Mittwoch, 15. April

Grauer Himmel, leerer Markt … Ich bin ein Kind von Fröhlichkeit und von Geselligkeit und fühl mich wie der letzte Mensch auf Erden.

Ja, also nun nach dem 19. April noch weitere 2 Wochen Stilllegung des öffentlichen Lebens bis zum 3. Mai. Hoffentlich öffnet da überhaupt noch jemand.

Eben hab ich mal das Buch der Antworten aufgeschlagen, weil es mir in den Blick fiel. Ohne spezielle Frage – nur: Was sagst du dazu? – war die Antwort: Es könnte zu überraschenden Ergebnissen führen.

Dienstag, 14. April

20 Grad Unterschied – Sonntagabend haben wir gegrillt bei Tine, heute früh liegt gefrorener Schnee auf der Terrasse …

Dieses Jahr im August wäre die 30. Hanse-Sail in Rostock, hab ich gerade gelesen – abgesagt! Ich hab da sehr lange gelebt und meine Ableger gepflanzt … Müritz-Sail ist auch fraglich. Morgen wird entschieden, wie es nach dem 19. April weitergeht. Wenn es auch nicht das Wichtigste ist – Frisör und Nageltante sind mir wichtig! Bei vielen geht es um die Existenz. Ein Heilzentrum in der Nähe ruft zu Spenden auf, weil die staatlichen Förderungen nicht ausreichen. Es macht sich immer mehr Unmut und Widerwillen breit, meiner Meinung nach zu recht.

Die Welt kann untergehen, doch das Taubenpaar auf dem Schornstein stört das nicht – es ist wieder da! Ihre Körper sind so deckungsgleich verschmolzen, dass ich oft nur einen Kopf sehe. Das wünscht sich wohl jeder und kaum einer hat es. Ich will sie immer noch nicht sehen – warum setzen sie sich nicht jemand anderem vor die Linse …

 

 

 

 

Montag, 13. April

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Beginne jeden Morgen mit einem guten Gedanken. Carl Hilty

In der WhatsApp-Gruppe von Guti-Gutshaus hat es sich auch geregt mit guten Wünschen, Grüßen und der Hoffnung, dass es bald wieder weitergeht. Ich hab allen sonnige Ostertage gewünscht. Morgen bin ich einen Monat zu Hause und halt das auch gut noch länger aus. Arbeit macht das Leben süß, Faulheit stärkt die Glieder – Spruch von Oma.

Jetzt Ostermontag-Nachmittag bei Sigi und Wolfgang unten. Hab bis jetzt weder Lust auf Eistorte bei der lausigen Kälte – gestern 22 Grad! – und noch weniger auf eine große Liebesgeschichte auf DVD. Sowas sieht man am besten, wenn der Himmel voller Geigen hängt … Es war dann aber ein ganz anderer Inhalt. Königin der Wüste mit Nicole Kidman ist eine Filmbiografie, die auf dem Leben der britischen Historikerin Gertrud Bell basiert, eine der mächtigsten Frauen ihrer Zeit, die ihr Leben ihrer Forschung und den Wüstenstämmen widmet. Der Film hat nicht die besten Kritiken, was ich auch teilweise  nachvollziehen kann. Trotzdem waren es beeindruckende Naturaufnahmen.

Sie hat sich auf ihren Reisen durch die Wüste immer zwei Gläser Tee bringen lassen – eins für den Mann, der nicht mehr bei ihr sein konnte und mit dem sie doch immer verbunden war.

 

Sonntag, 12. April

Ostern, das sind diesmal Zweiertreffen oder zu dritt – gestern bei meiner Schwester Birgit, heute fahr ich zu Tine und Montag bin ich bei Sigi und Wolfgang. Als ich bei Birgit an ihrem Wohnwagen Pilgrim ankam, haben mich Lucy, Aaron und Vito begrüßt, drei Kinder aus dem Dorf. Hätte ich gewusst, dass sie da sind, hätte ich eine Packung  Eier-Negerküsse mitgenommen, die hab ich bei EDK gesehen …

Bei der Schwemme an WhatsApps war eine von Christine dabei, meiner ehemaligen Nachbarin. Über die hab ich mich am meisten gefreut. Das ist ein Verlust, dass sie ausgezogen ist.

