Dienstag, 20. April

Heute kommt Sigi zum Kaffee und bringt Frühstück mit …

Christa hat mir gestern eine Tüte mit restlichen Ostersachen vor die Tür gestellt und zusätzlich eine Großpackung Feuchttücher, Waschgel und Bodylotion. Das bekommt sie immer von ihrem Pflegedienst – in guter Qualität – und schafft es nicht, alles selbst zu verbrauchen. Ich kann es gut gebrauchen – für Jonte und mich. Ich freu mich über alles, was meine Haushaltskasse entlastet.

Sigi und Wolfgang, Christa, Aniko, Birgit und Tine, Heidrun, Carmen, Dana, Christine, Gabi, Lars hier – Martina, Manuel, Silvia und Detlef, Antje, Michael, Tamina und Jonte, Andrea und Paul, Sigi und Angelika, Heidi und Horst in Rostock – Sabine in Berlin – Ulla und Jürgen in Hamburg, Kerstin in Dormagen – meine Tante Gisela, Cousine Angelika …

Einmal in der Woche übernachtet Jonte jetzt bei mir.

Wohl dem, der eingebunden ist in Gemeinschaft und feste Rituale, denk ich. Gerade jetzt, im Ausnahmezustand.

Bei all dem Unsinn, der gerade auf der Welt kursiert, ist hier noch der sicherste H-Ort, den ich mir vorstellen kann. Und mit Jonte bei Heidi und Horst. Wenn er mich anlacht – wie neulich, wo er mit Heidi in seinen neuen Schuhen immer auf und ab gerannt ist – denk ich, die Welt ist in Ordnung, dafür lohnt es sich zu leben. So viel Freude, so viel Spaß, so viel Liebe … Hoffentlich fliegt der ganze Schwindel bald auf, hat Birgit in ihrer WhatsApp-Gruppe Freidenker geschrieben. Das denk ich doch.

Mit Sigi kam zwar ein gutes Frühstück, aber kein Input, geistig. Wenn mir einer lang- und breitatmig eine Serie schildert, die er gesehen und die keinen Inhalt hat, werde ich kribblig und unruhig. Nach 2 Stunden war ich so geschlaucht, dass ich die Zusammenkunft beendet habe. Auch alles andere war so minderwertig, dass ich gedacht habe, no go!

Montag, 19. April

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Für den, der warten kann, kommt alles mit der Zeit. Weisheit aus Deutschland

Dreimal kam mir MAIK entgegen – als Namensschild im LKW. Das war auf dem Weg nach Rostock … in Blau, in Weiß, in Bunt.

Irgendwas muss noch passieren, dass ich weiter mit Jonte hierherkommen kann, hab ich gesagt, als ich mit Heidi über das auslaufende Mietverhältnis gesprochen habe. Und diesmal hat es geklappt mit dem Wünschen.

Sonntag, 18. April

Birgit sucht ein Zimmer, zusätzlich als feste Bleibe zu ihrem Wohnwagen und hat gefragt, ob ich sie durch Internet-Recherche dabei untersützen kann. Das hat mich auf die Idee gebracht, dass wir doch meine Wohnung hier gemeinsam nutzen können. Zum einen wird mir immer bewusster, dass ich nicht auf Dauer alleine wohnen will und zweitens könnte ich mit ihrem Mitanteil – ein Drittel hab ich gedacht – die Wohnung in Rostock weiter finanzieren und müsste nur noch bisschen was drauflegen. Das wär machbar. Für sie ist es günstiger, als eine 1-Raum-Wohnung zu mieten, ich hätte keinen Single-Haushalt mehr, und gleichzeitig hätte ich für meine Zeit mit Jonte weiter ein schönes Zuhause bei Heidi und Horst. Als ich ihr das vorgeschlagen hab, hat sie sich gefreut und es auch für eine gute Sache gehalten. Somit haben wir ab Mai eine Schwestern-WG!

Ich freu mich auch, dass mir durch diese Möglichkeit meine Zweitwohnung erhalten bleibt, was ich andernfalls sehr bedauert hätte, weil ich mich mit meinem Jonti dort sehr wohl fühle.

Sonnabend, 17. April

Bei der Lagebesprechung ist mir Heidi mit einem Angebot entgegen gekommen, nämlich das Anbieten der Wohnung bei der Mitwohnzentrale zu kündigen, so dass wir uns die eingesparte Provision teilen könnten, wovon wir beide was hätten. Das würde dann meine monatliche Miete um 30 Euro reduzieren, das reicht aber nicht, dass ich dauerhaft zwei Mieten aufbringen kann. Beim Nebenverdienst Guti-Gutshaus hab ich zwar einen Teilausfall einkalkuliert, aber keinen Totalausfall, wie es jetzt seit Anfang Januar der Fall ist und wie es aussieht, dieses Jahr überhaupt nicht mehr damit zu rechnen ist. Das ist mein Gefühl.

