Dienstag, 16. Juni

Das Taubenpärchen – Er sitzt alleine auf dem Dach und denkt nach. Seine Frau kommt nicht mehr.

Guti-Gutshaus – Der Durchgang vom Gastraum in die winzige Küche ist ein Nadelöhr und ausgerechnet da steht die Kasse – ein Tablet für alle, an dem immer jemand steht, an dem man sich vorbeidrücken muss mit Essen, Getränken und vollem Tablett. Auch mit mehr Personal ist es ein heilloses Durcheinander – kein Platz. Ich muss immer Bauch und Hintern einziehen, damit jemand an mir vorbeikommt oder ich an ihm. Ich krieg da Zustände – zu beengt. Dazu kommt, da die Küche klein ist, haben sie in die Höhe gebaut. Das heißt, ich komm mit meinen 1,60 nur an das unterste Regal an, die Gläser. Tee- und Kaffeekannen, Flaschenkühler und Spirituosen muss ich mir runter reichen lassen, wenn einer eine Hand frei hat. Ich könnte den 2-Stufen-Tritt, der sich leicht auf- und schwer zusammenklappen lässt, nutzen, nur dann ist es noch enger.  Alle 2 Minuten, so lange dauert ein Durchgang, steht die Geschirrspüler-Tür offen. Kein Durchkommen zum Getränke-Kühlschrank. Andersrum gehen geht auch nicht – da steht Fritzi am Herd. Wenn dann noch an die 30 Grad sind, ist alles zu spät. Ich hab mehr und mehr eine Abneigung, dann hin zu gehen. Für eine frische Limo 0,4 l, die im Sommer bevorzugt bestellt wird, muss ich mich bücken und aus der Tiefe des Kühlschranks 5 verschiedene Flaschen fischen für die Zutaten und die davor stehenden alle raus räumen – und wieder rein natürlich. Alles umständlich …

Fritzi – Wenn ich nur jemals was mit dem Begriff Flirten anfangen könnte, könnte ich es mit ihm in Höchstform. Aber es ist mir so fremd wie die 7 Weltwunder. Heißt das, gut zu wissen, dass man könnte, oder was?

Intuition – Ich bin durch den Wind. Mein Crash auf dem Hof hat Folgen. Morgen früh um 8 hätte ich bei Dana Termin zur Fußpflege. Bitte später!, hab ich gedacht. Um Elf?, hat sie vorhin geschrieben. Ja!

Maik – kein Mann hat es versucht oder geschafft, mich so in meine Kraft zu führen – von der Bettlerin zur Königin. Seine inquisitorischen Maßnahmen hab ich ihm vergeben – das Ergebnis zählt … Eine Liebe nicht leben zu können, ist eine selbstauferlegte Beschränkung. Zu unserem 1. Treffen als Mann und Frau hat er Teelichter im ganzen Raum angezündet – das war das Ritual einer Hochzeit, ohne dass er  es wollte. Just for fun war sein Motto. Dafür zahlt man einen hohen Preis – das war ihm bestimmt nicht bewusst. Er hat alles verloren, was sein Leben ausgemacht hat.

Montag, 15. Juni

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Die Zeit ist in uns und wir sind in der Zeit. Wassil Lewski

Weder Zitat noch Verfasser sagen mir was … Wikipedia: Er war ein führender Revolutionär und Ideologe in der bulgarischen Freiheitsbewegung.

Mit frei hat es gestern nicht ganz geklappt. Ich war abends 4 Stunden da, 18 – 22 Uhr, und bin eher gegangen, wegen Zahn-OP heute. Anja hatte frei. Es war völlig chaotisch – unter anderem nicht genug gekühlte Getränke, vor allem Wein. Auch zu wenig Eiswürfel. Die Zahl der Gäste zum Abendessen steht in krassem Widerspruch zur Kapazität der Küche. Noch dazu sitzen alle draußen bei dem schönen Wetter, so dass man sich die Hacken abläuft. Zwei oder höchstens 3 Tage in der Woche bzw. am Wochenende – mehr mach ich nicht! Das hab ich mir fest vorgenommen und setz es auch um. Yasmin ist jeden Tag da, manchmal auch noch in der Frühschicht. Neulich ist sie nach 11 Stunden gegangen, hat sie gesagt, völlig fertig. Auf keinen Fall mach ich nochmal so einen Sommer wie im vorigen Jahr mit, wo Anja und ich den Laden praktisch alleine geschmissen haben.

