Sonnabend, 17. Oktober

Es ist auch gut, dass es jetzt schon klappt. Ich hab schon jedes Jahr gedacht, wieder so ein langer Herbst und Winter hier alleine, besonders seit Christine weg ist.

Guti-Gutshaus ist heute auch vorläufig das letzte Mal. Die Chefin hat gefragt, ob es in Ordnung ist, wenn sie mich erstmal raus nimmt aus dem Plan, damit Pia Stunden hat. Dann würde sie jeweils Anfang der Woche fragen, ob ich kann, wenn sie Bedarf haben. Ja, gut.

Fritzi hat gestern gefragt, ob es geklappt hat mit der Wohnung. Da hab ich ihm das auch gleich mitgeteilt. Schade, hat er geschrieben, ich arbeite lieber mit dir. Ich auch, hab ich geantwortet, das macht Spaß mit dir. Liebe geht durch den Magen. Auch die zur Arbeit.

Ich dachte, dass ich heute eine Stunde später anfangen kann. Das hat sich ins Gegenteil verkehrt. Ob ich bitte schon um 16 Uhr da sein kann, hat Fritzi vorhin gefragt. Anja gehts nicht gut, sie soll nach Hause. Erkältung. Also fahr ich mal los, unter Berücksichtigung der nächsten Baustelle! 5 Kilometer nur einspurig bis Klink …

Warum ich heute da war, weiß ich nicht. Wahrscheinlich wollte Fritzi nicht alleine sein oder damit ich paar Stunden von oben habe. 2 angemeldete Personen zum Essen, und mehr wurden es auch nicht. Ein Paar, von dem er Geburtstag hatte. Also hab ich schön den Tisch gedeckt …

Freitag, 16. Oktober

Von der Art her ist Heidi wie ich. Sie ist auch sehr gesprächig und kontaktfreudig. Und wir sehen auch äußerlich aus wie Schwestern, gleiche Haarfarbe, Größe und Figur und sind auch ähnlich angezogen und eingerichtet. Sie ist nur 2 Jahre älter als ich.

Sie hat ihr Berufsleben schon hinter sich, arbeitet aber auch noch nebenbei. Ihr Mann hat gesagt, warum sie nicht zuhause bleibt. Wir sind das letzte Haus hier im Dorf, ich brauch den Kontakt zu Leuten, sonst verblöde ich hier, hat sie mir erklärt.

So ähnlich geht es mir hier. Seit Christine mit den Kindern ausgezogen ist, das war letztes Jahr im September, ist es mir zu einsam hier oben. Seitdem hab ich den Gedanken, ich muss was ändern. Die andern beiden Wohnungen stehen entweder leer oder sind mit wechselnden Mietern belegt, die ich aber gar nicht sehe und nur kommen oder gehen höre. Da ist grade mal Lars als Nachbar und der ist auch nur ab und zu hier.

Als Heidi und ich uns gesehen haben, war ein Lächeln die erste Reaktion. Ich glaub, wir haben beide im gleichen Moment gedacht: Dich hat der Himmel geschickt …

Ich hab hier ja auch noch Sigi, Wolfgang, Aniko und Christa – aber die sind mir wesensfremd. Bei Heidi hatte ich schon auf dem Hinweg das Gefühl, ich fahr nach Hause, und auf dem Rückweg die Gewissheit. Ich glaub, da hab ich sogar eine Seelenverwandschaft mit der Katze, so anhänglich wie die gleich war und wie sie mich angeguckt hat. Der Hausgemeinschaft verkünde ich jetzt erstmal die Neuigkeit …

Die sind aus allen Wolken gefallen, da hat keiner mit gerechnet.

