu meinem Kirchturm gefahren …

Sonnabend, 23. Oktober

Guti-Gutshaus ließ sich entspannt an, von der Zahl der Essensanmeldungen. Am Ende waren es dann doppelt so viele. Fritzi war gereizt und genervt, hat das auf Anja übertragen und die auf mich. 5 Stunden kamen mir vor wie 8. Eine Woche frei – Erholungseffekt futsch.

Dafür war es gestern schön, mal Gast zu sein. Wir waren zu fünft und es hat allen gut gefallen. Mal weggehen, essen, erzählen und lachen – das hat allen gut getan.

Morgen die Café-Schicht mit Finissage – da gibt’s dann meinen Buttermilchkuchen. Fritzi freut sich schon …

Freitag, 22. Oktober

Ich bin wieder hergeweht. Statt morgen gleich zu Guti-Gutshaus zu fahren, hab ich heute den Kirchturm angesteuert. Carmen Sternchen hat mich zum Geburtstagsessen eingeladen in Oh, Julia – das italienische Ristorante von Mare Müritz. Es ist auch eine Einladung für ihre Kultur-Freundinnen. Ich bin nur Freundin, nicht Kultur. Um 3 war ich hier und hab dann erstmal ein Geschenk besorgt – was zur inneren Anwendung, was zur äußeren Anwendung und ein Lebenslicht … Tischreservierung um 18 Uhr, ich hoffe, ich hab Zutritt.