14:00 Uhr – Die Zahn-OP von 30 Minuten überstanden und bis gestern Abend 4 stressige Guti-Gutshaus-Schichten. Jetzt können’se mich mal alle, den Rest der Woche nur noch entspannen

Yasmin hat gestern zu mir gesagt: Wenn du nicht gekommen wärst, hätt ich mich aufgehängt. Heute kam die Anfrage für Donnerstag – Nein.

Sonntag, 14. Juni

Wenn alles gut geht, hab ich heute frei. Sonntag sind fast alles Abreisen und kaum Anreisen. Dafür gestern eine chaotische 8-Stunden-Schicht von 16 – 24 Uhr, mit Fahrtzeit 9 Stunden. Mitten beim Grillen Wolkenbruch und schweres Gewitter, so dass Fritzi auf der schweren eisernen Gussplatte drinnen auf dem Herd weiterbrutzeln musste. Und das alles in unserer Mini-Küche, die nicht größer ist als meine zuhause und in der wir uns manchmal zu viert aneinander vorbeischlängeln, biegsam wie Gummipuppen.

Wenn heute wenig Anmeldungen zum Abendessen sind, reicht es, wenn Fritzi Koch und der Chef da sind – und Yasmin steht heute im Plan. Yasmin – dann mach ich lieber mit dir oder alleine, hat Fritzi gesagt. Und wenn Anja fragt, ob ich kommen kann und ich sage: Yasmin ist doch da, sagt sie: Yasmin interessiert mich nicht. Nicole Frühstücksfee hat die gleiche niedrige Meinung von ihr – die ist langsam und schafft nix.

Als ich gestern meine textilen Einkäufe gemacht habe, hab ich gedacht, es wär schön, wenn ich jemanden treffen würde und wir ein Käffchen trinken könnten, das klappt meist immer. Aber ich hab nur Lars getroffen, der schon einen Kaffeebecher in der Hand hatte. Neulich auf dem Grünen Markt hat mich Carmen Sternchen angerufen, die das gleiche Ansinnen hatte. Wo bist du?, hat sie gefragt. Am Staudenstand, und du? Ich steh an der Mutzen-Bude, das war nur 3 Meter entfernt.

Der Regen war notwendig, hat ein Gast gesagt. Ich: Aber nicht für’s Grillen – da haben sie alle gelacht …

Sonnabend, 13. Juni

Als mir gestern auf dem Weg zu Guti-Gutshaus Biker entgegen kamen, die in etwa so aussahen wie er, konnte ich ihn riechen, fühlen und schmecken. Ich dachte, die Phase hab ich lange überstanden.

Vorher hat es geknallt – aber nicht zwischen Fritzi Koch und Anja. Ich bin beim Rückwärtsausparken auf unserem No-Go-Parking-Court, also auf dem Hof, an ein Auto angeditscht. Wie kann man da so gegen brettern?, hat mich später die Geschädigte gefragt. Eigentlich gar nicht, ich hätte nur rückwärts geradeaus fahren müssen, hinter mir war frei. Dumm gelaufen – oder besser, dumm gefahren. Gestern war so’n Tag! Fritzi ist abends eher gegangen, weil seine Bienen ausgeschwärmt sind und nicht zurück gekommen sind.

Lars hat mir eben auch grad erzählt, dass gestern in seiner Spätschicht, in der er alleine war und nicht zu zweit, wie sonst, die Verpackungsmaschine ständig Fehler anzeigte und ausfiel. Das hat ihm auch gereicht. Disharmonien, Belastungen und Konflikte in allen Bereichen – das sind gerade die herrschenden Energien und auch so in Mondkraft Alpenschau beschrieben.

Unten ist heute ein kleiner Kunsthandwerker-Markt. Ich guck mal, ob ich was passendes zum Anziehen als Entschädigung finde, denn ich hab nach vorgestern und gestern noch zwei Guti-Gutshaus-Abende vor mir, wobei ich gestern komplett bedient war.

Drei sind’s geworden, allerdings nicht vom Markt, sondern in der Langen Straße Shopping-Meile. Eins für das Missgeschick gestern, eins für Wochenende arbeiten und eins für nächste Zahn-OP am Montag in Richtung Implantat-Fertigstellung. Alles zusammen und noch mehr raubt mir grad den letzten Nerv und ich bin froh, wenn zumindest erstmal das Implantat abgeschlossen ist, was die höchste körperliche Belastung darstellt, aber noch 3 Monate dauert!

