Donnerstag, 29. April

Birgit hat ihr Büro umgesiedelt, zu mir ins Wohnzimmer. Jetzt stehen hier drei Umzugskisten. Sie kam mit Sabine – Russen-Sabine, die Russisch-Lehrerin ist und mit der ich mich gut verstehe, und hat erstmal alles ungesichtet und unsortiert abgestellt. Mein Wohnzimmer ist jetzt ein halbes Büro …

Ich hatte gerade mit dem Abwasch angefangen, weil heute das ideale Wetter dafür war – Regen, als sie angerufen und gesagt hat, sie haben jetzt alles eingeladen und kommen her. Das Phänomen beim Abwaschen ist, immer kommt ein Anruf oder ein Besuch dazwischen, diesmal sogar beides.

Morgen um 12:00 Uhr ist die Übergabe der Räume ihrer TAO-Schule. Vorher um 9:00 Uhr noch ein letztes Mal Asia-Fitness. Ich helfe ihr dann noch mit Sanitär-Putz. Geht aber. Das war ein langes Kapitel – die TAO-Schule für Kampfkunst und Körperweisheit in der Goethestraße – über zehn Jahre.

Immer hört was auf, immer fängt was neues an, nur wann?

Du hast ja eine hübsche Wohnung, hat Sabine gesagt. Warst du noch nicht hier? Nein, war sie nicht. Hätte ich aber gedacht.

Mittwoch, 28. April

Heute nachmittag hätte ich bei Dana in der Praxis geholfen, aber Nadine hat gestern gesagt, sie schafft es alleine. Dana hatte heute um 16 Uhr die zweite Gesichts-OP – nun heißt es wieder warten auf den Befund. Wahrscheinlich nimmt mich das so mit, dass ich mich heute schwach und müde gefühlt habe. So hab ich nur die Geburtstagspost zum 30. von meiner Nichte Anja abgeschickt, mir was zu essen besorgt und nachmittags ein paar von den Vorjahres-Blumentöpfen runter in Wolfgangs Kompostecke gebracht. Ach, und noch Jontis Jacke vom Schneiderservice Merkel abgeholt, in die sie einen neuen Reißverschluss genäht hat. Das gute Stück ist noch von Tamina. Das rechtfertigt den Preis von 21 €, hab ich gedacht.

Die Hoffnung ist der Krankheit größter Feind. Hinduistisches Sprichtwort

Stille Seele – wildes Herz. Das letzte Wort hat heute Veit Lindau. War im E-Mail-Eingang und hab ich gerade geguckt:

Niemand würde diese schmerzhaften, faulen Kompromisse in Beziehungen eingehen, die viele eingehen, wenn er wüsste, das ist meine letzte Woche …

Dienstag, 27. April

Loslassen … Loslassen … Loslassen … ist das große Thema des Super-Vollmondes im Skorpion, steht in Mondkraft Alpenschau heute. Er steht der Erde sehr nahe und scheint größer als jeder andere Vollmond und wird uns vor massive Herausforderungen stellen!

Nachher fahr ich zu Dana in die Praxis zum Mittagessen. Wir haben gestern Abend ausführlich telefoniert und geredet, vor ihrer OP morgen. Ich glaub, das tat ihr gut. Gekocht hab ich nichts, weil ich es nicht geschafft habe mit der Ein- und Umräumerei. Das macht nichts, sie holen Essen vom Asiaten, hat sie gesagt. Da bin ich ganz froh.

Birgit sieht verwildert aus, hab ich gestern gedacht, und müde und fertig. Ganz grau im Gesicht – als wenn jede Farbe und jedes Leben aus ihr gewichen ist. Sie gibt nichts auf ihr Äußeres und wünscht sich gleichzeitig einen Partner. Ich glaub, so wird das nichts. Wo ist die Frau in ihr? Sie sieht aus wie die wilden Kerle. Ich leg Wert auf Harmonie und Ästhetik. Wenn ich in den Spiegel gucke, denke ich, würde das einem Mann gefallen? Ja! Vor allem aber will ich mir gefallen. So unterschiedlich sind wir. Widder-Feuer und Wasser-Krebs …

Montag, 26. April

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Alle Lebewesen außer den Menschen wissen, dass der Hauptzweck des Lebens darin besteht, es zu genießen. Samuel Butler

Das Bild zeigt zwei Kaffeetassen auf einem Tisch mit Herzen auf dem Milchschaum …

Als ich gestern nochmal bis zur Brücke gegangen bin, bevor ich losgefahren bin, hab ich gedacht, heute ist es das erste Mal wie Mai. Nur ohne das Gefühl von Kaffeetassen. Gestern war sowieso ein grundlos trauriger Tag. Da hat sich schon der Vollmondeinfluss angekündigt.

