Heute ist Sonnabend, der 10. Februar

Rundmail vom Elfenhof:

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe, dass ihr alle gut im Jahr 2018 angekommen seid. Ein 11er Venusjahr erwartet uns, das wird sicher sehr spannend. In diesem Jahr geht es, unter anderem, um einen liebevollen und meisterlichen Umgang mit unserem Gegenüber. Sagt den Menschen in eurem Umfeld, was ihr an ihnen mögt … das ist so wichtig. Viele Menschen können ihr eigenes Licht kaum noch sehen, also machen wir es uns zur Aufgabe, sie daran zu erinnern. Häufig sehen sie gar nicht mehr, wie vielen sie etwas bedeuten und oft scheint es so selbstverständlich, dass wir glauben es nicht mehr sagen zu müssen, weil der Andere es doch weiß …. aber das stimmt eben nicht immer. Also lobt und wertschätzt  sooooo viiiiiiiel es nur geht und ihr werdet sehen, dass es andere, aber auch euch selbst sehr glücklich macht!

Maik hat mir mit keinem Wort gesagt, was ich ihm bedeute. Ich fühle es nur. Dass da öfter Zweifel auftauchen, ist doch nur allzu menschlich. Und ich – ich sage es ihm, in schöne Worte verpackt, aber direkt? Also Maik, hör zu: Du bist der Mann, für den mein Herz schlägt. Ich will keine schönere oder bessere Ausgabe von dir, sondern dich so, wie du bist. Keiner hat es geschafft, mich so für sich einzunehmen – auf Dauer, auf die Entfernung und allen Widerständen zum Trotz.

Heute ist Freitag, der 9. Februar

Am liebsten würde ich mich hier gar nicht mehr weg bewegen, von meinem Kirchturm. Überhaupt nicht und im Winter erst recht nicht. Einmal im Monat fahre ich über die MSE-Grenze, so die Abkürzung der Kreisbezeichnung, um zu sehen, dass die Welt größer ist, als meine kleine hier, und hier nicht endet. Und um nicht schrullig zu werden.

Manchmal – gestern auch – gehe ich meiner Lieblingsbeschäftigung nach und schreibe ihm, über den Abend verteilt, die Gedankengänge in meinen Gehirnwindungen. Gestern ging es um Manuel und seine beruflichen Ambitionen: „Er hat so „viel“ Ehrgeiz wie ich, doch worauf es ankam, hab ich mit Ausdauer erreicht. Als ich in seinem Alter war, hatte ich 2 Kinder groß zu ziehen, einen ungeliebten Job und einen ebensolchen Mann. Irgendwann ist das alles vorbei, habe ich mir gesagt, und den Zeitpunkt dafür festgelegt. Was dann kam, – Maik – hatte ich nicht eingeplant. Dafür konnte ich nicht so einfach den Zeitpunkt festlegen.“ An der Stelle ist er eingeschlummert, das heißt, er hat es nicht mehr gelesen. Sonst hätte ich ihm noch geschrieben: Jetzt hab ich das Uneingeplante – ihn – in mein Leben integriert und kann weiter planen oder besser, mich ziellos treiben lassen … Aber ich denke, das weiß er.

Das ging über 2 Stunden so, von Acht bis Zehn. Vorher war es noch mehr und länger. Jetzt ist es eine gesiebte Auswahl  – ohne Erotik.

Heute ist Donnerstag, der 8. Februar

Ende Oktober war ich mit meinem Sohn beim Baumkronenpfad Ivenacker Eichen. Es war eine Überraschung für ihn. Eine Zeitreise – vor 20 Jahren war das mal ein Familienausflug. Es war ein herrlicher Tag mit ihm und die Fotos davon hat er mir zu Weihnachten geschenkt.

Für mich war es auch eine Überraschung. Im Tiergarten ist dort abseits des Weges ein Geheimnis verborgen: Das Lieschen-Denkmal. Die außergewöhnliche Liebesgeschichte zwischen dem Grafen von Ivenack und Anna Elisabeth Gilow, der Tochter eines Statthalters in der Nähe von Stavenhagen.

