Montag, 19. September

Zuweilen habe ich im Schlafe die Lösung solcher Probleme gefunden, die im wachen Zustand unlösbar schienen. Anton Hansen Tammsaare

Heute Nacht hab ich eine Filmkomödie geträumt, mit vielen Verwechslungen. Ich war immer in der falschen Wohnung bei fremden Leuten. Dann hab ich einen Mann getroffen, der Gynäkologe war und bei dem ich einen Termin haben sollte, aber nicht in seiner Praxis, auch irgendwo in einer Wohnung. Wir haben aber nur erzählt und gelacht. Von Art und Aussehen war er mir sympathisch und hat mir gefallen. Wach geworden bin ich von dem Bild, wie er mich umarmt und gesagt hat: Wir können uns gerne öfter sehen. Das geht nicht immer, aber oft. Nach der Sekunde, die ich gebraucht habe, um zu verstehen, was das bedeutet, hab ich Nein gesagt.

Sonntag, 18. September

Ruhig und vernünftig zu betrachten, ist zu keiner Zeit schädlich. Johann Wolfgang von Goethe

Ruhig und vernünftig betrachtet, kündige ich die Wohnung bei Heidi zu Anfang November. Ruhig und vernünftig betrachtet, kündige ich auch Guti-Gutshaus zum Jahresende und ruhig und vernünftig betrachtet, probiere ich es aus mit der Künstler-Pension. Es ist abzuwägen, das Für und Wider. Im Dorf ist zum Beispiel kein Spielplatz, wo ich mit Jonte hingehen könnte. Der Garten mit Kunst ist groß und schön, aber im Winter auch weniger zu nutzen. Ich guck einfach mal …

Gestern hat mein Wünschen geholfen. Als Fritzi mich angerufen hat, hab ich gesagt, ich bin krank mit Erkältung und schlimm Magen/Darm. Das schafft er auch alleine mit Anja, hat er gesagt. Also bin ich zu Hause geblieben. Heute geht es mir besser und ich mach am Nachmittag das Café für 3 Stunden. Das reicht auch.

Ruhig und vernünftig betrachtet, hab ich einen höheren Aussichtsturm erreicht – statt weniger Zeit zu leben. Mein erster Gast war heute ein Mann aus dem Nachbarort mit seiner eigenen Geschichte. Er war schon daran zu sterben, jetzt kommt er wieder jeden Sonntag zum Kaffee. Mein größter Fehler im Leben war meine Ungeduld, hat er gesagt. Die ist nun mal dem Menschen eigen. Ich finde, ich habe keine Fehler gemacht, nur Erfahrungen, hab ich gesagt. Und das ist schon der erste Fehler, das zu sagen, war seine Antwort. Was ist ein Fehler, was ist falsch, was ist richtig? So gesehen, haben Sie Recht …

Dann hat er 5 € auf den Tisch gelegt, sich verabschiedet und mir noch einen schönen Sonntag gewünscht. Ich hab statt Kaffee und Kuchen eine kleine Flasche Wasser und einen Cookie gebongt – was annähernd so viel war, statt kleinlich darauf zu bestehen, da fehlen noch 2 €. Es ist immer ein Plus in der Kasse, das solche kleinen Unebenheiten wieder ausgleicht.

Sonnabend, 17. September

Alle klagen über das Wetter. Es findet sich aber niemand, der etwas dagegen tut. Mark Twain

Es ist gar kein Übergang zwischen Sommer und Herbst, abrupt von Augusthitze auf regnerisch-kühl im September. Michael, Tamina und Jonte – alle 3 wieder krank, und nachdem Jonte 3 Tage bei mir in Bandelstorf war, hab ich mich auch wieder angesteckt. Dazu kommt, dass die Wohnung nicht nur kalt, sondern jetzt auch feucht und klamm ist, weil Heidi noch nicht heizen kann nach der Umstellung von Öl auf Gas und noch auf den Monteur wartet. Zum Termin nicht erschienen. Die Wohnung kündige ich jetzt zu Anfang November.

Die Künstler-Pension hab ich mir angesehen mit Martina und Jonte, das heißt, die Anlage mit Garten. Die Zimmer waren alle belegt. Ich probier es einfach aus. Heute Abend und morgen Nachmittag Guti-Gutshaus trotz Krankheit. Ich wollte nicht schon wieder absagen und denke, es geht nicht so lange.

