Heute ist Donnerstag, der 11. Januar

Manchmal gipfelt meine Gelassenheit darin, dass ich mein gutes altes 12er-Ess-Service aus dem Schrank holen, auf den Küchenfußboden knallen und in 10000 Scherben zerspringen lassen würde. Da könnte er mal erleben, was Feuer-Wasser ist. Gestern war definitiv so ein Tag. Ich hab’s nicht getan, aber gut zu wissen, dass ich’s könnte. Dicke Nebelsuppe. Regen, Kalt, Sturm kann ich noch kompensieren – aber Das ist tödlich für alle Beteiligten …

Ich hab ihn mit ins Neue Jahr genommen. Das war nicht beabsichtigt. Ich wollte ihn da lassen, wo er ist. Am 6. Januar, Heilige Drei Könige, hab ich ihm geschrieben. Nach mehreren Aufforderungen, schick ihm was Nettes zum Neuen Jahr! Zu jeder hab ich Nein gesagt. – Tu es! – Warum?, er tut’s auch nicht.  – Du vergibst dir nichts dabei. – Ich werd nicht immer dasselbe machen, mit dem immer selben Ergebnis. – Es ist nur eine freundliche Geste, mach es einfach! – Na gut, er antwortet sowieso nicht. – So kam es dazu. Dazu fallen mir die Worte meiner Hexenklasse-Lehrerin ein: Du musst ihn an die Hand nehmen! – Wer will schon einen Mann an die Hand nehmen? Wie ein Kleinkind. Manchmal komm ich mir wie seine „Betreuerin“ vor.

Alles Liebe in diesem Jahr – hab ich geschrieben. Das hielt ich für vertretbar. Es drückt das Motto des Venus-Jahres aus. Das hab ich nicht dazu geschrieben. Alles Liebe heißt soviel wie Alles ist Liebe …

Heute ist Mittwoch, der 10. Januar

Ich hab hier ein flauschig weiches Nest – warm und behaglich – in dem ich es mir gut gehen lassen kann. Er kann nur in Erinnerungen baden. Ich denk, sie tun ihm gut, und ich bin froh, dass er sie hat. Ich glaub, viel, was das Herz begehrt, hat er da sonst nicht. Wir haben beide was angefangen, dessen Ausmaß wir damals nicht absehen konnten. Er nicht und ich auch nicht. Und warum? Wir waren beide am Verdursten in unseren Ehen. Aus der Quelle kam kein Wasser mehr. Das war schon lange versiegt. Dann haben wir vom Wasser des Lebens getrunken …

Manuel sagt, wenn ich da so rein spüre – er spürt immer in alles rein – dann fühle ich, es hat sich wieder was geöffnet zwischen euch. Weil er geantwortet hat? Nein, das sieht nur so aus. Was er schreibt, ist – wie sonst sein Schweigen – nur seine andere Form, nichts zu sagen. Manuel sieht das nicht, aber ich.

Was mir gut tut, ist Blog schreiben, meine Freunde, meine Familie, mein Vertrauen … Um 9 treff ich mich mit meiner lieben Carmen beim Bäcker, um das Neue Jahr zu begrüßen. Sie fährt heute in ihre hessische Heimat zu ihrer Mutter, und da wir uns in diesem Jahr noch nicht gesehen haben, treffen wir uns auf ein Käffchen. Das sind liebenswürdige Kleinigkeiten und Gesten, die das Leben schöner machen …

Heute ist Dienstag, der 9. Januar

Was anderes kann ich bei ihm nicht bedienen als die Eros-Schiene. Darauf hat er mich fest-genagelt. Das ist ein bedingter Reflex zu dem, was wir hatten. Er schreibt wie immer, beim dritten Mal: Liegst du noch im Bett? – Ja, mit Erkältung, schon seit 3 Wochen. – Gute Besserung, Zäpfchen wären ne Alternative. – Und tatsächlich spür ich abends sein „Zäpfchen“ – wie er es mir einführt. Bei mir ist es genauso ein bedingter Reflex. Diesmal schreibt er: Ich denke noch oft an dich. Sonst war es ab und zu oder hin und wieder. Aber egal, wie die Denk-Intervalle sind, es ist nur Denken. Wenn das mein Leben mit ihm sein soll, ich weiß ja nicht …

Meine Nachbarin von unten war zum Kaffee hier und sagt, es ist was passiert. Sie erzählt mir, dass ihre Freundin, 74, Parkinson, kurz vor dem ersten Todestag ihres Mannes ihrem Leben ein Ende gemacht hat. Ich kam grad von draußen rein und wärm mich an der Heizung, als sie sagt, sie ist ins Wasser gegangen, und mich fröstelts schon bei dem Gedanken. „Würdest Du ins Wasser gehen?“, frag ich sie. – „Ja, aber nicht in so eiskaltes.“ Da musst ich lachen – wenn schon, Badetemperatur.

