Heute ist Dienstag, der 13. Mai

Meine Freundin war hier. Ich hab ihr von unserem Trio-Plan erzählt. Sie fragt: „Wie fühlst du dich dabei, kannst du ihn teilen?“ – „Ja, jetzt ja …“ Ich hab es bei Manuel gesehen: Er möchte auch Kinder, ein bis zwei, und er kann auch eine Frau lieben, sagt er, aber er möchte auch einen Mann. Ich wünsche ihm, dass er so eine Frau findet, die das toleriert, und so einen Mann. Warum soll es die nicht geben? Ich glaube, bi heißt, man kann mit dem Einen nicht glücklich sein ohne das Andere. Ich sag meiner Freundin, ich hab gar keine Lust mehr auf den Sonnen-Mann. – „Ja, weil du alles hast, was du brauchst!“

Wir spielen es im Vorfeld in Gedanken durch, Manuel, Maik und ich. Ich schreibe an beide: „6 Lippen, 6 Hände und 30 Finger – und das ist noch lange nicht alles … drei schöne Hinteransichten, zwei ordentliche Stäbe, vier pralle Kugeln, zwei schöne Spielbälle, eine feuchte Gletscherspalte … und im Kopf hat jeder Vorstellungen, Wünsche und Variationen, die zueinander finden. Alles ergibt sich von selbst. Jeder merkt, was der andere möchte oder nicht möchte. Worte sind kaum nötig, dafür ein Blick oder eine Handbewegung, die Ja oder Nein oder Vielleicht sagen. Wir fühlen und spüren uns, wie wir es so noch nie erlebt haben. So schön stelle ich es mir vor …“ Maik antwortet fragend: „Bei den Gedanken kann man doch nicht gut schlafen, oder?“ – „Doch, sehr gut. Du nicht?“ Weiter schreibe ich ihm: „Manuel schreibt gar nichts mehr von One-Night-Stands, sondern er geht Einkaufen statt fast-food, macht seine Bude am Wochenende statt Party und spricht von Rotwein-Abend mit mir, der schön wäre …“ – „Ja, alles ist irgendwie anders“, empfindet auch mein Geliebter.

Heute ist Montag, der 12. Mai

Nur mal ne Leseprobe aus der schönen Männerwelt: „Jetzt siehst du mich nackt, aber du kannst mein Bild nicht speichern. Ich wichse jetzt.“ – Ich: „Ich hab gestern drei Stunden gewixt und siebenmal abgespritzt. Das ist unnormal.“ Das hab ich einfach mal frei von meinem Zweitmann übernommen … Er sieht verdammt gut aus, der Unerreichbare … Wenn man mal bedenkt, dass Jeder zu gleichen Teilen angelegt ist männlich-weiblich und dann, was daraus werden kann …

Heute ist Sonntag, der 11. Mai

Seit heute habe ich eine zweite Identität. Ich hab einen erstklassigen Mann aus mir gemacht und mich auf einer Schwulen-Plattform angemeldet, um dort mit Manuel zu schreiben. Oh Mann, das geht aber ab da, nicht wie bei Hetero-Schlafmützen auf ihren Portalen. Ich hab noch nirgendwo so eine gewaltige sexuelle Energie gespürt wie hier. Und: Wer da drin ist – ist auf Männer aus. Ich mein nicht mich, ich mein Maik damit. Na, und Manuel ja sowieso. Ich war so ehrlich wie möglich bei meinem Profil: „Ich steh auf Männer – schon immer.“ Hi, hi. Einer hat mich gleich sehr niveauvoll begrüßt: Das Auge, wie ich ihn nenne. Das bezieht sich auf sein Foto, das nur einen Augenauschnitt von ihm zeigt. Mit dem korrespondiere ich. Die Profile sind schon mal viel aussagekräftiger als auf „normalen“ Dating-Seiten. Ich hätte mich gern mit XXL bestückt, aber XL ist auch schon gut, wenn ich bedenke, dass ich vorher gar nichts hatte. Doch ich wollte mich nicht von einer Flut von Mails überrollen lassen. Deshalb bin ich auch bi und verheiratet, als Alibi, dass Dates schlecht zustande kommen können. Mistery Eye fragt: „Warum erst so spät, warst du so lange in deiner Familie gefangen?“ und ein anderer: „Schönes Profil, geht mir genauso wie dir.“ Ich muss dabei bloß umstellen, auf Männersprache: kurz und knackig. Das krieg ich hin. Und ich darf mich nicht verquasseln. Und ich mich muss dran denken, dass ich keine Dates buche. Würde ich am liebsten … Gleich, als ich da drin war, hab ich gedacht: Als bi-Mann sieht die Welt doch gleich ganz anders aus …

