Freitag, 12. Juni

Gestern waren die letzten Gäste 5 Männer. Bestellung: 5 Bier, 5 Salate vorweg, 5 Hauptgerichte, 3 gleiche, 5 Alte Pomeranze hinterher – alles a la card. Nur die Zwischenfrage, ob es auch Jägermeister gibt. Nein. Eins, fix, drei, Bestellung aufgenommen. Anderes Szenario – 5 Frauen am Tisch. Allein die Getränkebestellung dauert mindestens 7 Minuten, weil alle auf der Karte angebotenen Möglichkeiten individuell abgewandelt werden wollen. Haben sie sich dann endlich entschieden, ändern sie es in das, was die Nachbarin zur Linken bestellt hat. Vom Essen ganz zu schweigen …

Als ich mal auf die Seite der Praxis geguckt habe, in der Maik jetzt ist, musste ich lachen. Die Telefonnummer endet mit 77 – 7.7. ist mein Geburtsdatum. Das wär mir so nicht aufgefallen, nur auf der Startseite ist ein Foto vom Gebäude mit dem Praxisschild davor, da hab ich es gesehen. Das heißt natürlich gar nichts, außer dass er in der Woche täglich mindestens zweimal an 77 vorbeigeht, ohne dass ihm das bewusst ist. Gerade deshalb hab ich mich gefreut.

 

 

 

 

Donnerstag, 11. Juni

Heut komm ich gar nicht in die Gänge. Wechsel in Fische-Mond – verschlafen, verwässert, verwundert, verwunschen – das sind seine Attribute, wie in Neptuns Unterwasserwelt. Intuition und Sensibilität …

Anja und Fritzi Koch, jetzt tritt das ein, was ich schon viel eher hab kommen sehen. Das war nur eine Frage der Zeit. Die Zeit, die das bisher verhindert hat, war Corona. Beide beschweren sich jetzt bei mir über den anderen. Als Fritzi schon weg war, hat Anja geklagt: Jetzt hab ich ein Mimöschen als Koch – der ist ja ein Mädchen – einen Chef, der ein Voll… das schreib ich jetzt lieber nicht, und dann hab ich noch Anitchen, die jeden Tag so tut, als wär sie das erste Mal hier. Bin ich ja irgendwie auch. Aber sie hat mich angestrahlt dabei. Dann hast du ja eine schöne Exoten-Sammlung zusammen, hab ich gesagt. Guti-Gutshaus wie es leibt und lebt …

Mittwoch, 10. Juni

Heute Nachmittag wollte ich zu Anja fahren, um ihr neues altes Haus mit Grundstück anzugucken. Das müssen wir leider verschieben, hat sie früh geschrieben, es sind zwei Handwerker-Termine dazwischen gekommen. Auch gut, dann geht es vorwärts bei ihnen. Es gibt ja noch mehr Tage dafür und ich kann was auf meiner Baustelle machen – Haushalt. Morgen bis Sonntag wieder Guti-Gutshaus, da komm ich auch zu nichts anderem.

Bei Baustelle Haushalt hat es nur zu einer Waschmaschinen-Ladung gereicht, der Rest war Lesen und Ausruhen für die nächsten vier Guti-Gutshaus-Abende. Das ist wichtiger, hab ich gedacht. Abends kam noch meine Schwester überraschend vorbei, das war schön. Wir wollen am 21. die Sommersonnenwende bei ihr feiern …

Dienstag, 9. Juni

Sonnabends wird jetzt wieder gegrillt – Barbecue. Jetzt steht Fritzi Koch am Grill, nicht der Chef, das hat er delegiert. Als wir gegessen haben, hat er gesagt: Ich hab heute Tag 13 von 14. Nicht so wie bei dir – 4 Tage arbeiten, 4 Tage frei … Du vergisst dabei aber, ich hab schon ein Arbeitsleben hinter mir, hab ich gesagt. Er hat nach 14 Tagen 2 Tage frei, nicht mal zusammenhängend, Montag und Mittwoch.

