Montag, 11. Oktober

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen. Buddha

Und wenn es in den Dingen liegt, dann in den kleinen.

Als ich Sonnabend zu Michael und Tamina gefahren bin, hat Jonte mich an der Tür empfangen: Noch mehr Oma! Taminas Mutter war schon da, zusammen mit ihrer Schwester mit Freund und ihrer Cousine mit ihrem Mann aus Afrika. Er hat viel Spaß mit Jonte gemacht und das fand er toll. Das war ein schöner Kontrast – die hellste Haut, die es geben kann, und die dunkelste.

Nach der Macht von Nein hat er jetzt mein entdeckt. Oder meiner, wie er zu allem sagt. Er hat mich energisch aus dem Bett geschoben: Meiner Bett! Ach, das ist dein Bett? Und wo soll ich schlafen? Meiner Bett! Genauso bin ich jetzt mein Auto los. Meiner Auto …

Als wir vorigen Sonntag nach Bad Doberan zum Bahnhof gefahren sind – unser Molli-Dampfeisenbahn-Highlight mit Martina und Freunden – saß Susanne mit im Auto. An jeder Ampel kam von hinten aus dem Kindersitz: Oh, grün … wieder rot … Dann war Ruhe. Ich hab zu ihr gesagt: Wenn keine Ansage mehr kommt, ist der Bord-Computer eingeschlafen.

Das ist wirklich lustig mit ihm – immer, wenn eine Pflasterstraße kommt, hör ich die ganze Zeit rrtrrtrrtrrtrrtrrtrrt, bis wieder Asphalt kommt. Das mach ich auch schon – auch wenn er nicht mit im Auto sitzt.

Sonntag, 10. Oktober

Ein Glück, ich bin bin zurück. Ich bin gleich von Rostock zur Café-Schicht gefahren und war ab 15 Uhr alleine da, bis auf die Gäste, die wie die Heuschrecken eingefallen sind, nachdem die beiden Kolleginnen weg waren. Es war eine Führung zu der Kunstausstellung im Haus und im Dorf und Umgebung. Danach standen sie Schlange – Kuchen, Kaffee, Cappuccino, Latte … Ich hab nur zwei Hände, hab ich gedacht, und sie alle nach und nach abgefertigt und um 17 Uhr war das letzte Stück Kuchen weg. Gab aber gut Trinkgeld, immer 2 – 3 Euro pro Kaffeegedeck, weil alle bar bezahlt haben und es keine Hausgäste waren, die es auf die Zimmer schreiben lassen.

Als ich zu Hause ankam, war eine Sprachnachricht von Birgit da. Sie hat neue Räume für ihre TAO-Schule und fährt morgen mit ihren Helfern die Matten hin. Es wäre schön, wenn ich das Catering übernehmen könnte und ca. 15 Brötchen schmieren und Kaffee kochen und hinbringen könnte, zu um 11. Das heißt, vorher einkaufen …

Heute hab ich Jeanette kennengelernt. Sie ist schon länger bei uns, aber ich hab mit ihr erst einmal telefoniert, um zu fragen, ob sie Vertretung für mich machen kann. Einer von den Gästen hat sich heute über den Preis von 4,10 € für einen halben Liter Bier bei ihr beschwert. Das ist ein gängiger Preis, hab ich gesagt, auch in Waren. Beim Bezahlen hat sie zu ihm gesagt: Ich hoffe, sie schließen mich trotzdem in ihr Nachtgebet mit ein. Das fand ich ja goldig, Amen.

10.10. Heute würde ich ihm sagen – ich hab die Bilder verbrannt. Das geht auch auf diesem Weg.

Sonntag, 3. Oktober

Feiertag! Neuer Wochen-Gelassenheitsspruch am Sonntag:

Was nicht zu ändern ist, das sollte man jederzeit vergnügt geschehen lassen. Gottschalk von Orbais

Da bin ich jetzt – dass ich das kann. Vorher auch schon teilweise, doch jetzt liegt die Betonung auf vergnügt. Das hat aber auch lange gedauert.

So schöne klare Herbstfarben haben die Oktobertage. Jetzt kommt eine vergnügte Woche bis nächsten Sonntag, ich freu mich schon auf alles …

Sonnabend, 2. Oktober

Das waren Bilder auf A 4 Papier. Die Asche nehm ich als Blumendünger. Da wird es dem Kreislauf wieder zugeführt. Sie sollten nicht im Müll landen. Sie sollten aber auch nicht von meinen Angehörigen gefunden werden, wenn ich mal … Wer weiß schon, wieviel Zeit man noch hat. Irgendwann hätte ich mich davon sowieso trennen müssen. Da war jetzt der richtige Zeitpunkt, bevor es zu spät ist.

Ich hab ein gutes Gefühl dabei – kein Bedauern. Die sind sowieso gespeichert auf Festplatte, die sich Gehirn nennt. Mit den anderen kann ich mir Zeit lassen, das sind richtige Fotos. Da ist nur er drauf oder das von ihm, worum es in all den Jahren ging.