Mit Jonte war ich in Dummerstorf im Zirkus. Ist das langweilig?, hat er gefragt. Nein, das ist Artistik.

Montag, 12. September

Wenn du zwei Groschen hast, kaufe dir für einen Groschen Brot, für den anderen aber Blumen für deine Seele. Aus Japan

Heute hat Michael Geburtstag. Jonte hole ich wahrscheinlich morgen nach Bandelstorf. Und dann sage ich dieses oder nächstes Mal, in 14 Tagen, wenn ich wieder bei Heidi bin, dass ich die Wohnung kündigen werde. Mal sehen, wie es sich ergibt. Freitag bin ich wieder hier.

Sonntag, 11. September

Fasst frischen Mut! So lang ist keine Nacht, dass endlich nicht der helle Morgen lacht. William Shakespeare

Jedes freundliche Wort, jede Geste der Verbundenheit, jedes kleine Lächeln – das braucht die Welt jetzt und jeder Einzelne – gegen die Angst, die wohl jeder hat in dieser Zeit, und für das Licht. Ich hab mir auf Youtube von Enchanted Queen die Tarotlegung für September und Oktober für das Sternzeichen Krebs angesehen: Dein Unterbewusstsein hat eine wichtige Botschaft für dich, hör hin. Sie sagt: Du bist immer weitergegangen und gehst immer weiter, doch jeder Schritt kostet dich Kraft. Ja, Kraft und viel Kraft.

Sie hatte zu tun mit der Legung und konnte es sich nicht richtig erklären und hat immer noch eine Zusatzkarte gezogen und am Ende gesagt: Ich hoffe, Ihr wisst, was es bedeutet. Ja, ich und die es betrifft wissen, was es bedeutet, hab ich gedacht.

Dann hab ich nach langer Zeit mal wieder das Buch der Antworten befragt zur gegenwärtigen Lage: Dein Handeln wird die Dinge beeinflussen. Ja.

Heute Guti-Gutshaus, die Café-Schicht, morgen fahr ich wieder nach Rostock.

Freitag, 9. September

Freundlichkeit gegen jedermann ist die erste Lebensregel, die uns manchen Kummer ersparen kann. Helmuth Graf von Moltke

Silvia und Detlef sind weg – und schon ist wieder schönes Wetter. Besser gesagt – Detlef ist weg. Er hat heute Geburtstag. Ursprünglich war ich zum Frühstück ins Hotel eingeladen, wie sonst auch, wenn sie hier sind. Gestern im Wald hat sie mir gesagt: Detlef möchte morgen mit mir alleine früstücken und dann fahren wir in Ruhe los. Ja, das macht mal, war meine Antwort. Ich hätte ja keine zugesagte Einladung auf die Art zurückgezogen, sondern gesagt: Das sag ihr mal schön selber. Aber sie muckt nicht auf. Er sagt auch Muckel zu ihr.

Als ich angerufen hab, um ihm zu gratulieren, war nur der AB geschaltet. Ich hab nicht „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“ raufgesprochen, sondern Alles Gute zum Geburtstag … gedacht, in Klammern, alles Gute – Freundlichkeit, Höflichkeit, gutes Benehmen. Solche Leute halte ich mir künftig vom Leibe und deshalb ist unsere Freundschaft auch sehr wacklig, wie ich an diesen beiden Tagen gemerkt habe, mit ihm, nicht mit ihr, aber es gibt sie nur im Doppelpack.

Situation im Zug: Die beiden mit Maske, ich ohne. Steht nicht dran an der Tür, mein Kommentar, als er mich drauf hingewiesen hat. Es stand nicht an der Eingangstür, sondern an der gegenüberliegenden. Er: Siehste, lesen kannst du auch nicht. – Ich: Nein, aber denken. Wer glaubt denn den Schwindel noch? Sehr unterschiedliche Gesinnung wirkt sich – neben der Familie – auch auf die Freunde aus.

