Heute ist Mittwoch, der 22. November

22. 11. – Das ist ein schönes Datum – für ein großes oder kleines Wunder. Aber vielleicht wars das mit Wunder und das mit Maik soll mir fürs ganze Leben reichen …

In meiner Nachbarschaft spielt sich die gleiche Geschichte ab, nur mit anderen Vorzeichen: 1 Frau – 2 Männer. Was mir da vor Augen geführt wird, ist das, was ich mit meinen blinden Flecken bei mir nicht gesehen habe. Das geht da seit 2 Jahren – bei mir seit 11. In dem, was sie mit den beiden Männern veranstaltet und wie sie versucht, beide zu haben, sehe ich das jahrelange Verhalten von Maik. Wenn sie mir sagt: Ich liebe sie ja beide, dreht sich mir der Magen um. Wer so spielt, müsste beide verlieren nach meinem Empfinden, habe ich Maik geschrieben.

Heute hat ihr „Zweitmann“, der, den sie ja auch liebt, Geburtstag und obwohl  grad Schluss mit ihm ist und sie wieder mit Nr. 1 zusammen ist, ist sie gestern Abend losgestiefelt, um ihm sein Geschenk zu bringen, schön in Schmetterlingspapier mit Schleife verpackt. Das eigentliche Geburtstagsgeschenk hat sie ihm schon am Tag beim Bäcker überbracht, wo sie sich immer treffen: Die Mitteilung, dass sie was erwartet – von dem anderen. Seine Reaktion darauf, fand sie völlig unpassend – und wollte von mir noch die Bestätigung, dass ich auf ihrer Seite bin.

Nein, allein das Geburtstagskind hat mein ganzes Mitgefühl – Viel Glück, alles Gute!

Heute ist Dienstag, der 21. November

Noch 10 Tage – Wenn ich November überstanden habe, leb ich wieder ein Jahr länger!

Dezember ist mir schon deshalb lieber, weil er November ablöst. Kurze Tage, lange Nächte. Um 4 wirds dunkel. Ich weiß, man soll in den tiefen See der Seele tauchen in der Zeit, aber wie schön ist doch der Sommer dagegen, wo man an der Oberfläche schwimmt. Die sogenannten Feiertage sind Allerheiligen und Allerseelen, Buß-und-Bettag, Totensonntag oder Ewigkeitssonntag. Das sind nur Jenseits-„Feiertage“, und das verteilt auf 30 Tage! Ich schwimm das ganze Jahr im See der Seele – aber Das ist mir  too much. Overmuch. Ich wunder mich über jeden Morgen, an dem ich wieder aufwach und feststell, dass das Glockenläuten von meinem Kirchturm gegenüber kommt. Wie freu ich mich da auf Dezember mit Advent und Nikolaus, Weihnachtsfeiern und Familien-Weihnacht, Winter-Sonnenwende und bald darauf Silvester! Ja, Silvester – auch nicht mehr lange hin. Diesjahr das dritte Jahr mit Freunden Karten für das Submarine. Einzige Abwandlung: Diesmal kommt Manuel noch mit. Ich hatte erst geschwankt, mich darauf festzulegen. Spannend ist das nicht und Überraschung ausgeschlossen. Wie zwei alte Ehepaare, die den Jahreswechsel seit hundert Jahren so begehen und es auch die nächsten hundert so vorhaben: The same procedure as every year … Dinner for four

Meine Tochter macht mir heute noch den Vorwurf, dass sie Geburtstag im November hat. Na, damit bist du nicht alleine, Kind …

Heute ist Montag, der 20. November

GZSZ – in guten Zeiten hab ich mir vorgestellt, wie es ist, mit ihm zu leben – in schlechten Zeiten hab ich mich gefragt, wie es wohl sein würde, ohne ihn zu leben. Da bin ich jetzt mittendrin. Jeder Tag ist ein Ritual mit dem gleichen eintönigen, aber beruhigenden Ablauf – einlullend. Ich schreib ihm jetzt nicht. Es geht nicht – und es geht erstaunlich gut nicht. Es ist kein Impuls da, so wie sonst immer einer da war, ist jetzt keiner da. Und so, wie ich mich nicht gezwungen hab, ihm nicht zu schreiben, zwing ich mich jetzt nicht, ihm doch zu schreiben. Was auch?

