Sonntag, 6. Juni

10 vor 10 – sonntags bimmelt es mir von beiden Seiten, links und rechts, in die Ohren – Georgen- und Marienkirche. Das ist schöner Sonntagsfrieden, vor allem, weil ich frei habe. 2 Warm ups in Guti-Gutshaus, gestern mit Grillen, reichen bis Donnerstag – und dann noch Freitag. Bist du morgen auch hier?, hat Steffen, unser Hausmeister gefragt. An meiner Stelle hat Fritzi geantwortet: Anitchen hat eine 2-Tage-Woche! Das reicht doch auch, hat der gesagt. Aber voll und ganz. Als ich zurückkam, war ich mit Lars, der auch gerade Feierabend hatte, sponan noch bei Aniko und Kerstin vom Nebenhaus zum Hof-Absacker mit Rosé.

Beim Morgenkaffee hab ich erstmal die aufgelaufenen WhatsApps beantwortet, Martina, Carmen, Christa, Ulla … Mit Gabi hab ich mich für Mittwoch für eine Radtour nach Müritzhof verabredet. Das ist dann die erste in diesem Jahr! Heute kommt Christa zum Käffchen auf Terrässchen und mit Carmen Sternchen – forever young – ist auch schon lange ein Treffen geplant. Forever young ist ein Video, das sie mir zum Sonntagmorgen geschickt hat, herrlich!

In der Nachricht an Ulla hab ich die vorigen Tage zusammengefasst: Birgit war hier und hat Ingo und Hendrik in ihr Büro, was mein Wohnzimmer ist, mitgebracht. Sie hat das Essen geliefert, ich hab für uns gekocht, unter anderem eine Stunde den Spinat aus ihrem Garten handverlesen. Das mach ich gerne, nur wenn ich arbeite, wird es mir bisschen viel.

In geteimten Abständen – wie heute 6.6. oder 5.5. oder 7.7. – denke ich, was ich ihm jetzt sagen würde: Glaubst Du, meine weibliche Weisheit und Sinnlichkeit wurde mir gegeben, um sie Dir nachzuschleudern? Deinetwegen bin ich hierher* gekommen.

* hierher – auf Erden

Sonnabend, 5. Juni

Für’n ersten Tach gestern reicht das – Guti-Gutshaus von 5 bis 10. Das ist schon einmal Manja Nageltante. Ich rechne das immer in Wohlfühleinheiten um.

Jetzt kommt mein Öl Nr. 4 – Regeneration – zum Einsatz, um seine volle Wirkung zu entfalten. Heute fahr ich schon halb 3 los und dann geht’s von 15 Uhr bis open End. Zum Arbeiten ist es schon wieder zu warm mit 26 Grad …

Freitag, 4. Juni

So, wie ich mich sonst über gutes Wetter freue, freu ich mich heute über schlechtes zum Guti-Gutshaus-Auftakt. Mit um so weniger Gästen ist zu rechnen. Ich bin mit Fritzi Koch in der Spätschicht ab 17 Uhr – nach siebeneinhalb Monaten frei – zuletzt am 17. Oktober.

Mit dem, wie es war, komm ich nicht mehr klar. Ich brauch eine radikale Veränderung. Die ist gerade im Gange. Auf der Haben-Seite sind zwei schöne Wohnungen und damit Aufenthaltsorte für mich da, zu unterschiedlichen Zwecken. Die eine für mich und Jonte mit Heidi und Horst – hier für mich und Birgit und ihre zahlreichen Kontakte.

Als ich Pfingsten in meiner Zweitwohnung war, hab ich gehört: Das hier bleibt dir erhalten. Ich hatte Zweifel, ob das finanziell weiter möglich ist. Da war ich beruhigt.

Gestern mit Hendrik und Birgit war mein Wohnzimmer ein Großraumbüro. Er am Esstisch, Birgit an ihrem Schreibtisch und ich an meinem Laptop-Platz. Wir haben zusammen auf der Terrasse Mittag gegessen, das Birgit mitgebracht hat und ich zubereitet habe. Das war auch schön. Mit ihm versteh ich mich gut. Heute kommt Ingo mit Birgit her, er will ihr Speicher auf dem Handy freiräumen. Ihn kenn ich auch von unseren Treffen in Klein D.

Ich hab nochmal nachgedacht. Statt das als Eindringen in meine Privatsphäre zu sehen, seh ich es als Bereicherung – als Tag der offenen Tür.

Donnerstag, 3. Juni

Leute!, warum sind die Energien, wenn Waschen, Putzen, Gießen im Mondkalender steht, auf einem Level, das gerade für Frühstücken und Tagträumen reicht? Das ist meine Anfrage nach Oben, aber eher eine Feststellung als Frage. Weil Mondpause ist, da fehlt immer der Antrieb …

Mittags kommt Birgit mit Hendrik, der hier bei ihr seine Mails checken will. Ob das okay ist, hat sie gefragt, wenn sie ihn mitbringt? Sie hat hier aber schon Leute mitgebracht, als ich nicht hier war, von denen ich nichts wusste. Das stecken mir natürlich die Nachbarn. So war unsere Mitwohngemeinschaft nicht gedacht. Das ist mein Heiligtum hier, da kann sie nicht jeden anschleppen, den ich gar nicht kenne.