Ach, die Turnschuhe sind sogar schon 20 Jahre alt. Was ich mir hier gekauft hab, war eine rote Killtec-Jacke zum Radfahren, die hab ich auch immer noch. Die Schuhe hatte ich meinem Sohn mal ins Judo-Trainingslager mitgegeben, die brachte er nur mit einer Einlegesohle zurück. Asics hat mir dann zwei Ersatzpaare in blau und rot geschickt, die waren aber nicht so gut wie die originalen.

Nachher noch eine Guti-Gutshaus-Schicht von 5 bis 10 hoffentlich. Ich bin schon am Sachenpacken, ab morgen mach ich eine Woche Urlaub in Rostock und Bandelstorf …

Tatsächlich um 10 Feierabend – heute war land art lexow, unsere Kunst-Schiene. Der Parkplatz in 3 Reihen voll, da dachte ich schon, am besten gleich wieder umkehren. War dann doch ganz entspannt und schön. Und es gab ein Bonüsschen für alle – ordentlich paar Glocken extra. Das hebt gleich die Stimmung und macht gute Laune!

Heute ist Freitag, der 1. Oktober

Die E-Mail kam gestern:

Liebe Frau Schulz,

Sie hatten sich ja Ende letzten Jahres bei mir gemeldet bezüglich meiner Stellenanzeige (Service/Reinigung Ferienhaus in Göhren-Lebbin). Hätten Sie ggf. noch Kapazitäten und Interesse? Ich würde mich über einen Anruf/Antwort sehr freuen. Mit freundlichen Grüßen …

Sie hat mir damals mitgeteilt, dass sie mit einem Dienstleistungsunternehmen zusammenarbeitet und mir viel Glück gewünscht. Das gleiche hab ich auch gedacht – viel Glück! Ich wollte auf meine Kurzantwort noch dazu schreiben: Damit bleibt mir meine ungekündigte Stellung in der Gutshaus-Gastronomie erhalten. Das kann ich ja jetzt, mit dem Hinweis – ich bin nicht Frau Schulz! Too late …

Ein bisschen Aroma, ein bisschen Paloma,
Ein bisschen Chichi …
Ein bisschen Hallo heute Nacht irgendwo …

Fängt gut an, der Oktober, wenn mir das durch den Kopf summt.

Heute bin ich auf den Tag 10 Jahre hier! Ich bin zu Kaufhaus Stolz gefahren, da war ich nur einmal zur Eröffnung, und hab mir eine dunkelblaue Kapuzen-Sweatjacke gekauft. Sehr schön, das war Eingebung! Meine drei alten Lieblingsjacken, die ich mir immer um die Hüften schlinge, haben alle Brandlöcher und der Reißverschluss ist kaputt. Die haben jetzt ausgedient. Genau wie meine alten Asics, die hab ich mir hier im Sportladen gekauft, als ich herkam. Ich hab vorhin im gleichen Sportladen, der inzwischen nur umgezogen ist, schon ein schönes Paar anprobiert und zum Verkäufer gesagt: Das überschlaf ich noch eine Nacht, vielleicht bis morgen! Oder bis nachher – ich geh gleich nochmal runter. Das ist doch ein Anlass, mein 10jähriges Jubiläum hier.

Ich hab nicht nur Laufschuhe gekauft, ich hab auch Bilder verbrannnt, die schon viel eher ins Feuer gehört hätten, als ich hier angekommen bin. Die wollten nicht in Flammen aufgehen, ich hab das Feuerzeug so lange rangehalten, bis nichts mehr übrig war.

Ein bisschen Hallo heute Nacht irgendwo … Ich hab noch mehr zum Verbrennen.

Donnerstag, 30. September

Dieses non-revival, oder wie man’s nennen will, hat mir nochmal klargemacht, was ich will und was ich nicht will. Ich schreib das in der Nacht – 01:45 Uhr – bevor ich ins Bett fall.

Ich hab hier noch schöne Outdoor-Fackelkerzen für die Terrasse – in grün, orange und gelb. Ab morgen zünd ich die an, hab ich gedacht, da ist der 1. Oktober. Nicht morgen – heute! Feier den Übergang …

Und im Fackel-Kerzenschein seh ich, heute hab ich 7 Besucher mit 184 Aufrufen. Aufrufe pro Besucher: 26,29

Ich glaub, das Universum spielt auch gerne. 26 ist meine Hausnummer, 29 – das war mal seine.

Mittwoch, 29. September

Pfffff … 14 – 22:30 Uhr Guti-Gutshaus. Das war meine letzte lange Schicht in diesem Jahr und überhaupt. Mach ich nicht mehr. Normalerweise macht man als Aushilfe die Café-Schicht von 14 – 18 oder die Abendschicht von 17 Uhr – das nennt sich dann Back up – bis open end.