Und wie fühl ich mich damit? Unbekümmert ist wohl der beste Ausdruck dafür. Ich hab die ganze Woche frei, keine Verpflichtungen und Termine. Erst nächsten Montag ein Vorstellungsgespräch – Gutshaus-Ersatz. Ich bin mit Sortieren und Aussortieren beschäftigt. Ordnung machen. Mit gut essen, gut trinken, gut schlafen – die Grundbedürfnisse erfüllen. Fast bei jedem Wetter Morgen-Kaffee auf Terrasse, auch jetzt noch – außer, wenn es stürmt und schneit. Weiterhin mit Schreiben – Hier – und Lesen, zur Zeit Tolstoi: Krieg und Frieden – die Urfassung, 1225 Seiten. Dafür brauch ich eine Weile. Im Anhang werden weitere Werke der russischen Weltliteratur, auch von Dostojewski, vorgestellt, in einer neuen Übersetzung von Swetlana Geier, unter anderem Verbrechen und Strafe. Wie bitte? Etwa Schuld und Sühne? Genau – ist denn das die Möglichkeit!

Heute ist Sonntag, der 19. November

Sollte ein anderer mal kein Lächeln mehr zur Verfügung haben, überlasse ihm eins von deinen, denn niemand braucht so sehr ein Lächeln wie der, der keins mehr übrig hat.

Was kann ich heute schreiben, um auf 222 Wörter zu kommen und mir gar keins einfällt, und vor allem – was zu ihm und mir? Deshalb fang ich mit dem Tagesspruch an – das sind schon mal 29. Seine Hausnummer, smiley. Jetzt sind es schon 66. Mein Nummernschild, smiley. Als ich den Spruch gelesen hab, fielen mir die Fotos ein, die er mir geschickt hat. In den ersten Jahren waren sie alle kopflos, das heißt, spätestens am Hals war er abgehackt, nur alles, was darunter lag. Aber die, die er mir in jüngster Zeit geschickt hat, haben einen Kopf und ein Gesicht, sein Gesicht. Und einen Gesichtsausdruck. Soll das ein Lächeln sein?, hab ich mich beim Betrachten gefragt. – „Da guckt er gegen die Sonne“ – einmal beim Paddeln und einmal bei Siesta auf Terrasse  – meinte Manuel. Ja trotzdem – es sieht aus, als würde er versuchen wollen zu lächeln und es nicht hinkriegen. Wie mit zusammengebissenen Zähnen. Vielleicht sollte es auch gar kein Lächeln sein, es sah aber so aus, als ob es eins sein oder werden sollte. Darüber musste ich lächeln. Und darüber, wie lange er dafür gebraucht hat. Jetzt noch 8:

Also – schenk ich ihm heute mein schönstes Sonntags-Lächeln …

Heute ist Sonnabend, der 18. November

Für Schreiben im Blog lass ich mich gern verführen, weil Schreiben mit Herz mein Lebenssinn ist. Für SMS an ihn ist mein Kontingent schon überzogen. Jetzt ist Schichtwechsel! Schickt ihm eine Fee, die seine Wünsche erfüllt, wenn es darum geht, dass Er zufriedengestellt werden soll. Sie muss auch nicht viel tun. Er hat nicht 3 Wünsche – nur Einen. Den hab Ich bis jetzt erfüllt. Er brauchte nur schweigen, damit ich umso mehr geschrieben hab. Meine Einsichten kommen spät, aber sie kommen …

Heute kommt Manuel wieder übers Wochenende. Er sagt jetzt immer, ich muss mal wieder zu uns kommen, er sagt nicht, ich muss mal wieder zu dir kommen. Als ich ihm von dem Einen-Versuch-bin-ich-Wert-Ich-Maik-Inserat erzählt hab, kommentiert er das mit „Was soll das, einen Mann für Freizeit? Der Mensch will bumsen!“ – „DU willst bumsen! Ich will mit dem Mann meines Herzens zusammen sein …“ Der Mensch will seine zweite Hälfte finden, seinen anderen Teil, und mit ihm leben. So sind unsere Zellen codiert. Es gibt nur welche, die das aus den unterschiedlichsten Gründen negieren. Das sind die mit Bindungs-Phobie. Manuel gehört auch dazu … Noch weitere Beispiele?

