Donnerstag, 22. Oktober

Abenteuer im Land der Drachen – heute Abend bin ich mit Carmen Sternchen zur Multivisionsshow VIETNAM. Die Reiseberichte sind immer fantastisch. Gabi kommt auch.

Am Nachmittag gibt es bei Birgit in der TAO-Schule noch eine Verabschiedung. Rita, die lange Jahre in unserem Freundeskreis war, zieht nach Bad Salzufflen, wo ihre gesamte Großfamilie lebt, die von der Wolga hierher übergesiedelt ist. Ich will ihr eine Müritz-Tasse als Andenken schenken, mit Birgit zusammen. Dazu eine Flasche Piccolo mit Waren-Motiv und ein Foto mit Kastanien und schwarzen Johannisbeeren und dem Spruch: Denk an die Vergangenheit nur insoweit, als sie dir freudige Erinnerung bietet. Jane Austen

Ja, hab ich gedacht, meistens bin ich in Liebe mit ihm vereint, nur manchmal rast ich aus, das liegt dann am Mondstand. Das ist ein herrlicher Tag mit schon 15 Grad von 18, wie im Sommer. Kastanie, Herbstsonne, ein Treffen Anfang Oktober, danach nicht mehr – Erinnerung …

Heute wirkt Drachenkraft – als ich bei Birgit war, hab ich im Schaufenster vom Papierhaus eine Drachen-Laterne gesehen – gekauft , als Bastelset. Ich seh mich schon damit mit Jonte feuerrot durch die Dunkelheit leuchten. Am besten ich mach am Montag einen Bastelnachmittag mit Martina.

Das war faszinierend und mit Carmen sehr schön. Hat uns gefallen. Nur Gabi hab ich nicht gesehen – und sie mich nicht, hat sie hinterher geschrieben. Morgen hol ich mir vietnamesisches Essen aus Asia Lotus …

Mittwoch, 21. Oktober

Das Wunderlichste an der Begegnung bei der Wohnungsbesichtigung hab ich noch gar nicht geschrieben.

Nachdem sie sie mir gezeigt hat und ich gleich begeistert war, weil sie genauso aussah, wie auf den Fotos im Exposé, hat Heidi – wir waren schnell beim Du – gesagt, ich koch uns mal einen Kaffee, den wir dann draußen auf der überdachten Veranda getrunken haben. Dabei haben wir uns unsere Kurzlebensläufe erzählt. So hat sie gesagt, sie war Krippenerzieherin und Zahnarzthelferin. Ich hatte ihr erzählt, dass ich bis vor 10 Jahren in Rostock-Kassebohm gewohnt habe, mich aber von meinem Mann getrennt habe und zuhause ausgezogen bin und er jetzt wieder verheiratet ist. Zahnarzthelferin war die neue Frau von meinem geschiedenen Mann auch, Renate, vielleicht kennst du sie? – Sag jetzt nicht, Renate Lemke! – Ich stutze, ja doch, genau die. – Na das ist ja ein Ding!, das muss ich gleich meinem Horst erzählen, hat sie in seine Richtung gerufen. Renate war nämlich nach ihrer Trennung bei ihnen, um da – in der größeren der beiden Wohnungen – ihren Ex unterzubringen. Werner – das war vielleicht ein Schwein, fuhr Heidi fort, der hat sie nur belogen und betrogen und hier hatte er auch ständig andere Frauen. Er hatte zu ihr, seiner Vermieterin, gesagt: Stellen Sie sich mal vor, meine Renate heiratet wieder, einen aus Kassebohm, der hat ein Haus. Ja – und die Exfrau von ihm – das bin ich.

Die Welt ist ein Taschentuch, sagt Sabinchen immer. Wenn es Eis gegeben hätte, dann wär es spätestens jetzt gebrochen.

Dienstag, 20. Oktober

Gedanken kommen und gehen, doch keiner will sich heute Morgen setzen, niederlassen, niederschreiben lassen. Mal später nochmal gucken … Schütze-Mond, der ist flüchtig.

