Sonntag, 26. September

Als ich vorigen Sonntag mit meiner Tochter telefoniert hab, war die Eröffnung ein betriebswirtschaftlicher Vortrag. Ab 1. Dezember ist sie Leiterin des Sprachenzentrums an der Uni Rostock, ihre Chefin geht in Rente und sie hat den Zuschlag bekommen. Da hab ich mich gefreut für sie. Doch mein Kind ist für Sanktionen gegen Ungeimpfte, somit auch gegen ihre Mutter – sie können die Hörsäle durch den Mindestabstand nicht voll auslasten und es ist ein großer Aufwand, alles zu regulieren. Ich hab nur gesagt, die Impfquote ist wie sie ist und das hat seinen Grund.

Dann kam der familiäre Teil, in dem es hauptsächlich um mich und Jonte ging und dass sie sich freut, dass wir so ein gutes Verhältnis haben. Dafür hab ich auch was getan durch die Anmietung meiner Zweitwohnung, um in der Nähe zu sein. Zum Schluss hat sie gesagt: Mutti, vielleicht kann ich dich noch motivieren, doch wählen zu gehen – für Jontes Zukunft. Der Nachsatz sollte wohl Wirkung zeigen. Ich hab gesagt, wenn du mich motivieren willst, gehst du davon aus, dass ich nicht wählen gehe. Das war in den ersten Jahren hier so, dann hab ich gewählt.

Für Jontes Zukunft – meine Chefin kam mir auch damit: Wenn du dich nicht impfen lässt – was ist mit der Verantwortung für dein Enkelkind? Wenn ich glauben würde, dass ich meiner Verantwortung dadurch nachkommen würde, würde ich es tun. Aber das Gegenteil ist der Fall.

Sonnabend, 25. September

Ich wollt noch was zu’n Wahlen schreiben. Das lass ich. Ich denk nur, die aufgehängten Plakate sind ein gutes Studienfeld für Gesichts-Physiognomie. Mit 50 hat jeder das Gesicht, das er verdient, heißt es, und so sind auch den Kandidaten ihre Lebensläufe und Charakterzüge ins Gesicht geschrieben. Ich weiß, wen ich davon nicht wählen würde …

Heute Abend nochmal Guti-Gutshaus mit Grillen und nächsten Sonnabend, dazwischen Mittwoch eine lange Schicht, Café und abends. Dann kommen im Oktober nur noch Café-Schichten 14 – 18 Uhr. Das ist auch dringend nötig. Ich bin so lustlos … Das kostet mich viel Überwindung heute. Am liebsten würde ich Zuhause bleiben und keinen sehen.

Das ist nochmal’n milder Abend, wohltuend nach dem Herbstbeginn. Der Guti-Gutshaus-Abend war auch erträglich. Obwohl zusätzlich zum Grillen noch eine 80. Geburtstags-Feier war, lief alles gesittet ab und nicht so chaotisch wie sonst. Zum Grillen waren auch nur 6 Personen, nur der Aufwand ist der gleiche, ob 6 oder 26 da sind. Mir ist alles egal, solange ich meine Ruhe hab.

Mittwoch, 22. September

Lief ganz anders, als geplant. Aus Dienstag Nachmittag Jonte abholen, wurde ihn über Nacht dabehalten. Wenn es passt. Da hab ich meinen Frisörtermin heute früh abgesagt und dafür mein Enkelchen gehabt. Nachmittags hab ich ihn wieder abgeliefert und bin von da aus gleich zu Guti-Gutshaus gefahren, 17 – 22:30 Uhr. Da war es heute total verrückt, verrückt ist es fast immer. Ich hab die ganze Zeit gedacht: Nur nach Hause …

Sonntag, 19. September

… Darum hör mich schweigend flüstern: Hinter der Mauer schlägt ein dich liebendes Herz.

Die Mauer – Poem of a Runner. Das sind die, die wegrennen. Manchmal guck ich, was andere in ihrem Blog schreiben und hab das gefunden. Wer den ganzen Text lesen möchte, findet ihn auf heart2soul.de.

Damit bin ich gestern eingeschlafen, bevor sich der Verstand einschalten konnte. Als wär es eine Botschaft von ihm.

Sonnabend, 18. September

Morgen Abend und heute nachmittags und abends Guti-Gutshaus. Im Oktober wird es deutlich weniger …

Gerade geschrieben, da fragt die Chefin an, ob ich Lust hab, im Oktober an den Sonntagen das Café zu machen, von 14 bis18 Uhr. – Da sag ich doch gleich Ja, Bettina. Nur der 3. Okt. ist schon verplant, Molli-Fahrt Bad Doberan. – Super!

Das Café ist die entspannteste Schicht! Der Monat ist trotzdem arbeitsmäßig noch ruhig genug, denn außer den 4 Sonntagnachmittagen sind es nur noch 3 weitere Tage.

Die Fahrt mit der historischen Molli-Bahn ist die nachgeholte Geburtstagsfeier von Martina, Peter und Wolfgang vom Januar. Ich hoff, dass ich da Jonte mitnehmen kann. Der kriegt sich gar nicht wieder ein, hat Martina gesagt, wenn er die Lok sieht und die Dampfwolken …

Aber heute, heute komm ich gar nicht aus’m Knick. Das ist die Vollmond-Nähe. Ich leb nur für den Feierabend …

Donnerstag, 16. September

16 Grad bewölkt. Auf einmal ist es Herbst. Da fallen mir immer die Rilke-Zeilen ein, die mit einem Gebet beginnen:

Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren und auf den Fluren lass die Winde los …

Befiehl den Früchten voll zu sein, gib ihnen noch zwei südlichere Tage …

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben …

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.“

Das heißt, die Realität holt den Grübler ein, den Unentschlossenen, den nun eine Zeit der Unruhe überkommt – die Realität, die er nicht mehr ändern kann. Wenigstens nicht in diesem Jahr.

So steht es in einer schönen Gedicht-Interpretation in „Der kleine Garten“.