Freitag, 3. Juli

Mit Feierabend hat es geklappt – halb elf. Und auch sonst war es ganz erträglich. Nele ist eine neue Aushilfe, die vor 4 Jahren schon mal da war, da war ich aber noch nicht da. Zwischen Studienabschluss und Bewerbung bleibt sie jetzt die Saison über. Die hat der Himmel geschickt.

Aber dann sprang mein Auto nicht an. Kein Ton. Ich wieder rein und nachdem der Chef mal unter die Motorhaube geguckt hat, war er auch ratlos. An der Batterie lag es nicht. Ich hätte da schlafen können, mit ihrem Zweitwagen zurückfahren können oder – mein Favorit – den ADAC rufen. Der kam auch ziemlich schnell und hat mich angeschleppt. Es ist der Anlasser, meint er.

Wenn ich diesem Jahr eine Überschrift geben sollte, wär es Pleiten, Pech und Pannen. Wär schön, wenn das zweite Halbjahr Wiedergutmachung im Gepäck hätte. Vorher der Parkplatzschaden, zu dem ich jetzt die schriftliche Anhörung bekommen habe. Auch gestern. Nicht von der Versicherung, sondern als Beschuldigte im eingeleiteten Ermittlungsverfahren wegen Fahrerflucht. Hätte nicht sein müssen, wenn die Geschädigte nicht die Polizei gerufen hätte. Sie hatte alle Angaben und Daten von mir, nur Zettel reicht nicht – rechtlich. Schön ist was anderes, aber irgendwie denk ich: Na und, egal – gibt Schlimmeres.

Vorhin hab ich gestartet – sprang wieder an …

Du Süße – komm mal her, hat die Chefin gestern beim Autostreik gesagt und mich spontan umarmt. Fällt ihr wohl auch auf, die Häufung unglücklicher Umstände bei mir.

 

Donnerstag, 2. Juli

Aniko hat mir erzählt, bei ihnen zuhause läuft eine Überwachungs-Kamera. Sie hat es nicht so genannt, sondern gesagt, ihr Mann hat eine Kamera installiert. Was, im Schlafzimmer?, hab ich nachgefragt. Das könnte ich mir noch vorstellen. Nein, unten – sie haben auch eine Wohnung über 2 Etagen. Er ist ein totaler Kontroll-Freak. Und das lässt du dir gefallen? Sie hat getan, als ob es das Normalste von der Welt wär. Formen des Zusammenlebens gibt es, das glaubt man nicht.

Heute wieder Guti-Gutshaus, ab 17 Uhr, zuletzt war ich am 19.6. da. Heute ist es human, 22 Grad, bewölkt, möge sich auch die Zahl der Gäste im unteren Bereich bewegen und der Feierabend so um 22 Uhr herum …

Mittwoch, 1. Juli

Zum Glockenläuten um 8 schreibt meine Schwestern-WhatsApp-Gruppe Nita, Bibi und Tine: Ich wünsch euch einen schönen 1. Juli und mach jetzt erstmal QiGong, Bibi. Und Tine: Ich mach jetzt erstmal Frühstück. Ich reib mir noch verschlafen die Augen und komm erst langsam zu mir, mit Kaffee …

Ich war über 12 Stunden mit Aniko unterwegs, da war ich munter – und jetzt platt, wo hat die Frau bloß die Energie her? Sie unternimmt alles mögliche und mobilisiert mich, wenn ich lieber meine Ruhe haben will. Sie singt, sie tanzt, sie lacht, spielt mir noch Musiktitel vor, wenn ich nicht mehr kann, albert rum, lässt ihren Ehemann Ehemann sein, postet Fotos von uns auf der Dachterrasse, legt sich auf die Couch, wenn sie kurz müde ist, dann weiter …

Aniko kennt meine Geschichte und ermutigt mich, daran zu glauben. All jene, die eine Wiedervereinigung erlebt haben – das weiß ich aus den Youtube-Kommentaren – haben einhellig gesagt: Der Sex war eine Katastrophe! Das kann ich mir gut vorstellen. Sex-Dates sind was anderes als ein Liebespaar.

Dienstag, 30. Juni

Himmlische Ruhe abends auf der Terrasse und wohltuende Abkühlung die ganze Woche. So geht der Juni zu Ende, und mit einem Motivations-Knick in meiner Beziehung zu Guti-Gutshaus. Sonst hat es Spaß gemacht – jetzt überwinde ich mich. Jetzt ist es Masse, statt Klasse – und Überforderung. Was nicht von Herzen getan ist, ist nicht gut getan. Das kann man lieber bleiben lassen. Ich warte den Sommer noch ab. Und die andere Beziehung?