Beim späten Spaziergang – nach dem Frühstück hab ich mich um 8 nochmal hingelegt und wie in tiefster Nacht bis zum Mittagsglockenläuten geschlafen und dann mein Buch zu Ende gelesen – ist mir ein Großelternpaar mit seinen beiden Enkelkindern aufgefallen. Eine von den beiden war ungefähr so alt wie Jonte und konnte grade laufen, die zweite wohl anderthalb Jahre älter. In aller Seelenruhe haben sie sich Zeit gelassen, bis die Kleine Blätter aufgehoben hatte und der zweiten hat die Oma was auf dem Tiefwarensee gezeigt, dann haben sie sie an die Hand genommen und sind mit ihnen auf dem Seil auf dem Spiel- oder vielmehr Sportplatz da balanciert. Das war ein schöner Anblick und ich hab gedacht, darauf freu ich mich auch, auf Herbstspaziergänge und Laterne gehen mit Jonte, wie früher mit meinen Kindern. Enkelkinder sind das Dessert des Lebens, lautet ein Spruch, wie wahr der ist.

Ich hab getauscht. Mein blauer Montag, den ich normalerweise mit Müßiggang verbringe, war heute. Gestern hatte Birgit gefragt, ob ich ihr beim Saubermachen helfe, alleine verlässt sie der Mut. Im Flur ihrer TAO-Schule sind Bauarbeiten und der Staub zieht durch alle Ritzen. Also hab ich ihr geholfen. Dann hatte sie Aikido-Training mit den Kindern und ist abends zum Baden zu mir gekommen. Ich hab uns eine schöne Zucchini-Pfanne gebrutzelt, mit Erdnussöl und Räuchertofu, Tomaten und Gewürzen. Die war richtig lecker. Zu Mittag hatte sie nur Nudeln mit Tomatensuppe aus der Tüte. Die war nicht nur geschmacklos, auch ohne jeden Nährwert.

Montag, 19. Oktober

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Jeder Augenblick hat eine besondere Botschaft. Hazrat Inayat Khan

Der Montag fängt klar, sonnig und kalt an – 6/11 Grad, gefühlt 4. Das steigert sich aber im Laufe der Woche – Dienstag 12, Mittwoch 14, Donnerstag 18! Und das in der 3. Oktoberdekade …

Gestern hab ich mir schon mal die Busfahrpläne und Straßenbahntarife angeguckt, damit ich das Auto auch mal stehen lassen kann. Der Mietvertrag ist auf dem Weg, schickt der Makler mir zu. Das ist ein schönes Schöpfergefühl, dass ich was ändern kann, was in meiner Hand liegt. In 3 Wochen bin ich da.

Sonnabend, 17. Oktober

Es ist auch gut, dass es jetzt schon klappt. Ich hab schon jedes Jahr gedacht, wieder so ein langer Herbst und Winter hier alleine, besonders seit Christine weg ist.

Guti-Gutshaus ist heute auch vorläufig das letzte Mal. Die Chefin hat gefragt, ob es in Ordnung ist, wenn sie mich erstmal raus nimmt aus dem Plan, damit Pia Stunden hat. Dann würde sie jeweils Anfang der Woche fragen, ob ich kann, wenn sie Bedarf haben. Ja, gut.

Fritzi hat gestern gefragt, ob es geklappt hat mit der Wohnung. Da hab ich ihm das auch gleich mitgeteilt. Schade, hat er geschrieben, ich arbeite lieber mit dir. Ich auch, hab ich geantwortet, das macht Spaß mit dir. Liebe geht durch den Magen. Auch die zur Arbeit.

Ich dachte, dass ich heute eine Stunde später anfangen kann. Das hat sich ins Gegenteil verkehrt. Ob ich bitte schon um 16 Uhr da sein kann, hat Fritzi vorhin gefragt. Anja gehts nicht gut, sie soll nach Hause. Erkältung. Also fahr ich mal los, unter Berücksichtigung der nächsten Baustelle! 5 Kilometer nur einspurig bis Klink …

Warum ich heute da war, weiß ich nicht. Wahrscheinlich wollte Fritzi nicht alleine sein oder damit ich paar Stunden von oben habe. 2 angemeldete Personen zum Essen, und mehr wurden es auch nicht. Ein Paar, von dem er Geburtstag hatte. Also hab ich schön den Tisch gedeckt …

Freitag, 16. Oktober

Von der Art her ist Heidi wie ich. Sie ist auch sehr gesprächig und kontaktfreudig. Und wir sehen auch äußerlich aus wie Schwestern, gleiche Haarfarbe, Größe und Figur und sind auch ähnlich angezogen und eingerichtet. Sie ist nur 2 Jahre älter als ich.

Sie hat ihr Berufsleben schon hinter sich, arbeitet aber auch noch nebenbei. Ihr Mann hat gesagt, warum sie nicht zuhause bleibt. Wir sind das letzte Haus hier im Dorf, ich brauch den Kontakt zu Leuten, sonst verblöde ich hier, hat sie mir erklärt.