Um 12 ist Geburtstagsessen bei Wolfgang unten. Ich hatte Sigi und ihm zusammen die kompletten Tudors-Staffeln geschenkt. Jetzt bekommt er noch ’ne Fläsch Bier von der Rügener Insel-Brauerei, ein Tipp von Martina, mit Natur-Motiven. Ich hab die passende gefunden – Wolf! Hab ich gestern aus Rostock mitgebracht.

Wenn Lars nicht da ist, hat er sein blaues Licht an. Er ist der ideale Nachbar, unaufdringlich und trotzdem präsent. Gut zu wissen, dass jemand da ist, auch wenn er nicht da ist.

Montag, 8. Juni

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Schöne Blumen wachsen langsam. Nur das Unkraut hat es eilig. William Shakespeare

Das passt zu dem, was ich auf der Familienfeier gemacht hab – Fotos von blühenden Pflanzen in meinen WhatsApp-Status zu stellen, statt Familienbilder. Auf einmal waren alle verstreut. Sascha, Anjas Mann, war Laufen, 16 Kilometer. Das Geburtstagskind Steffi ist mit Mann und Hund Kalle schon zurück nach Berlin gefahren, um mit Freunden weiterzufeiern. Meine Tochter Andrea ist mit Paul nach 4 Stunden auch schon nach Rostock gefahren, weil sie noch arbeiten mussten. Mein Schwager Silvio hat sich hingelegt und Anja und Tine – meine Nichte und Schwester, haben mit Nori die Ur-Großeltern im Dorf besucht, die nicht zum Kaffee gekommen sind. Stiller Protest aus meiner Sicht. Sie hatten sich schon die ganze Woche auf die Kleine gefreut und dann werden sie nur zum Kaffee eingeladen. Meine Schwester sagt: Ich will auch was von Nora haben … Widersprüchliche Interessen – jeder fühlt sich benachteiligt, alle haben keine Zeit.

Ich hatte gedacht, dass nach Corona wieder alle näher zusammenrücken und das Wesentliche erkennen, das Herz – was ja schon im Namen dieser Krise liegt. Auch wenn ich geglaubt habe, dass es keine 2. und 3. Welle geben wird – kann sein, das die noch nötig ist. Obwohl, wenn diese erste fundamentale Krise nichts nachhaltig bewirkt – was muss dann noch passieren?

Jonte mit seinen Eltern war nicht eingeladen. Der hätte die ganze Neger-Schaumkuss-Welt zum Einsturz gebracht mit seinem Strahlen. Meine 2 Nichten sind ein Jahr verheiratet und man merkt, sie wollen es anders und besser machen, doch sie strahlen nicht. Es gibt moderne Konzepte, doch die greifen nicht. Was Mann und Frau angeht, ist uralt.

Mit Maik wär das Haupt-Thema Sex jetzt Nebensache, doch es wär immer die gesunde Basis und würde es bleiben. Wenigen ist das vergönnt.

Überall blüht jetzt der Mohn – auf den Feldern und am Straßenrand – so schön! Brennende Liebe …

 

Sonntag, 7. Juni

Ich war heut die letzte beim um 10 angesetzten Geburtstagsbrunch von Steffis 30., obwohl ich am dichtesten dran bin. Die Kinder kommen sowieso alle später, hab ich gedacht, aber sie waren alle schon da, als ich kurz vor 11 ankam. Und ich hatte noch zu tun, dass ich das schaff, nach meiner Spätschicht gestern. Das war eine umfassende Debatte heute über die verschiedenen Auffassungen und Erwartungen von Eltern, Großeltern, Kindern und Enkelkindern. Vielleicht ist das der normale Generationenkonflikt – doch ich finde, das ist auch eine ganz andere Zeit jetzt. Obwohl die Zeiten sich immer ändern … Jedenfalls war es heute ganz anders als sonst. Was schön war: Ich hab mich gefreut, alle wieder zu sehen.