Dagegen ist Treffen mit Sonnenmann48, aus yafin Portal, wo ich Frau bin, einschläfernd. Ich schreib ihm: „Ich hab ’n Sohnemann, Sonnenmann ….“ Erst wollte ich nicht, wegen Sachsen-Dialekt, wobei mir ja bekanntlich nix ankommt. Aber er hat eine feine, süße Stimme – Frauenstimme. Vielleicht eignet er sich ja als Freizeit-Partner, denn er kommt zum Radfahren her. Ich könnte mir einen Urlauber-Pool aufbauen. Gute Idee! Aber der Normalo-Mann, die zweite Hälfte für die zweite Hälfte, gibt mir nichts. Das merke ich immer mehr. Die bi- und gay-Welt ist viel reizvoller. Rotlichtszene war auch reizend. Aber da wollte ich nur mal rein leuchten, wie es ist. Das hier ist anders – fesselnd. Ich krieg die noch alle durcheinander, wenn ich nicht aufpasse: männliche und weibliche Männer und bi und gay und hetero – und mich, mit meiner zweiten, neu aufgemachten Persönlichkeit. Wenn mir jetzt noch was wachsen würde …

Heute ist Sonnabend, der 10. Mai

Mir ist alles heilig, Manuel ist nichts heilig. Das macht gar nichts. Für den Push-up-Effekt bin ich jetzt online auf einer einschlägigen Dating-Plattform: „Möchte hier begabten Mann zwischen Mitte Dreißig und Vierzig finden, mit dem ich Lust leben und lieben kann!“ Prompt meldet sich Amor 31, nicht Amor persönlich – schade. Schreiben geht gut mit ihm. Was das Alter betrifft, kann ich es mir leisten, darauf keine Rücksicht zu nehmen. Er lebt mit Freundin zusammen im Großraum Hamburg. Daran bin ich nicht sonderlich interessiert. Muss ja nicht er sein. Es geht ja auch nur darum, dass ich überhaupt Platz für jemand anders im Kopf hab, jemand anders als MAIK. Parallel – das geht auch. Jetzt kann ich es. Gott sei dank – und nicht nur Gott sei dank – auch dank Manuel und meiner selbst.

Heute ist Freitag, der 9. Mai

Für heute hab ich mir zwei Männer bestellt. De Fensterputzers kommen. Ist das ein erhabenes Gefühl. Ich sitz auf der Treppe und die Kerle wienern mir für dreißig Eus die Scheiben blank, ohne, dass ich mich quälen muss. Was für ein Luxus!

Manuel fragt mich: „Kennst du seine Frau? Seine Frau ist ein Blümchen!“ Er meint Mauerblümchen. – „Seine Frau ist seine Frau, Manuel. Darüber hast du nicht zu befinden, und ich auch nicht. Ich vergleich mich nicht mit ihr.“ Er hat es nicht bös gemeint, wollte mir vielleicht nur ein Kompliment machen. Klar kenn ich sie. Komissar Zufall hat uns mal zum Abendessen eingeladen.

Heute ist Donnerstag, der 8. Mai

Ich stell jetzt meine Zigaretten selber her. Das ist ’ne andächtige Tätigkeit. Schön stopfen und – zack, durchziehen das Ding. Irgendwie muss ich dabei an Sex denken. Leere Hülse rein – volle Hülse raus. Das ist der umgekehrte Akt. Dabei kann ich schön meditieren, in der Form, dass ich denke: Und wenn du fünf Bi-Männer hast, einer der es nur mit dir will, würde wahrscheinlich dein lahmes liebes Sex-Leben ordentlich pushen. Das muss an meiner neuen Haarfarbe liegen. Ich bin wie umgewandelt und gefühlte Anfang Zwanzig …

Heute ist Dienstag, der 6. Mai

Ich und zwei Männer – wer hätte das je gedacht? Mein lieber Herr Gesangsverein! Und um zehn schon Feierabend, denn ich schreibe früh und vormittags, manchmal nachts. Dann fahre ich um den Frühlings-See, einen von meinen Frühlings-Seen. Es blühen wunderschöne Glockenblumen. Glocken-Blumen haben doch auch was mit Sex zu tun, oder? Und Himmelsschlüsselchen. Was für ein wunderschönes Wort! Ich hör die Englein singen. Und Maiklöckchen läuten! Außerdem hat der Wald seinen Anemonen-Teppich ausgerollt und mit Leberblümchen garniert.

