Donnerstag, 23. Juli

Michael hat Urlaub und will mit Tamina und Jonte auch herkommen. Gestern hab ich ihn angerufen und gefragt, ob sie schon wissen, wann? Ich hätte sie heute mit dem Auto mitnehmen können, aber sie fahren erst zu ihrem Bruder nach Berlin. Das passt mir ganz gut, wegen morgen und übermorgen Guti-Gutshaus. Dann Anfang nächster Woche …

Ich bin ohne größere verkehrstechnische Tücken hin und zurück gekommen. Das ist schon viel Wert. Bei Martina im Garten mit Susanne war es wie immer schön und bei Manja auch, schön!

Ich hab immer noch Verlustängste – Herzklopfen, dass er endgültig gehen könnte – obwohl ich weiß, dass ich ihn nicht verlieren kann. Der Himmel steh mir bei …

Mittwoch, 22. Juli

Heute soll es einen kosmischen Energieschub geben, durch Sonne und Mond im Löwen. Davon merk ich nichts, im Gegenteil. Heute ist der Gipfel, es zieht mir grad die Schuhe aus. Oh Mann, hoffentlich kommt der noch …

Gegen Abend sind die Lebensgeister zurückgekehrt … Morgen früh fahr ich gleich nach Rostock, zu Manja Nageltante und Martina. Ich bin jetzt oft da – am 2.8. Jontes Geburtstagsfeier, am 15. feiern Martina und Peter ihren Wintergeburtstag bei Martina im Garten nach und dann auch noch mal zum Frisör. Wenn ich denke, dann hätte ich auch gleich da bleiben können, sag ich Nein, hier ist mein Zuhause.

Das ist mit normalem Menschenverstand nicht zu begreifen, was nach so einer Begegnung geschieht. Auch nach so vielen Jahren nicht. Kein Zukunftsblick? Ich denk nur von früh bis abends, das hilft. Keine Rückmeldung löst die meisten Zweifel aus – aber wer sich damit beschäftigt, weiß auch, warum. Sei dir bewusst, dass es sein kann, dass du nie wieder was von ihm hörst, sag ich mir. Ja, dann ist es so. An meiner Lebenszahl 2 – Geburtsdatum addiert –  leb ich vorbei. Nicht warten, bis er ein Mann wird, nur Frau sein, das reicht.

Dienstag, 21. Juli

5 Tage zur freien Verfügung – das ist Luxus! Das könnte ich nicht so genießen ohne die Guti-Gutshaus-Schichten … Fritzi schreibt mir auch, wenn ich frei habe und wenn ich nicht gleich antworte, schickt er Fragezeichen oder schreibt: Magst du mich nicht mehr? Er sucht permanent Bestätigung. Anstrengend. Er gehört zu denen, die ihren Vater Erzeuger nennen und ihren Stiefvater für ihren richtigen Vater halten. 23 ist er am 8.7. geworden.

Dana hat mir wieder so schön die Füße gemacht. Von halb 11 bis um 1 war ich bei ihr in der Praxis und wir haben erzählt und ich hatte für alle Essen mitgebracht für die Mittagspause. Dann hab ich eine Stunde mit Martina telefoniert und danach bin ich ins Bett gegangen und hab von halb 3 bis um 7 geschlafen und immer noch müde. Die Temperaturschwankungen, Neumond, 10 Portaltage am Stück, 3 lange Spätschichten, Familienfeier am Sonntag – jedes einzeln oder alles zusammen – ich könnte nur schlafen. Hör ich aber von allen Seiten. Alle sind geschlaucht.

Martina hab ich Fotos von Angelikas Kunstwerken geschickt. Die beiden M-Sachen, Vase und Herzdose, hatte ich ins Schlafzimmer gestellt. Ich glaub, ich bring doch alles in Keller, hab ich ihr geschrieben. Das geht nicht, ich bin gerade dabei, eigenständig zu leben. Genau das hab ich auch gedacht, hat sie geantwortet. Da steckt viel Mühe und Liebe drin, doch es erschlägt mich und entspricht nicht dem aktuellen Stand.