Die Frühlings-Vorfreude hat nur einen Tag gewährt. An dem Tag, als wir uns geschrieben haben. Ob es damit zusammenhängt? Gleich am nächsten Tag ist herrlicher Winter, herrlich, aber eis-kalt …

Heute ist Montag, der 8. Januar

Meine 365 Tage Gelassenheit – das ist ein Wochenkalender. Darum gibt’s immer montags einen neuen Spruch. Heute: In uns selbst liegen die Sterne unseres Glücks. Heinrich Heine

Immer montags kommt auch mein gratis Liebeshoroskop online. Zu Erotik sagt es für diese Woche: „Ohne große Erklärungen wissen Sie, was Ihren Liebsten in Stimmung bringt. Ob Sie darauf allerdings Lust haben, ist nicht immer sichergestellt. Nun gilt es, vor allem auf Ihr Bauchgefühl zu achten und die eigenen Bedürfnisse umzusetzen.“ Das passt gut diesmal. Nach einem kurzen Wortwechsel mit ihm am Wochenende – Wortwechsel heißt bei uns SMS – geht bei ihm immer ein Knopf an, ohne, dass ich ihn drück. Dass muss er so verinnerlicht haben – dass Erotik und ich Eins bei ihm sind. Manuel sagt dazu: Du warst sein ANFANG, um sich aus seinem unbefriedigenden Ehe-Sex-Leben zu lösen … Schon bei der dritten SMS lese ich erotische Anspielungen. Als ich so tue, als ob ich es nicht verstanden habe, erklärt er, wie er es gemeint hat. – „Ich weiß schon, was du meinst.“ Als ich dann was vom wunderschönen Frühlingstag geschrieben hab, verließen sie ihn. Wetter ist nicht so sein Thema. Während ich früher darüber die Augen verdreht hätte, ist es jetzt mehr amüsant. So Ist Er – und ich muss im Stillen darüber lächeln …

Statt Arzt-Termin – war zu voll in der Anmeldung – bin ich lieber zum Frisör gegangen!

 

Heute ist Sonntag, der 7. Januar

Als Manuel Silvester herkam, hab ich ihm erzählt, ich hab mir zum Jahresende alle gespeicherten SMS von Maik nochmal durchgelesen und alle seine Fotos und Videos nochmal angesehen. – Und welches Resümee hast du gezogen? – Gar keins. Ich hab nicht resümiert, ich hab sie mir nur angesehen …

Neujahr hab ich eine Göttinnen-Karte als Begleitung für das beginnende Jahr gezogen: Tao – Meisterin des Lebens. Das Orakel der Göttin enthält 33 Karten. Tao ist die einzige, auf der das Yin-Yang-Symbol abgebildet ist. Ich weiß, wo es noch drauf ist – Maik trägt es auf seinem Oberarm durch die Gegend. Das ist wieder ein kleiner, aber feiner Zufall, finde ich.

Die erste Kalenderwoche ist schon fast um. Es gab schon Zuwachs in diesem Jahr: 33 Euro mehr auf dem Konto monatlich aufgrund der Anpassung von Besoldungs- und Beamtenversorgungsbezügen. Was für ein Wort! Die letzte war im September mit 20 Eus. Macht zusammen einen Schein mehr. Meine liebste Carmen rechnet das immer gleich in Weinflaschen um. Ich find das witzig. Ihre Ursprungsfamilie waren Gastronomen. Und wir schätzen beide einen guten Tropfen und nutzen oft die Gelegenheit für geselligen Umtrunk. Das macht Spaß mit ihr und ihrem hessisch-fröhlichen Naturell. – Und dann noch: 1 Follower mehr im Blog … Das ist übrigens eine gute Methode, um alle zu erreichen – wie ein Newsletter.