Also hab ich hin und her überlegt, wie ich das am besten anstelle und da ist mir eine Idee gekommen, die ich heute bei der Geburtstagsfeier mal Birgit vorstellen möchte …

Freitag, 16. April

Spontan hab ich mich entschieden, doch noch heute abend zurückzufahren, ursprünglich morgen nach dem Frühstück. Aber ich hatte alles abreisefertig, das heißt abgewaschen und aufgeräumt, nachdem ich Jonti heute Mittag zurückgebracht habe. Das war wieder so schön mit uns. Den Mann versenkt, das Enkelkind geschenkt. Das hat das Schicksal für gut befunden. Die Gedanken kamen mir …

Morgen Nachmittag ist Geburtstagsfeier bei Birgit und abends die nachgeholte bei Heidrun, auch bei ihr im Dörp. Dann bin ich wenigstens schon mal hier. Mit Heidrun Vermieterin hab ich besprochen, wie und ob es eventuell weitergeht, nachdem der bestehende Mietvertrag nach 6 Monaten zum 9.5. ausläuft. Es ist wie eine kleine Kita da bei ihr, drinnen in meinem Zimmer und draußen im Garten, ideal für Jonte und mich.

Mittwoch, 14. April

Jetzt wird’s umständlich, mit der ganzen Testerei zum Einkauf – und vor allem der Gültigkeit von 24 Stunden. Das war es mit den Masken auch schon, doch die Kröte hat man nach einigem Murren dann doch geschluckt, die meisten jedenfalls.

Heute fahr ich wieder nach Rostock, eigentlich morgen, doch es ist alles wieder ganz anders. Michael und Tamina haben einen Termin zur Vorabnahme der Wohnung und wollen – müssen – vorher aufräumen. Abgesprochen war, dass ich Jonte Donnerstag nehme, weil er heute bei Detlef und Renate ist, meinem geschiedenen Mann mit Frau. Danach soll ich ihn dann nehmen. Was für ein Hickhack und Hin und Her.

Hier am Markt ist ein mobiles Testzentrum und da hab ich mir für Donnerstag einen Termin besorgt zwecks Schuhkauf mit Jonte. Selbst wenn ich den auf heute ändern kann, ist der morgen Nachmittag in Rostock, wenn ich ihn brauche, schon nicht mehr gültig. Ich hab zwar einen Schnelltest für alle Fälle, doch den lass ich mir für Frisör und Nageltante.

Wenn das meinen Ablauf zu sehr durcheinander bringt, dann lass ich es sein. Dann gibt es Schuhe eben beim nächsten Mal. Freitag komm ich zurück, denn Sonnabend ist Geburtstagsfeier bei Birgit im Wohnwagen. Bei den konstant hartnäckigen niedrigen Temperaturen auch keine wärmende Aussicht. Meine Schwester Tine hat vorgeschlagen, bei mir zu feiern, sie hat nämlich auch keine Lust auf Kälte.

Dienstag, 13. April

Heute früh hat Gabi gefragt, ob ich von ihr Bücher haben möchte. Wir hatten uns mal darüber unterhalten – Bücher nehm ich immer. Wenn nichts für mich dabei ist, geb ich sie weiter. Ich war mit Martina neulich in Rostock bei der Bücher-Telefonzelle in der östlichen Altstadt an der Nikolaikirche. Da kann man Bücher mitnehmen und auch hinbringen. Da waren ein paar antiquarische Schätze dabei:

Aschenputtel vom Kinderbuchverlag Berlin

Kochkunst – Lukullisches von A – Z, ein besonders schönes Kochbuch vom Verlag Für die Frau, Leipzig, von 1985 mit 150 Farbfotos und einem interessanten Kapitel zu jedem Buchstaben des Alphabets zur Historie der Kochkunst in der Menschheitsgeschichte.

Die sieben Gärten der Liebe – ein Leinenband von Rütten & Loening, Berlin – Eine Sammlung alter indischer Geschichten von Treue und Leidenschaft, von Begehren und Verrat, von Zauber, Trug und Weiberlist, von Tugend und törichtem Wahn – die Geschichten sind sieben Kapiteln zugeordnet: Der Garten der Begierde, Der Garten der Verblendung, Der Garten der Treue, Der Garten des Verrats, Der Garten der Sehnsucht, Der Garten der Erfüllung, Der Garten der List

Das zweite ist ein ganz besonderer lukullischer Leckerbissen – das schenk ich mal meiner Tochter, die schon eine schöne Sammlung an Koch- und Backbüchern hat. Das letzte ist ein besonderer erotischer Leckerbissen …

Da freu ich mich auf viele schöne Schmökerstunden – das sind nur die Highlights, dazu auch noch eine große Auswahl an Romanen.

Montag, 12. April

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Ruhe zieht das Leben an. Gottfried Keller

Den Eindruck hab ich gerade nicht … Die Stadt ist wie ausgestorben durch die Ruhe in den Geschäften. Sie haben zwar geöffnet, aber es sind nur die Verkäuferinnen drin und die verkaufen nichts, weil die Kunden fehlen. An jedem Schaufenster klebt ein Zettel mit Handynummer und dem Hinweis, einen Termin für 20 Minuten Shopping zu vereinbaren – mit Testvorlage natürlich. Da vergeht’s einem doch. Manuel hat grad angerufen – dem geht’s genauso.