Bis halb 11 hab ich heute geschlafen, dann kam Birgit, damit wir gucken, ob und wie wir die Möbel unterbringen. Das war ’ne Aktion! Jetzt steht alles – ihr Schreibtisch, Rollcontainer und halbhoher Aktenschrank. Meinen ausgezogenen Wohnzimmertisch hab ich zusammengeschoben, jetzt ist er quadratisch und steht nicht mehr längs im Zimmer, sondern an der Wand mit 2 Stühlen. Dadurch ist sogar noch mehr Platz als vohrer und es sieht alles ganz gut aus so.

Konsens war nicht einfach, denn der Auftakt war: Also, ich möchte meine eigene abgeteilte Büroecke mit Blick auf den Kirchturm. Oben ist ja auch noch ein Schreibtisch! – Was ist mit dem? – Na, da kannst du ja deinen Laptop hinstellen. Bei sowas bin ich immer platt – kein Fingerspitzengefühl wie, könnten wir das so machen, dass du …? Erstmal kommt mir keine Technik ins Schlafzimmer und mein Arbeitsplatz hier unten bleibt so. Sie hat 1/3 Stimmanteile, ich hab 2/3.

Sonntag, 25. April

Heute wollte ich gar nicht wegfahren bei Heidi und Horst. Die beiden sind heute Vormittag zu ihrem Camping-Wohnwagen-Platz in der Wismarschen Bucht gefahren. Ich hab bis halb 11 geschlafen, gefrühstückt, Klar Schiff gemacht, Spaziergang, Duschen und noch einen Kaffee um halb 3 im Strandkorb im Garten. Gestern war ich mit Jonte auf dem Eselhof in Schlage – Haustiere und Spielplätze, auch für Kleine, wie Karussell und Kleinkindschaukel. Das hat ihm gefallen! Da sind wir fast 2 Stunden rumgelaufen und waren ganz alleine auf dem weitläufigen Gelände. Zum Glück hatte ich mit Martina am Vortag nochmal ins Internet geguckt: Ab 24.4. Testpflicht! Da sind wir noch schnell mit dem Fahrrad zum Neuen Markt ins Mobile Testzentrum gefahren …

Als ich nach Hause kam, wusste ich schon, dass die Möbelteile von Birgit auf dem Flur im Treppenhaus stehen. Ich hatte sie Sonnabend früh nochmal angerufen und ihr gesagt, dass ich meine, der Schreibtisch passt bei mir nicht rein. Deshalb ist alles erstmal auf dem Flur geparkt und morgen kommt sie und wir wollen sehen, wie wir es bei mir unterbringen, oder wie und ob. Das ganze sind 2,60 m Länge, aber wenigstens nur 40 – 50 cm Tiefe. Der Aktenschrank ist optisch noch am besten erhalten und passt auch zum Ambiente, Schreibtisch und Rollcontainer bräuchten zumindest eine Verschönerungsksur. Jedenfalls stell ich mir hier nichts rein, was den Anblick trübt und was die Wohlfühlatmosphäre beeinträchtigt …

Vegane Küche ist für mich mehr Mühe als Vergnügen. Obwohl ich Sonnabend erst wieder nach Rostock fahre, überleg ich jetzt schon, was koch ich bloß wieder für ihren freien Abend? Ich hab ein bisschen gegooglet, aber das ist alles nicht das Gelbe vom Ei. Vegetarisch geht gut, bei vegan drängt sich mir immer die Frage auf, was nehm ich anstelle von … Das ist wie Sex mit Vibrator. Der Vergleich ist vielleicht dumm, fiel mir aber so ein.

Kann ich einen Mann lieben, der sein Heil überall woanders sucht, nur nicht bei mir? Ich kann ihm meine Grenzen zeigen. Das ist mehr Liebe, als die meisten aufbringen, aus Angst, verlassen zu werden.

