Sonnabend, 24. September

Scheint dir auch mal das Leben rau, sei still und zage nicht, die Zeit, die alte Bügelfrau, macht alles wieder schlicht. Wilhelm Busch

Diese Woche backe ich, bedingt durch die Café-Schicht. Buttermilchkuchen, Quarktorte ohne Boden, Schwedische Apfeltorte. Gestern hat ein Gast, der ein Stück Apfelkuchen bestellt hat, gefragt: Sind da die Äpfel drauf, die Sie eben geschält haben? – Die könnten es eigentlich nicht sein … Stimmt, das wär Zauberei, ich meine vom Grundsatz her? – Vom Grundsatz her, ja.

Noch ist beides da, Guti-Gutshaus und meine Wohnung in Bandelstorf auch.

Freitag, 23. September

Eine Kleinigkeit tröstet uns, weil eine Kleinigkeit uns betrübt. Blaise Pascal

Vor Guti-Gutshaus bin ich gestern zu OBI gefahren. Aniko, die vom Blumenladen zum Baumarkt gewechselt ist, hatte ein Foto mit Spreewald-Wichteln aus Heidekraut mit bunten Knollennasen im Status. Ich wollte sie erst fragen, ob sie mir einen mitbringt, hab dann aber gedacht, ich such mir selber einen passenden aus, mit Filznase in pink. Durch die aufgeklebten Wackelaugen haben sie auch alle einen anderen Gesichtsausdruck. Der Mann an der Kasse fand die auch gut – die hat die Kollegin gestern alle schon eingeräumt. Die hatte die Kollegin im Status, deshalb bin ich gleich hergekommen – so einen braucht man doch! Der macht gleich gute Laune.

Donnerstag, 22. September

Im Reiche der Wirklichkeit ist man nie so glücklich wie im Reiche der Gedanken. Arthur Schopenhauer

Woran liegt das? Das Reich der Gedanken ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Das Schauspiel, das der Himmel in diesen Tagen bietet, wirkt wie ein Märchen aus 1001 Nacht. Jetzt, morgens um 6, liegt quer über dem Schwan auf dem Kirchturm behütend die abnehmende Mondsichel im sich ankündigenden goldenen Morgen. Die Wolken formieren sich zu Gemälden wie in Werken alter Meister. Was darunter liegt, muss ein gesegnetes Land sein. Kein Gedanke, dass es anders sein könnte, anders als das, was so erhaben wirkt.

Ist das Teil ein und derselben Welt, was sich oben zeigt und unten vor sich geht? Oder ist das als Erbauung für die künstlerischen Sensibelchen gedacht: Seht, so schön ist die Welt, auf die ihr gekommen seid, um euch mitzuteilen …

Mittwoch, 21. September

Wer sich früh Zeit lässt, ist am Abend am weitesten. Altdeutsche Weisheit

Genau. Erstmal hab ich bis halb 10 geschlafen, dann in Ruhe gefrühstückt. Wundervoll sonniges Herbstwetter! Ich hab die ganze Woche mit Fritzi das Vergnügen, von heute bis Sonntag, wobei ich nur nachmittags da bin, von 14 bis 18 Uhr. Da freuen wir uns beide, das wird schön, weil wir uns verstehen. So kann’s weitergehen …

Dienstag, 20. September

Wer sich selbst gefunden hat, der kann nichts auf dieser Welt mehr verlieren. Stefan Zweig

Gestern hab ich alles nach meiner Overnight Beauty Mask durchsucht, die mir die Verkäuferin in der Kleinen Drogerie in Rostock als Probe mitgegeben hatte. Wenn ich bei Manja Nageltante bin, kauf ich mir da manchmal was Schönes von Charlotte Meentzen – Creme, Maske oder Ampullen. Als ich nirgends mehr suchen konnte, ist mir eingefallen, die hatte ich in Bandelstorf schon overnight einwirken lassen …