Ja, gar nicht Maik, das ist nicht unsere Zeit, hab ich vorhin laut vor mich hin gesagt – als ob er mir eine Frage gestellt hätte. Was heißt das, Ja?

Montag, 29. Juni

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Wer viel gewinnen will, muss auf die kleinen Dinge achtsam sein. Maria Ward

Wald-Erdbeeren-Foto …

Das hat am Sonnabend eine Weile gedauert, bis alle ihre Boote klar und zum Wasser gebracht hatten. Das sind alles Paddler, die eigene haben. Zum Einsetzen ging es vom Hotel runter und schräg über die Straße, also keine langen Wege. Als dann alle da waren, hat sich unser Bootskorso in Bewegung gesetzt – 4 Boote, eigentlich 5, nur einer von den jungen Leuten hatte Rücken und ist mit dem Auto gefahren, dazu noch ein Wassertreter von Boot-Berg für zwei Nichtpaddlerinnen, eine davon ich, und ein Stand up-Board im Schlepptau. Das war ein schönes Bild. Jana und ich hatten die Logenplätze, die Beinarbeit haben die Männer übernommen auf dem Tretmobil.

Nach Ankunft auf der Badewiese Hüttenberg haben wir uns erstmal ausgebreitet und im Schatten einer großen Eiche verteilt. Die Temperatur lag bei 25 Grad und war damit genau richtig. Der Breite Luzin ist 3,5 Quadratkilometer groß, sowohl im Wasser wie auf der Wiese hat sich alles großflächig verteilt. Ich war die einzige, die richtig schwimmen war, anderthalb Stunden, das war so herrlich, traumhaft! Die anderen haben gebadet oder waren mit Board oder Tretboot unterwegs. Dazu Picknick, zu dem jeder was beigesteuert hat; von mir ein Blech Buttermilchkuchen, den Silvia sich gewünscht hatte. Um 4 war dann Sammeln und dann das ganze in umgekehrter Richtung zurück.

Sonntag, 28. Juni

Mit meiner Ankunft auf dem Hof um halb 2 kam der Wolkenbruch. Ich hab es gerade noch geschafft, mir einen Gurken-Tomaten-Salat von der Frischetheke bei EDK zu holen. Das war so ein rundum schön gelungenes Wochenende – mit 16 Leuten, davon 4 Kinder – dass ich erstmal schlafe. Gestern ging es nonstop vom Frühstück bis Mitternacht, unter anderem eine Paddelboottour über 2 Seen zu einer schönen Badestelle mit Picknick und Schwimmen …

Als ich zurück war, hab ich gemerkt, hier ist es anders schön. Feldberg ruht in sich, Waren als Tourismus-Zentrale sucht die Bewunderung. Das hat Feldberg nicht nötig.

Als ich abends ins Hotel kam, lief Everything I do von Brian Adams. Everything I do, oh, I do it for you. Ich musste lächeln. Ob ich das nochmal höre?

Ich war noch nicht mal angekommen, da hat Sigi schon gefragt, wie es war, und Aniko auch. Ulla hat mich bombardiert mit fast 30 Whatsapps, obwohl sie wusste, ich bin weg, und Christa auch noch etliche. Morgen hätte doch auch noch gereicht. Für mich als Einsiedler-Krebs ist das eine Zumutung und geht weit über meine Grenzen. Andere können das – aber ich kann immer nur eins zur selben Zeit. Wenn ich in Feldberg bin, kann ich nicht in Waren sein. Ich hab das Gefühl, sie wollen mehr Aufmerksamkeit von mir, als dass sie mir ihre geben wollen. Leute, lasst mich in Ruhe.

Donnerstag, 25. Juni

Lars kam nach der Nachtschicht grad verschlafen auf die Terrasse und hat gefragt, ob ich ihm Kaffee für 2 Tassen geben kann, hat er vergessen zu kaufen. Kaffee hab ich immer da, ich kann dir auch ein ganzes Päckchen geben … dann kurze Unterhaltung und dann wurde es uns schon zu heiß in der Sonne. Nachher Treffen mit Tantchen, die heute wieder hier beim Doc ist, zum Mittagessen.

Das war witzig vorhin an der Tanke. Ich zahl mit Karte und die gute Frau an der Kasse sagt: Da staun ich ja, Sie sind unter 25 und müssen die PIN eingeben! Ich stutz – unter 25? Ach so, 24,81 – der Betrag! Unter 25 bin ich nicht, hab ich zu ihr gesagt. Wir haben beide herzlich gelacht. Eine auffallend freundliche Mitarbeiterin!