Freitag, 12. Juni

Gestern waren die letzten Gäste 5 Männer. Bestellung: 5 Bier, 5 Salate vorweg, 5 Hauptgerichte, 3 gleiche, 5 Alte Pomeranze hinterher – alles a la card. Nur die Zwischenfrage, ob es auch Jägermeister gibt. Nein. Eins, fix, drei, Bestellung aufgenommen. Anderes Szenario – 5 Frauen am Tisch. Allein die Getränkebestellung dauert mindestens 7 Minuten, weil alle auf der Karte angebotenen Möglichkeiten individuell abgewandelt werden wollen. Haben sie sich dann endlich entschieden, ändern sie es in das, was die Nachbarin zur Linken bestellt hat. Vom Essen ganz zu schweigen …

Als ich mal auf die Seite der Praxis geguckt habe, in der Maik jetzt ist, musste ich lachen. Die Telefonnummer endet mit 77 – 7.7. ist mein Geburtsdatum. Das wär mir so nicht aufgefallen, nur auf der Startseite ist ein Foto vom Gebäude mit dem Praxisschild davor, da hab ich es gesehen. Das heißt natürlich gar nichts, außer dass er in der Woche täglich mindestens zweimal an 77 vorbeigeht, ohne dass ihm das bewusst ist. Gerade deshalb hab ich mich gefreut.

 

 

 

 

Donnerstag, 11. Juni

Heut komm ich gar nicht in die Gänge. Wechsel in Fische-Mond – verschlafen, verwässert, verwundert, verwunschen – das sind seine Attribute, wie in Neptuns Unterwasserwelt. Intuition und Sensibilität …

Anja und Fritzi Koch, jetzt tritt das ein, was ich schon viel eher hab kommen sehen. Das war nur eine Frage der Zeit. Die Zeit, die das bisher verhindert hat, war Corona. Beide beschweren sich jetzt bei mir über den anderen. Als Fritzi schon weg war, hat Anja geklagt: Jetzt hab ich ein Mimöschen als Koch – der ist ja ein Mädchen – einen Chef, der ein Voll… das schreib ich jetzt lieber nicht, und dann hab ich noch Anitchen, die jeden Tag so tut, als wär sie das erste Mal hier. Bin ich ja irgendwie auch. Aber sie hat mich angestrahlt dabei. Dann hast du ja eine schöne Exoten-Sammlung zusammen, hab ich gesagt. Guti-Gutshaus wie es leibt und lebt …

Mittwoch, 10. Juni

Heute Nachmittag wollte ich zu Anja fahren, um ihr neues altes Haus mit Grundstück anzugucken. Das müssen wir leider verschieben, hat sie früh geschrieben, es sind zwei Handwerker-Termine dazwischen gekommen. Auch gut, dann geht es vorwärts bei ihnen. Es gibt ja noch mehr Tage dafür und ich kann was auf meiner Baustelle machen – Haushalt. Morgen bis Sonntag wieder Guti-Gutshaus, da komm ich auch zu nichts anderem.

Bei Baustelle Haushalt hat es nur zu einer Waschmaschinen-Ladung gereicht, der Rest war Lesen und Ausruhen für die nächsten vier Guti-Gutshaus-Abende. Das ist wichtiger, hab ich gedacht. Abends kam noch meine Schwester überraschend vorbei, das war schön. Wir wollen am 21. die Sommersonnenwende bei ihr feiern …

Dienstag, 9. Juni

Sonnabends wird jetzt wieder gegrillt – Barbecue. Jetzt steht Fritzi Koch am Grill, nicht der Chef, das hat er delegiert. Als wir gegessen haben, hat er gesagt: Ich hab heute Tag 13 von 14. Nicht so wie bei dir – 4 Tage arbeiten, 4 Tage frei … Du vergisst dabei aber, ich hab schon ein Arbeitsleben hinter mir, hab ich gesagt. Er hat nach 14 Tagen 2 Tage frei, nicht mal zusammenhängend, Montag und Mittwoch.

Um 12 ist Geburtstagsessen bei Wolfgang unten. Ich hatte Sigi und ihm zusammen die kompletten Tudors-Staffeln geschenkt. Jetzt bekommt er noch ’ne Fläsch Bier von der Rügener Insel-Brauerei, ein Tipp von Martina, mit Natur-Motiven. Ich hab die passende gefunden – Wolf! Hab ich gestern aus Rostock mitgebracht.