Heute beim Frühstück mit Blick auf den Markt war kein Mensch zu sehen. An der Tür von Dat Asia Wok gegenüber steht: Wir sind bis Ostermontag geschlossen.

Sonnabend, 11. April

Je unbeweglicher ich bin bei Rückzug, um so mehr bewegen sich die Steine – Familie und Freunde. Gestern war eine Osterkarte von meiner Tochter im Briefkasten:

Liebe Mutti! Wir senden Dir von Herzen frohe Ostergrüße! Ich habe in letzter Zeit öfter an unsere noch ausstehende Radtour gedacht – die wir jetzt nach Corona definitiv mal machen sollten. Ich habe Rezepte aus Deiner Zeitschrift rausgesucht und die Aufkleber kommen auch zum Einsatz! Ganz viele liebe Grüße und bis bald, Deine Andrea und Paul!

Die zweite Überraschung war eine Osterkarte von Christa unter mir mit einem in schöner Handschrift und liebevoll verziertem Gedicht:

Ja, der Winter ging zur Neige, holder Frühling kommt herbei. Lieblich schwanken Birkenzweige und es glänzt manch Osterei. So zum schönsten der Symbole wird das frohe Osterfest, dass der Mensch sich Glauben hole, wenn ihn Mut und Kraft verlässt. Jedes Herz, das Leid getroffen, fühlt von Anfang sich durchweht, dass sein Sehnen und sein Hoffen immer wieder aufersteht. Vom Poeten Ferdinand von Saar, Liebe Grüße Christa

Von Aniko stand ein selbstgebackenes Lämmchen vor der Tür, ein rosa Häschen aus Mikrofasertuch, ein Fläschchen Premium-Eierlikör, ein Gläschen Ingwer-Konfitüre mit einem roten Marzipan-Herz obendrauf!

Dazu bis spät abends WhatsApps mit Wünschen, Grüßen, Sprüchen, Bildern …

Alles Liebesbotschaften! Es ist viel Bedenkzeit jetzt. Bei Seelenpartnern soll es darum gehen, dass man allein genauso glücklich ist wie zu zweit. Das glaub ich nicht mehr, das hat sich noch nie richtig angefühlt. Hätte ich gleich auf mich gehört, hätte ich mir nicht die Mühe zu machen brauchen, das zu versuchen. Das ist Erleichterung …

Karfreitag, 10. April

Ein Philosophieprofessor stand vor seinen Studenten und hatte ein paar Dinge vor sich liegen. Als der Unterricht begann, nahm er ein großes Mayonnaiseglas und füllte es bis zum Rand mit großen Steinen. Anschließend fragte er seine Studenten, ob das Glas voll sei. Sie stimmten ihm zu. Der Professor nahm eine Schachtel mit Kieselsteinen und schüttete sie in das Glas und schüttelte es leicht. Die Kieselsteine rollten natürlich in die Zwischenräume der größeren Steine. Dann fragte er seine Studenten erneut, ob das Glas jetzt voll sei? Sie stimmten wieder zu und lachten. Der Professor seinerseits nahm eine Schachtel mit Sand und schüttete ihn in das Glas. Natürlich füllte der Sand die letzten Zwischenräume im Glas aus. „Nun“, sagte der Professor zu seinen Studenten, „Ich möchte, dass Sie erkennen, dass dieses Glas wie Ihr Leben ist! Die Steine sind die wichtigen Dinge im Leben – Ihre Familie, Ihr Partner, Ihre Gesundheit, Ihre Kinder – Dinge, die – wenn alles andere wegfiele und nur sie übrig blieben – Ihr Leben immer noch erfüllen würden. Die Kieselsteine sind andere, weniger wichtige Dinge wie z.B. Ihre Arbeit, Ihre Wohnung, Ihr Haus oder Ihr Auto. Der Sand symbolisiert die ganz kleinen Dinge im Leben. Wenn Sie den Sand zuerst in das Glas füllen, bleibt kein Raum für die Kieselsteine oder die großen Steine. So ist es auch in Ihrem Leben – wenn Sie all ihre Energie für die kleinen Dinge in Ihrem Leben aufwenden, haben Sie für die Großen keine mehr. Achten Sie auf die wichtigen Dinge – nehmen Sie sich Zeit für Ihre Kinder oder Ihren Partner, achten Sie auf Ihre Gesundheit. Es wird noch genug Zeit für Arbeit, Haushalt, Partys usw. bleiben. Achten Sie zuerst auf die großen Steine, sie sind es, die wirklich zählen. Der Rest ist nur Sand.

