Dienstag, 5. Mai

Healy-Jane kann jetzt laufen. Sie ist jetzt ein Jahr und 3 Monate. Lars hat mir ein Video gezeigt, aber sie verzieht nicht eine Miene, völlig unbewegliches Gesicht. Das ist ein krasser Gegensatz zu Jonte. Michael hat gestern Abend auch 15 Fotos und Videos von ihm geschickt. Erstmal sieht er aus wie Jonte, der Engel – ganz blond und blaue Augen, und seine Mimik ist unübertroffen! Sein Ich-bin-9-Monate-alt-Foto hatten sie schon im Kasten, schreibt er, aber dann ist die Speicherkarte abgeschmiert. Kommentar meiner Tochter: Find ich ja ein bisschen lustig, dass das dem IT-Profi passiert. Jetzt wollen sie die Tage nochmal neue Aufnahmen machen.

Ist das wieder kalt geworden. Ich frier bis auf die Knochen und hab die Heizung wieder angedreht. Gleich kommt Sigi zum Morgenkäffchen. Ich hab sie eingeladen, doch eigentlich hab ich dafür in meinem Hochsensibilitätsgefüge gerade keinen Platz. Abgeschiedenheit und Rückzug bekommen mir grad besser. Meine weltoffenen Tage sind dafür günstiger. Das merk ich aber auch erst jetzt in dieser Zwangspause so richtig, dass es mir um so besser geht, je mehr ich mich zurückziehen kann, wenn mir danach ist. Wie oft bin ich zu Guti-Gutshaus gefahren, wenn mir so gar nicht nach Leuten war. Das war anstrengend. Wenn das jetzt für was gut ist, dann dafür, dass jeder die beste Beziehung zu sich selbst schaffen kann. Auch wenn es manchmal holprig ist.

Holprig ist stark untertrieben. Ich könnte die Wände hochgehen. Die beste Beziehung zu sich selbst schaffen heißt bei mir, aufhören zu fragen: Warum bin ich nicht wie alle anderen? Und statt dessen zu sagen: Nicht das schwarze Schaf ist anders, die weißen sind alle gleich. Und es als Gabe und Geschenk zu sehen und anzunehmen. Warum hab ich es nicht gemacht? Weil ich dachte, dass es meiner anderen Herzhälfte nicht gefallen würde, wenn ich so bin wie ich bin. Hallo, Liebe?

Ich hab gestern Abend geredet mit ihm, ohne Vorwürfe und Erwartungen Er war hier und hat mir zugehört. Es war vertraut und doch ganz anders als sonst. Anziehung ohne Sex.

Montag, 4. Mai

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

NICHTS BRINGT UNS AUF UNSEREM WEG BESSER VORAN ALS EINE PAUSE. Elisabeth Barrett Browning

Die haben wir jetzt.

Frisörtermin in Rostock in 14 Tagen, Frisörtermin in Waren in 14 Tagen. Da kann ich auch warten und nach Rostock fahren, wo ich zufrieden bin mit dem Ergebnis. Dafür war es bei Dana schön und ich geh wieder wie auf Wolken. Und wenn die Fingernägel schon unansehnlich sind, dann sind wenigstens die Zehennägel hübsch lila lackiert. Wer jetzt denkt, andere Sorgen hab ich nicht – doch. Ich schreib sie nur nicht. Nach dem Motto: Wenn du nicht positiv sein kannst, sei wenigstens still.

Irgendwas ist anders heute Abend, hab ich gedacht, nicht so eine Stille. Der Brunnen des Lebens – er sprudelt wieder auf dem Markt!

Sonntag, 3. Mai

Morgen Mittag um 12 bin ich bei Dana. Bei ihr liegen auch die Nerven blank, hat sie geschrieben. Was zuviel ist, ist zuviel, ich bin auch nur ein Mensch. Es ist nicht nur zuviel, es ist auch zu lange. Das geht mir schon so, ohne dass ich Verpflichtungen habe, verkrümel ich mich lieber, wie muss es da erst bei ihr sein mit ihrer Praxis. Das seh ich als ganz besonderen Luxus-Termin jetzt – schöne Füße! Neben meinem üblichen Frühstück werd ich einen Tulpenstrauß und die Maxi-Packung Merci mitnehmen als Dankeschön.