Wenn Lars nicht da ist, hat er sein blaues Licht an. Er ist der ideale Nachbar, unaufdringlich und trotzdem präsent. Gut zu wissen, dass jemand da ist, auch wenn er nicht da ist.

Montag, 8. Juni

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Schöne Blumen wachsen langsam. Nur das Unkraut hat es eilig. William Shakespeare

Das passt zu dem, was ich auf der Familienfeier gemacht hab – Fotos von blühenden Pflanzen in meinen WhatsApp-Status zu stellen, statt Familienbilder. Auf einmal waren alle verstreut. Sascha, Anjas Mann, war Laufen, 16 Kilometer. Das Geburtstagskind Steffi ist mit Mann und Hund Kalle schon zurück nach Berlin gefahren, um mit Freunden weiterzufeiern. Meine Tochter Andrea ist mit Paul nach 4 Stunden auch schon nach Rostock gefahren, weil sie noch arbeiten mussten. Mein Schwager Silvio hat sich hingelegt und Anja und Tine – meine Nichte und Schwester, haben mit Nori die Ur-Großeltern im Dorf besucht, die nicht zum Kaffee gekommen sind. Stiller Protest aus meiner Sicht. Sie hatten sich schon die ganze Woche auf die Kleine gefreut und dann werden sie nur zum Kaffee eingeladen. Meine Schwester sagt: Ich will auch was von Nora haben … Widersprüchliche Interessen – jeder fühlt sich benachteiligt, alle haben keine Zeit.

Ich hatte gedacht, dass nach Corona wieder alle näher zusammenrücken und das Wesentliche erkennen, das Herz – was ja schon im Namen dieser Krise liegt. Auch wenn ich geglaubt habe, dass es keine 2. und 3. Welle geben wird – kann sein, das die noch nötig ist. Obwohl, wenn diese erste fundamentale Krise nichts nachhaltig bewirkt – was muss dann noch passieren?

Jonte mit seinen Eltern war nicht eingeladen. Der hätte die ganze Neger-Schaumkuss-Welt zum Einsturz gebracht mit seinem Strahlen. Meine 2 Nichten sind ein Jahr verheiratet und man merkt, sie wollen es anders und besser machen, doch sie strahlen nicht. Es gibt moderne Konzepte, doch die greifen nicht. Was Mann und Frau angeht, ist uralt.

Mit Maik wär das Haupt-Thema Sex jetzt Nebensache, doch es wär immer die gesunde Basis und würde es bleiben. Wenigen ist das vergönnt.

Überall blüht jetzt der Mohn – auf den Feldern und am Straßenrand – so schön! Brennende Liebe …

 

Sonntag, 7. Juni

Ich war heut die letzte beim um 10 angesetzten Geburtstagsbrunch von Steffis 30., obwohl ich am dichtesten dran bin. Die Kinder kommen sowieso alle später, hab ich gedacht, aber sie waren alle schon da, als ich kurz vor 11 ankam. Und ich hatte noch zu tun, dass ich das schaff, nach meiner Spätschicht gestern. Das war eine umfassende Debatte heute über die verschiedenen Auffassungen und Erwartungen von Eltern, Großeltern, Kindern und Enkelkindern. Vielleicht ist das der normale Generationenkonflikt – doch ich finde, das ist auch eine ganz andere Zeit jetzt. Obwohl die Zeiten sich immer ändern … Jedenfalls war es heute ganz anders als sonst. Was schön war: Ich hab mich gefreut, alle wieder zu sehen.

Eins mach ich jedenfalls nicht, was meine Freundin Silvi mir geraten hat, als wir Pfingsten geredet haben: Du musst um dein Enkelkind kämpfen! Wenn ich eins gelernt habe – wer um Liebe kämpft, hat schon verloren.

Morgen bin ich bei Martina und erzähl ihr erstmal meine Eindrücke. Ob es darum geht, für den Hund die optimale Zahnreinigung zu finden, einschließlich der Anschaffung eines Ultraschall-Reinigungsgerätes, oder die Diskussion, dass die auf dem Tisch stehenden Negerküsse korrekt Schaumküsse heißen müssen – und noch schlimmeres, ich hab gedacht, die haben alle ’ne Klatsche. Sorry, auch wenn’s Familie ist.

Als alle überpünktlich da waren, was sonst nie war, hätte ich schon merken müssen, irgendwas stimmt hier nicht …