Eins mach ich jedenfalls nicht, was meine Freundin Silvi mir geraten hat, als wir Pfingsten geredet haben: Du musst um dein Enkelkind kämpfen! Wenn ich eins gelernt habe – wer um Liebe kämpft, hat schon verloren.

Morgen bin ich bei Martina und erzähl ihr erstmal meine Eindrücke. Ob es darum geht, für den Hund die optimale Zahnreinigung zu finden, einschließlich der Anschaffung eines Ultraschall-Reinigungsgerätes, oder die Diskussion, dass die auf dem Tisch stehenden Negerküsse korrekt Schaumküsse heißen müssen – und noch schlimmeres, ich hab gedacht, die haben alle ’ne Klatsche. Sorry, auch wenn’s Familie ist.

Als alle überpünktlich da waren, was sonst nie war, hätte ich schon merken müssen, irgendwas stimmt hier nicht …

Sonnabend, 6. Juni

Acht – die Glocken läuten. Rossman rollt die Angebote raus und der Grüne Markt wird aufgebaut. Der mit dem größten Blumenstand, wo ich manchmal kaufe, steht mit Kaffeebecher in der Hand bei dem mit der Gulaschkanone, in der aber Erbsensuppe ist. Ich guck mir alles an wie ein großes Wimmel-Bilderbuch. Während ich schreibe, scheint mir warm die Sonne durch das Ostfenster auf den Rücken. Das ist eine schöne kleine Welt, die dazu da ist, dass es mir hier gut geht.

Zu der gehör ich auch, bin aber nicht mittendrin und nicht beteiligt. Ich seh es mir von oben an. Beim Blick aus dem Fenster im 3. OG trifft das auch wörtlich zu, aber auch wenn ich unten bin, fühl ich mich nicht als Teil davon. Ich bin in meinem inneren Garten. Das ist der Ort, den jeder in sich hat und an dem man ganz bei sich ist und nichts im Außen einem was anhaben kann. Schöne Eindrücke lass ich rein, unschöne bleiben draußen. Mit Guti-Gutshaus ist es auch so, bei Stress kapsel ich mich ab. Das ist eine schützende Hülle um mich rum, wie eine Seifenblase, die aber bei Berührung nicht zerplatzt. Bei sich ankommen, kann man auch dazu sagen. Den Garten anlegen macht Arbeit, dann braucht er kaum noch Pflege.

Auch Fritzi hat gärtnerisches Vokabular. Honigblüte nennt er mich jetzt, davor Rosenblüte …

Freitag, 5. Juni

Ganz viele haben zur Zeit einen Wasserschaden – Waschmaschine, Spüle, Dusche, Keller, sogar die ganze Wohnung geflutet von oben, also der darüberliegenden Wohnung, und das nach Renovierung! Hör ich von allen Seiten. Wasser sind Gefühle und die wollen frei fließen und Wasser sucht sich seinen Weg.

Ich hab keinen. Gestern hab ich mich im Wohlgefühl der Badewanne bedankt beim Wasser – es reinigt mich, es klärt mich, es wärmt mich, es kühlt mich, es trägt mich, es nährt mich. Es ist mein Element als Wasserzeichen Krebs. Es regnet seit gestern …

Heute ist Vollmond im Schützen und Halbschatten-Mondfinsternis. Der Mond steht auch für tiefe Gefühle, aber auch für Illusionen, Ängste, Süchte. Er bringt Licht ins Dunkle. In diese Mondphase passt Arbeiten gar nicht rein. Am besten wär nur Ruhe, Rückzug, Schlafen!