So ähnlich geht es mir hier. Seit Christine mit den Kindern ausgezogen ist, das war letztes Jahr im September, ist es mir zu einsam hier oben. Seitdem hab ich den Gedanken, ich muss was ändern. Die andern beiden Wohnungen stehen entweder leer oder sind mit wechselnden Mietern belegt, die ich aber gar nicht sehe und nur kommen oder gehen höre. Da ist grade mal Lars als Nachbar und der ist auch nur ab und zu hier.

Als Heidi und ich uns gesehen haben, war ein Lächeln die erste Reaktion. Ich glaub, wir haben beide im gleichen Moment gedacht: Dich hat der Himmel geschickt …

Ich hab hier ja auch noch Sigi, Wolfgang, Aniko und Christa – aber die sind mir wesensfremd. Bei Heidi hatte ich schon auf dem Hinweg das Gefühl, ich fahr nach Hause, und auf dem Rückweg die Gewissheit. Ich glaub, da hab ich sogar eine Seelenverwandschaft mit der Katze, so anhänglich wie die gleich war und wie sie mich angeguckt hat. Der Hausgemeinschaft verkünde ich jetzt erstmal die Neuigkeit …

Die sind aus allen Wolken gefallen, da hat keiner mit gerechnet.

Donnerstag, 15. Oktober

Es war, als wenn wir uns schon ewig kennen … Wenn man den Satz sagt, weiß man, hier bin ich richtig. Ein Blick in die Augen und die Seele weiß Bescheid. Es ist ein gegenseitiges Erkennen. So war es gestern auch. Jetzt bin ich bei Heidi, Horst und Anni – so heißt die Katze, die mich als erste am Eingang begrüßt hat. Da bin ich aber froh – dass es so gut passt – hat Heidi gesagt. Ja, ich auch. Froh und erleichtert. Das war das erste Gefühl, als ich da war.

Mietvertrag ab 10. November, ich freu mich die ganze Zeit … Zunächst für ein halbes Jahr, einen Monat vorher kann man jeweils für ein weiteres halbes Jahr verlängern. Obwohl die Wohnung im Souterrain liegt, hat man durchs Fenster einen schönen Blick in den Garten. Sie wollen sogar noch eine neue Küchenzeile reinstellen. Das wird wie Wohnen mit „Familienanschluss“.

Das ist ein großes Anwesen, ein großes Haus mit viel Garten – und viel Arbeit, hat sie gesagt. Andrea, der ich das gleich erzählt habe, hat gesagt: Du hast ihr doch sicher gleich gesagt, dass sie auf deine Mithilfe nicht zählen kann. Das ist der Humor meiner Tochter, die meine Vorliebe für Gartenarbeit kennt. Da stand ja auch: Der idyllische Garten kann mit genutzt werden! Von Mithilfe war nicht die Rede. Ein Ferienbauernhof ist auch im Dorf – für Jonti!

Christa unter mir, der ich gesagt hab, ich will ihr was Neues erzählen, hat gedacht, ich komm mit einer Fransen-Frisur zurück. Das kaschiert ein volles Gesicht! Sie dachte, ich war beim Frisör. Geht’s noch? Ich weiß schon, warum ich – zumindest zeitweise – hier weg will.

Mittwoch, 14. Oktober

Hat alles geklappt und gepasst mit der Wohnung und Vermietern, fast auf Anhieb. Als ich ankam und geklingelt hab, war keiner da, Schlüssel hat außen in der Tür gesteckt. Dann hab ich angerufen, nur AB, und ich hab rauf gesprochen. Auf einmal kam ein älterer Mann mit Fahrrad, hat es neben meinem Auto abgestellt und ist da bisschen rumgelaufen. Dann hab ich ihn gefragt, ob er sie kennt. Ja, hat er gesagt, ist reingegangen, immer noch keiner da, dann ist er außen rum aufs Grundstück gegangen und sie waren in der Wohnung. Sie hatten gar nicht auf die Uhr geguckt. Paar Minuten hätte ich noch gewartet, das akademische Viertel. Ein Glück, dass er vorbei kam. War gleich bestes Einvernehmen mit dem Vermieter-Ehepaar.

Hier ist meine Residenz und da mein Domizil – es fügt sich alles zum Guten. Besser hätte es nicht laufen können, es passt!