Heute ist Mittwoch, der 2. Juni

Mittwoch Jonte oder zurückkommen – die drei sind wieder krank, Tamina, Michael und Jonte. Martina auch, sie hatte gestern den Notarzt da. Also war ich heute nur mit Heidi im Garten und sie hat mir Rhabarber mitgegeben und mir was von ihrem schönen Steingartengewächs abgestochen für meine Terrasse. Außerdem hab ich mein Auto mal gründlich gesaugt, mit meinem BD Staubsauger, den ich schon länger als ein Jahr und noch nie benutzt habe. Nachher kommt Schwesterchen Tine nach dem Zahnarzt her, deshalb bin ich schon heute nachmittag zurückgekommen.

Freitag und Sonnabend geht es gleich mit Guti-Gutshaus los – früher als geplant – da ist es gut, wenn ich morgen noch einen Tag zur mentalen Vorbereitung habe.

Am schönsten war es Montag. Da hatte ich um 12 Frisörtermin. Als ich ankam, war noch eine Kundin in Arbeit und die Chefin, bei der ich diesmal war, hat gesagt, sie braucht noch ein bisschen. Das macht gar nichts, hab ich gesagt, mich draußen vor die Tür gesetzt und einen Kaffee bekommen. Für das Warten hat sie mir einen französischen Zopf geflochten, das sieht wirklich toll aus und hatte ich noch nicht. Dann hab ich mir von ihren 7 Salute Haut & Haar Wohl Ölen eins ausgesucht – Nr. 4 Regeneration – damit belohn ich mich schon im Vorfeld für die zwei Guti-Gutshaus-Schichten am Wochenende, ohne einen Finger gerührt zu haben. Das mach ich gerne. Dann hab ich mir von Bäcker Nowak am Steintor ein Eiersalat-Brötchen geholt und bin anschließend zum Siemes Schuhcenter gefahren, weil ich dachte, wenn arbeiten, dann auch in ordentlichen Schuhen. Ist immer ganz leer da, weil etwas außerhalb von Rostock, riesengroßer Parkplatz und große Auswahl. Ich hab ein paar schöne schwarze Antischock-Sandalen gefunden – Antischock im doppelten Sinne – einmal im Fußbett und einmal Antischock Arbeit. Das war ein Tag ganz für mich allein, nur, wonach mir der Sinn stand.

Abends hab ich dann im Garten mit Heidi Blumen umgetopft – sie hat umgetopft, ich hab ihr Gesellschaft geleistet, beide mit Weinglas in der Hand. Das war auch ein richtig schöner Abend zu zweit, die anderen Mieter waren nicht da, na, und Horst hat sowieso immer TV an.

Montag, 31. Mai

Glück ist ein Schmetterling, der sich immer unserem Griff entzieht, wenn man ihn jagt, der sich aber auf uns niederlässt, wenn wir ganz still dasitzen. Nathaniel Hawthorne

Gestern, späten Nachmittag, war Aniko noch hier, mit Muffins und Wein. Sie hat sich aus der Kleidertüte, die ich heute in die Tonne geworfen hätte, fast alles rausgesucht. Steht ihr wunderbar und passt wie angegossen. War wohl Eingebung, dass sie gefragt hat, ob sie herkommen kann. Hätte ich nicht gedacht, dass da was für sie dabei ist.

Für körpernahe Dienstleistungen braucht man noch einen Test, Idiotentest, denn ich bin völlig gesund. Mittags fahr ich wieder nach Rostock – heute Manja Nageltante, morgen Frisör und Mittwoch mal sehen … Jonte oder wieder zurückkommen …

Die Lage geht mir so auf’s Gemüt und den Magen, dass ich mich nicht erinnern kann, wann es schon mal so extrem war. Ich hab noch nie so viel geschlafen – und gefroren, wie in diesem Jahr, wie in diesem Mai.

Sonntag, 30. Mai

Das reicht jetzt erstmal an Geselligkeit bzw. war schon zu viel davon. Heute schreiben alle in der Gruppe wie inspirierend, bereichernd und was nicht noch alles das gestern war. Ich fand es nur anstrengend. Zu viele Leute und alle haben kontrovers diskutiert. Mir hat der Kopf geschwirrt und ich bin um 7 losgefahren und war um halb 8 zuhause. Das war eine unruhige Energie da, das hab ich nicht länger ausgehalten. 3 Stunden haben auch gereicht an der frischen Luft.