Abends halb 8, immer noch läuten die Corona-Glocken. Es geht an die Substanz der Seele, was jetzt ist.

Sonnabend, 2. Mai

Den süßen Jonti hab ich glaub ich im Januar zuletzt gesehen. Meinen süßen Jonti will ich nicht schreiben, denn gar nichts ist mein, außer ich selber. Da braucht nur so eine Erschütterung zu kommen wie jetzt, um das zu erkennen. Bindung entsteht durch Sehen und Berühren, nicht durch Fotos und Videos. Er kennt mich gar nicht, so selten, wie wir uns sehen. Heute ist er 9 Monate!

Mein Frisör, meine Nageltante, mein Guti-Gutshaus – es fällt weg und wird zur Illusion. Krisensicher dagegen sind meine Marienkirche, meine Müritz, mein Nationalpark.

Jonte hat doch eine Verbindung zu mir. Als ich das heute früh um 4 geschrieben habe, bin ich um 5 wieder ins Bett gegangen. Dann hab ich von ihm geträumt. Ich hab ihn gefragt, ob er weiß, wer ich bin. Nein, sag mal … Ich hab ihn angelächelt und er hat gesagt: Dann bist du meine Oma aus Waren … Er hat richtig mit mir gesprochen und ich weiß  schon, wie seine Stimme einmal sein wird. Er fühlt das Band zwischen uns.

Mai, der schönste aller Monate … gestern wurden unten auf dem Markt rote Samtstühle mit Sicherheitsabstand aufgestellt, über 50. Erst hab ich gedacht, soll das ein Konzert werden? Dann hab ich den weiteren Verlauf gesehen. Auf jeden Stuhl kam ein Bild von einem Haus der Warener Hotelgemeinschaft und ein rotes Grablicht. Schilder mit: Gastro auf – jetzt! KuG 80 % sofort! Wir wollen Arbeit! Um 5 nach 12 fing die Demo an – hinter jedem Stuhl stand ein Mitarbeiter des jeweiligen Hotels. Erst wollte ich es mir von oben ansehen, bin dann aber doch runtergegangen aus Solidarität. Es betrifft mich ja auch. Das waren zu Herzen gehende Reden.

Heute ist Freitag, der 1. Mai

Amselflöte früh um 5 und dunkle Wolken über dem Kirchturm. Das war eine andere Walpurgisnacht als geplant – mit mir alleine. Birgit hab ich abgesagt, es war mir zu nass und zu kalt. Ich hab schon den ganzen Nachmittag gefroren und es mir zuhause gemütlich gemacht. Wenigstens ein kleines Feuer hab ich auf der Terrasse angezündet – eine Kerze. Eine drinnen und eine draußen. Dafür fahr ich heute hin. Denn Manuel ist mir zuvorgekommen und hat abgesagt für dieses Wochenende. Er hat das Gefühl, er muss für sich alleine sein, hat er mir am Telefon gesagt. Ja, das geht mir auch so.

Wenn schon nicht übers Feuer springen, symbolisch, etwas wollte ich doch machen zur Feier des Tages und hab aus dem keltischen Pflanzen-Orakel Zauberhafte Devas eine Karte gezogen bzw. herausspringen lassen: WILDROSE – Liebe erschafft Schönheit … und du bist vollkommen geschaffen. Die Königin der Blumen reicht dir ihr Herz, gefüllt mit irdischer und göttlicher Liebe, die ewig währt.

Und weiter heißt es im Begleitheft: Die Rose hütet Geheimnisse. Alles, was im Namen der Rose gesagt wird, ist vertraulich. Sie ist die Blume der Göttin und zeigt dir gleich zweimal das heilige Pentagramm: In ihrer Blüte, wenn man die Spitzen der übernächsten Kelchblätter miteinander verbindet und in ihrer Frucht, wenn man eine Hagebutte quer durchschneidet.

Das ist die schönste von den 40 Karten, die Königin. Wunderschöne Botschaft!

