Freitag, 14. Mai

Dieses Wochenende bleib ich am Kirchturm, das heißt, keine Rostock-Fahrt und veganes Essen kochen, was mir auch mal ganz gut tut. Tamina, Jonte und Michael sind in Schwerin, bei ihren Eltern. Dafür Schlafen, Ausruhen, Lesen, Badewanne, Blumen pflanzen. Und erstmal zu EDK, im Kühlschrank ist nur noch Licht. Gestern war Birgit hier und wir haben einen Film geguckt: Der grüne Planet – Besuch aus dem All. Das war auch schön. Vorhin hab ich mit Carmen Sternchen telefoniert und schön erzählt und wir haben in gegenseitigem Einvernehmen unser heutiges Terrassentreffen verschoben. Das fühlt sich an wie gefrierende Nässe … Erstmal aufwärmen in der heißen Badewanne!

Heute ist Donnerstag, der 13. Mai

Liebe Dani, das soll dir ein bisschen von dem geben, was drauf steht: Kraft und Trost – das hoffe ich sehr! Grüße von Herzen an Dich, Deine Nita

Das hab ich auf die Karte mit Leuchtturm geschrieben und dazu das Buch „Ab jetzt ist alles anders – Ein Kraft- und Trostbuch“ schön eingepackt. In die Seite mit dem Spruch Die Hoffnung ist der Krankheit stärkster Feind hab ich ein Engelbild gelegt.

Ich weiß nicht, ob Gott grade ein- oder ausatmet oder ob er überhaupt noch Atem hat. Ich glaub, ihm ist die Puste ausgegangen vor seiner eigenen Schöpfung.

Mittwoch, 12. Mai

Das ist jetzt ein richtiges schönes Mehrgeneratioen-Wohnen in Bandelstorf vor den Toren Rostocks bei Heidi und Horst. Am Wochenende ist noch ein neues Mieterpaar dazugekommen, in der großen Wohnung auf dem Grundstück: Kristin und Andreas, 35 und 28, Robert, in der Wohnung neben mir, 35, und dann die reifen Jahrgänge Horst, Heidi und ich in der Altersfolge, Jonte ist der Jüngste, wenn er da ist, mit fast 2, und ihr Enkel Karl ist 7, wohnt im Dorf und ist auch oft bei Oma und Opa.

Wir fühlen uns alle sehr wohl da, mit den Tieren – Katzen, Enten, Hühner, Tauben und sogar einem Bussard in der Voliere – und in dem wundervollen, weiträumigen Garten, der Rückzugsplätze für jeden einzelnen aber auch viele Sitzecken und Terrassenplätze für alle hat, Sandkasten, Teich, Strandkorb, Hollywood-Schaukel, Grillplatz, Spielzeug, Pavillon, Tischtennis-Platte, und, und, und … Jonte ist da rumgesprungen wie ein kleiner Ziegenbock, als wenn das alles seins ist, und er war ganz aus dem Häuschen als Tamina und ihre Mutter ihn Sonntag bei mir abgeholt haben.

Michael ist mit dem Rennrad hingekommen und hat dann noch eine größere Tour gemacht. Ich hatte sie eingeladen zum Kaffeetrinken im Garten und hab gedacht, dann lernt seine andere Oma auch mal seinen schönen Auszeit-Ort auf dem Dorf kennen. Das war wie eine Präsentation! Erst hatte Tamina Befürchtungen – zu viele Haushalte. Ach gar nicht, die sind alle ausgeflogen, wir sind ganz alleine hier, hab ich gesagt. Die neuen Mieter haben Möbel über ebay-Kleinanzeigen abgeholt und Heidi und Horst waren den Dauercampingplatz in der Wismarschen Bucht frühlingsfrisch updaten, den aber nur Heidi alleine nutzt, Horst bleibt tu hus und fährt nur einmal zu Saisonbeginn und -ende mit zum Helfen.

Jedenfalls war das der schönste Muttertag aller Zeiten für mich! Im Dorf am Gutshaus und der Bauernhof-Pension sind auch noch zwei schöne Spielplätze, einer davon eine richtige Kraterlandschaft von Kieshaufen mit Spielzeug, Baggern, Kippern und allem drum und dran, daneben Ziegen, Kühe, Kälbchen, Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel und noch ein Wohnwagen als Spielhaus. Alles, was das Herz begehrt. Da stand auch ein kleiner Trecker mit Anhänger – genau für Jontes Größe. Da wollte er nicht mehr runter, die Sonne knallte aber und so haben wir ihn gewaltsam davon getrennt. AUTOOOOO!, schrie er nur noch – ich bin immer sehr beeindruckt von seinen Wutanfällen! Bei ihm ist übrigens alles AUTO, was einen Motor hat, ob Trecker, Anhänger oder sogar Rasenmäher – alles AUTO. Außer Staubsauger, da schmeißt er sich auf den Boden und hält sich die Ohren zu. Das kann ich verstehen, das würde ich auch am liebsten machen …

Dienstag, 11. Mai

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch am Dienstag:

Einem ruhigen Geist ergibt sich das ganze Universum. Tschuang-tse

Um 15 Uhr zurück, wie beim vorigen Mal. Ich bin an leuchtend gelben Rapsfeldern und Butterblumen-Wiesen vorbeigefahren. Und jetzt grünt auch alles …

Als ich in die Küche kam, stand, stand da ein angewelkter Nudelrest mit zwei schrammligen Gewürgurken drauf – in meiner schönen Vapiano-Pasta-Schale. Von Birgit. Von solchen Stilleben bin ich kein Freund, wahrlich nicht!