Montag, 20. Juli

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

In uns selbst liegen die Sterne unseres Glücks. Heinrich Heine

30. Kalenderwoche

Gestern hätt es mich fast erschlagen. Als ich meine Cousine Angelika samt Enkelin Leonie in Röbel zur Nachfeier von Tantchens 77. Geburtstag abgeholt habe, hatte sie 2 Taschen gesammelte Werke ihrer Vintage-Bastel-Leidenschaft für mich. Das war die Krönung. Da hat sie an Papier-Rosen nicht gespart! Unter anderem waren dabei eine Herzdose und eine Flasche, verziert mit meinem M-Tattoo. Woher kennst du das?, hab ich gefragt. Ich hab dein Buch … Das Tatoo ist das Cover-Bild.

Des weiteren ein Schmuckstück von Bild mit zwei großen rosaroten Herzen, ebenfalls üppig verziert, unter anderem mit Schlüssel und Anker. Das sind auch Symbole auf Lenormandkarten. Und Rosen, Rosen, Rosen … Für das meiste hab ich einen Ehrenplatz gefunden. Nur die Uhr – ebenfalls mit 26 Rosen und meinem Jahrgang drauf – da weiß ich wirklich nicht, wohin damit.

Dann hab ich noch meine Schwester Tine abgeholt und kurz nach 3 waren wir zum Kaffee da, auf der Terrasse im Garten. Angelikas Schwester, meine Cousine Silvia, die dort auch wohnt, war auch da. Neugier und Tratsch sind ihre Merkmale. Als ich ein Stück in den Garten ging, rief sie mir nach: Was hast du denn für ein Tattoo auf dem Rücken? Tief ausgeschnittenes Kleid. Das hab ich schon lange … Das hat ihre Frage nicht beantwortet und sollte es auch nicht. Angelika kennt meine Geschichte, Tantchen und Cousine ahnen nur was oder wissen, dass da mal was war. Was ist denn aus deiner Liebe geworden?, hat Silvia weiter gebohrt. Sie ruht … Wie, sie ruht? – Sie ruht. Da ist Angelika eingesprungen: Er muss erst noch was lernen. Im Auto hab ich mich dafür bei ihr bedankt.

Nächste Szene – Verabschiedung am Auto. Silvia guckt auf mein Nummernschild und fragt: M und A – heißt das Michael und Anita? – Nein, das heißt Michael und Andrea. Die Anfangsbuchstaben meiner Kinder schienen ihr plausibel. Nächste und letzte Frage: Und die 66? Das ist nur so … Zuhause hab ich gedacht, jetzt hab ich uns verleugnet. Nein, war der nächste Gedanke, nur beschützt.

Meine Tante ist auf dem Rückweg mit 77 – sie hat uns zum Kaffee eingeladen und nur zum Kaffee, obwohl die Feiern immer gehaltvoll waren. Sie genießt ihre Tage und hoffentlich noch Jahre auf ihrem schönen Anwesen, nachdem sie ihren Mann mit Demenz lange über ihre Kräfte begleitet hat. Sie macht nichts, was sie nicht will. Das kommt mir bekannt vor. Obwohl ich jünger bin, reiß ich mir auch kein Bein mehr aus. Leonie, die sich gelangweilt hat, hat schon seit zwei Stunden gedrängelt und die Uhrzeit angesagt. Sie ist gerade 11 geworden, aber schon viel weiter. Um halb 8 hab ich gesagt, wir fahren. An der Shell-Tankstelle hab ich mir erstmal ein Baguette geholt ….

 

 

Sonntag, 19. Juli

Das war ein schöner Grillabend gestern! – So harmonisch und gelungen, wie lange nicht. Fritzi am Grill, Anja und ich. Die Gäste waren sehr freundlich und entspannt und wir hatten gute Gespräche und haben durchweg nur positive Bestätigung von ihnen bekommen. Alle saßen draußen, weil es so ein schöner Sommerabend war. Obwohl ich körperlich so k.o. war am dritten Tag in Folge, dass ich nur gedacht hab, wie übersteh ich das?, war mir gestern bewusst, an was für einer schönen gastlichen Stätte ich da wirken kann, mit lieben Kollegen. Im Storchennest direkt am Haus sind in diesem Jahr zum erstenmal 2 Junge, was ich für ein schönes Zeichen halte, und über die die Gäste sich auch freuen. Eine richtige Idylle ist das – mit traumhaften Sonnenuntergängen …