Donnerstag, 30. April

Was hat Guti-Gutshaus denn für eine krumme Summe überwiesen?, hab ich bei der telefonischen Kontostands-Abfrage gedacht. Da bin ich beim Nachrechnen schnell drauf gekommen. 60 Prozent – soviel wie Kurzarbeitergeld bei den Festangestellten, obwohl das für mich nicht zutrifft. Aber immerhin und so hab ich noch 40 für nächsten Monat, denn so schnell wird das, glaube ich, nicht wieder anlaufen mit der Hotelerie.

Heute früh hab ich ein schönes Bild aus der Magic-Galery von Christa als Profilbild für WhatsApp ausgesucht. Sie schickt mir auch andere als das quakende Spiegelei. Das hier passt zu Beltane, also Walpurgisnacht, und bleibt bis morgen. Es ist ein zauberhaftes Naturbild mit einem schlafenden Baumgeist und heißt Day and Night … Kann auch sein, dass er gar nicht schläft, sondern nur diskret die Augen zumacht.

Es ist der Abend der Beltane-Feuer und nächtlichen Paarungen im Wald … Es ist das Fruchtbarkeitsfest der Kelten, Druiden, Wiccas. Das war es in alter Zeit. Es wird heute auch noch ritualisiert, mit den Feuern, doch das danach wohl nur noch vereinzelt …

 

Mittwoch, 29. April

Meine Freundin Antje wird am 1. Mai 50 – da will ich heute noch die Geburtstagskarte schreiben und abschicken. Für morgen Abend hab ich eine Einladung von meiner Schwester und Heidrun, bei ihnen die Walpurgisnacht zu feiern. Mit Heidrun war ich von Anfang an auf gleicher Wellenlänge. Sie ist Physio- und ganzheitliche Therapeutin mit einer Praxis in Hannover und teilt sich ihre Zeit zwischen dem alten Bauernhaus hier und ihrer Arbeit dort. Wir bringen immer jeder was mit – da passt Hexenwein, den ich heute ansetze, und Sabbat-Kuchen. Den hab ich noch nie gebacken. Mal sehen, was es wird.

Zum 1. Mai hat sich Manuel angekündigt. Erst wollte er Freitagabend nach Praxisschluss kommen, dann hat er gemerkt, dass ja Feiertag ist und er schon früh kommen kann. Wir hatten jetzt eine lange Pause. Mal sehen, was es wird.

Petrus hat auf Regen umgeschaltet … Auf dem Markt wird der Maibaum aufgestellt, ohne großes Brimborium wie sonst, mit THW und Blasmusik. Manja Nageltante hat frühestens ab 11. Mai wieder geöffnet. Das wird erst entschieden.

Lass die Ohren nicht glauben, was die Augen nicht gesehen haben und lass den Mund nicht sagen, was das Herz nicht fühlt. Heutiger Spruch im Mondkalender Alpenschau mit Mond im Krebs – emotional und dünnhäutig.

Dienstag, 28. April

Das ist ein strahlender Morgen. Petrus hält die Schönwetter-Taste gedrückt …  Gestern war Tine Schwesterchen hier und abends gab es noch eine spontane Terrassen-Party. Aniko kam, um den schönen Sonnenuntergang zu bewundern, den sieht sie von ihrer Sitzecke unten auf dem Hof nicht. Dann kam ihr Mann Mario noch dazu und hat eine Flasche Chianti, Jahrgang 2013, mitgebracht. Das war ein Fest! Und Lars hat sich auch beteiligt …

Heute hab ich ein paar Blumen umgetopft auf der Terrasse und er hat mir dabei Gesellschaft geleistet. Wir haben ein gutes Einvernehmen. Mal ist er hier und mal bei Leyla, in einer für mich ausgewogenen Mischung, ohne, dass es mir zuviel wird. Eine schöne Terrassengemeinschaft!

Montag, 27. April

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen. Aristoteles

Montag ist mein liebster Blog-Tag, da weiß ich früh gleich, was ich schreiben kann. Zwei Wörter sind von mir  – Neuer und Montags-Gelassenheitsspruch – der Rest kommt vom Kalender.