Bist du morgen auch in Lexow?, hat Nicole gerade per SMS gefragt – sie ist die letzte, die noch SMS schickt. Nicht, dass ich wüsste, hab ich geantwortet, was ist der Grund? Doch nicht etwa Saisoneröffnung. Auf Guti-Gutshaus bin ich mental gar nicht eingestellt, das hab ich schon abgehakt für dieses Jahr. Auch, wenn flexibel und munter bleiben mein Motto ist und sich irgendwie den Gegebenheiten anpassen, ohne sich zu verbiegen. Ich werd erstmal Carmen Sternchen fragen, ob sie auch eingeladen ist. Sie kommt am Freitag, darauf freu ich mich schon – lebensfroh, unbeschwert und heiter – das steckt an und tut gut!

Geld, Glück, Gesundheit – ich bin bei allem bei 8 – von 10. Das fiel mir eben so ein. Das war schon mal tiefer, höher war es noch nicht. Gute Entwicklung …

Sonnabend, 8. Mai

Mein Sonnabend sieht jetzt immer so aus, dass ich vegan einkaufe und koche, Sachen packe und mich auf meinen kleinen Schatz freue …

Über dem Stuhl hängt sein We are the future T-Shirt von mir, kleine Jeans-Leggings und Söckchen, die ich mitgenommen hatte zum Waschen. Wenn ich in mein Zimmer komme bei Heidi und Horst, freu ich mich über seine kleinen Schuhe, die an der Tür stehen.

Gebackener Basmati-Reis mit Paprika wird es diesmal – hab ich in Vegan Taste Week im E-Mail-Eingang gefunden. Heute ist Grüner Markt unten bei Bilderbuch-Wetter. Endlich wieder Leute auf dem Markt, Stände und Gespräche! Ich hab mich für 5 verschiedene Blumen für die Terrasse entschieden – Schwarzäugige Susanne, verträgt volle Sonne und soll mein Geländer beranken, eine Verbene, Eisenkraut, lila-weiß, eine dreifarbige Million-Bells-Petunie und ebenso eine in liebesrot, meine Wortschöpfung. Dann noch eine schöne kräftigrote Margerite – die auch an die Magie der Liebe erinnert. Das will ich mir bewahren – den Glauben daran …

Für Jonte hab ich auch schön eingekauft bei EDK, 2 x 0,5 l Hipp-Babysaft, Weihenstephan Erdbeer-Mascarpone-Joghurt, Dr. Oetker-Löffelglück-Grießpudding, Eiersalat – ha!, schmeckt ihm, Bio-Bananen, Mittag gibt’s das vegane, schmeckt ihm hoffentlich! Alles mit Liebe ausgesucht und zubereitet.

Das Essen ist eine vegane rot-grüne Koalition, auch meine Wortschöpfung – rote Paprika und Lauchzwiebeln.

Donnerstag, 6. Mai

Gestern hat ein Sturm getost, als sollte die göttliche Ordnung neu erschaffen werden – das ging bis in die Nacht hinein und heute weiter, nur abgeschwächt und mit dem Unterschied, dass die Sonne scheint.

Jetzt haben wir hier zwei Haushalte in einem und diesmal bin mit wir nicht ich gemeint, sondern Birgit und ich. Es ist zwar eine Umstellung, an die ich mich aber gewöhnen kann. Das Schönste daran ist, dass die Zeit des Alleinewohnens vorbei ist, auch wenn sie nicht immer hier ist, denn ihr Hauptwohnsitz ist ihr Pilgrim Wohnwagen. Aber sie kommt fast jeden Tag, heute haben wir zusammen Mittag gegessen und morgen auch.

Dazu hab ich dann noch meine Wochenenden in Rostock und Bandelstorf mit Jonti, Heidi und Horst – und ich seh auch Martina öfter und Silvia und Detlef.

Morgens mit Kaffee im Strandkorb im Garten denk ich an Jonte – dass er da war oder kommt – streif kurz Maik und wünsch Andrea immer einen schönen Tag in Gedanken, meiner Tochter, die sich zurückgezogen hat.

Und über den Mai, der immer mein schönster Monat war, denk ich, er ist unvollkommen ohne k, obwohl im Garten die Blumen blühen und die Vögel zwitschern …

Ich bin jetzt nicht im Garten, sondern am Kirchturm in Waren. Der Sonnenuntergang über dem Markt ist traumhaft.