Situation im Cafe: Er will das Tablett mit ihren leeren Tassen zurückbringen und ich stell meine mit rauf mit dem Satz: Die hat doch noch Platz da. Antwort: Ungern … Nur ein Wort, und der schöne Tag ist getrübt. Nur Gegrummel und Unfreundlichkeit von ihm und noch so manches Negative mehr. Ich will auch nicht mehr mitansehen, wie er sie runtermacht und sie sich das gefallen lässt.

Zu mir hat Silvia gesagt: Wenn das so weitergeht mit ihm, dann haben wir bald keine Freunde mehr. Ja, das kann ich mir vorstellen.

Donnerstag, 8. September

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen, und das Wetter nehmen, wie es ist. Deutsches Sprichwort

Das haben wir heute so gemacht, den Teil mit dem Wetter. Nicht Etappe 8 vom M-Weg, sondern um Waren – Warnker See, Wienpietschseen und Snack-Pause in der Pension zur Fledermaus. Als wir wieder am Markt waren, fings dann richtig an mit Regen, vorher schon Niesel und Gewittergrollen. Jetzt schön in’s warme Badewasser und den restlichen Tag dann in der Horizontalen verbringen …

Mittwoch, 7. September

Ruhig sein – dem Strom der Zeit die rechte Richtung geben. Han Fe Dsi

Heute ist der 7. und wir fahren mit Silvia und Detlef Etappe 7 vom M – Müritznationalparkweg, von Neustrelitz nach Kratzeburg, 17 Kilometer. Morgen ist der 8. und wir fahren die 8. Etappe, von Kratzeburg nach Federow, 27 Kilometer. Das ist aber Zufall. Die 9. und letzte Etappe, von Federow nach Waren, lassen wir aus, die kennen wir schon. Dann haben wir noch 3 – 4, 5, 6 für nächstes Jahr. Nummer 2, von Boeker Mühle bis Wesenberg, sind wir voriges Jahr gefahren. Nr. 1, Waren – Schwarzenhof, haben wir ausgelassen, die kennen wir auch schon von unseren früheren Fahrten hier um Waren. Schöne Beschreibung aller Etappen auf Wildganz.com Müritz Nationalpark Weg.

Dienstag, 6. September

Manches können wir nicht verstehen. Lebt nur fort, es wird schon gehen. Johann Wolfgang von Goethe

Was klingt besser – Ottos stiller Winkel oder Wohnen zwischen Kunst und Kräutern? Gestern Abend hab ich bei Google geguckt, welche Möglichkeiten der Unterkunft es in oder nahe Rostock noch gibt, wo ich den Preis pro Übernachtung und nicht monatlich zahle, wie jetzt. Ich kann jederzeit bei Martina schlafen, was sehr gastfreundlich von ihr ist, doch ich brauch was, wo ich Jonte mit hinnehmen kann. Und da ist mir die Pension Carls Scheune – Wohnen zwischen Kunst und Kräutern ins Auge gefallen. Das ist 4 km vom Rostocker Zoo und 8 von der Innenstadt entfernt. Bis zu Michael und Tamina und Jonte sind es von da aus nur 7 km.

Was sich in diesem Jahr schon lange abgezeichnet hat und sehr klar geworden ist: Von Guti-Gutshaus werde ich mich zum Jahresende verabschieden. Man muss auch wissen, wann es genug ist. Davon ist auch meine schöne Zweitwohnung mit Garten bei Heidi betroffen, wo ich mit Jonte jetzt fast schon zwei schöne Jahre verlebt habe.

Nächste Woche bin ich wieder in Rostock und ich denke, da fahre ich mit Martina mal hin und gucke, ob ich mich zwischen Kunst und Kräutern gut aufgehoben fühle.

Und was Arbeiten angeht – ich halte es auch gut ohne aus, doch so 1 -2 Tage die Woche, außer Gastro, kann ich mir schon noch vorstellen. Und wie es der Zufall so will, als ich bei Angelika und Bodo auf ihrem schönen neuen Hausboot war, hat er, der Security-Mann ist, gesagt: Wir sind ja auch eine Dedektei und suchen immer Leute … Die besten Jobs findet man sowieso auf die Art und nicht über Stellenangebote. Auch da kann ich ja mal unverbindlich ein Gespräch mit seinem Chef führen.

Doch heute fahr ich erstmal mit Lars in die Pilze …