Wenn ich mal nicht mehr geschäftsfähig bin … unter dem Aspekt hab ich die Liste mit meinen Kontobewegungen erstellt. Man kann auch mal tot umfallen – das erspart dann langes Suchen. Der zweite, für mich noch wichtigere Punkt dabei ist – wohin mit meinen Bildern? Ich hab sie erstmal aus der Versenkung der Nachttischschublade geholt: 4 DVDs, 14 ausgedruckte A4-Fotos in Farbe, die er mir mal in den Winterferien in den Briefkasten gesteckt hat, bevor er mit seinem Nachwuchs in den Hanse-Dom nach Stralsund gefahren ist, verbunden mit der SMS: Post ist da!

Desweiteren ein Hänge-Fotoalbum mit 12 Fächern für die Wand, obwohl es Stand-Bilder sind. Das sind also nochmal 12 Bilder. Oben drüber hab ich eine schöne Spruchkarte gesteckt: Wenn sich der Himmel für dich öffnet, versäume es nicht einzutreten! Laotse Und unten drunter: Es ist, was es ist … sagte die Liebe. Das ist noch nicht alles. 38 Schwarz-Weiß-und-Sepia-Fotos 10 x 15 – von ihm. Die A 4-Bilder waren you and me. Das hab ich alles nochmal angeguckt – da wurd mir anders – und gut sortiert in mein rotes Samsonite-Beauty-Case mit Zahlenschloss gebettet. Ich weiß allerdings den Code nicht mehr, es war mein Geburtstag, den ich bei allen Zahlenschlössern nehm, so auch beim Fahrrad. Am Schönheitskoffer – ist doch eine gute Aufbewahrungsstätte – sind aber nur 3 Zahlen – vielleicht hab ich auch 777 genommen, ich weiß es nicht … Da mit hinein kommen auch noch meine 2 erhaltenen Handys von 4 in 8 Jahren, zu denen ich auch das Ladekabel in der Schublade gefunden hab. Da ist nochmal Bild- und Video-Material in Hülle und Fülle drauf. Hunderte – das reicht gar nicht. Das werd ich alles noch schön einpacken und meine Schwester Tine instruieren, die heute kommt – Bitte unbesehen verbrennen.

Das steigt dann in den Himmel auf – und wenn Gott mich fragt: Was hast du in deinem Leben gemacht? – werd ich sagen: Hier ist die Bild-Anlage

Und wenn er weiter fragt: Und Er? – Er sagt, das war nichts.

 

Sonntag, 26. April

Lasst mich in Ruhe!, möchte ich Christa und Ulla zu ihren blöd-sinnigen WhatsApp-Bildern und Videos entgegenschleudern. Morgens das erste, abends das letzte. Die Zeit für das Glück ist heute, nicht morgen – Good Morning Herz in Kaffeetasse! Und als Krönung ein sprechendes Spiegelei … Ich kotz gleich, das geht mir gehörig auf den Wecker. Ich fühl’s nun mal nicht so. Bloß anziehen und raus zu Wald und See …

Wenn Ihr auch was davon haben wollt, bitteschön: Leider kann ich die verzerrte Elektronik-Stimme hier nicht wiedergeben, die den Sensor Amoklauf im Gehirn drückt. Die ist so wie bei den blauen Schlumpf-Videos, mit gleicher Wirkung.

Guten Mooorgen, hier ist für dich dein Frühstücksei und ein Küsschen gleich dabei! Wünsche dir einen tollen Morgen mit viel Sonne, Glück und ohne Sorgen. Lass es dir jetzt schmecken gerne, ich sende dir dazu liebe Grüße aus der Ferne. Gedanklich umarme ich dich ganz fest und wünsche dir für heute nur das Beste! Tschühüüüs

Auf ganz fest reimt sich – das gibt mir den Rest!

Erst Richtung Fledermaus und dann den blauen Glockenblumen-Weg am Warnker See lang, umflattert von Schmetterlingen, den zarten Wesen aus dem Feen-Reich. Die Buchen sind schon maigrün und es duftet auch lieblich nach Mai. Nach einem Stück trifft die Glockenblume auf das blaue M. Alle Wege führen hier zu M, egal welchen man einschlägt, keiner führt an ihm vorbei. Als ich hergezogen bin, wusste ich das nicht. Jetzt weiß ich es.

Das hab ich alles vor der Tür – das gesamte Feen- und Elfenland, das sich hier Müritz-Nationalpark nennt. Wenn ich da bin, flüstern sie mir auch, was ich wieder schreiben kann …