Die Welt ist im Wandel, Altes sitzt noch in der Ecke, und von mir aus kann es da noch sitzen bleiben, so lange, wie es ihm bei mir gefällt.

Mittwoch, 5. Mai

Neuer Wochen-Gelassenheitsspruch Mitte der Woche:

Tu, was du kannst, mit dem, was du hast, und dort, wo du bist. Theodore Roosevelt

Na, ist schon klar …

Heute hatten wir was, was wir lange nicht hatten: Verkehrsspaß im Doppelpack – So, wie mich Rostock verabschiedet hat, hat mich Waren begrüßt. In der Parkwüste Blücherstraße ein Knöllchen für Parken außerhalb der gekennzeichneten Flächen, 10,00 €, kurz vor Waren ein Blitzer, 75 bei 70. Ist einzeln nicht so dramatisch, reicht zusammen aber aus, um mich zu fragen: Warum das? Darauf hab ich erstmal das Stück Doppelstock-Sahne-Mandarinen-Torte gegessen, das mir Heidi mit auf den Weg gegeben hat. Horst hat heute Geburtstag – am 5. 5. – da hatte meine Mutter auch.

Wetter: Weltuntergang

Doch weder das noch die Ahndung der Verkehrssünden konnten mir die Friseurbehandlung vermiesen, selbst nicht bei 15 Minuten Fußweg in Sturm und Regen vom Wasserturm bis zum Steintor.

Mit wir bin natürlich nur ich gemeint oder allenfalls noch mein ständiger unsichtbarer Begleiter.

Ich hör mein Glockenläuten wieder … 18 Uhr.

Beim Friseur hat die zweite Kundin, die im Laden war, die Missstände beklagt und dann gesagt: Aber wir können die Welt nicht retten. Ich hab erst nichts gesagt und dann: Nein, aber wir können Zuversicht verbreiten …

Heute ist Sonnabend, der 1. Mai

Zu wünschen fiel mir gar nichts ein – nur allgemein, dass alles gut wird …

Dieser Absatz war für die Nacht gedacht, das Tageslicht hat ihn gelöscht.

Das hat Birgit heute in der WhatsApp-Gruppe geschrieben:

Guten Morgen Yvonne, guten Morgen Ihr alle! Danke für die lieben Wünsche! Der Sonnenstrahl ist angekommen – in der großen herzlichen Gemeinschaft, die sich gestern hier auf dem heiligen Berg zusammengefunden hat. Kinderlachen und Kartoffelsalat, Schulgedanken und keine Schuldgefühle, Feuerschein und Lebendigsein … und viele gute Gespräche, die uns einander näherbrachten. Die Schulvertreter aus Peckatel waren auch dabei – und die Geister des heiligen Berges mit uns. Ich danke Euch allen für diesen wundervollen Nachmittag-Abend! Bis bald!

Ja, das war ein wirklich wundervoller Tag! Wir haben Chants gesungen und zusammen einen feuerroten Sonnenball-Untergang bewundert. Magisch!

Um 3 war ich im Bett und als ich zum zweiten Mal aufgewacht bin, war es zehn nach zwölf. Jetzt hab ich auf die Schnelle gekocht, für Tamina und Michael und Spaghetti TS für Jonti und mich morgen. Lars hat mir ein 650 Gramm-Stück Käse gegeben, ich hatte nicht mehr dran gedacht, dass heute Feiertag ist. Das hab ich dir doch gesagt! Ja, aber zu früh, das war mir entfallen. Er hat 6 kg im Kühlschrank, sagt er.

Für morgen hab ich auch schon ein schönes Programm. Silvia und Detlef wollten zum Kaffee kommen, hatten dann aber die Idee, dass wir nach Gelbensande, das ist in der Rostocker Heide, fahren – zu Meiers Hausstelle für Kaffee und Kuchen to go und einen Waldspaziergang. Das wird uns Jonti gefallen!

Noch Sachen packen und auf die Landstraße. Wann ich zurückkomme, weiß ich noch nicht, Mittwoch oder Donnerstag …

Freitag, 30. April

Mit Schlag 10 bin ich zur Haustür rein – also eben gerade – nicht, weil da alle im Nest sein müssen, sondern weil ich um halb 10 beim Walpurgisnacht-Feuer bei Birgit auf dem heiligen Berg gedacht hab, jetzt ist Zeit nach Hause zu fahren. Birgit war auch müde und ist gegangen und da hab ich mich angeschlossen. Das war eine schöne gleichgesinnte Runde, in der alle auf die Irrsins-Regelungen pfeifen. Wir haben noch das Salbei-Verbrennungsritual mitgemacht und haben uns dann verabschiedet. Ich hab den Salbei – frisch aus Heidruns Garten – auch nach altem Brauch dem Feuer übergeben und gedacht, ich wünsch mir was … ich hab das andächtig gemacht, doch zu wünschen fiel mir gar nichts ein.