Donnerstag, 22. April

Nach Rostock fahr ich doch erst morgen, das wird mir zu knapp heute. Noch Einkaufen, Kochen und Sachen einpacken …

Nun bin ich doch schneller fertig, als gedacht. Meine bestellte Großlieferung Wein aus dem Angebot ist bei EDK in der Teterower Str. irgendwie untergegangen. Ich hab den ganzen Verkehr aufgehalten und die Schlange hinter mir wurde immer länger. Jedenfalls war er nicht aufzufinden und die Kollegin – Hör’nse bloß auf, hier geht alles drunter und drüber! – hat nochmal eine Neubestellung auf den Weg geschickt und war für das Chaos da doch noch recht freundlich. Jedenfalls musste ich die ganzen Kartons nicht hochschleppen und konnte in der Zeit die vegane Erbsen-Minz-Suppe kochen, das Essen auf Rädern, das ich diesmal Michael und Tamina für ihren freien Abend mitnehme. Ihr Kind entführen und ein Candle-Light-Dinner mit Teelicht, das ist mein Beitrag einmal wöchentlich, damit die herzensgute Frau Liebe nicht unter Stress zusammenbricht – das wollen wir nicht!

Da freuen wir uns schon drauf, hat Tamina geschrieben, dein Essen ist immer so lecker. Das freut mich, Tamina, und das ist gleich ein veganer Kochkurs für mich!

Sonntag komm ich zurück und bin mal gespannt auf Birgits Möbel, die sie Sonnabend anliefert. Hoffentlich krieg ich keinen mittelschweren Schock …

Mittwoch, 21. April

Heute früh bin ich um 9 gleich bei Dana Füße machen lassen. Vorher hol ich noch ein süßes Dankeschön – Celebrations – gibt es bei Rossmann in Sektflaschen, statt in der Pappschachtel. Ist mal was anderes, ich will nicht immer das gleiche mitnehmen und lass mir immer was einfallen.

Ob heute „Tag des guten Morgens“ ist? Drei Leute haben mich gegrüßt, die ich nicht kenne. Ein junger Mann, Mitarbeiter bei Zweirad-Karberg, hat sogar noch gesagt: Schöne Tulpen haben Sie da! Ja, kriegt meine Freundin. Die sagen sonst nicht Muh und nicht Mäh …

Tamina hat gefragt, ob ich schon in Rostock bin. Nein, ich bin noch in Waren, hab ich geantwortet, könnte aber morgen kommen. Oder Freitag, je nachdem, wie ich es schaffe.

Das mit der WG ist ein Pilot-Projekt und wird nicht einfach und bestimmt nicht auf Dauer, das merk ich jetzt schon. Befristet kann ich einen Kompromiss eingehen, für die Zweitwohnung und Zeit dort mit meinem Enkelkind. Birgit war heute hier und wir haben nochmal darüber gesprochen. Sie will jetzt noch ihren Schreibtisch mitbringen, wenn sie Mitmieter ist, sagt sie, der aber nur eine Arbeitsplatte ohne Fächer ist, nur an 3 Seiten geschlossen. Die Funktion würde auch mein Kiefernholz-Tisch erfüllen. Zusätzlich noch einen Rollcontainer und Sideboard. Davon war vorher nicht die Rede. Dazu müsste ich umräumen und mein Wohnzimmer würde seinen gemütlichen Charakter verlieren, so seh ich es. Ich hab den Eindruck, dass sie für den Preis, den ich schon als günstig empfinde, mehr Raum beanspruchen oder nutzen will oder kann. Wir sind eben sehr verschieden.

Mit meiner Schwester Tine würde das alles ohne Reibereien über die Bühne gehen.

Bei Dana war heute eine potenzielle Mitarbeiterin zur Probe, für die ich meinen rechten Fuß als Versuch zur Verfügung gestellt habe. Na, ja. Den linken hat Dana mit ihren goldenen Händchen in gewohnter Weise und Berufung behandelt. Sie bezeichnet sich als Chiropodistin nach ihrem Zertifikat, sowas wie Chiropraktiker für Füße. Abends hat sie geschrieben, ihre Gehaltsvorstellungen liegen bei 11,50 bis 12 Euro. 12 hab ich schon als ungelernt in Guti-Gutshaus.