Der Stein ist in französischen und lateinischen Worten beschriftet:

„— — — — — gestorben im 22. Jahre, am 17. Novbr. 1775. — Ein Mädchen von gewöhnlicher Herkunft, aber ausgezeichnet durch eine liebliche Figur, ein vortreffliches Herz und eine Fröhlichkeit, welche sich nie verläugneten. Ein Mann, der sie beinahe sieben Jahre hindurch, die gegenseitig mit so vieler Wonne und Freude verstrichen, liebte, hat dieses einfache Monument, ihrer Asche zum Andenken, errichtet, um dadurch zugleich eine schwache Spur seiner Zärtlichkeit, seines Schmerzes um diejenige, welche die Ursache dazu war, zu hinterlassen. — Wanderer, ehre dies Denkmal der Schwäche eines Deines Gleichen, verzeihe ihm seinen Schmerz, und möge der Himmel Dir lieber soviel Glück verweigern, als er es ihm gewährt hatte, wenn es von so viel Bitterkeit begleitet sein muss! —“

7 Jahre … An diesem heiligen Platz hab ich Liebe und Leid der Beiden gefühlt als wär ich es selbst. „Seid gesegnet!“

 

 

 

Heute ist Mittwoch, der 7. Februar

Gestern hab ich ihm was über Bücher, Schreiben und Lesen geschickt. „Schreib ihm doch noch was über das Liebesleben der Pflastersteine auf dem Markt“, sagte mir da eine ironische Stimme, „wenn dir die Themen ausgehen.“ – Ja, gut – ich versuchs mal:

Ein männlicher Stein vor dem Rathaus – oder Standesamt oder Museum – ist alles in einem Gebäude – hat einen weiblichen neben sich liegen, doch das interessiert ihn nicht sonderlich. Das hat sich nur damals so ergeben, als die Steine verteilt wurden. Sein Gegenstück liegt vor dem Haus des Gastes und der Apotheke – ist auch in einem Haus vereint. Er spürt ihre Verbindung und ihre Nähe – wie auch sie ihn spürt – und wär gern bei ihr. Doch er weiß nicht, wie er da hingelangen kann, obwohl es nur ein paar Schritte sind. Er ist so fest verankert, dass er es gar nicht erst versucht, und gibt sich damit zufrieden, dass sie da ist. Und Sie? Sie denkt: Ja, er sollte neben mir liegen. Wenigstens ist er in meiner Nähe … Vielleicht löst er sich mal, soviel Hochzeitspaare wie auf ihn treten, und er findet einen Weg zu mir …

Das Buch, von dem ich geschrieben hab, heißt im Originaltitel The forgotten room. Zitat: „Meine Mutter hat immer gemeint, dass ein Leben in bloßer Zufriedenheit ein fairer Preis für einen einzigen Moment reinsten Glücks sei.“ – Ist das so?

Heute ist Dienstag, der 6. Februar

Gestern hat es geschneit. … Einer, der deine Hand nimmt, und durch den leise fallenden Schnee schreitet … Das ist aus einem Text, den ich ihm mal geschickt habe: „Weise Frau, wilde Frau, reife Muse.“ Endlich ist richtig schöner Winter. Der Februar ist mal wieder eine Jahreszeit. Das andere hätte ich nicht mehr lange ausgehalten. 

Ich halt nicht fest an Maik. Er ist einfach da, vom ersten Tag unserer Begegnung bis jetzt. Neulich hab ich das Buch der Antworten gefragt, ob es zu einem Treffen mit dem Mann kommt, dem ich geantwortet habe. – „Nein“ – Ich kann mir schon einen anderen Oberkörper vorstellen, weiter bin ich noch nicht gekommen. Er hat noch keinen Kopf und kein Unterteil und auch keine Beine – der andere Mann. Ich denk immer nur: Es ist nicht richtig!

Mein Auto ist glimpflich durch den TÜV gekommen. Der Technische Überwachungsverein hatte nur die blinden Scheinwerfer zu bemängeln. Neu polieren macht 2 x 40 Eu. Ein Ersatzmann für das praktische Leben ist auch wie eine neue Politur. Nur die Oberfläche, es geht nicht in die Tiefe. Es ist nur Anpassung an die Gegebenheiten – Resilienz in praxi, psychologisch ausgedrückt.

Viel schreibt Maik nicht. Das mit den Kranichen am Sonntag. Er schreibt nicht mehr, weil er nicht mehr schreiben kann. Was kann ihn dazu bewegen, am Sonntagmorgen bei Null Grad paddeln zu gehen?, hab ich gedacht …

Heute ist Montag, der 5. Februar

Montags-Gelassenheits-Spruch: Das Leben ist zu wichtig, um es ERNST zu nehmen.