So reiht sich denn hier ein Tag an den anderen, wie Perlen auf einer Schnur. Das wird eine schöne Kette. Vorgestern hab ich gesehen, dass es 222 Wörter waren, die ich geschrieben habe. Das will ich so beibehalten …

 

 

 

Heute ist Freitag, der 17. November

Heute, kurz nach 7, weckt mich meine Nachbarin mit SMS. Sie hat Fieber – ob ich mal den Kleinen betreuen kann, wenns geht. Sie ist die Woche zuhause mit ihm, weil er krank ist. Er ist noch nicht mal 3 und hat schon chronische Bronchitis, mein kleiner Sonnenschein. Gestern früh klingelt er und bringt mir eine kleine Bienenwachskerze. Das läuft dann so ab:

Oooh, Guten Morgen, mein süßer Spatz! Das ist ja lieb von dir. Hast du gut geschlafen? – Jaaa – Hast du auch was Schönes geträumt? – Jaaa – Ja? Was denn? – Fische – Was für Fische? – Hecht – Hast du schon mal einen gesehen? – Jaaa – Ja? Wo denn? – …tze-um – aaah, im Müritzeum – jaaa. – Er ist so lieb und goldig und anhänglich, die helle Freude ist das. Oder er kommt und stellt mir sein neues Lichtschwert vor, das er mit gebanntem Blick auf mich gerichtet hält. Da war mein Sohn grad hier. Er musste grinsen. Ich bin ganz ernst geblieben und hab es ausreichend bewundert und mich angemessen gefürchtet. Oder ich sag, Du hast aber eine schöne Hose heute an – weiße Kord-Latzhose – Antwort: Bauarbeiter-Hose ! – Ich stell ihm den linken Träger, der ihm von der Schulter rutscht, auf passend – und er geht wieder … Wir leben Tür an Tür und haben kurze Wege zueinander. Es ist fast wie eine gemeinsame Wohnung, uns trennt nur 1 m Flur. Nein, uns trennt gar nichts …

Heute ist Donnerstag, der 16. November

Zugefroren ist der Teich im kalten Winter, doch ich weiß einen Wasserstreifen darin; nimmer wird ein Quell zu Eis. Heutige Kalenderweisheit

Das ist ein schöner Ort hier, an dem ich mit dem leben kann, so wie es ist. Kein Rückzugsort, eine Zufluchtsstätte. So, wie man sich in seiner geistigen Heimat geborgen fühlt, bin ich es hier in meiner – wie heißt das Gegenteil von geistig? – ja, irdischen Heimat. Hier bin ich geboren und aufgewachsen, sicher und vertraut. Ich hab ein Urvertrauen in meine Umgebung und in mein Bett, das Herz meiner Behausung. Diese Schwingung spüren alle, die zu mir kommen – deshalb fühlen sie sich ausnahmslos so wohl hier und wollen gar nicht wieder weg.

Hätt ich mich vor 6 Jahren, als ich hier hergekommen bin, nicht mehr gemeldet bei ihm, wär vielleicht schon … Gras darüber gewachsen? Das war der Sinn meines Umzugs, mein Sinn. Doch wie geführt von unsichtbarer Hand, hab ich ihm wieder geschrieben, nicht gleich, aber nach 4 Wochen, in dem Wissen, dass Er sich nicht gemeldet hätte. Ich war nicht immer im Einvernehmen damit, mich von dieser Hand führen zu lassen und das auszuführen, was mir eine Stimme sagt, die eine andere als meine ist. Doch Widerstand ist zwecklos. Und deshalb schreib ich auch. Gestern hab ich Blog bei WordPress.com – „Die leichtere Art zu bloggen!“ – um ein Jahr verlängert. Guten Morgen Maik …

Heute ist Mittwoch, der 15. November

Wenn ich sonst tabula rasa machen wollte, wurde ich mit Zeichen bombardiert. Jetzt, wo es mir wirklich ernst ist, kommt gar nichts mehr. Ich kann es mir nur so erklären, dass das Universum eingesehen hat, dass es Den Mann nicht bekehren kann. Das ist auch der Grund für mich, meinen eigenen Weg zu gehen. Natürlich kann ich mir hier ein schönes Leben „machen“, die Kunst ist nur, dabei den Weg nicht aus den Augen zu verlieren … Obwohl, das Universum sieht nichts ein, wir sind es, die zur Einsicht gebracht werden.

Wenn mir sowas einfällt, sag ich – Ja Danke, geb ich so weiter …

Heute ist Dienstag, der 14. November

Sunny side up or sunny side down?, fragen die Amerikaner, wenn sie wissen wollen, wie man sein Spiegelei haben möchte. Sunny side up! Das gilt bei mir nicht nur für das Gelbe vom Ei, sondern für Alles. Zu lange war sunny side down. Nur ich hab es mir nicht so bestellt, ich habs mir selber so gebraten. Die Einsicht nennt man Verantwortung übernehmen und nichts auf Ihn abzuschieben.

19:30 Uhr – Jetzt hör ich es wieder jeden Abend: Time to say Goodbye – unten vom Glühweinstand auf dem Markt. Das ist kein langer Abschied – Goodbye heißt da: Bis Morgen …