Und dann noch nur Fritzi und ich, Oksana hatte frei, weil eine Landsmännin von ihr heute zum Probearbeiten kommen sollte und wollte, aber nicht kam. Eigentlich waren wir zu dritt – mit Chef – doch die Küche finalemente blieb natürlich an Fritzi und mir hängen.

Eben auf der Terrasse hab ich gedacht, wenn ich sowas schreib wie gestern, ist gleich Follower-Schwund. In dem Moment hab ich die zweite Sternschnuppe in diesem Jahr gesehen. Für mich ist das normal, für viele andere sicher nicht.

Heute ist Dienstag, der 28. September

An einem Abend, das war an einem Sonntag, als mir das einfiel – bin ich in meiner Ahnenreihe zurückgegangen. Dabei hab ich gefragt: Wer von Euch war glücklich, als Paar – als Mann und Frau? Es hat nicht lange gedauert, dann war eine Frau da, auf der weiblichen, mütterlichen Linie. Sie hat mich angesehen. Sie war deutlich. Es war auch ihr Mann neben ihr, nur blasser, wie früher gestorben, aber er war da. Bei der Frage nach ihrem Namen, kam ANNA. Mein erster Gedanke: Meine Großnichte heißt Anna Sophia und – Anita ist die spanische Verkleinerungsform von Anna. Erst hab ich gedacht, haben sie keine Kinder? Aber muss ja, sonst wären wir nicht da.

Ich glaube, das sind die Eltern oder Großeltern meiner Urgroßmutter, weil sie kurz danach kamen. Ich hab mein Tantchen gefragt, ob sie noch was über ihre Urgroßeltern weiß, wie sie hießen, wo sie gelebt haben. Nein, nichts. Meine Oma, ihre Mutter, wird ihr auch nichts über sie erzählt haben. Sie hatte erst mit dem Krieg und den Verlusten für sie zu tun und hat danach alle Erinnerungen begraben.

Weiter, als bis zu ihrem Namen, bin ich nicht gekommen. Das war auch nicht nötig, so wie sie mich angesehen hat. Ihre Züge find ich in Jontes Gesicht wieder …

Es gibt noch einen Satz dazu zu sagen, den heb ich mir für später auf, wenn ich ihn formulieren kann …

Ich wollt noch sagen, die Verbindung läuft nicht über Worte, sondern über Gedanken und Bilder. Wer sich jetzt wundert: Das kann jeder, der was wissen möchte, was wichtig für ihn ist. Wenn wir fragen, bekommen wir eine Antwort.

Montag, 27. September

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Den Puls des eigenen Herzens fühlen. Ruhe im Innern, Ruhe im Äußern. Wieder Atem holen lernen, das ist es. Christian Morgenstern

Gestern war so ein Tag – Wieder Atem holen lernen. Abends hab ich noch was geschrieben, das hat nur keiner mehr gelesen. Ich transportier es mal hier her:

Den Wahl-Sonntag hab ich zum schönsten Tag gemacht, denn ich hab gedacht, man hat immer die Wahl, und ich nutz das Geschenk des schönen Tages, eh er vorbei ist. Statt zu Hause zu bleiben und dumpf vor mich hinzubrüten über Tochter, Chefin oder nichtssagende Antwort – wenn ich das auch Meditation nenn, damit es sich besser anhört – hab ich nach dem Wahlgang, Urnengang will ich nicht schreiben, eine Radtour um die Feisneck gemacht. An der letzten abgelegenen Badestelle war ich mit den Füßen im Wasser, hab mein Kleid hochgerafft und war so weit drin wie möglich. Das Wasser war frisch, hatte aber noch gut Badetemperatur. Da hab ich mich ausgezogen und bin geschwommen, am 26. September! Und so ein Prickeln auf der Haut danach … Dann hab ich barfuß mein Rad über die Wiese bis zur Straße geschoben und mich als Kind gefühlt. Ich hab mich vollkommen gefühlt, und nicht nur halb.

Am Hafen war ein Kunsthandwerkermarkt. Bei einem mit schönen Bio-Baumwoll-Kindersachen aus der Lausitz hab ich für Jonte eine tolle mitwachsende Herbst-Winter-Hose gekauft und bei einer mit schöner alter Wäsche eine Leinenschürze für mich, damit Guti-Gutshaus Spaß macht. Kurz vor der Haustür bin ich noch draußen beim Ratskeller eingekehrt. Auf dem Markt fing gerade eine Straßenmusikantin in wunscherschönem Sommerkleid an, Geige zu spielen. Den bestellten Camembert mit Bierchen hat mir der spaßige Kellner auf Französisch serviert – Merci! – und anschließend gefragt: Na, willst du noch wat haben, meine Liebe? Beim Bezahlen noch die Frage: Und, eine schöne Zeit gehabt? Ich sah aus wie ein Rucksack-Fahrrad-Touri. Ja, jeden Tag, ich wohn hier gleich um die Ecke …

So schön, so schön war’s lange nicht.