Hm, ist von Oscar Wilde. Klingt irgendwie paradox. Ich kenn schönere Sprüche von ihm, zum Beispiel: „Am Ende ist alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“ Das ist sogar mein Lieblingsspruch von ihm. Verständlich …

Ja, und wie sieht es aus mit „Am Ende ist alles gut“? Ich hab dem neuen Mann schon einen Platz eingeräumt, auch wenn er noch gar nicht aufgetaucht ist. So, wie man Platz im Kleiderschrank für jemand schafft, wenn man zusammenzieht. Kann sein, dass er sich diese Woche meldet. Die Anzeige ist erst von letzten Mittwoch. Daran, wie viel Zeit bis dahin vergeht, sehe ich, an welcher Stelle ich auf der Rangliste seiner Zuschriften stehe. Auf Eitelkeiten kommt es mir nicht an. Ich freu mich schon, dass ich es überhaupt kann. Nur, was den Schrank betrifft, bei mir ist keiner ausgezogen, der Platz macht. Ich hoffe und wünsche und glaube es auch, dass ich mit den beiden Männern gut klar komme. „Den einen für’s Grobe, den anderen für’s Feine“ heißt eine Geschichte in meinen „M – Liebesgeschichten“. Damit waren mein Ehemann und Maik gemeint. So soll es diesmal nicht sein, ich will ihn nicht als Ersatz gebrauchen. Eine friedliche Koexistenz, einer im Geist, einer im Leben – wäre die zweitbeste Variante …

Heute ist Sonntag, der 4. Februar

Heute hatte ich die erste Guti-Gutshaus-Schicht in diesem Jahr und das erste Mal seit ich da bin im Schnee. Das Schönste, wenn ich da ankomme ist, dass ich immer Kraniche höre. Das hab ich gleich Maik geschrieben – er beim Paddeln auch, hat er geantwortet. Kraniche – Vögel des Glücks – wenn wir sie beide hören …?! Neben mir stand noch ein weißes Auto mit dem Kennzeichen DS 4400 – das sollen diese Dualseelen-Zeichen sein – so wie Kraniche Vögel des Glücks sein sollen ..

Wie passt dazu mein Entschluss, es jetzt mit einem anderen Mann zu versuchen? Ich konnte mir das nie vorstellen. Aber noch weniger kann ich mir vorstellen, für immer alleine zu leben. Es gibt nur einen Grund, warum ich es jetzt tue: Maik bleibt mir. Meine Freundin hat gemeint, vielleicht wird es mit dem Anderen ja das große Glück. Das Große Glück kann es nicht werden. Wenn es die Mitte zwischen meiner Ehe und Maik wird, kann ich zufrieden sein. „Mit Dir kann ich in den Sternen tanzen, hier unten glückt mir das nicht“, hab ich ihm geschrieben. Vorher hatte ich auch schon mal Anwandlungen, weil sich bei uns gar nichts abgezeichnet hat in positiver Richtung – doch da konnte ich es noch nicht. Jetzt – Sympathie und Wohlwollen vorausgesetzt – kann ich mir eine harmonische Beziehung zumindest vorstellen. So ein Mittelding zwischen Vernunftehe und leidenschaftlichem Begehren …

 

 

Heute ist Sonnabend, der 3. Februar

Mord in der Warener Altstadt: Ein Mann hat am Donnerstag-Mittag eine 67-jährige Anwältin mit mehreren Schüssen getötet. Der Täter flüchtete, die Fahndung war schließlich am Abend erfolgreich.

Mord an Anwältin trifft Waren ins Herz: In Waren wurde gestern eine Rechtsanwältin ermordet. Den ganzen Tag über kannte die Stadt kein anderes Thema. Auf den ersten Schock folgten Angst und Fassungslosigkeit. Gerüchte machten die Runde – am Abend gab es offenbar eine Festnahme.

So die Schlagzeilen und ganzseitigen Artikel mit Fotos. Blumig ausgeschmückt mit Formulierungen wie „bewaffnete Polizeibeamte“ oder „Kripo-Beamte in Zivil“. Polizeibeamte sind immer bewaffnet und Kripo ist immer in Zivil, nur mal nebenbei. Der Reporter hat sogar die Gespräche und Mutmaßungen am Glühweinstand dazu zitiert.