Als ich mich zum Essen hingesetzt habe, bin ich nochmal aufgestanden und hab mir ein Bierchen dazu aufgemacht. Es kam mir so viel Wohlwollen von den Gästen entgegen, jeder hat eine freundliche Bemerkung gemacht, wie – das haben Sie sich verdient! Einfach nur schön …

Als ich dann um halb 12 auf den Hof gefahren bin, kamen Mario und Aniko mit mir zusammen an und wir haben noch kurz erzählt. Dann hab ich noch die laue Sommernacht auf der Terrasse genossen – Lars war auch da und wir haben uns auch noch unterhalten.

Aniko hat gesagt: Du siehst noch frisch aus! Ich hab gelacht. Das kann ja wohl nicht sein, nach 8 Stunden Schicht. Doch! Dann hat sie sich verabschiedet: Gute Nacht, ich hab dich lieb! Gute Nacht, du Liebe, hat Lars gesagt. Und Fritzis Begrüßung war: Hallo, schöne Frau …

Ich bin glücklich – so schön ist das alles.

 

Sonnabend, 18. Juli

Wein schenkt Freude – Das Guti-Gutshaus-Feierabend-Foto 23:30 Uhr, hab ich im WhatsApp-Status gepostet. Das ist der Aufdruck auf der Holzkiste, in der wir die leeren Flaschen in den Keller bringen. Das hab ich gleich mal fotografiert.

Abends, wenn es kühler ist und ich auf der Terrasse bin, kann ich die Seen um mich herum riechen und fühlen, allen voran die Müritz, das heilige Meer, an dem ich geboren und aufgewachsen bin. Das ist mir von Kindheit an vertraut und es hat mich hierhin zurück gezogen.

Ich riech noch bisschen nach Teich, hat Maik mir beim ersten Treffen im Stadthafen in Rostock gesagt, das weiß ich noch wie heute. Er war mit seinen Kindern auf einem Zeltplatz der Mecklenburger Seenplatte – ich weiß auch noch, wo – und hat sie dem Nachbarn überlassen, um sich mit mir zu treffen. Er ist an der Ostsee geboren, die ein Meer und gar kein See ist und an der ich nicht heimisch geworden bin, auch nach 30 Jahren nicht. Deshalb verzeih ich ihm  den Teich …

Wie ich’s mir gedacht hab, haben Anja und Fritzi mich gestern gefragt, ob ich heute eher kommen kann, wegen Vorbereitungen zum Grillen. Später kann ich kommen, eher nicht! Wann habt ihr denn so gedacht? – Um 3? – Frühestens um 4! – Okay.

Unten ist heute großer Töpfermarkt – der ist nur einmal im Jahr. Ich hab mir ein schönes Glocken-Blumen-Spiel gekauft!

 

 

Freitag, 17. Juli

01:30 Uhr: Halb 12 war Feierabend  – da ist das Ende weg. Doppelter Aufwand für das gleiche Geld. Da sich der Stundenlohn kaum erhöhen wird, werd ich den Aufwand runterschrauben, also weniger Tage pro Monat arbeiten.

Während ich mit Rotwein auf der Terrasse in den Sternenhimmel guck, denk ich: Das war echt der Knaller mit ihm. Wenn ich mir vorstelle, mich weiter mit ihm auf zeitlich ziemlich limitierte Sexdates  zu treffen – das wär no go. Immerhin hat es eine Entwicklung gegeben. Die Frage ist nur, warum mir das in den Sinn kommt, anstatt zu denken Oh Gott, morgen und übermorgen nochmal so eine lange Schicht. Wer weiß, das hatte auch sein Gutes und seine Berechtigung für die Zeit.