Ich teile jetzt meine Zuwendung, aber nicht gerecht. Der manuelle Mann bekommt mehr von mir. Ganz einfach, weil er präsent ist. Bei dem anderen denke ich, weck ihn bloß nicht auf! Das mit dem Teilen war nicht immer so, weil ich Manuel nicht als gleichwertig angesehen habe. Gleichwertig zu mir schon, aber nicht zu Maik. Das hat sich mächtig gewaltig geändert in unserer schönen Woche.

Heute ist Montag, der 5. Mai

Meine Freude über die Veröffentlichungs-Zusage des Verlages kann ich manchmal immer noch kaum fassen. Als ich die Wunder-Nachricht erhalten habe, hatte ich das Gefühl, jetzt ist alles geritzt. Ich habe meine ganze Energie dazu gebündelt, wie in einem Laser-Strahl. Hab das Manuskript Freitagmittag mit dem 12-Uhr-Glockenläuten in den Briefkasten gesteckt, mit einer schönen Schwertlilien-Briefmarke versehen. Die verwende ich immer für Post von mir an den Titelhelden. Auf das „i“ von Eingangslektorat habe ich keinen Punkt gesetzt, sondern einen roten Herzstempel gedrückt. Dann habe ich mir vorgestellt, in Frankfurt geht ein Lektor Montagmorgen frustriert – weil Montag ist – in den Verlag und denkt, es könnte mal wieder ein schönes Manuskript auf meinem Schreibtisch landen. Und siehe da – Wunder geschehen. Das ist Flow!

Heute ist Sonntag, der 4. Mai

Ich hab wunderbares Eros-Gel, mit seidiger Textur. Schwarz-weiße Flasche, in der Größe eines ordentlichen Kolbens. Das nehm ich für meine Haut. Ich brauch kein Schmiermittel. Oder für Schwanzverwöhnen. Herrlich! – So was schreib ich morgens um sieben, vor dem Frühstück. Oh Gott, dafür werd ich in der Hölle schmoren, denn eigentlich müsste ich noch Staatsdiener sein, aber ich konnte es nicht mehr. Ich konnt‘ es echt nicht mehr. Ich diene dem Volk lieber so. „Have a nice sexy day!“

Gestern hatte ich noch ne schöne nächtliche Kommunikation mit Maik. Er fragt, ob Manuel einen schönen Schwanz hat und was ich am liebsten damit machen würde. – „Das weiß ich noch nicht genau.“ Im gleichen Moment denk ich, was für’n Quatsch mit Sauce schreib ich ihm da eigentlich? Vornehme Zurückhaltung ist nicht angebracht. Ich korrigiere mich: „Doch, ich weiß es: Du mit mir und er mit dir – gleichzeitig.“ Jetzt isses raus. Keine Antwort. Ich schiebe nach: „Au weia, aber träumen kann ich davon doch schon mal.“ Jetzt kommt: „Ich bin so scharf und sitze vor cam 4.“ Das ist seine Live Sex Cam. Ich antworte: „Oh Mann …“ und denke: Na, da hast Du ja alles, was Du brauchst. Ich glaube, die Umstände gestalten sich günstig. Widrige Umstände hatten wir auch lange genug. Vielleicht kann ich doch noch mein Modell der freien Liebe leben – vielleicht sogar mit zwei Männern. Jetzt sind die verfrühten Eisheiligen. Am liebsten würde ich Amor mein hellblaues Kaschmir-Strickjäckchen umlegen, weil ich Angst habe, er erfriert sonst. Ach was, Götter frieren nicht, und der Gott der fleischlichen Liebe schon gleich gar nicht! Und die Tage werden wärmer – und heißer …