Die Kleine Drogerie in der Doberaner Straße – das ist ein Juwel. Ich hab da schon zu Ostzeiten eingekauft. Immer noch die gleiche Inhaberin, seit 44 Jahren – am 1. Juni 2022 war Jubiläum. Neben Drogerieartikeln und Düften führt sie auch schönen Schmuck und andere Geschenkartikel, wie Rezepte mit den dazugehörigen Gewürzen in Holzkästchen. Für Tamina zum Geburtstag im Oktober hab ich die Box Kürbis in Sherry-Schalotten ausgesucht. Dann gibt’s noch einen Hokkaido, ein Netz Schalotten und eine kleine Flasche Apfelessig als Ersatz für Sherry dazu. Als es als Geschenk verpackt war und ich bezahlt hatte, ist mir eingefallen, sie trinkt keinen Alkohol und mag ihn auch nicht beim Kochen. Umtauschen wollte ich es nicht mehr. Na, und den Koch für die Zubereitung hat sie ja schon, meinen Sohn.

In 11 Tagen bin ich in Waren seit 11 Jahren . Das stimmt nicht ganz. Ich bin hier schon mal zur Oberschule gegangen. Danach bin ich nach Rostock gezogen und hab gesagt, hierher komm ich nie mehr zurück. Heute sage ich, von dem Fleck kriegt mich keiner mehr weg. Ich wusste aus dem Bauch, mein Mann ist in Rostock – so war es auch.

Montag, 19. September

Zuweilen habe ich im Schlafe die Lösung solcher Probleme gefunden, die im wachen Zustand unlösbar schienen. Anton Hansen Tammsaare

Heute Nacht hab ich eine Filmkomödie geträumt, mit vielen Verwechslungen. Ich war immer in der falschen Wohnung bei fremden Leuten. Dann hab ich einen Mann getroffen, der Gynäkologe war und bei dem ich einen Termin haben sollte, aber nicht in seiner Praxis, auch irgendwo in einer Wohnung. Wir haben aber nur erzählt und gelacht. Von Art und Aussehen war er mir sympathisch und hat mir gefallen. Wach geworden bin ich von dem Bild, wie er mich umarmt und gesagt hat: Wir können uns gerne öfter sehen. Das geht nicht immer, aber oft. Nach der Sekunde, die ich gebraucht habe, um zu verstehen, was das bedeutet, hab ich Nein gesagt.

Sonntag, 18. September

Ruhig und vernünftig zu betrachten, ist zu keiner Zeit schädlich. Johann Wolfgang von Goethe

Ruhig und vernünftig betrachtet, kündige ich die Wohnung bei Heidi zu Anfang November. Ruhig und vernünftig betrachtet, kündige ich auch Guti-Gutshaus zum Jahresende und ruhig und vernünftig betrachtet, probiere ich es aus mit der Künstler-Pension. Es ist abzuwägen, das Für und Wider. Im Dorf ist zum Beispiel kein Spielplatz, wo ich mit Jonte hingehen könnte. Der Garten mit Kunst ist groß und schön, aber im Winter auch weniger zu nutzen. Ich guck einfach mal …

Gestern hat mein Wünschen geholfen. Als Fritzi mich angerufen hat, hab ich gesagt, ich bin krank mit Erkältung und schlimm Magen/Darm. Das schafft er auch alleine mit Anja, hat er gesagt. Also bin ich zu Hause geblieben. Heute geht es mir besser und ich mach am Nachmittag das Café für 3 Stunden. Das reicht auch.