Einige verkaufen draußen, vor’m Laden – da braucht man keinen Test vorzuweisen.

Sonntag, 11. April

Ich hab eine Stunde bei Siemes-Schuhcenter online nach Kinderschuhen geguckt. Mir ist eingefallen, ich werd nächste Woche mal mit ihm da hin fahren und ihm paar ordentliche Schuhe kaufen, mit Füße ausmessen nach WMS – weit, mittel, schmal. Da freu ich mich schon drauf …

Er ist so lieb und verständig und hat von Mittwoch zu Donnerstag zum erstenmal bei mir übernachtet, als ich bei Heidi und Horst war. Die haben sich auch sehr gefreut. Er ist abends um halb 8 eingeschlafen und hat bis nächsten Morgen um 9 durchgeratzt, also fast 14 Stunden!

Dass es dazu kam, war ein Missverständnis, oder sogar zwei. Michael hat gefragt, ob ich ihn am Mittwoch abholen kann, dann können sie sich einen Abend zu zweit machen. Bei Abholen bin ich davon ausgegangen, dass ich ihn bei den Tagesmuttis abhole. Ich hab ihm geschrieben, halb 3 schaff ich nicht ganz, aber ich könnte ihn um 3 abholen, weil ich nicht weiß, wie lange es beim Frisör dauert. Um 3 wär natürlich super, hat er geschrieben. Also war ich um 3 da und die Tagesmutti hat sich gewundert: Jonti?, der war heute gar nicht hier. Er soll die Woche noch zu Hause bleiben, hat die Kinderärztin gesagt, wegen der Bronchitis, die er hatte. Da stand ich dumm da. Sie muss auch gedacht haben … Dann hat Tamina geschrieben, wann ich komme? Also bin ich zu ihnen nach Hause und als sie gefragt hat, wie wir es mit dem Zurückbringen machen, hab ich noch überlegt und wollte sagen, so gegen Mittag? Da kam sie mir zuvor und meinte, wieder so um halb 7? Ja gut, und ich hab gestaunt, dass sie die Zeit so großzügig bemessen hat.

Wie gesagt, ist er dann um halb 8 selig eingeschlummert und um 8 hat Tamina gefragt, wo wir bleiben? Na, er schläft schon schön. Da fiel sie aus allen Wolken, sie dachte, am gleichen Tag zurückbringen. – Ihr wolltet euch doch einen schönen Abend machen! – Haben wir doch! – Was, in 2 Stunden? Auf die Weise kam es nun zur ersten Übernachtung – als wenn das so sollte. Und weil es so gut geklappt hat, hat sie am nächsten Tag gesagt: Wir würden das jetzt gerne einmal die Woche machen, damit wir einen freien Abend haben. – Ja, sehr gerne! – Und wenn du mal nicht kannst, würden ihn auch mal meine Eltern nach Schwerin holen. – Ich kann schon! Zumindest noch die nächsten 4 Wochen, solange ich die Wohnung da noch habe. Und dann lass ich mir was einfallen …

Der Makler von der Mitwohnzentrale hat angefragt wegen Vertragsverlängerung. Es bleibt beim 9. Mai, hab ich geantwortet. In der gegenwärtigen Lage ist mir eine Verlängerung zu ungewiss, wegen Nebeneinkommen Gastronomie. Das bedaure ich sehr, denn ich fühl mich da sehr wohl – mein Enkelkind übrigens auch.

Sonnabend, 10. April

DBR-VV 4 – in der offenen Garagentür stand eine lila Harley Davidson bei Heidi und Horst, als ich ankam. Da wird doch wohl nicht Horst mit unterwegs sein? Ich kenn einen, der auch so eine ähnliche hatte – der zweite Hauptdarsteller hier, neben mir. Nur da waren noch glitzerrosa Blümchen auf dem Tank. Wie kann man sich als Mann auf so’ne Karre setzen?, hab ich da gedacht.

Das Universum gibt sich Mühe, Erinnerungen frischzuhalten …

Zweiter Denkanstoß: Schranke am Bahnübergang Kassebohm. Da stand ich mal mit Maik im Auto, nachdem ich ihn an meinem Geburtstag an meinen See entführt hatte, ohne dass er wusste, dass es mein Geburtstag ist. Schranke zu – Hose auf … An der gleichen Stelle stand ich diesmal wieder, vor mir ein Auto mit Kissen auf der Hutablage: Ohne dich ist alles doof.

Die Harley gehört tatsächlich Horst! Die hat er seit 17 Jahren, hat er mir erzählt. Und Heidi als Biker-Frau fährt sogar mit.

In einem Stück zurück – heißt, gut angekommen. Einen Monat hab ich die Wohnung noch …