Jetzt fällt vieles andere weg. Die Geschichte hatte ich gespeichert, jetzt passt sie.

 

Donnerstag, 9. April

Solche vollmundigen Träume hab ich nicht jede Nacht, dass ich morgens gleich weiß, was ich schreiben soll. Doch der gestern war sowieso so einzigartig, dass ich ihn aufschreiben musste. Während ich heute denke, ob der Ostereinkauf bei Lidl, Bärlauch-Kohlrabi-Suppe kochen und den nach wie vor ungeliebten Abwasch erledigt zu haben, überhaupt der Rede wert sind … In vollmundig kann das u auch durch ein o ausgetauscht werden.

Eben hab ich im WhatsApp-Status meiner lieben Freundin und einstigen Kollegin Antje aus dem Großraum Rostock die Zahlenfolge 151970 gesehen als Tachoanzeige. Ich hab gleich geantwortet: Hallo liebe Antje! Wie originell, dein Geburtsdatum im Kilometerstand! Wie geht es Euch? Ich hoffe doch, unbeeindruckt von dem ganzen Rummel, bestens. Jetzt könnten wir schön unsere geplante Radtour machen, wenn das Wörtchen wenn nicht wär … Ich wünsch euch sonnige, geruhsame und bunte Ostertage mit herzlichsten Grüßen von der schönen blauen, urlauberfreien Müritz!

Sie hat auch umgehend geantwortet: … Unsere Radtour findet in diesem Jahr statt! Ich weiß übrigens, warum wir seit langem so tolles sonniges Wetter haben: Das kommt von eurem Jonte. Ein zuckersüßes Kerlchen! Sieht doch aus, wie sein Papa in klein … Das hab ich gleich den Eltern geschickt! Sie hat ihn in meinem Profilbild gesehen.

Eben haben 2 Männer unten geheiratet, mit eingeschränkter, ausschließlich weiblicher Gästeschar. Vorgestern war auch eine Hochzeit im kleinen Corona-Kreis. Musiktitel dazu: Warum hast du nicht nein gesagt? Witzig, oder?

Mittwoch, 8. April

War das mal schön ruhig gestern, wenn auch ungewöhnlich: Nicht eine WhatsApp den ganzen Tag. Dafür heute 14 – das muss ein Empfangsloch gewesen sein, die kamen alle mit Verzögerung an. Von mir aus schreib ich meistens nicht, ist ja auch gerade nichts los. Kosmische Funkstille …

Ich hab ein bisschen die Terrasse aufgeräumt und den zweiten Teil Von der deutschen Sprache ihrem Niedergang zu Ende gelesen, war köstlich! Dazu hab ich auch was. Am Verkaufswagen vom Fischstand, der regelmäßig auf dem Markt ist, steht: Jedes letzte Wochenende im Oktober Sonntag Frauenfischen – Hab ich das jetzt richtig verstanden?

Abends bin ich mal die Entwürfe durchgegangen und hab 55 davon gelöscht. Da sind vier übriggeblieben. Die streu ich mal ein, wenn es passt oder mir nichts anderes einfällt. Das war was, was ich mal schreiben wollte, dann aber nur gespeichert habe. So zum Beispiel wie diesen Spruch hier:

„Ich glaube, daß kein Mann jemals ein rechtes Leben gelebt hat, der nicht durch die Liebe einer Frau gebessert, durch ihren Mut gestärkt und durch die Weisheit ihres Herzens geführt worden ist.“ John Ruskin, 1819 – 1900

In der Nacht hab ich geträumt; ich war in einer ganz anderen Welt. Einem Märchenland mit einem Schloss in krafvollen Farben, das immer größer wurde – immer neue Innenhöfe und Räume – dann hat es sich um Dimensionen vervielfacht und wurde dann wieder eins. Es gab Säle mit magischen Spiegeln, ein Prinz, die Hauptperson, war bei mir und hat mir geheimnisvolle Dokumente überreicht – auch ganz bunt und verziert, in einer verschnörkelten alten Schrift und teilweise verschlüsselt, doch ich konnte alles gut lesen und erkennen. Darunter war auch eine Reiseroute für meine Rückkehr, die er nochmal überarbeitet hat, wie er gesagt hat. Sowas hab ich noch nie gesehen und doch war es ganz real …

