Sonnabend, 25. September

Ich wollt noch was zu’n Wahlen schreiben. Das lass ich. Ich denk nur, die aufgehängten Plakate sind ein gutes Studienfeld für Gesichts-Physiognomie. Mit 50 hat jeder das Gesicht, das er verdient, heißt es, und so sind auch den Kandidaten ihre Lebensläufe und Charakterzüge ins Gesicht geschrieben. Ich weiß, wen ich davon nicht wählen würde …

Heute Abend nochmal Guti-Gutshaus mit Grillen und nächsten Sonnabend, dazwischen Mittwoch eine lange Schicht, Café und abends. Dann kommen im Oktober nur noch Café-Schichten 14 – 18 Uhr. Das ist auch dringend nötig. Ich bin so lustlos … Das kostet mich viel Überwindung heute. Am liebsten würde ich Zuhause bleiben und keinen sehen.

Das ist nochmal’n milder Abend, wohltuend nach dem Herbstbeginn. Der Guti-Gutshaus-Abend war auch erträglich. Obwohl zusätzlich zum Grillen noch eine 80. Geburtstags-Feier war, lief alles gesittet ab und nicht so chaotisch wie sonst. Zum Grillen waren auch nur 6 Personen, nur der Aufwand ist der gleiche, ob 6 oder 26 da sind. Mir ist alles egal, solange ich meine Ruhe hab.

Mittwoch, 22. September

Lief ganz anders, als geplant. Aus Dienstag Nachmittag Jonte abholen, wurde ihn über Nacht dabehalten. Wenn es passt. Da hab ich meinen Frisörtermin heute früh abgesagt und dafür mein Enkelchen gehabt. Nachmittags hab ich ihn wieder abgeliefert und bin von da aus gleich zu Guti-Gutshaus gefahren, 17 – 22:30 Uhr. Da war es heute total verrückt, verrückt ist es fast immer. Ich hab die ganze Zeit gedacht: Nur nach Hause …

Sonntag, 19. September

… Darum hör mich schweigend flüstern: Hinter der Mauer schlägt ein dich liebendes Herz.

Die Mauer – Poem of a Runner. Das sind die, die wegrennen. Manchmal guck ich, was andere in ihrem Blog schreiben und hab das gefunden. Wer den ganzen Text lesen möchte, findet ihn auf heart2soul.de.

Damit bin ich gestern eingeschlafen, bevor sich der Verstand einschalten konnte. Als wär es eine Botschaft von ihm.

Sonnabend, 18. September

Morgen Abend und heute nachmittags und abends Guti-Gutshaus. Im Oktober wird es deutlich weniger …

Gerade geschrieben, da fragt die Chefin an, ob ich Lust hab, im Oktober an den Sonntagen das Café zu machen, von 14 bis18 Uhr. – Da sag ich doch gleich Ja, Bettina. Nur der 3. Okt. ist schon verplant, Molli-Fahrt Bad Doberan. – Super!

Das Café ist die entspannteste Schicht! Der Monat ist trotzdem arbeitsmäßig noch ruhig genug, denn außer den 4 Sonntagnachmittagen sind es nur noch 3 weitere Tage.

Die Fahrt mit der historischen Molli-Bahn ist die nachgeholte Geburtstagsfeier von Martina, Peter und Wolfgang vom Januar. Ich hoff, dass ich da Jonte mitnehmen kann. Der kriegt sich gar nicht wieder ein, hat Martina gesagt, wenn er die Lok sieht und die Dampfwolken …

Aber heute, heute komm ich gar nicht aus’m Knick. Das ist die Vollmond-Nähe. Ich leb nur für den Feierabend …

Donnerstag, 16. September

16 Grad bewölkt. Auf einmal ist es Herbst. Da fallen mir immer die Rilke-Zeilen ein, die mit einem Gebet beginnen:

Herr: Es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß. Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren und auf den Fluren lass die Winde los …

Befiehl den Früchten voll zu sein, gib ihnen noch zwei südlichere Tage …

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben …

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.“

Das heißt, die Realität holt den Grübler ein, den Unentschlossenen, den nun eine Zeit der Unruhe überkommt – die Realität, die er nicht mehr ändern kann. Wenigstens nicht in diesem Jahr.

So steht es in einer schönen Gedicht-Interpretation in „Der kleine Garten“.

Mittwoch, 15. September

Ich schreib nicht viel – gibt ja auch nicht viel zu berichten. Dafür halte ich meinen Aufräum- und Putzplan ein – jeden Tag ein bisschen. Das hab ich meistens ganz schön schleifen lassen, mal gearbeitet, mal krank, mal in Rostock gewesen. Wo ich jetzt öfter hier bin, mach ich das in täglichen Etappen. Das hat einen Sofort-Effekt, sieht schöner aus und ich fühl mich gleich wohler.

Vorgestern hatte ich ein Gespräch mit Lars, der jetzt 2 Wochen Urlaub hat. Das war aber nicht auf unserer Terrasse, sondern ich hab ihn in der Friedensstraße vor dem Eisvogel auf der Bank in der Sonne sitzen sehen. Nicht mit Eis, sondern einem Coffee to go von Mecklenburger Backstuben, seiner ehemaligen Firma. Zu Bäckerei Junge geht er nicht, weil da Sabine arbeitet. Die hat ihn wohl abgehakt, meint er. Sie meldet sich gar nicht mehr. Dann hat er eine Weile darüber sinniert, wie das sein kann – kann doch nur vorgetäuscht gewesen sein! – dass sie ihn so vollständig aus ihrem Leben katapultiert hat, wo sie erst Feuer und Flamme war. Tja, sowas gibt’s Lars.

Damit hat er sich dann nicht länger aufgehalten und gesagt: Ich muss jetzt mal ein männliches Klischee bedienen – ich hab Bock auf Sex … Na, dann schnapp dir eine. Wenn das so einfach wäre … Oder kauf dir eine. Nee, die soll das schon aus Lust machen und nicht wegen Kohle! Eins schließt das andere ja nicht aus. Also, das ist nicht sein Ding.

Das war in der belebten Einkaufsstraße und nicht gerade in gedämpfter Lautstärke. Wer uns gehört hat, muss auch gedacht haben … Dann bin ich weiter gegangen auf meiner Einkaufs-Spazierrunde und er hat gesagt: Na dann bis nachher, auf Terrasse …