Jedesmal, wenn ich spätabends k.o. nach Hause komme, denk ich: Das kann doch nicht der Plan sein, der göttliche – dass ich mir da die Hacken ablaufe, für andere …

Heute früh auch noch – wie kann es sein, dass er noch oder wieder so intensiv da ist? Bestimmt, weil ich ihn weg haben will. Annehmen, was ist – sag ich mir wieder und wieder, doch das ist schon ’ne Hausnummer, das so stark zu fühlen.

Donnerstag, 16. Juli

Der Abwasch hat 2 Stunden gedauert, ging aber gut von der Hand. Es war das richtige Wetter dafür, Regen,  und ich hab dabei immer an die schöne Feier gedacht. Jetzt sind alle freien Flächen im Schrank belegt. Also bitte keine Tassen mehr schenken – nicht mal, wenn sexiest woman alive draufsteht!

Danach kam meine Schwester Birgit, ich hatte gerade das Wasser rausgelassen, und wir haben schön erzählt, unter anderem Thema Weiblichkeit. Sie hat mir Zucchini aus dem Garten mitgebracht, die ich gleich mit Knoblauch, Zwiebeln, Olivenöl und Tomaten in die Pfanne gehauen habe. Als sie weg war, hat mir Christa unter mir eine Schale mit herrlich aromatisch duftenden eingezuckerten Erdbeeren gebracht, die ich gleich gegessen und mit einer Kostprobe meiner noch warmen Zucchinis zurückgegeben habe.

Ja, so schön ist das hier … Doch das Schönste kam abends – von Aniko, kurz nach 10, ich wollte gerade ins Bett gehen. Eine WhatsApp mit einem Zusammenschnitt der schönsten Fotos und Videos ungefähr der letzten 3 Jahre von uns – unsere Feiern, Ausflüge und Unternehmungen zusammen. 3 einhalb Minuten lang unsere ganze frohe Haus- und Hofgesellschaft, mit schöner Musik untermalt. Ich hab mich so gefreut über die gelungene Überraschung! The best of gefühlt 100 years – hab ich ihr geschrieben. Ich hab es mir gleich 5mal angeguckt!

Lerne nur das Glück ergreifen, denn das Glück ist immer da – der Gelassenheits-Wochenspruch. Das ist das schönste Beispiel …

Dienstag, 14. Juli

Mein roter Couchtisch und das zweite Brett meines Bücherregals haben genau Jontes Arbeits-Höhe. Mit ernster Miene hat er bedächtig ein Buch nach dem anderen rausgeräumt und alles erkundet, was so auf dem Tisch rumsteht. Vor allem die Schatulle mit den Tarot-Karten hat es ihm angetan. Ruhig und sachlich hat er alles untersucht. Er war immer beschäftigt und  gar nicht zu hören. Hier kann er viel entdecken …

Gestern hab ich außer Ausruhen gar nichts gemacht, nur für Sigi einen Heil- und Kostenplan für die AOK kopiert und Geschenke weggeräumt.

Es ist so ein schöner Tag und ich brüte über der schriftlichen Anhörung zum Ermittlungsverfahren wegen Fahrerflucht. Vorher hab ich noch den zuständigen Beamten in der KK Außenstelle Waren angerufen, weil ich mich lieber mündlich in einer Vernehmung dazu geäußert hätte, aber die sind total überlastet und voll bis über beide Ohren. Das war sogar ein sehr schönes Gespräch, sozusagen von Kollegen zu Ex-Kollegin. Am Ende hat er gesagt: Da kommt nichts nach, darauf gebe ich Ihnen mein Wort. Füllen Sie das mal so aus und machen Sie sich darüber mal gar keine Gedanken mehr! Sie wohnen so schön da – holen Sie sich was Schönes zu Essen und zu trinken auf dem Markt und genießen Sie den schönen Tag … Er war sehr menschlich und verständnisvoll, gar nicht behördlich – und dazu auch noch sehr sympathisch.

WhatsApp-Bild von Ulla: Der Ehemann gleitet von einer Yacht über eine Rutsche in den Ozean, in dem sich die Haie tummeln: Schatz, du kannst jetzt ruhen! Das hab ich heute irgendwie auch gedacht, nur ohne Haie, nach 14 Jahren ohne Happy End und 2 Jahren Schweigen.