Montag, 17. Mai

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Drei Dinge helfen, die Mühseligkeiten des Lebens zu tragen: Die Hoffnung, der Schlaf und das Lachen. Immanuel Kant

Wär ich der Kalender, wär Schlaf fett und kursiv gedruckt, er ist mein Hauptheilmittel, die andern beiden sind nur beschränkt verfügbar, hauptsächlich in Verbindung mit Jonte.

Bei mir hilft noch ein viertes Ding – Lesen. Das war mir schon immer ein Trost, ein Vergnügen, meine liebste Beschäftigung.

Sonntag, 16. Mai

Bevor ich mich zu solchen Zeilen hinreißen lasse wie gestern, muss es schon arg arg sein. Die vorigen Tage waren kaum auszuhalten. Heute ist entspannter – bis halb 11 geschlafen, mit Martina telefoniert, Spiegeleier zum Frühstück um 12, noch eine Waschmaschine und Blumengießen nach dem Mondkalender und dann Radfahrt oder Spaziergang zum Schaugarten am Tiefwarensee oder gleich eine Runde um den See. Dienstag gehen die 10 Portaltage am Stück zu Ende, die Erleichterung deutet sich jetzt schon an. Ich fühl da immer den Unmut des ganzen kollektiven Bewusstseins, aus mir alleine kommt das nicht. Martina geht es genauso.

Eigentlich wollte ich Christa mal zum Terrassen-Kaffee einladen, doch im Moment ertrag ich nur meine eigene Gesellschaft.

Sonnabend, 15. Mai

Was gestern gefrierende Nässe war, ist heute eine geschlossene Schneedecke auf der Terrasse, allerdings aus Hagelkörnern. Ich hab grade vorher noch Blumen gepflanzt. Bis Mittag hab ich mich gequält, den ansonsten schönen neuen Terrassenboden zu schrubben – gequält ist das richtige Wort – da er aus Rillen besteht, hab ich Schmutz und Erde nur verschmiert. Bei Lars sieht es aus wie neu, aber der hat auch keine Pflanzen drauf auf seinem kleinen Teil – nur seine Hängeampel neben dem Geländer stehen mit 3 Erdbeerpflanzen-Leichen drin. Der Hagelschauer war dann der Spülgang zu meinem Hauptwaschgang – Die kalte Sophie am 15. Mai ist der letzte Tag der Eisheiligen.

Mir fallen Sachen ein nach dem Terrassen-Fiasko … Ich hab ihn mal gefragt, ob er mir einen Gefallen tun kann. Eine Freundin einer Freundin, die keine mehr ist, hatte ihr Ladekabel bei mir vergessen und er hätte es mitnehmen können, das wär schneller als mit der Post. Leichtes Stirnrunzeln … eh, du fährst daran vorbei und brauchst es nur in den Briefkasten zu stecken. Na, hat er dann gemacht. Wie komm ich drauf? Er wär hier zu nichts zu gebrauchen, hab ich gedacht, bei dem Deal, den wir hatten – außer, sich zu entblößen. Davon erledigen sich aber die praktischen Sachen nicht.

Heute hätte ich die Tür zuziehen und auswandern können. Bei Christa unten war die Küche überschwemmt, weil durch die Flut von meinem Dach ein Rohrbruch war.

Freitag, 14. Mai

Dieses Wochenende bleib ich am Kirchturm, das heißt, keine Rostock-Fahrt und veganes Essen kochen, was mir auch mal ganz gut tut. Tamina, Jonte und Michael sind in Schwerin, bei ihren Eltern. Dafür Schlafen, Ausruhen, Lesen, Badewanne, Blumen pflanzen. Und erstmal zu EDK, im Kühlschrank ist nur noch Licht. Gestern war Birgit hier und wir haben einen Film geguckt: Der grüne Planet – Besuch aus dem All. Das war auch schön. Vorhin hab ich mit Carmen Sternchen telefoniert und schön erzählt und wir haben in gegenseitigem Einvernehmen unser heutiges Terrassentreffen verschoben. Das fühlt sich an wie gefrierende Nässe … Erstmal aufwärmen in der heißen Badewanne!

Heute ist Donnerstag, der 13. Mai

Liebe Dani, das soll dir ein bisschen von dem geben, was drauf steht: Kraft und Trost – das hoffe ich sehr! Grüße von Herzen an Dich, Deine Nita

Das hab ich auf die Karte mit Leuchtturm geschrieben und dazu das Buch „Ab jetzt ist alles anders – Ein Kraft- und Trostbuch“ schön eingepackt. In die Seite mit dem Spruch Die Hoffnung ist der Krankheit stärkster Feind hab ich ein Engelbild gelegt.