So, jetzt ein schöner Sonntagsspaziergang – an dem einen See hin, am anderen zurück …

Heute ist Sonnabend, der 6. Januar

Wer einen Schriftsteller fragt, was er von Kritikern hält, könnte genauso gut eine Straßenlaterne fragen, wie sie über Hunde denkt. Christopher Hampton, englischer Drehbuchautor. Das als Ergänzung zu gestern.
Morgenkaffee auf Terrasse und ein Frühlingshauch-Gefühl. Ich bin froh und dankbar für jeden Augenblick, der trocken ist. Ich kann mich nicht entsinnen, wann es mal nicht kalt, stürmisch und verregnet war. Seit 3 Wochen jedenfalls nicht und genauso lange bin ich schon erkältet. Meine Stimme ist fast ganz weg. Mir hat’s die Sprache verschlagen.
Neulich hab ich zu Dualseelen-Thematik wieder was gelesen, nicht zum ersten Mal: Mit deiner DS klappt es nicht? Und deshalb suchst du jemand anders? Frage dich: Warum brauchst du überhaupt jemanden und was suchst du in ihm? Was soll er dir geben, was du dir nicht geben kannst? Ist ja so weit klar. Trotzdem kann ich es nicht mehr hören. Wozu sind überhaupt Menschen zusammen, wenn sie alleine genauso glücklich sind wie zu zweit? Bis auf den minimalen Prozentsatz, der zum Eremiten geboren ist, glaubt wohl jeder, dass 2 doppeltes Glück bedeutet und strebt es an. Nach meinen beiden Ehemännern, die ich über Annonce akquiriert hab – das war damals so wie heute Dating-Portal – hab ich gesagt, nochmal nicht auf diesem Weg!
Maik ist auch „aus der Zeitung“ … Wenn Danke das letzte Wort von ihm ist, dann ist das ein schönes Schlusswort.

Heute ist Freitag, der 5. Januar

Essen, Trinken, Schlafen, Spazierengehen – viel mehr mach ich nicht und hab auch nicht das Gefühl, mehr machen zu müssen. Manchmal reicht meine Liebe nur für mich, nicht für uns beide. Jetzt ist das so. Unsere Ellipsen haben sich gekreuzt und entfernen sich wieder voneinander. Ihr Schnittpunkt wäre die Chance gewesen … Ich mach Hier nichts mehr, weil – was ich tun sollte, hab ich getan. Nichts, außer die Zeit so angenehm wie möglich zu verbringen. Winterschlaf und Ausruhen.

Einen Vorteil hat Blog schreiben: Hier bin ich unbefangen. Ihm hätte ich bestimmt nicht den Vergleich mit dem Sonnenschirm geschrieben. War auch nur, weil der da auch so rum steht, ohne, dass ich was mit ihm anfangen kann. Es ist nämlich zu windig auf meiner schönen Dachterrasse. Ich hab den Ständer schon mit 2 großen Hühnergöttern von Kap Arkona belastet und das Ding zusätzlich mit Drahtseilen verankert. Hilft all‘ nichts. Ja, und was kann ich mit Maik anfangen ? Siehste, daher der Vergleich.

Zu meinem Eintrag gestern hat einer meiner fb-„Freunde“ geschrieben: Hochwertige Literatur! Tja, Manuels deftige Ausdrucksweise, die ich zitiert hab, geb ich auch im O-Ton wieder. Der sagt nun mal Arsch und nicht Gesäß. Aber der Kritiker meint eher das Thema überhaupt. Muss er ja nicht lesen. Statt Rechtfertigung – z. B. Trivial-Literatur muss es auch geben – Antwort: „Wusst‘ ich, dass ich dir damit ’ne Freude mach!“

Heute ist Donnerstag, der 4. Januar

Ich geh jetzt wieder jeden Tag einmal an mein Kleines Meer. Das hab ich, als ich hergezogen bin, regelmäßig gemacht. Dann ist es irgendwann eingeschlafen. Jetzt gehört es wieder zu meinem Tages-Ritual. Ich hab’s nur 2 Minuten bis zum Wasser …

Mein Fühler-Ausstrecken bezüglich Nebenjob war wieder negativ. Die Teilzeitstelle als Cafeteria-Mitarbeiterin in der hiesigen Psychosomatik-Klinik umfasst 30 Wochenstunden. Zuviel für mein Nebeneinkunft-Limit. Bin ich auch ganz froh drüber, denn eigentlich will ich da gar nicht hin. Also heißt es, weiter auf guti Gutshaus warten, bis die Saison beginnt. In der Zwischenzeit tut Ausruhen auch ganz gut. Viel los ist hier wirklich nicht, im Winter. Doch so kann ich im Rhythmus der Jahreszeiten leben und Winter heißt nun mal Ruhephase. Dafür ist es im Sommer dann um so turbulenter. Jetzt schreib ich zum Beispiel Blog und lass dabei Arko-Pralinen im Mund zergehen …