Wenn es hier knallt, dann richtig – es fliegt eine Yacht in die Luft, oder damals die toten Schüler der Abi-Feier auf dem Boot – und jetzt Das. Manuel ist Tatort-Fan und guckt ihn jeden Sonntagabend. Das kann er hier live erleben – es ist 150 m entfernt passiert, gleich bei mir um die Ecke. Er ist auch entsetzt darüber: Und sowas passiert in unserer Stadt …

Der Artikel-Abschluss: Die Straßensperren sind aufgehoben, die 30 Polizisten, die den Täter suchen, sind nicht mehr zu sehen. Die Stadt Waren ist wieder allein. Allein mit ihren Gefühlen, allein mit ihren Ängsten, allein in dem Wissen, dass ein Mensch viel zu früh aus ihrer Mitte gerissen wurde.

Heute ist Freitag, der 2. Februar

2.2. – Im Februar will ich was für Zweisamkeit tun. „Ich habe den ersten Schritt getan in eine neue Richtung, Maik. Dieses Jahr soll schöner werden.“ Das habe ich ihm geschrieben. Wenn man gegen die Umstände nichts ausrichten kann, das macht gefügig, habe ich hier geschrieben. Deshalb habe ich meine Antwort auf „Wünschst du dir auch einen Neuanfang?“ gleich zum Briefkasten gebracht, ehe ich es mir wieder anders überlege. Ich habe ein ruhiges Gefühl dabei. Kann sein, dass Er der Mann ist, den ich gerufen habe. So wie damals Maik. Ich bin nicht für Alleinleben gemacht, keiner ist das. Ich bin an dem Punkt, wo ich sage: Einen netten Mann zum Leben wär schön, wenn es mit dem Richtigen partout nicht möglich zu sein scheint. Es muss nicht aufregend, groß oder überwältigend sein – wie ich es mit Maik erlebt habe. Es reicht das kleine Glück.

Als ich Maik kennengelernt habe, habe ich gesagt: Er ist nicht mein erster Mann, aber mein letzter. Dabei bleibe ich. Daran ändert sich nichts, wenn es jetzt mit diesem klappen sollte. Es ändert sich nichts, weil ich keinen, der noch kommt, heiraten würde. Dualseelen sind verheiratet – Göttlich Vermählte von Anbeginn der Zeit bis in Ewigkeit. Diese Formulierung habe ich mal gelesen. Das erklärt es vielleicht denen, die so eine Verbindung nicht verstehen können, weil sie sie nicht erlebt haben …

Heute ist Montag, der 1. Februar

Neuer Monat, neues Glück? Meine Frust-Toleranz-Grenze ist überschritten. Ich hab was getan, was ich eigentlich nicht mehr wollte. Auf eine Anzeige antworten. Aber: Nach Hause kommt keiner, sagt Manuel. Und der, der mal kam, kam nur, um wieder zu gehen. Also habe ich Darauf geantwortet:

Die Zeit rast an uns vorbei! Wünschst du dir auch einen Neuanfang? Junger Mann, 50 J., 1,85 m, attrakt., liebev., humorv., jung gebl., tanzt gern, NR, öffentl. Dienst! Sucht liebev., romant., leidenschaftl., ehrl. und warmherzige Frau zw. 40 u. 55 J. für eine harmonische Beziehung. Bild u. Handy-Nr. wären nett …

Ein Neuanfang im Neuen Jahr – ja, das wär schön! Ich hab nach langer Zeit mal wieder in „Bekanntschaften männlich“ geguckt und diese hat mich sehr angesprochen und das „Biete und Suche“ stimmt genau überein. Nur beim Alter bin ich etwas über dem Limit. Ich werde aber jünger geschätzt, wenn das wichtig ist. Versuch macht klug. Ich bin 55 + (liegt vielleicht im Toleranzbereich), bin nach meiner Scheidung vor 6 Jahren hierher gezogen, habe Familie und Freunde hier, merke aber immer deutlicher, das ist nicht Alles! Meine Hobbys sind alles, was das Leben an schönen Momenten und Begeisterungen zu bieten hat: Natur, Schwimmen, Radtouren, Lesen, Kino und TANZEN. Ich habe 6 Jahre in einem Hobby-Tanz-Club Standard und Latein getanzt. Nur ohne Mann … Ich würde mich freuen, das wieder aufleben zu lassen. Bisher war Tanzpartner-Suche erfolglos. LG …