Ich weiß nicht, ob Gott grade ein- oder ausatmet oder ob er überhaupt noch Atem hat. Ich glaub, ihm ist die Puste ausgegangen vor seiner eigenen Schöpfung.

Mittwoch, 12. Mai

Das ist jetzt ein richtiges schönes Mehrgeneratioen-Wohnen in Bandelstorf vor den Toren Rostocks bei Heidi und Horst. Am Wochenende ist noch ein neues Mieterpaar dazugekommen, in der großen Wohnung auf dem Grundstück: Kristin und Andreas, 35 und 28, Robert, in der Wohnung neben mir, 35, und dann die reifen Jahrgänge Horst, Heidi und ich in der Altersfolge, Jonte ist der Jüngste, wenn er da ist, mit fast 2, und ihr Enkel Karl ist 7, wohnt im Dorf und ist auch oft bei Oma und Opa.

Wir fühlen uns alle sehr wohl da, mit den Tieren – Katzen, Enten, Hühner, Tauben und sogar einem Bussard in der Voliere – und in dem wundervollen, weiträumigen Garten, der Rückzugsplätze für jeden einzelnen aber auch viele Sitzecken und Terrassenplätze für alle hat, Sandkasten, Teich, Strandkorb, Hollywood-Schaukel, Grillplatz, Spielzeug, Pavillon, Tischtennis-Platte, und, und, und … Jonte ist da rumgesprungen wie ein kleiner Ziegenbock, als wenn das alles seins ist, und er war ganz aus dem Häuschen als Tamina und ihre Mutter ihn Sonntag bei mir abgeholt haben.

Michael ist mit dem Rennrad hingekommen und hat dann noch eine größere Tour gemacht. Ich hatte sie eingeladen zum Kaffeetrinken im Garten und hab gedacht, dann lernt seine andere Oma auch mal seinen schönen Auszeit-Ort auf dem Dorf kennen. Das war wie eine Präsentation! Erst hatte Tamina Befürchtungen – zu viele Haushalte. Ach gar nicht, die sind alle ausgeflogen, wir sind ganz alleine hier, hab ich gesagt. Die neuen Mieter haben Möbel über ebay-Kleinanzeigen abgeholt und Heidi und Horst waren den Dauercampingplatz in der Wismarschen Bucht frühlingsfrisch updaten, den aber nur Heidi alleine nutzt, Horst bleibt tu hus und fährt nur einmal zu Saisonbeginn und -ende mit zum Helfen.

Jedenfalls war das der schönste Muttertag aller Zeiten für mich! Im Dorf am Gutshaus und der Bauernhof-Pension sind auch noch zwei schöne Spielplätze, einer davon eine richtige Kraterlandschaft von Kieshaufen mit Spielzeug, Baggern, Kippern und allem drum und dran, daneben Ziegen, Kühe, Kälbchen, Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel und noch ein Wohnwagen als Spielhaus. Alles, was das Herz begehrt. Da stand auch ein kleiner Trecker mit Anhänger – genau für Jontes Größe. Da wollte er nicht mehr runter, die Sonne knallte aber und so haben wir ihn gewaltsam davon getrennt. AUTOOOOO!, schrie er nur noch – ich bin immer sehr beeindruckt von seinen Wutanfällen! Bei ihm ist übrigens alles AUTO, was einen Motor hat, ob Trecker, Anhänger oder sogar Rasenmäher – alles AUTO. Außer Staubsauger, da schmeißt er sich auf den Boden und hält sich die Ohren zu. Das kann ich verstehen, das würde ich auch am liebsten machen …

Dienstag, 11. Mai

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch am Dienstag:

Einem ruhigen Geist ergibt sich das ganze Universum. Tschuang-tse

Um 15 Uhr zurück, wie beim vorigen Mal. Ich bin an leuchtend gelben Rapsfeldern und Butterblumen-Wiesen vorbeigefahren. Und jetzt grünt auch alles …

Als ich in die Küche kam, stand, stand da ein angewelkter Nudelrest mit zwei schrammligen Gewürgurken drauf – in meiner schönen Vapiano-Pasta-Schale. Von Birgit. Von solchen Stilleben bin ich kein Freund, wahrlich nicht!

