Montag, 11. Mai

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

Wir müssen von Zeit zu Zeit eine Rast einlegen und warten, bis unsere Seelen uns wieder eingeholt haben. Weisheit der amerikanischen Ureinwohner

Wenn ich ganz großes Bedürfnis nach Rast habe, geh ich schlafen. Mein Bett ist LIEBE – Wärme und Geborgenheit. Heute mach ich das, mummel mich schön ein und bleib im Bett. Draußen ist es ungemütlich, während gestern Hochsommer war mit 23 Grad. Heute Temperaturschock.

Ein trauriges Schicksal, das du ändern kannst … so fängt eine E-Mail an, die heute von einer Astro-Beraterin kam. Die kenn ich nicht und hab ich auch nicht angefordert. Und so geht es dann weiter: Eine mir fremde Person saß in der Dunkelheit und hatte folgende Gedanken: „Mein Herz ist gebrochen. Meine Erinnerungen tun so weh. Ich muss mein altes Leben zurückbekommen, sonst sterbe ich hier in der Einsamkeit. Es tut mir so leid …“ Diese Person braucht deine Hilfe, Anita. Weißt du, um wen es sich handelt? Ich weiß, dass dir diese Person, die nun in Stille leidet, sehr wichtig ist und war. Es betrifft auch dich und deine Zukunft!!! Euer Schicksal kann noch verändert werden, aber nicht mehr lange! Ruf mich an, bevor es zu spät ist! 0900 …

Ist doch der Hammer, einem sowas zu schicken, noch dazu ungefragt! Wenn es mir nicht zu dumm wär, darauf einzugehen, hätte ich ihr geantwortet: Er wird es alleine schaffen!

 

Sonntag, 10. Mai

Wo ich geglaubt hab, ich bin damit durch, zeigt mir die Corona-Krise jetzt, wie weit ich wirklich mit durch bin. Krise ist der Tiefpunkt bzw. Höhepunkt einer Notlage. Ist der erreicht, wird er zum Wendepunkt. Tiefer abwärts geht’s dann nicht mehr – nur noch aufwärts …

Als erstes ruf ich nachher gleich mein Tantchen an, ich hab ihr gestern versprochen, dass ich mich heut melde. Und nachmittags werd ich wohl Sigi und Aniko zum Muttertags-Kaffee auf der Terrasse einladen. Für Aniko ist es aus zwei Gründen ein trauriger Tag – der erste, sie hat keine Kinder, der zweite, ihre Mutter hatte Ende April Sterbetag und wär dieses Jahr 62 geworden, sagt sie. Kaffee um halb 3 … Wolfgang und Lars sind auch dabei, obwohl sie ja nichts mit Muttertag zu tun haben.

Für mich war’s auch traurig heute. Muttertag, ohne von meinen Kindern was zu hören. Deshalb hab ich sie zum Kaffee eingeladen. Doch vorhin kam ein Video-Anruf von Michael, Tamina und Jonte. Das wär mal schön, hatte ich gehofft. Wunsch erfüllt!

Danach hat Andrea noch geschrieben: Hallo, liebe Mutti, ich gratuliere dir an diesem Tag zu uns Oder wozu gratuliert man eigentlich? Na ja, schön dass es dich gibt! Ja, zu uns, das hat sie schön gesagt.

Kinder und Enkelkind auf Whatsapp, allein statt zu zweit … grad in der Krise jetzt denk ich, an welcher Kreuzung im Leben ich falsch abgebogen bin, dass es jetzt so ist, wie es ist.

Zu zweit war ich nur mit dem einen Mann

Sonnabend, 9. Mai

Grüner Markt ist immer ein sehr sinnliches Vergnügen – alle 14 Tage sonnabends Vormittag. Da find ich immer was besonderes an Blumen oder Köstlichkeiten …

Als ich mit Wolfgang auf der Terrasse saß, der mir gleich geholfen hat, die alte Erde runterzubringen vorm Einpflanzen, kam Lars zerknittert raus. Er hatte Nachtschicht, ich wusste gar nicht, dass er zuhause ist und hab ihn bei seiner Freundin vermutet. Sonst wären wir leiser gewesen. Heute nachmittag stand er dann mit einem Eis in der Hand vor meiner Tür – und einem Blatt Papier in der anderen. Er hat mir seinen Lohnzettel gezeigt und dazu gesagt: Jetzt hab ich soviel wie Brutto und Netto zusammen bei MeckBack!

Mein Badeanzug ist heute auch gekommen. Von vorne gut, von der Rückfront … seh ich nicht mehr aus wie vor zehn Jahren. Werd ich ihn halt mit Selbstbewusstsein tragen, wenn ich ins Wasser gehe. Rauskommen kann ich dann göttlicher. Schwimmen ist mir neben Radfahren das liebste hier. Das ist mein Privileg des Sommers – 3 Monate lang.