 

Dienstag, 7. April

Gestern hab ich mit viel Liebe ein Osterpäckchen für Michael, Tamina und Jonte gepackt und beim dritten Versuch, zur Post zu gelangen, auch abgeschickt. Die Filiale liegt etwas abseits vom Markt hinter einem Tordurchgang zum Fischerhof. Die Leute standen in der Entfernung, die sie für den Sicherheitsabstand von 1,50 m hielten, fast bis zur Straße, da immer nur 2 gleichzeitig rein konnten. Zweimal bin ich wieder gegangen, beim dritten Versuch am Nachmittag hielt ich es dann für zumutbar, mich anzustellen. Als ich alles schön verpackt hatte, hab ich gesehen, dass ich die kleine Windmühle, die ich vorher noch bei Rossmann für Jonte gekauft hatte, vergessen hab mit reinzulegen. Dann bekommt er die später.

Frühling, mit sommerlichen Temperaturen! Zum ersten Mal in diesem außergewöhnlichen Jahr geh ich barfuß und schlaf wieder mit offenem Fenster.

Wie schön war Mai als Kind, als heranreifendes Mädchen … Daran erinnere ich mich wieder – erst Kniestrümpfe, dann Söckchen, Sommerkleider, Blüten, Düfte, Sonne, Vögel, blauer Himmel, Käfer, Gras – ich kann es fühlen. Wie reich ich beschenkt bin mit allem. Und bei dem, was ich mir so gewünscht hab, hab ich eine kleine Änderung mit großer Erleichterung eingefügt: Irgendwann hab ich durch irgendwie ersetzt. Irgendwie wird es so kommen … So, wie jedes Jahr nach dem Winter der Frühling kommt, natürlich, von ganz alleine.

Jetzt ist er etwas unvollkommen, weil ihm ein k fehlt …

 

Montag, 6. April

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Die kleinen Freuden aufpicken, bis das große Glück kommt. Und wenn es nicht kommt, dann hat man wenigstens die kleinen Glücke gehabt. Theodor Fontane

Die schöne Herzchakra-Göttin lächelt mich vom Bild neben dem Fenster magisch an, denn die aufgehende Sonne fällt genau auf sie und lässt sie erstrahlen.

Das Poster hab ich mir mal aus USA bestellt. Das fällt mir ein, weil ich eben einen Aufruf von dort habe. Und einen aus Deutschland, jeden Morgen. Wenn ich den Laptop anschalte, ist einer schon vor mir da.

Heute mach ich die Terrasse fein, aber vorher noch Einkaufen. Ich hatte nur noch Marmelade zum Frühstück. Wie viele haben gar kein Frühstück …

Analytisches Denken fällt uns heute leicht. Man sollte bei Entscheidungen deshalb nicht der sogenannten Vergangenheitskosten-Täuschung verfallen. Das bedeutet, dass man oft in unguten Situationen, sei es im Beruf oder in der Partnerschaft, verbleibt, weil man so viel an Zeit und Mühen investiert hat. Natürlich gibt es manchmal gute Gründe, nicht aufzugeben. Aber was man schon investiert hat, sollte die Entscheidung darüber, ob man abbricht, nicht beeinflussen. In allem das Gute zu sehen, zu erkennen, dass alles im Leben für und nie gegen einen geschieht, ist ein zentrales Geheimnis und hilft uns, den nächsten großen Schritt nach vorn zu wagen.

Mondkraft Alpenschau mit Mond in Jungfrau von heute.

Auf einmal sind 19 Grad … Heut hab ich mir – für Ostern – ein Überraschungsei in Hasenform gekauft. Ohne langes Schütteln wie sonst, hab ich beherzt zugegriffen. Da ich bei Abwarten nicht die größte Geduld habe, hab ich gedacht, heute ist ein guter Tag dafür. Spiel, Spaß und – Überraschung: Zwei leuchtende Vögelchen auf einer grünen Brücke. Vier Teile – es hat eine Weile gedauert, bis ich die zusammen gefriemelt hatte. Jetzt freu ich mich!