Dienstag, 20. April

Heute kommt Sigi zum Kaffee und bringt Frühstück mit …

Christa hat mir gestern eine Tüte mit restlichen Ostersachen vor die Tür gestellt und zusätzlich eine Großpackung Feuchttücher, Waschgel und Bodylotion. Das bekommt sie immer von ihrem Pflegedienst – in guter Qualität – und schafft es nicht, alles selbst zu verbrauchen. Ich kann es gut gebrauchen – für Jonte und mich. Ich freu mich über alles, was meine Haushaltskasse entlastet.

Sigi und Wolfgang, Christa, Aniko, Birgit und Tine, Heidrun, Carmen, Dana, Christine, Gabi, Lars hier – Martina, Manuel, Silvia und Detlef, Antje, Michael, Tamina und Jonte, Andrea und Paul, Sigi und Angelika, Heidi und Horst in Rostock – Sabine in Berlin – Ulla und Jürgen in Hamburg, Kerstin in Dormagen – meine Tante Gisela, Cousine Angelika …

Einmal in der Woche übernachtet Jonte jetzt bei mir.

Wohl dem, der eingebunden ist in Gemeinschaft und feste Rituale, denk ich. Gerade jetzt, im Ausnahmezustand.

Bei all dem Unsinn, der gerade auf der Welt kursiert, ist hier noch der sicherste H-Ort, den ich mir vorstellen kann. Und mit Jonte bei Heidi und Horst. Wenn er mich anlacht – wie neulich, wo er mit Heidi in seinen neuen Schuhen immer auf und ab gerannt ist – denk ich, die Welt ist in Ordnung, dafür lohnt es sich zu leben. So viel Freude, so viel Spaß, so viel Liebe … Hoffentlich fliegt der ganze Schwindel bald auf, hat Birgit in ihrer WhatsApp-Gruppe Freidenker geschrieben. Das denk ich doch.

Mit Sigi kam zwar ein gutes Frühstück, aber kein Input, geistig. Wenn mir einer lang- und breitatmig eine Serie schildert, die er gesehen und die keinen Inhalt hat, werde ich kribblig und unruhig. Nach 2 Stunden war ich so geschlaucht, dass ich die Zusammenkunft beendet habe. Auch alles andere war so minderwertig, dass ich gedacht habe, no go!

Montag, 19. April

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Für den, der warten kann, kommt alles mit der Zeit. Weisheit aus Deutschland

Dreimal kam mir MAIK entgegen – als Namensschild im LKW. Das war auf dem Weg nach Rostock … in Blau, in Weiß, in Bunt.

Irgendwas muss noch passieren, dass ich weiter mit Jonte hierherkommen kann, hab ich gesagt, als ich mit Heidi über das auslaufende Mietverhältnis gesprochen habe. Und diesmal hat es geklappt mit dem Wünschen.

Sonntag, 18. April

Birgit sucht ein Zimmer, zusätzlich als feste Bleibe zu ihrem Wohnwagen und hat gefragt, ob ich sie durch Internet-Recherche dabei untersützen kann. Das hat mich auf die Idee gebracht, dass wir doch meine Wohnung hier gemeinsam nutzen können. Zum einen wird mir immer bewusster, dass ich nicht auf Dauer alleine wohnen will und zweitens könnte ich mit ihrem Mitanteil – ein Drittel hab ich gedacht – die Wohnung in Rostock weiter finanzieren und müsste nur noch bisschen was drauflegen. Das wär machbar. Für sie ist es günstiger, als eine 1-Raum-Wohnung zu mieten, ich hätte keinen Single-Haushalt mehr, und gleichzeitig hätte ich für meine Zeit mit Jonte weiter ein schönes Zuhause bei Heidi und Horst. Als ich ihr das vorgeschlagen hab, hat sie sich gefreut und es auch für eine gute Sache gehalten. Somit haben wir ab Mai eine Schwestern-WG!

Ich freu mich auch, dass mir durch diese Möglichkeit meine Zweitwohnung erhalten bleibt, was ich andernfalls sehr bedauert hätte, weil ich mich mit meinem Jonti dort sehr wohl fühle.