22:00 Uhr Wenn ich bei Google Blog Dualseelen eingebe, bin ich auf Platz 8 auf Seite 1. Warum schreib ich dann von Blumenpflanzen und Badeanzug und nicht, was mir wirklich auf der Seele liegt? Weil ich im Moment mehr nicht tun kann …

Dualseelen klingt so weltfern. Es ist einfach der, wo du weißt, er ist es. Er auch, aber er sagt: Nein

Freitag, 8. Mai

Ein langer Text wird vor meinen Augen im Schnelldurchlauf runtergescrollt und ich höre: Achte auch darauf und welchen Knopf du dabei drücken musst. Woher soll ich wissen, welchen Knopf ich … Da bin ich aufgewacht und das Webinar war abrupt zu Ende. Heute ist Portaltag.

Es gibt was zu gucken – unten ist eine Hochzeit, schon die zweite heute! Ein dunkelhaariges Püppchen von Frau und ein Mann wie ein Bär. Er wird sie beschützen. Während ich mir bei manchen Paaren überhaupt nicht vorstellen kann, dass die auch Sex haben, kann ich es mir bei den beiden sehr gut vorstellen. Es sind reizvolle Gegensätze …

Morgen ist Grüner Markt und die Gaststätten haben wieder geöffnet!

Donnerstag, 7. Mai

Lavendel und B-Vitamine – Vollmond ist wieder Wetterumschwung und emotional Unruhe. Ich wärm mich, ich umarm mich und ich red mir gut zu … Mal gucken, was U-nautic unten nachher schönes zu Mittag hat, vorher lohnt sich das Aufstehen gar nicht. Gestern Kesselgulasch, heute … auch. Alle zwei Tage wechselt das Gericht. Also nehm ich die Glasnudeln aus meinem veganen Probeeinkauf, eine Packung Asia-Gemüse dazu, fertig. Morgen wieder U-nautic-Kombüse.

Mittwoch, 6. Mai

So schön wie die Bilder sind, meine größte Freude wär, euch alle wiederzusehen, hab ich gestern in der WhatsApp-Gruppe mit meinen Kindern geschrieben. Jo Mutti, gleichfalls, hat meine Tochter geantwortet. Und ich hab zurückgeschrieben: Darauf freu ich mich, Andrea. Darauf freu ich mich sehr.

Nächste WhatsApp-Antwort: Ach, liebe Manja! The best message ever! Kannst du mich vor dem 27. im Terminkalender unterbringen? Wenn nicht, hab ich Verständnis, wenn JA wär es Mega! Liebste Herzensgrüße bis bald!

Ab morgen dürfen Nagelstudios und andere körpernahe Dienstleistungen, wie auch Tams Thai-Massage, wieder öffnen. Seit der Brunnen unten wieder sprudelt, kommt alles ins Fließen, als hätte es nur seines Startsignals bedurft. Es geht endlich aufwärts jetzt …

Eine um den Werder Wald erweiterte Radtour um den Tiefwarensee, Mittag am U-nautic-Stand, Dana, Tino und Lars bei Rossmann getroffen, wo ich mir Nervenfutter gekauft hab, in EDK Zitronensaft vergessen, weshalb ich hauptsächlich da war – das war der verlängerte Vormittag mit Bewegung und Sonnenschein.

Danach kann ich heute bestimmt gut schlafen, und allen die das lesen, wünsche ich es auch. Hinterher hab ich die Fotos davon in meinen WhatsApp-Status gesetzt, zum ersten Mal, und schöne Reaktionen darauf bekommen. Sohnemann Michael hat geschrieben: Hui mit zwei Herzaugen. Das mach ich jetzt öfter. Dann hab ich mir noch einen schönen Badeanzug bestellt. Ich hoffe, er sieht genauso gut aus wie auf dem Foto.

Dienstag, 5. Mai

Healy-Jane kann jetzt laufen. Sie ist jetzt ein Jahr und 3 Monate. Lars hat mir ein Video gezeigt, aber sie verzieht nicht eine Miene, völlig unbewegliches Gesicht. Das ist ein krasser Gegensatz zu Jonte. Michael hat gestern Abend auch 15 Fotos und Videos von ihm geschickt. Erstmal sieht er aus wie Jonte, der Engel – ganz blond und blaue Augen, und seine Mimik ist unübertroffen! Sein Ich-bin-9-Monate-alt-Foto hatten sie schon im Kasten, schreibt er, aber dann ist die Speicherkarte abgeschmiert. Kommentar meiner Tochter: Find ich ja ein bisschen lustig, dass das dem IT-Profi passiert. Jetzt wollen sie die Tage nochmal neue Aufnahmen machen.

Ist das wieder kalt geworden. Ich frier bis auf die Knochen und hab die Heizung wieder angedreht. Gleich kommt Sigi zum Morgenkäffchen. Ich hab sie eingeladen, doch eigentlich hab ich dafür in meinem Hochsensibilitätsgefüge gerade keinen Platz. Abgeschiedenheit und Rückzug bekommen mir grad besser. Meine weltoffenen Tage sind dafür günstiger. Das merk ich aber auch erst jetzt in dieser Zwangspause so richtig, dass es mir um so besser geht, je mehr ich mich zurückziehen kann, wenn mir danach ist. Wie oft bin ich zu Guti-Gutshaus gefahren, wenn mir so gar nicht nach Leuten war. Das war anstrengend. Wenn das jetzt für was gut ist, dann dafür, dass jeder die beste Beziehung zu sich selbst schaffen kann. Auch wenn es manchmal holprig ist.