Bist du morgen auch in Lexow?, hat Nicole gerade per SMS gefragt – sie ist die letzte, die noch SMS schickt. Nicht, dass ich wüsste, hab ich geantwortet, was ist der Grund? Doch nicht etwa Saisoneröffnung. Auf Guti-Gutshaus bin ich mental gar nicht eingestellt, das hab ich schon abgehakt für dieses Jahr. Auch, wenn flexibel und munter bleiben mein Motto ist und sich irgendwie den Gegebenheiten anpassen, ohne sich zu verbiegen. Ich werd erstmal Carmen Sternchen fragen, ob sie auch eingeladen ist. Sie kommt am Freitag, darauf freu ich mich schon – lebensfroh, unbeschwert und heiter – das steckt an und tut gut!

Geld, Glück, Gesundheit – ich bin bei allem bei 8 – von 10. Das fiel mir eben so ein. Das war schon mal tiefer, höher war es noch nicht. Gute Entwicklung …

Sonnabend, 8. Mai

Mein Sonnabend sieht jetzt immer so aus, dass ich vegan einkaufe und koche, Sachen packe und mich auf meinen kleinen Schatz freue …

Über dem Stuhl hängt sein We are the future T-Shirt von mir, kleine Jeans-Leggings und Söckchen, die ich mitgenommen hatte zum Waschen. Wenn ich in mein Zimmer komme bei Heidi und Horst, freu ich mich über seine kleinen Schuhe, die an der Tür stehen.

Gebackener Basmati-Reis mit Paprika wird es diesmal – hab ich in Vegan Taste Week im E-Mail-Eingang gefunden. Heute ist Grüner Markt unten bei Bilderbuch-Wetter. Endlich wieder Leute auf dem Markt, Stände und Gespräche! Ich hab mich für 5 verschiedene Blumen für die Terrasse entschieden – Schwarzäugige Susanne, verträgt volle Sonne und soll mein Geländer beranken, eine Verbene, Eisenkraut, lila-weiß, eine dreifarbige Million-Bells-Petunie und ebenso eine in liebesrot, meine Wortschöpfung. Dann noch eine schöne kräftigrote Margerite – die auch an die Magie der Liebe erinnert. Das will ich mir bewahren – den Glauben daran …

Für Jonte hab ich auch schön eingekauft bei EDK, 2 x 0,5 l Hipp-Babysaft, Weihenstephan Erdbeer-Mascarpone-Joghurt, Dr. Oetker-Löffelglück-Grießpudding, Eiersalat – ha!, schmeckt ihm, Bio-Bananen, Mittag gibt’s das vegane, schmeckt ihm hoffentlich! Alles mit Liebe ausgesucht und zubereitet.

Das Essen ist eine vegane rot-grüne Koalition, auch meine Wortschöpfung – rote Paprika und Lauchzwiebeln.

Donnerstag, 6. Mai

Gestern hat ein Sturm getost, als sollte die göttliche Ordnung neu erschaffen werden – das ging bis in die Nacht hinein und heute weiter, nur abgeschwächt und mit dem Unterschied, dass die Sonne scheint.

Jetzt haben wir hier zwei Haushalte in einem und diesmal bin mit wir nicht ich gemeint, sondern Birgit und ich. Es ist zwar eine Umstellung, an die ich mich aber gewöhnen kann. Das Schönste daran ist, dass die Zeit des Alleinewohnens vorbei ist, auch wenn sie nicht immer hier ist, denn ihr Hauptwohnsitz ist ihr Pilgrim Wohnwagen. Aber sie kommt fast jeden Tag, heute haben wir zusammen Mittag gegessen und morgen auch.

Dazu hab ich dann noch meine Wochenenden in Rostock und Bandelstorf mit Jonti, Heidi und Horst – und ich seh auch Martina öfter und Silvia und Detlef.

Morgens mit Kaffee im Strandkorb im Garten denk ich an Jonte – dass er da war oder kommt – streif kurz Maik und wünsch Andrea immer einen schönen Tag in Gedanken, meiner Tochter, die sich zurückgezogen hat.

Und über den Mai, der immer mein schönster Monat war, denk ich, er ist unvollkommen ohne k, obwohl im Garten die Blumen blühen und die Vögel zwitschern …

Ich bin jetzt nicht im Garten, sondern am Kirchturm in Waren. Der Sonnenuntergang über dem Markt ist traumhaft.

Die Welt ist im Wandel, Altes sitzt noch in der Ecke, und von mir aus kann es da noch sitzen bleiben, so lange, wie es ihm bei mir gefällt.