„Das kannst du vergessen“, hat Manuel, als er hier war, gesagt, „dass der seinen Arsch da nochmal weg bewegt. Der bleibt da.“ – „Das hab ich schon vergessen.“ – Merkwürdig, was ich immer als Bild vor mir gesehen hab, dass wir zusammen leben, ist kein Thema mehr. Es mag an der Zeit liegen, die vergangen ist, oder daran, dass er mich nur abgewiesen hat. Oder an beidem … Er ist zwar weiterhin gegenwärtig bei mir, aber so, wie es auch der Sonnenschirm auf der Terrasse ist.

Heute ist Mittwoch, der 3. Januar

Gestern spätabends ist mir eingefallen, dass heute Müllabfuhr ist und ich den Gelben Sack noch runterbringen muss. Als ich um die Ecke bog, kam ein Auto auf mich zugefahren. Hier ist abends wenig bis kein Verkehr mehr, weil die Geschäfte zu haben. Und wenn, fahren hier – regional bedingt – nur MÜR-en Autos, HRO-s und andere sind eher selten. Und der späte Fahrer hatte was auf seinem Kennzeichen? HRO-HO 22 – in HRO ist Maik und 22 ist DS-Zahl wie Dualseelen. Wär jetzt auch nicht so außergewöhnlich, wenn ich nicht vorher gerade gedacht hätte: Ich wünsch mir, dass noch jemand kommt. Einer, der ein heiles Herz hat und Liebe auch erwidern kann. Und da stoß ich gerade mit dem zusammen … Wenn nun was passiert wär in der Richtung – ich war heute in HRO – aber natürlich nicht, wie auch? Wir haben keinen Kontakt. Was sollen also alle diese „Zeichen“?

Jedenfalls – ich bin im Regen hingefahren und ich bin im Regen zurückgefahren – aber als ich da war, schien die Sonne! Bei Manja Nageltante war es wie immer schön und diesmal hat sie mir einen Schwan auf den linken Ring-Finger-Nagel gezaubert. Und ein schönes Eis-Rosa als Farbe. Danach noch zu meiner lieben Freundin Martina. Da ist es sowieso auch immer schön. Als ich zuhause war, kam ein Anruf von Manuel … 5 M & Ms in HRO – Manja, Martina, Manuel, Michael, Maik – HO-HO …

Heute ist Dienstag, der 2. Januar

Tag 2 von 365 – noch ist alles ruhig und verhalten. Noch ist die Zeit zwischen den Jahren. Erst nach dem Dreikönigstag am 6. Januar fängt das Jahr richtig an. Manuel ist noch hier und fährt erst am späten Nachmittag. Lust hat er überhaupt keine, würde am liebsten hier bleiben. Das glaub ich. Ich finde es auch schön, wenn er hier ist. Es ist ruhig und entspannt mit uns – wie immer. Heute haben wir bis mittags geschlafen. Gestern Abend hat er mich gefragt, was ich Maik jetzt sagen würde. – Gar nichts, ich hab ihm schon alles gesagt. – Dann würdest du jetzt nicht so husten, wenn das so wäre. Also, was würdest du ihm sagen? – „Du Blödmann …“, würde ich sagen.

Morgen habe ich Nagel-Tante-Termin in HRO. Und da hab ich keine Lust hinzufahren. Einmal wegen krank und zweitens wegen – keine Ambitionen. Dahin zu fahren, wo mal was war, was nicht mehr ist. In unserer Silvester-Runde haben die anderen beiden Manuel gefragt, was er beruflich macht. – „Ich mach dasselbe wie Maik.“ – Ich erkläre: Den kennen die beiden nicht …“ – „Nur vom Hörensagen“, erwidert der Mann meiner Freundin. Als Manuel ankam, hat er gefragt: „Wo er wohl Silvester feiert?“ – „Irgendwo …“ Es ist mir gleichgültig, wenn es nicht Hier ist.

Ich ruh mich weiter aus und schlaf mich gesund. Erkältung löst sich langsam. Mit Manuel war es schön – wir verstehen uns.