Holprig ist stark untertrieben. Ich könnte die Wände hochgehen. Die beste Beziehung zu sich selbst schaffen heißt bei mir, aufhören zu fragen: Warum bin ich nicht wie alle anderen? Und statt dessen zu sagen: Nicht das schwarze Schaf ist anders, die weißen sind alle gleich. Und es als Gabe und Geschenk zu sehen und anzunehmen. Warum hab ich es nicht gemacht? Weil ich dachte, dass es meiner anderen Herzhälfte nicht gefallen würde, wenn ich so bin wie ich bin. Hallo, Liebe?

Ich hab gestern Abend geredet mit ihm, ohne Vorwürfe und Erwartungen Er war hier und hat mir zugehört. Es war vertraut und doch ganz anders als sonst. Anziehung ohne Sex.

Montag, 4. Mai

Neuer Montags-Gelassenheitsspruch:

NICHTS BRINGT UNS AUF UNSEREM WEG BESSER VORAN ALS EINE PAUSE. Elisabeth Barrett Browning

Die haben wir jetzt.

Frisörtermin in Rostock in 14 Tagen, Frisörtermin in Waren in 14 Tagen. Da kann ich auch warten und nach Rostock fahren, wo ich zufrieden bin mit dem Ergebnis. Dafür war es bei Dana schön und ich geh wieder wie auf Wolken. Und wenn die Fingernägel schon unansehnlich sind, dann sind wenigstens die Zehennägel hübsch lila lackiert. Wer jetzt denkt, andere Sorgen hab ich nicht – doch. Ich schreib sie nur nicht. Nach dem Motto: Wenn du nicht positiv sein kannst, sei wenigstens still.

Irgendwas ist anders heute Abend, hab ich gedacht, nicht so eine Stille. Der Brunnen des Lebens – er sprudelt wieder auf dem Markt!

Sonntag, 3. Mai

Morgen Mittag um 12 bin ich bei Dana. Bei ihr liegen auch die Nerven blank, hat sie geschrieben. Was zuviel ist, ist zuviel, ich bin auch nur ein Mensch. Es ist nicht nur zuviel, es ist auch zu lange. Das geht mir schon so, ohne dass ich Verpflichtungen habe, verkrümel ich mich lieber, wie muss es da erst bei ihr sein mit ihrer Praxis. Das seh ich als ganz besonderen Luxus-Termin jetzt – schöne Füße! Neben meinem üblichen Frühstück werd ich einen Tulpenstrauß und die Maxi-Packung Merci mitnehmen als Dankeschön.

Abends halb 8, immer noch läuten die Corona-Glocken. Es geht an die Substanz der Seele, was jetzt ist.

Sonnabend, 2. Mai

Den süßen Jonti hab ich glaub ich im Januar zuletzt gesehen. Meinen süßen Jonti will ich nicht schreiben, denn gar nichts ist mein, außer ich selber. Da braucht nur so eine Erschütterung zu kommen wie jetzt, um das zu erkennen. Bindung entsteht durch Sehen und Berühren, nicht durch Fotos und Videos. Er kennt mich gar nicht, so selten, wie wir uns sehen. Heute ist er 9 Monate!

Mein Frisör, meine Nageltante, mein Guti-Gutshaus – es fällt weg und wird zur Illusion. Krisensicher dagegen sind meine Marienkirche, meine Müritz, mein Nationalpark.

Jonte hat doch eine Verbindung zu mir. Als ich das heute früh um 4 geschrieben habe, bin ich um 5 wieder ins Bett gegangen. Dann hab ich von ihm geträumt. Ich hab ihn gefragt, ob er weiß, wer ich bin. Nein, sag mal … Ich hab ihn angelächelt und er hat gesagt: Dann bist du meine Oma aus Waren … Er hat richtig mit mir gesprochen und ich weiß  schon, wie seine Stimme einmal sein wird. Er fühlt das Band zwischen uns.

Mai, der schönste aller Monate … gestern wurden unten auf dem Markt rote Samtstühle mit Sicherheitsabstand aufgestellt, über 50. Erst hab ich gedacht, soll das ein Konzert werden? Dann hab ich den weiteren Verlauf gesehen. Auf jeden Stuhl kam ein Bild von einem Haus der Warener Hotelgemeinschaft und ein rotes Grablicht. Schilder mit: Gastro auf – jetzt! KuG 80 % sofort! Wir wollen Arbeit! Um 5 nach 12 fing die Demo an – hinter jedem Stuhl stand ein Mitarbeiter des jeweiligen Hotels. Erst wollte ich es mir von oben ansehen, bin dann aber doch runtergegangen aus Solidarität. Es betrifft mich ja auch. Das waren zu Herzen gehende Reden.