Donnerstag, 15. Oktober

Es war, als wenn wir uns schon ewig kennen … Wenn man den Satz sagt, weiß man, hier bin ich richtig. Ein Blick in die Augen und die Seele weiß Bescheid. Es ist ein gegenseitiges Erkennen. So war es gestern auch. Jetzt bin ich bei Heidi, Horst und Anni – so heißt die Katze, die mich als erste am Eingang begrüßt hat. Da bin ich aber froh – dass es so gut passt – hat Heidi gesagt. Ja, ich auch. Froh und erleichtert. Das war das erste Gefühl, als ich da war.

Mietvertrag ab 10. November, ich freu mich die ganze Zeit … Zunächst für ein halbes Jahr, einen Monat vorher kann man jeweils für ein weiteres halbes Jahr verlängern. Obwohl die Wohnung im Souterrain liegt, hat man durchs Fenster einen schönen Blick in den Garten. Sie wollen sogar noch eine neue Küchenzeile reinstellen. Das wird wie Wohnen mit „Familienanschluss“.

Das ist ein großes Anwesen, ein großes Haus mit viel Garten – und viel Arbeit, hat sie gesagt. Andrea, der ich das gleich erzählt habe, hat gesagt: Du hast ihr doch sicher gleich gesagt, dass sie auf deine Mithilfe nicht zählen kann. Das ist der Humor meiner Tochter, die meine Vorliebe für Gartenarbeit kennt. Da stand ja auch: Der idyllische Garten kann mit genutzt werden! Von Mithilfe war nicht die Rede. Ein Ferienbauernhof ist auch im Dorf – für Jonti!

Christa unter mir, der ich gesagt hab, ich will ihr was Neues erzählen, hat gedacht, ich komm mit einer Fransen-Frisur zurück. Das kaschiert ein volles Gesicht! Sie dachte, ich war beim Frisör. Geht’s noch? Ich weiß schon, warum ich – zumindest zeitweise – hier weg will.

Mittwoch, 14. Oktober

Hat alles geklappt und gepasst mit der Wohnung und Vermietern, fast auf Anhieb. Als ich ankam und geklingelt hab, war keiner da, Schlüssel hat außen in der Tür gesteckt. Dann hab ich angerufen, nur AB, und ich hab rauf gesprochen. Auf einmal kam ein älterer Mann mit Fahrrad, hat es neben meinem Auto abgestellt und ist da bisschen rumgelaufen. Dann hab ich ihn gefragt, ob er sie kennt. Ja, hat er gesagt, ist reingegangen, immer noch keiner da, dann ist er außen rum aufs Grundstück gegangen und sie waren in der Wohnung. Sie hatten gar nicht auf die Uhr geguckt. Paar Minuten hätte ich noch gewartet, das akademische Viertel. Ein Glück, dass er vorbei kam. War gleich bestes Einvernehmen mit dem Vermieter-Ehepaar.

Hier ist meine Residenz und da mein Domizil – es fügt sich alles zum Guten. Besser hätte es nicht laufen können, es passt!

Dienstag, 13. Oktober

Die Welt ist voller magischer Dinge, die geduldig darauf warten, dass unsere Sinne sich schärfen.

Das hab ich Sonntag auf der Fahrt zur Geburtstagsfeier gemerkt. Das ist 5 D hab ich gedacht – die Landschaft war die gleiche wie immer, nur in magischem Licht, mit geschärftem Sehsinn betrachtet.

Das ist ein neuer Montags-Gelassenheitsspruch aus dem Kalender für 2021, den ich Ulla als Dankeschön für ihr liebevolles Päckchen geschickt habe.

Morgen geht es hier weiter, wenn ich aus Rostock zurück bin. Mit der Wohnung vertrau ich auf göttliche Führung, wie bei allem …

Montag, 12. Oktober

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Die Dinge sind nie so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht. Jean Anouilh

Das ist ein Widerpruch zu – Es ist, was es ist. Oder Ergänzung.

Das wird ’ne Überraschung. Ich hab noch kein Wort gesagt. Das weiß hier im Haus noch keiner mit der zweiten Wohnung. Ich sag es erst, wenn es geklappt hat und sicher ist.