Heute früh war Sigi mit Frühstück zum Kaffee hier. Zu zweit, das geht schon besser. Auf mehr kann ich mich gerade nicht konzentrieren. Wenn wir bei Heidi neuerdings abends mit den neuen Mietern zusammensitzen, geht es mir genauso. Das sind 2 zuviel. Ich mit ihr alleine passt prima. Das liegt aber auch daran, dass sie, die Kristin heißt, mehr auf Sendung als auf Empfang ist. Ich glaub, das hab ich schon mal geschrieben. Das heißt, sie redet – in epischer Breite, würde Carmen sagen – von sich und das, ohne über besondere Erzählkünste zu verfügen, im Gegenteil. Das ist schlicht und einfach langweilend und da werde ich mich ausklinken, dass das gar nicht erst zur Gewohnheit wird. Das hatten wir jetzt zu Pfingsten an zwei Abenden und damit reicht es auch. Dann setz ich mich lieber in meinen Strandkorb da und trink nur mit Heidi paar Gläser Wein.

Sonnabend, 29. Mai

Heute ist bei Birgit in Klein D – Klein Dratow – wieder Treffen vom Mitwelt-Verein und der Avaleja-Schule. Sie war gestern mit Sabine hier und wir haben nach dem Frühstück weiter am Logo und der Website gearbeitet. Sabine hat das Konzept einer Freundin von ihr vorgestellt, die Erziehungswissenschaften studiert hat, die hat die Hände über’m Kopf zusammengeschlagen und gesagt: Das geht gar nicht! Das ist sogar verständlich. Das ist nicht gesellschaftskonform, was wir hier machen. Es ist ein neuer Weg in eine neue Zeit …

Gestern hat Bettina, meine Chefin von Guti-Gutshaus, angerufen. Ihre erste Frage war: Bist du schon geimpft? Bin ich nicht und werd ich auch nicht sein. Dann hat sie gefragt, ob ich weiter zur Verfügung steh und wieviele Tage ich arbeiten möchte. 2 Tage pro Woche – entweder in der Zeit von Mo – Fr oder von So – Do. So kann ich weiter Jonte am Wochenende zu mir nach Bandelstorf holen und Michael und Tamina können einen Tag ausschlafen und haben Zeit für sich. Das brauchen sie auch.

Am schönsten von den Sachen ist ein ärmelloses dunkelblaues Wollkleid mit langem Reißverschluss hinten und schwingendem Glockenrock mit Taschen, ganz zauberhaft. Da fühl ich mich so wohl drin, das hab ich jeden Tag an. Heute auch, mit Strickjacke drüber. Das wird wieder schön mit allen zusammen …

Freitag, 28. Mai

Gegensätze – hier in luftiger Höhe, da geerdet im Garten. Beides ist schön …

Schön ist auch, gebrauchte Sachen weiterzugeben. Von der Wegwerfgesellschaft zur Verwertungsgesellschaft. Das machen wir regelmäßig, wenn ich da bin. Diesmal hatte ich auch wieder eine Kleiderkiste von Manja Nageltante – eine Kundin beliefert sie damit. Die geht dann durch mehrere Instanzen und jeder sucht sich was passendes raus. Die erste Runde war auf der Terrasse bei Heidi mit ihr, mir und Christin, der neuen Mieterin. Schöne Teile! Dann weiter bei Martina und bei ihr haben wir auch wieder eine Straßenkiste zusammengestellt – mit Büchern, CDs, Deko, Klamotten und allem möglichen. So ein Tauschring macht Spaß und ist schon eine gute Tradition in der Innenstadt geworden.

Aus den Sachen, die Martina von Agnes bekommen hat, hab ich mir ein schönes altes Patience-Spiel ausgesucht und einen Magnet-Sticker Wo Liebe ist, ist Hoffnung.

Patience heißt übrigens Geduld.

Auf dem Magnet-Sticker steht: Lieben heißt offen sein für Wunder. Ich hatte das mit Hoffnung im Kopf, so ähnlich. Beides ist schön …

Donnerstag, 27. Mai

Pfingstmontag hab ich die meiste Zeit mit Katze Anni im Garten im Strandkorb gelegen. Das war mal das Wetter dafür und nach Umzugshilfe bei Tamina und Michael am Sonntag auch angebracht. Heidi und Horst waren am Campingplatz und bis auf ein Gespräch mit den neuen Mietern hab ich die Ruhe genossen. Ich pass da bequem quer rein mit angezogenen Beinen und Anni hatte auch noch Platz.

Gestern Nachmittag hatte ich Jonte bei mir. Wir waren im Garten und dann, auf dem Weg zum Spielplatz des Bauernhofs dort, haben wir es gerade noch in den Bauwagen geschafft, der zum Spielplatz gehört, bevor ein Hagelschauer runterkam, der sich gewaschen hatte. Abends hab ich ihn dann zurückgebracht – so hatten Michael und Tamina Zeit für Ikea und den Küchenschrank anbauen.

Aus Muße hab ich im Strandkorb ein Kreuzworträtsel gemacht. Die Lösung hieß: Liebe verschenkt, Egoismus leiht.

Wenn ich’s bis jetzt nicht gelernt habe, mit Jonte lern ich es – bedingungslose Liebe.