Ruhig und vernünftig betrachtet, hab ich einen höheren Aussichtsturm erreicht – statt weniger Zeit zu leben. Mein erster Gast war heute ein Mann aus dem Nachbarort mit seiner eigenen Geschichte. Er war schon daran zu sterben, jetzt kommt er wieder jeden Sonntag zum Kaffee. Mein größter Fehler im Leben war meine Ungeduld, hat er gesagt. Die ist nun mal dem Menschen eigen. Ich finde, ich habe keine Fehler gemacht, nur Erfahrungen, hab ich gesagt. Und das ist schon der erste Fehler, das zu sagen, war seine Antwort. Was ist ein Fehler, was ist falsch, was ist richtig? So gesehen, haben Sie Recht …

Dann hat er 5 € auf den Tisch gelegt, sich verabschiedet und mir noch einen schönen Sonntag gewünscht. Ich hab statt Kaffee und Kuchen eine kleine Flasche Wasser und einen Cookie gebongt – was annähernd so viel war, statt kleinlich darauf zu bestehen, da fehlen noch 2 €. Es ist immer ein Plus in der Kasse, das solche kleinen Unebenheiten wieder ausgleicht.

Sonnabend, 17. September

Alle klagen über das Wetter. Es findet sich aber niemand, der etwas dagegen tut. Mark Twain

Es ist gar kein Übergang zwischen Sommer und Herbst, abrupt von Augusthitze auf regnerisch-kühl im September. Michael, Tamina und Jonte – alle 3 wieder krank, und nachdem Jonte 3 Tage bei mir in Bandelstorf war, hab ich mich auch wieder angesteckt. Dazu kommt, dass die Wohnung nicht nur kalt, sondern jetzt auch feucht und klamm ist, weil Heidi noch nicht heizen kann nach der Umstellung von Öl auf Gas und noch auf den Monteur wartet. Zum Termin nicht erschienen. Die Wohnung kündige ich jetzt zu Anfang November.

Die Künstler-Pension hab ich mir angesehen mit Martina und Jonte, das heißt, die Anlage mit Garten. Die Zimmer waren alle belegt. Ich probier es einfach aus. Heute Abend und morgen Nachmittag Guti-Gutshaus trotz Krankheit. Ich wollte nicht schon wieder absagen und denke, es geht nicht so lange.

Mit Jonte war ich in Dummerstorf im Zirkus. Ist das langweilig?, hat er gefragt. Nein, das ist Artistik.

Montag, 12. September

Wenn du zwei Groschen hast, kaufe dir für einen Groschen Brot, für den anderen aber Blumen für deine Seele. Aus Japan

Heute hat Michael Geburtstag. Jonte hole ich wahrscheinlich morgen nach Bandelstorf. Und dann sage ich dieses oder nächstes Mal, in 14 Tagen, wenn ich wieder bei Heidi bin, dass ich die Wohnung kündigen werde. Mal sehen, wie es sich ergibt. Freitag bin ich wieder hier.

Sonntag, 11. September

Fasst frischen Mut! So lang ist keine Nacht, dass endlich nicht der helle Morgen lacht. William Shakespeare

Jedes freundliche Wort, jede Geste der Verbundenheit, jedes kleine Lächeln – das braucht die Welt jetzt und jeder Einzelne – gegen die Angst, die wohl jeder hat in dieser Zeit, und für das Licht. Ich hab mir auf Youtube von Enchanted Queen die Tarotlegung für September und Oktober für das Sternzeichen Krebs angesehen: Dein Unterbewusstsein hat eine wichtige Botschaft für dich, hör hin. Sie sagt: Du bist immer weitergegangen und gehst immer weiter, doch jeder Schritt kostet dich Kraft. Ja, Kraft und viel Kraft.

Sie hatte zu tun mit der Legung und konnte es sich nicht richtig erklären und hat immer noch eine Zusatzkarte gezogen und am Ende gesagt: Ich hoffe, Ihr wisst, was es bedeutet. Ja, ich und die es betrifft wissen, was es bedeutet, hab ich gedacht.

Dann hab ich nach langer Zeit mal wieder das Buch der Antworten befragt zur gegenwärtigen Lage: Dein Handeln wird die Dinge beeinflussen. Ja.

Heute Guti-Gutshaus, die Café-Schicht, morgen fahr ich wieder nach Rostock.