Alle, wo ich morgen bin, enden auf A – IKEA, MANJA, TAMINA, MARTINA.

Hier mal ein Absatz aus einer Antwort-Mail von mir zum Blog-Thema:

Beraterinnen sagen so einiges und eine ist nicht alle – ob und wann und wie viele zusammenkommen, da achte ich nicht mehr drauf. Aber ich denk, dass es in einer Seelenverbindung immer um beide geht ! und dass schon ein Happy End vorgesehen ist. Ist meine Glaubensrichtung. Nur ich „trachte“ nicht mehr danach, ich lass es einfach laufen. Das lässt sich jetzt leicht schreiben, war aber jahrelange Bergwerksarbeit.

So ist der Stand. Ich hab schon viel geschafft, viel daraus gemacht.

Sonntag, 11. Oktober

Der Tag gestern war ein Missverständnis. Nachdem wir uns alle zu einem üppigen Mittagsmahl bei Sigi und Wolfgang eingefunden hatten, also außer mir noch Christa und Aniko – Lars war auch eingeladen, wollte aber lieber schlafen nach der Nachtschicht und so hab ich ihm was mit hochgenommen – haben wir noch einen schönen Film auf DVD geguckt. Kalte Füße – mit Heiner Lauterbach. Der war so herrlich witzig – obwohl ein ernstes Thema – und so gut gespielt, wir haben uns totgelacht.

Und nun kommt das Missverständnis. Als ich um 5 wieder oben war, hab ich eine WhatsApp von Tine Schwesterchen gesehen: Du hast doch hoffentlich nicht vergessen, dass heute Geburtstagsfeier ist. Oder musstest du gestern arbeiten und dich heute erst ausruhen? Ich hoffe, dass du zum Kaffee da bist. LG … Das Autokennzeichen von Lüneburg, das war auch ein Gag aus dem Film.

Ich hatte kein Handy mitgenommen, denn Guti-Gutshaus hatte ich frei und wär auch im E-Fall nicht hingefahren. Also was soll sein? Dazu 3 Anrufe von ihr. Als ich zurückgerufen habe, hat sie gesagt, sie war schon in Sorge, was los ist und hatte sogar schon bei Guti-Gutshaus angerufen, ob ich da bin. Das hab ich dann aufgeklärt. Ursprünglich war die Feier auch für Sonnabend geplant, aber sie hatte gesagt, dass Andrea und Paul nur Sonntag können und auf der Rückfahrt vom Urlaub hinkommen und damit hab ich verknüpft, dass wir dann auch feiern. Also fahr ich jetzt heute hin und wir holen das nach. Steffi und Anja, ihre Kinder, mit Mann und Klein Nori sind heute auch noch da.

Bei Guti-Gutshaus hab ich angerufen und gesagt, alles gut, denn Fritzi, der dran war, als sie angerufen hat, hat gesagt: Jetzt mach ich mir wirklich Gedanken um die Kleine.

Das sind herzerfrischende Tage …

Nur nicht für Wolfgang. Das sollte es eigentlich für heute gewesen sein, doch weil er gestern beim Essen aussah wie der Tod auf Latschen, was alle auf die Überanstrengung mit den Möbeln geschoben haben, kommt noch ein Zusatz. Neues Schlafzimmer ist oft neue Hoffnung. Sie haben seit Jahrzehnten keinen Sex mehr – damit bestraft sie ihn für umtriebiges Verhalten in der Vergangenheit – und jetzt hat er gesagt, sie wollen das Schlafzimmer einweihen, nachdem sie neulich aus den Latschen gekippt ist und mit Blaulicht ins Krankenhaus kam. Da hat er einen ordentlichen Schreck bekommen und gesagt: Ich dachte, ich muss in die Erde gehen! Und was sagt Sigi, bei der es nur eine Unpässlichkeit war? Na hoffentlich, du kannst dann auch … Das ist niederträchtig, hab ich zu Fritzi gesagt, dem ich das erzählt habe, und das beste Mittel, ihn vollständig seiner Manneskraft zu berauben, die er im Keller in Alkohol zu konservieren versucht. Genauso sieht er auch aus.