Dafür volles Guti-Gutshaus, aber immerhin zu viert, Chefin, Fritzi Koch, Anja, die gestern Geburtstag und 2 Tage frei hatte, und ich. Wenn dann aber noch so Pannen wie ein Zimmer für eine Anreise nicht gereinigt auftreten, heißt das noch zusätzlich Stress. Und ausgerechnet Engelswacht, die Honeymoon-Suite, mit der großen Mosaik-Badewanne für Zwei … Ich hab immer nur an Feierabend und Terrassen-Rotwein gedacht.

 

Donnerstag, 4. Juni

Ich hab bis um 11 geschlafen und komm jetzt erst langsam zu mir. Vielleicht geht’s am zweiten Tag schon besser und meine bequemen Hüften kommen wieder in Gang … Nebeneffekt ist, ich werd wieder verpflegt in der Guti-Gutshaus-Küche. Fritzi will auch gelobt werden. Wie war die Bratwurst – Wildschwein – ? Danke, gut. Wenn’s mir schmeckt, sag ich, sehr gut, hervorragend oder ausgezeichnet. Aber dafür kann er ja nicht bei Bratwurst. Im Gegenzug hab ich gefragt: Wie findst’n meine neue Schürze? Sexy …

Heute hatten wir aus gegebenem Anlass ein Thema: Liebe und Treue. Wir heißt, Chefin Bettina, Fritzi und ich. Peter, ein Vater aus dem Dorf kam mit seinen Töchtern, 14 und 16, die bei uns einen Ferienjob suchen. Das Problem da ist, hat Bettina gesagt, ihm ist die Frau weggelaufen, die hat wohl einen anderen. Woanders ist es umgekehrt, hab ich gesagt, da verschwinden die Männer. Bettina führte an, dass ihr Sohn Emil – einer von vier Heldensöhnen – auch weiblich multitasking unterwegs ist. Fritzi meinte, er ist immer treu. Treu wie Gold?, hab ich gefragt. Ja, aber der Trend geht wohl zur offenen Beziehung, sagt er.  Ein Glück, dass ich das nicht mehr miterleben muss.

Dann hab ich auf Wunsch noch eine Erdbeer-Mascarpone-Torte gebacken. Zeitaufwand 50 Minuten – tatsächlicher Zeitaufwand das Doppelte, weil dauernd was dazwischen kam. Gästewünsche nach Kinder-Hochstuhl, Baby-Bett und alle möglichen Fragen zur Umgebung, zum Kamin, zum Pi-pa-po …

 

Mittwoch, 3. Juni

Ich hab keine Lust auf einen Mann mehr, hab ich gestern Abend gedacht. Ich war gezwungen, mit mir selbst auszukommen und komm ganz gut mit mir zurecht. Das hat sich als am beständigsten erwiesen. Ich hab auch keine Lust mehr auf Arbeiten. Heute ist der erste Tag nach 3 Monaten Pause, das kostet Überwindung. Ich will nur meine Terrasse und meine schöne Umgebung genießen und nichts denken. Ich kann nicht 14 Jahre hoffen, dass alles gut wird, 2 davon ganz ohne Kontakt. Damit bin ich nicht allein, das geht vielen so in solchen Konstellationen – und über noch längere Zeiträume hinweg. Die meisten in dem Stadium besinnen sich auf sich, bei vollem Bewusstsein der Verbindung.

Gestern schrieb die Chefin: Liebe Anita, morgen reicht 17 Uhr, es ist grad ruhig. Antwort: Auch gut, bis morgen!

5 Stunden zum Warm up haben gereicht. Die Chefin war da und Fritzi Koch. Hast du mein Auto auf dem Parkplatz gesehen?, hat er gleich nach der Begrüßung gefragt. Nein, ich weiß gar nicht mehr, was es für eins war, Ford Mustang glaub ich. Du hast mir am meisten gefehlt von allen, hat er gesagt. Ja, sicher … Doch wirklich! Er ist ein Charmeur vor’m Herrn. Hat sich nichts geändert bei ihm. Morgen Beginn um 16 Uhr – und dann hab ich auch schon 2 von 4 Tagen geschafft.