Heute kam der Plan für Juli von Guti-Gutshaus. Ich hab gleich einen Maßnahme-Plan entwickelt:

  1. Ab sofort fließen 10 % meines Einkommens in Thai-Massagen bei Tam.
  2. Ab August arbeite ich nur noch 2 Tage pro Woche – Aushilfstätigkeit!
  3. Bitte haben Sie Geduld – als Ansage.
  4. Ein dickes Fell zulegen …

Das sind Akut-Maßnahmen, doch ich brauch eine Auszeit auf längere Sicht. Ich hatte schon mal in meinem Leben die Situation, in der Beruf und Mann unbefriedigend waren, woran mein Ehemann schuldlos war. Bis jetzt wusste ich nicht, wohin ich gehen könnte, doch jetzt weiß ich es. Ich brauch nur noch ein Quäntchen Mut, um zum 31. 8. zu kündigen.

Mittwoch, 24. Juni

Wenn ich an die bevorstehenden Hitzetage und Guti-Gutshaus denke, wird mir schlecht. Aber ich kann ja nein sagen. Heiß wird es von heute bis Sonntag und da hab ich frei und bin am Wochenende in der Feldberger Seenlandschaft. Das wird auszuhalten sein. Dann weitersehen …

Bei Martina war es wie in einer Oase. Peter ist auch gekommen und wir haben den ganzen Nachmittag im Garten verbracht. Sie hat ihren Stuhl in die Sonne gerückt, Peter und ich sind eher Typ Halbschatten. Das war richtig schön und harmonisch – und lustig.

Aber ich fahr ihn mal besuchen – das ging nicht so einfach, nur über große Umwege. Vor Laage war die Straße gesperrt. Großräumige Umleitung über Weitendorf und Tessin und A 20 nach Rostock! Der himmlische Koordinator für Verkehr muss schwerhörig sein. Ich wollte über Kessin nach Rostock fahren, nicht über Tessin, das 40 km vom Ziel entfernt liegt.

Dann eben zurück über A 19, hab ich gedacht. Auch nicht viel besser. Kilometerlange Baustellen mit Tempolimit 80 oder 60. In Rostock sowieso das blanke Verkehrs-Chaos.

3 Mal hat mir auf der umgeleiteten Landstraße jemand die Vorfahrt genommen und ist mit 20 km/h unter der angegebenen Höchstgeschwindigkeit vor mir her geschlichen. Das auch noch. Lächle, atme und fahre langsam, hab ich in Abwandlung des Wochen-Gelassenheitsspruchs gedacht. Außerdem bin ich in eine abgelegene, idyllische Landschaft abseits der Bundesstraße gekommen, die ich sonst nie gesehen hätte.

Dienstag, 23. Juni

Ich weiß grad nicht, wie ich damit klar komm. Am Ende steh ich wieder am Anfang, es ist überwältigend. Nur die Ruhe bewahren …

Kann er nicht wie jeder andere, mit dem es vorbei ist, in der Versenkung verschwinden? Nein, kann er nicht.

Na, ich fahr ihn jetzt mal besuchen, oder besser gesagt, den Ort, wo er sich aufhält. Obwohl ich das Gefühl habe, er ist hier.

Als ich bei Manja Nageltante fertig war, war ich nochmal Pipi. Als ich zurückkam, saß schon die nächste auf dem Stuhl. Eine Blondine mit Maske guckt mich an und sagt: Wir kennen uns … Wir kennen uns? – Ja – Ich guck sie an wie ein Alien. Woher? – Von der Arbeit. Von welcher Arbeit?, denk ich. – Ilona – will sie mir auf die Sprünge helfen. Ich durchsuch meine Festplatte, null Treffer, und entscheide mich für: Ach Ilona!, wie gehts dir?, und langsam dämmert es – ehemalige Kripo-Kollegin. Die sah vor 10 Jahren noch ganz anders aus, bei mir scheint sich nichts getan zu haben, sie hat mich gleich erkannt. Als ich draußen war, hab ich noch versucht, auf ihren Nachnamen zu kommen. Als ich dann ein Auto mit IP auf dem Kennzeichen gesehen habe, fiel er mir wieder ein.

Genauso ging es mir mal mit der ehemaligen Sprechstundenhilfe der Kinderärztin meines Sohnes, die auch Kundin bei Manja ist. Das war 20 Jahre her!