Sonnabend, 10. Oktober

Was ist der Unterschied zwischen Illusion und Vision?

Illusion – beschönigende, dem Wunschdenken entsprechende Selbsttäuschung über einen in Wirklichkeit weniger positiven Sachverhalt.

Vision – übernatürliche Erscheinung als religiöse Erfahrung.

60/40 – beides trifft zu. Als ich ihn aufgegeben habe, hab ich mich aufgegeben. Ich hab gerade noch die Kurve gekriegt. Frank hat die Akkupressurpunkte für Couch, Genussgifte, Bewegung und Lebenssinn gedrückt. Sinngemäß natürlich. Der kam 5 vor 12. Ich wollte hier nur noch meine Ruhe haben, bis zur letzen. Über einen in Wirklichkeit weniger positiven Sachverhalt ist gut gesagt. Darüber musste ich sogar lachen.

Das war nicht bewusst, sondern wie ein Film, der nebenbei läuft, wo man aber nicht hinguckt und plötzlich – durch ein bestimmtes Bild – darauf aufmerksam wird. 5 vor 12 war es noch nicht, tatsächlich kam er 5 vor 11.

10.10.2020 – 11 22

Freitag, 9. Oktober

3 Geburtstagskinder diesen Monat – gestern Tine Schwesterchen und heute Carmen Sternchen und Tamina. Bei Tine feiern wir Sonntag, auch mit Andrea und Paul, die auf dem Rückweg aus ihrem Harz-Urlaub vorbeikommen. Morgen Mittagseinladung zu Kaninchen für die ganze Haus- und Hofgesellschaft bei Sigi und Wolfgang unten anlässlich ihres neuen Schlafzimmers. Weil wir alle geholfen haben, sagen sie. Mein Anteil war nur, bei Amazon eine schöne Truhe aus Akazienholz mit Sigi auszusuchen und zu bestellen. Gestern bin ich so ins Bett gefallen, ohne Feierabend-Wein. Die Hochzeitsfeier heute zwischen zwei Frauen fällt aus, wegen Corona nur Trauung. Gott sei Dank, hab ich gedacht, weniger Leute!

Der Tag heute sieht so schön aus, als ob alles möglich ist …

WAS DU SUCHST, SUCHT DICH. RUMI

Donnerstag, 8. Oktober

Als ich bei Frank zum Füße drücken war, hat er auch was zu Erwartungen gesagt. Das und die Erkenntnis, wo die Ursache für den gefühlten Mangel an Liebe liegt, sind heilsam. Das hat 3 Tage gebraucht, bis ich es erkannt habe – von Sonntag bis gestern.

Ich hab eben mit Sabine aus Berlin telefoniert und wir haben uns angeregt über das Thema unterhalten, auch über meine geplante Veränderung.

Guti-Gutshaus war heute anstrengend. Und grad ist die Brücke Eldenholz wieder frei von Baustellen-Ampel, ist Richtung Malchow gesperrt und ich fahr über Hinrichsberg. Das wär nicht so schlimm, kein Umweg, wenn ich nicht bei Nacht und Regen durch den Geister- und Gespensterwald zurückfahren müsste. Dazu Plattenweg, einspurig, und laufend kam was vorne, heißt in die Einbuchtung fahren und warten. Auf dem Hinweg war das noch zumutbar, aber eben zurück hab ich mich echt gegruselt und gebetet, lasst mich heil nach Hause kommen. Denn jetzt in der Nacht war überhaupt kein Verkehr da. Morgen nochmal und dann eine ganze Woche frei.